Pressemitteilung: 12.561-152/21

Beinahe ein Drittel der 2020 Lebendgeborenen kam per Kaiserschnitt zur Welt; 7,0% waren Frühgeborene

Wien, 2021-07-08 – Im Jahr 2020 wurden in Österreich 82.950 Kinder lebend geboren. Laut Statistik Austria wog ein neugeborenes Mädchen dabei durchschnittlich 3.266 Gramm und war 50,3 cm lang. Buben waren mit 3.395 Gramm etwas schwerer und mit 51,0 cm auch größer. 30,1% der 2020 Lebendgeborenen wurden mit Kaiserschnitt entbunden; bei 13,6% war es ein ungeplanter Kaiserschnitt, bei weiteren 16,6% war der Kaiserschnitt geplant. 5.774 Babys kamen vor der 37. Schwangerschaftswoche und damit zu früh zur Welt. Das entspricht einer Frühgeborenenquote von 7,0%.

Nur 1,9% der Babys außerhalb eines Krankenhauses geboren

98,1% der Babys wurden in einem Krankenhaus geboren, bei 278 Lebendgeborenen entschied sich die Mutter für eine Geburt in einem Entbindungsheim oder einer Hebammenpraxis. In nur 1,9% dieser Fälle blieb die Mutter weniger als 24 Stunden im Spital bzw. Entbindungsheim ("ambulante Geburt"). 1.180 Babys kamen zu Hause zur Welt, 33 wurden auf dem Weg ins Spital geboren.

Trend zu immer späterer Mutterschaft

Das durchschnittliche Alter der Mutter zum Zeitpunkt der Geburt lag 2020 bei 31,3 Jahren, das sind um 4,2 Jahre mehr als vor 30 Jahren (1990: 27,1 Jahre). Im gleichen Zeitraum erhöhte sich das Durchschnittsalter der Frauen, die zum ersten Mal Mutter wurden, von 25,0 Jahren auf aktuell 30,0 Jahre. Der Anteil der Mütter, die bei der Geburt ihres Kindes unter 20 Jahre alt waren, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verringert (1990: 5,9%; 2020: 1,3%), jener der Frauen, die mit 35 Jahren oder später Mütter wurden, hat sich hingegen mehr als verdreifacht (1990 6,9%; 2020: 23,9%).

Mit zunehmendem Gebäralter steigt Wahrscheinlichkeit einer Kaiserschnittentbindung

62,4% der Neugeborenen wurden 2020 spontan entbunden, bei 7,4% wurde eine Saugglocke eingesetzt. Nur ganz selten kamen Neugeborene mit Hilfe einer Geburtszange zur Welt (2020 bei 33 Geburten). Die österreichweite Kaiserschnittquote lag 2020 wie im Vorjahr knapp über 30% und hat sich somit seit dem Jahr 1995 (12,4%) mehr als verdoppelt. Die Unterschiede in den Kaiserschnittquoten reichten von 25,9% in Vorarlberg, 26,2% in Oberösterreich und 26,9% in Salzburg über 29,2% in Niederösterreich und 30,4% in Wien bis 33,3% in Kärnten, 34,1% in Tirol, 34,2 im Burgenland und 34,9% in der Steiermark.

Das Gebäralter von Frauen mit Kaiserschnitt war durchschnittlich etwas höher als jenes der spontan gebärenden Frauen (32,1 Jahre gegenüber 30,9 Jahren). Bei Schwangeren, die 35 Jahre oder älter waren, wurde 1,6 Mal häufiger ein Kaiserschnitt vorgenommen als bei Frauen unter 25 Jahren (Kaiserschnittrate 37,4% gegenüber 23,6%).

