Pressemitteilung: 12.551-142/21

Arbeitsmarkt im 1. Quartal 2021: weiterhin deutlich von der COVID-19-Pandemie geprägt

Wien, 2021-06-28 – Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, etwa die geschlossene Gastronomie und Hotellerie, haben den österreichischen Arbeitsmarkt auch zu Jahresbeginn 2021 weiter belastet. So gab es im 1. Quartal 2021 laut Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung von Statistik Austria 4.118.900 Erwerbstätige im Haupterwerbsalter, nach neuer Definition schätzungsweise um 83.400 bzw. 2,0% weniger als im 4. Quartal 2020. Die Arbeitslosenquote nach neuer EU-Definition lag bei 7,9%, um 2,0 Prozentpunkte über dem Vorquartal. Neben den Folgen der Corona-Pandemie ist der wesentliche Grund für diesen Anstieg der Saisoneffekt in der Baubranche. Erste positive saisonbedingte Signale zeigen sich bei den offenen Stellen, die im 1. Quartal 2021 im Vergleich zum Vorquartal um 5% auf 111.800 leicht angestiegen sind. Jede bzw. jeder vierte Erwerbstätige hat im 1. Quartal von zu Hause aus gearbeitet, die meisten davon pandemiebedingt.

Saisonbedingt weniger Erwerbstätige als im Vorquartal

Eine neue EU-Verordnung führt bei der Arbeitskräfteerhebung zu einer Reihe von Änderungen, welche die Ergebnisse nachhaltig beeinflussen. So werden ab 2021 beispielsweise Personen, die mehr als drei Monate vom Arbeitsplatz abwesend sind (z. B. Kurzarbeit) zu Nicht-Erwerbstätigen gezählt. Doch auch nach Bereinigung um diese Definitionsänderungen ist die Zahl der Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren im Vergleich zum Vorquartal um 83.400 bzw. 2,0% auf 4.118.900 zurückgegangen. Der Löwenanteil dieses Rückgangs ist dabei saisonbedingt und auf die Baubranche zurückzuführen.

Die Erwerbstätigenquote betrug im 1. Quartal insgesamt 70,5%, bei Männern 74,4%, bei Frauen 66,6%. Die Quote der Männer liegt dabei in allen Altersgruppen über jener der Frauen, weil Frauen zur Kinderbetreuung häufig zumindest temporär aus dem Erwerbsleben ausscheiden und auch früher in die Alterspension wechseln. Häufig sind es dann vor allem Frauen die nach dem Wiedereinstieg auf Teilzeitbasis arbeiten. So gab fast jede zweite Frau (48,4%) aber nur gut jeder zehnte Mann (11,3%) an, Teilzeit zu arbeiten.

Stark gestiegene Arbeitslosigkeit

Eine ebenfalls bedeutende Änderung betrifft Arbeitslose nach internationaler Definition: Ab 2021 gelten Personen mit einer Wiedereinstellungszusage mehrheitlich als Arbeitslose, was insbesondere für Saisonarbeitskräfte in der Nebensaison zutrifft. Bis 2020 zählten diese Personen noch großteils zur "stillen Reserve" der Nicht-Erwerbspersonen. Diese Änderung bedingt einen methodischen Anstieg der Arbeitslosigkeit, der je nach Quartal unterschiedlich stark ausfällt. Doch auch um diese Definitionsänderung bereinigt, ist die Zahl der Arbeitslosen nach internationaler Definition gegenüber dem 4. Quartal 2020 deutlich auf 360.400 im 1. Quartal 2021 angestiegen. Dieser Anstieg ist zu einem großen Teil ebenfalls saisonbedingt auf die Baubranche zurückzuführen.

Bedingt durch die Definitionsänderungen nähert sich die Zahl der Arbeitslosen nach internationaler Definition jener des Arbeitsmarktservice (nationale Definition) an, liegt jedoch weiterhin unter deren Niveau. Die Zahl der Arbeitslosen laut nationaler Definition betrug im 1. Quartal 428.800.

Die Arbeitslosenquote nach neuer EU-Definition betrug 7,9%. Bei den Männern waren 8,4%, bei den Frauen 7,4% von Arbeitslosigkeit betroffen. In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen lag die Arbeitslosigkeit mit 13,3% am deutlichsten über dem Durchschnitt. Je niedriger das Ausbildungsniveau, desto höher die Arbeitslosenquote. So wiesen Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss eine mehr als dreimal so hohe Arbeitslosenquote auf (17,1%) wie jene mit akademischem Abschluss (4,9%). Ebenfalls große Unterschiede zeigen sich bei der Staatsangehörigkeit. Österreicherinnen und Österreicher (6,0%) waren deutlich seltener arbeitslos als Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft (16,3%).