Ein wesentlicher Indikator für die medizinische Notwendigkeit einer Kaiserschnittentbindung ist die Lage des Kindes im Mutterleib. So erfolgte bei regelwidriger Schädellage in etwa der Hälfte der Fälle (53,0%), bei Querlage bzw. Beckenendlage sogar in den allermeisten Fällen (94,3% bzw. 98,6%) ein Kaiserschnitt. Aber auch bei regelrechter Schädellage kam ein Viertel der Babys durch einen Kaiserschnitt zur Welt.

Rund 6% der Einzelgeborenen und 58% der Mehrlingsgeborenen waren Frühgeburten

92,7% der Lebendgeburten erfolgten termingerecht, d. h. zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche. 7,0% waren zu früh und 0,2% übertragen. Damit sank die Frühgeborenenquote gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte. Den bisherigen Höchstwert an Frühgeborenen gab es im Jahr 2008 mit 8,9%.

Der Anteil Neugeborener mit geringem Geburtsgewicht verringerte sich gegenüber dem Vorjahr um 0,6%; somit wogen 2020 5,8% der Babys weniger als 2.500 Gramm. Ein hohes Geburtsgewicht von 4.500 Gramm und mehr wiesen 1,4% der neugeborenen Buben und 0,5% der Mädchen auf.

Bei Mehrlingsgeborenen kommen Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht wesentlich häufiger vor. 57,7% der 2.331 als Zwilling oder Drilling Geborenen kam vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt; bei 57,4% lag das Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm. Bei Einzelgeborenen lagen diese Anteile bei 5,5% bzw. 4,4%.

Detaillierte Ergebnisse finden Sie auf unserer Webseite sowie im Jahrbuch der Gesundheitsstatistik.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Gesetzliche Grundlagen für die Geburtenstatistik sind das Personenstandsgesetz (BGBl. I Nr. 16/2013 idgF) sowie das Hebammengesetz (BGBl. Nr. 310/1994 idgF), die jene Merkmale festlegen, die bei einer Geburt von der Hebamme zu melden sind. Zuletzt erfolgte mit der Einrichtung eines zentralen Personenstandsregisters (ZPR) per 1.11.2014 eine Überarbeitung der medizinischen und sozialmedizinischen Erhebungsmerkmale auf dem Geburtenblatt. 
Lebendgeboren: Unabhängig von der Schwangerschaftsdauer gilt eine Leibesfrucht dann als lebend geboren, wenn nach dem vollständigen Austritt aus dem Mutterleib entweder die Atmung einsetzt oder irgendein anderes Lebenszeichen erkennbar ist, wie Herzschlag, Pulsation der Nabelschnur oder deutliche Bewegung willkürlicher Muskeln, gleichgültig, ob die Nabelschnur durchschnitten ist oder nicht bzw. ob die Plazenta ausgestoßen ist oder nicht (Definition nach den WHO-Richtlinien). 
Entbindungsort: Als Anstaltsgeburt bezeichnet man eine Geburt in einer Krankenanstalt. Eine Geburt kann auch in einem Entbindungsheim oder einer Hebammenpraxis stattfinden. Eine Hausgeburt ist eine Geburt am Wohnort der Mutter. Kommt das Baby auf dem Weg ins Spital zur Welt, wird "Am Transport" kodiert. 
Gebäralter: Alter der Mutter in vollendeten Jahren zum Zeitpunkt der Geburt. Das Durchschnittsalter der Mutter ist das arithmetische Mittel des Alters der Frauen zum Zeitpunkt der Geburt. 
Schwangerschaftsdauer: wird angegeben in vollendeten Wochen plus Tagen (der nächsten angefangenen Woche). Bei einer Schwangerschaftsdauer von 22+0 bis 36+6 spricht man von frühgeboren, bei 37+0 bis 41+6 von einer Termingeburt, von 42+0 und mehr von einer übertragenen Geburt (Definition nach den WHO-Richtlinien). 
Geburtslage: Die Lage des Kindes bei der Geburt bezeichnet das Verhältnis der Längsachse des Kindes zur Längsachse der Mutter bzw. des Uterus. Man unterscheidet dabei zwischen regelrechter Schädellage, regelwidriger Schädellage, Beckenendlage, Querlage und unbekannt/nicht bestimmbar. 
Geburtsgewicht: Lebendgeborene mit einem Geburtsgewicht von 2.500 g bis unter 4.500 g gelten als normalgewichtig; jene mit weniger als 2.500 g als untergewichtig, bei Werten von 4.500 g oder mehr spricht man von sehr hohem Geburtsgewicht (Definition nach den WHO-Richtlinien).

 

Tabelle 1: Lebendgeborene1) 2020 nach ausgewählten medizinischen Merkmalen
Merkmalabsolutin Prozent
Lebendgeborene insgesamt82.950100,0
Entbindungsort  
Krankenanstalt81.38198,1
Entbindungsheim/Hebammenpraxis2780,3
Wohnung der Mutter1.1801,4
Am Transport330,0
Sonstiger Ort780,1
Alter der Mutter bei der Geburt  
Unter 20 Jahre1.0621,3
20 bis 24 Jahre8.45310,2
25 bis 29 Jahre24.44629,5
30 bis 34 Jahre29.28135,3
35 bis 39 Jahre16.17319,5
40 bis 44 Jahre3.2904,0
45 Jahre und älter2450,3
Durchschnittliches Gebäralter (in Jahren)31,3.
Entbindungsart  
Spontangeburt51.79162,4
Kaiserschnitt insgesamt25.00530,1
   primär (vor Geburtsbeginn, geplant)13.74416,6
   sekundär (während der Geburt, nicht geplant)11.26113,6
Saugglocke6.1127,4
Zangengeburt330,0
Manualhilfe90,0
Lage des Kindes bei der Geburt  
Regelrechte Schädellage74.03289,2
Regelwidrige Schädellage4.5745,5
Beckenendlage3.8754,7
Querlage4160,5
Unbekannt/nicht bestimmbar530,1
Schwangerschaftsdauer2)  
unter 22+0590,1
Frühgeburt (22+0 bis 36+6)3)5.7747,0
Termingeburt (37+0 bis 41+6)76.91792,7
Übertragene Geburten (42+0 und mehr)2000,2
Durchschnittliche Schwangerschaftsdauer (in Wochen)39,3.
Geburtsgewicht  
Untergewichtige (unter 2.500 g)4.8465,8
Normalgewichtige (2.500 bis unter 4.500 g)77.30293,2
Übergewichtige (4.500 g und mehr)8021,0
Durchschnittliches Geburtsgewicht (in Gramm) - insgesamt3.333.
   - Buben3.395.
   - Mädchen3.266.
Körperlänge in cm  
Durchschnittliche Körperlänge (in cm) - insgesamt50,7.
   - Buben51,0.
   - Mädchen50,3.

 

Tabelle 2:  Lebendgeborene1) 2020 nach Bundesland und ausgewählten medizinischen Merkmalen
MerkmaleBurgenlandKärntenNiederösterreichOberösterreichSalzburgSteiermarkTirolVorarlbergWien
Lebendgeborene insgesamt2.0944.53214.53914.6145.71010.8777.4304.15818.996
Geburten in Krankenanstalten in % 97,897,397,498,498,998,198,898,898,1
Kaiserschnittrate in %34,233,329,226,226,934,934,125,930,4
Untergewichtige in %5,86,35,75,05,66,06,46,66,1
Durchschnittl. Geburtsgewicht in Gramm3.3223.3033.3503.3693.3243.3123.2793.3223.338
Durchschnittl. Körperlänge in cm50,350,950,650,850,950,750,451,150,6
Frühgeborenen-quote2) in %7,87,87,06,16,67,37,87,06,8

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Jeannette KLIMONT, Tel.: +43 1 71128-8277 bzw. jeannette.klimont@statistik.gv.at

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