Insgesamt 29,3% bzw. 105.600 Personen gehörten zur Gruppe der Langzeitarbeitslosen, sind also seit mindestens einem Jahr arbeitslos nach internationaler Definition. Die Langzeitarbeitslosenquote betrug im 1. Quartal 2021 insgesamt 2,3%.

Wieder etwas mehr offene Stellen

Die Zahl der offenen Stellen stieg im Vergleich zum Vorquartal wieder leicht an und lag im 1. Quartal 2021 bei 111.800. Das entspricht einem – teils saisonbedingten – Anstieg um 5% gegenüber dem Vorquartal (4. Quartal 2020: 106.700 offene Stellen).

Der Anstieg der offenen Stellen im Vergleich zum Vorquartal ist fast gänzlich auf den produzierenden Bereich und damit auf ein saisonales Muster zurückzuführen. Hier konnte ein Zuwachs um 20% auf 33.500 offene Stellen verzeichnet werden. Im Dienstleistungsbereich blieb die Anzahl der offenen Stellen im Vergleich zum Vorquartal annähernd gleich, im öffentlichen Bereich war ein Rückgang zu beobachten.

Knapp jede fünfte erwerbstätige Person arbeitete coronabedingt von zu Hause aus

Im 1. Quartal 2021 haben 26,6% der Erwerbstätigen zum Befragungszeitpunkt von zu Hause aus gearbeitet, 18,5% davon pandemiebedingt. Etwa ein Viertel der zum Befragungszeitpunkt Erwerbstätigen übten ihre Tätigkeiten in Form von Telearbeit, also mittels PC und/oder Smartphone aus (26,1%). Mit steigendem Bildungsniveau und mit höherer beruflicher Qualifikation wurde häufiger von zu Hause aus gearbeitet. Frauen waren etwas häufiger wegen Corona im Homeoffice als Männer (Frauen: 19,6%; Männer: 17,6%). Zu den Branchen mit den höchsten Homeoffice-Anteilen zählen "Information und Kommunikation" (65,9%), "Finanz- und Versicherungsdienstleistungen" (58,2%) sowie "Erziehung und Unterricht" (53,1%).

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Bei der europäischen Arbeitskräfteerhebung (AKE), die in allen Mitgliedsländern der EU stattfindet, werden in zufällig ausgewählten privaten Haushalten Informationen zu Erwerbstätigkeit und Arbeitsuche in standardisierter Form erhoben. In Österreich wird die AKE im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt – eine Stichprobenerhebung, bei der wöchentlich ca. 1.500 Haushalte befragt werden. Diese Daten werden auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet.  
Seit 2021 gelten folgende Konzepte:  
Erwerbstätige nach internationaler Definition: Nach dem ILO-Konzept gelten Personen dann als erwerbstätig, wenn sie in der Referenzwoche mindestens eine Stunde als Unselbständige, Selbständige oder mithelfende Familienangehörige gearbeitet haben. Haben sie aufgrund von Urlaub, Zeitausgleich, Altersteilzeit, anderer Arbeitszeitregelung, Krankheit, beruflicher Aus- und Weiterbildung oder Mutterschutz/Papamonat nicht gearbeitet, gehen aber ansonsten einer Arbeit nach, gelten sie als erwerbstätig. Ebenfalls zu den Erwerbstätigen zählen: Personen, die aus einem sonstigen Grund für maximal drei Monate vom Arbeitsplatz abwesend sind; Personen in Elternkarenz (mit Bezug von Kinderbetreuungsgeld und einem Rückkehrrecht zum Arbeitgeber oder einer Karenzdauer von maximal drei Monaten); Lehrlinge; Saisonarbeitskräfte, die zwar saisonbedingt in der Referenzwoche nicht gearbeitet haben, aber in der Nebensaison regelmäßig für den Betrieb arbeiten. Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen.  
Arbeitslose nach internationaler Definition: Personen, die nicht erwerbstätig sind (s. o.) und in der Referenzwoche oder den drei vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben. Ebenfalls als arbeitslos gelten Personen, die bereits eine Jobzusage haben und diesen Job innerhalb von drei Monaten antreten. Zusätzlich dazu müssen sie innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen können.  
"Stille Arbeitsmarktreserve" (auch "stille Reserve") nach internationaler Definition: Nicht-Erwerbspersonen (Personen, die laut internationaler Definition weder erwerbstätig noch arbeitslos sind) im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in der Referenzwoche und den drei Wochen davor nicht nach Arbeit gesucht haben, aber grundsätzlich gerne arbeiten würden und innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche zu arbeiten beginnen könnten. 
Telearbeit: Personen, die zumindest fallweise mit PC und/oder Smartphone von zu Hause aus gearbeitet haben. Seit Beginn des 2. Quartals 2020 wurden im Rahmen der AKE vier freiwillig zu beantwortende Zusatzfragen zur Arbeitssituation in Zeiten der COVID-19-Pandemie gestellt. Die Fragen waren an alle Personen gerichtet, die in der Referenzwoche gearbeitet haben und zusätzlich in den letzten vier Wochen von zu Hause aus gearbeitet haben. Personen, die in den letzten vier Wochen nie von zu Hause aus gearbeitet haben, wurden der Gruppe "keine Arbeit von zu Hause" zugeordnet. 
Aufgrund der Änderungen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung ist ein Vergleich mit zuvor veröffentlichten Ergebnissen nur sehr eingeschränkt möglich. 
Sämtliche Veröffentlichungen der Quartals- und Jahresergebnisse bis 2020 bleiben in der ursprünglich publizierten Form bestehen. Für die Gruppe der Erwerbstätigen und Arbeitslosen bietet Statistik Austria zusätzliche Zeitreihen für Männer und Frauen an, um zu zeigen, wie die Ergebnisse in der Vergangenheit mit der neuen Definition ab 2021 ausgesehen hätten. Damit können Erwerbstätige und Arbeitslose nach alter und neuer Definition ohne Zeitreihenbruch miteinander verglichen werden. Weitere Informationen zu den Änderungen können den
FAQ (PDF, 628 KB) entnommen werden. 
Offene Stellen: Die Offene-Stellen-Erhebung von Statistik Austria wird seit dem 1. Quartal 2009 für die Wirtschaftsabschnitte B bis S der ÖNACE 2008 laufend durchgeführt. Insgesamt werden pro Quartal rund 6.000 Unternehmen befragt.

 

Tabelle 1: Hauptergebnisse der Arbeitsmarktstatistik (internationale Definitionen), 1. Quartal 2021
 Einheit1. Quartal 2021
Erwerbstätigkeit (ILO-Konzept)
Erwerbstätige (ab 15 Jahren)1.0004.189,90
Erwerbstätige (15 bis 64 Jahre)1.0004.118,90
Erwerbstätigenquote1) (15 bis 64 Jahre)%70,5
   Männer%74,4
   Frauen%66,6
   Jugendliche (15 bis 24 Jahre)%47,4
   Ältere (55 bis 64 Jahre)%53,5
   Österreichische Staatsangehörige%72,2
   Ausländische Staatsangehörige%63,3
Unselbständig Erwerbstätige1.0003.694,00
   Männer1.0001.906,30
   Frauen1.0001.787,70
Selbständig Erwerbstätige1.000444,6
   Männer1.000289,7
   Frauen1.000154,9
Mithelfende1.00051,3
Land- und Forstwirtschaft1.000155
Industrie und Gewerbe1.0001.031,30
Dienstleistungen1.0003.003,70
Arbeitslosigkeit (ILO-Konzept)
Arbeitslose1.000360,4
Arbeitslosenquote2)%7,9
   Männer%8,4
   Frauen%7,4
   Jugendliche (15 bis 24 Jahre)%13,3
   Ältere (55 bis 64 Jahre)%7
   Österreichische Staatsangehörige%6
   Ausländische Staatsangehörige%16,3
Nicht-Erwerbspersonen1.0001.361,00
   Stille Arbeitsmarktreserve1.000100,5
Offene Stellen
Offene Stellen (ÖNACE 2008 B-S)1.000111,8
Offene-Stellen-Quote3)%2,8

 

Tabelle 2: Erwerbstätige nach Telearbeit, Geschlecht und ausgewählten Wirtschaftszweigen, 1. Quartal 2021
MerkmaleIn Referenzwoche gearbeitet insg.Keine Arbeit von zu HauseArbeit von zu Hause Darunter:
Telearbeit (mit PC bzw. Smartphone)Keine Angabe auf die Frage nach Arbeit von zu Hause
wegen
Corona
Insgesamt in 1.0003.700,72.570,5986,2685,2967,2144,1
Männer in 1.0002.023,01.413,4528,3356,8517,681,3
Frauen in 1.0001.677,71.157,0457,9328,4449,662,8
Insgesamt in %100,069,526,618,526,13,9
Männer in %100,069,926,117,625,64,0
Frauen in %100,069,027,319,626,83,7
Ausgewählte Wirtschaftszweige (ÖNACE 08); Männer und Frauen in 1.000
F Bau235,1201,727,815,527,8(5,6)
G Handel552,1443,495,259,394,013,5
I Beherbergung und Gastronomie129,0109,617,39,716,2(x)
J Information und Kommunikation121,629,580,158,879,812,0
K Finanz- u. Versicherungsdienst-leistungen124,743,772,662,472,68,3
P Erziehung und Unterricht255,999,5135,898,7134,720,7
Q Gesundheits- und Sozialwesen412,6353,852,030,050,8(6,8)
R Kunst, Unterhaltung und Erholung52,324,224,613,323,8(x)

Rückfragen zum Thema beantwortet das Team der Arbeitskräfteerhebung in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria, unter ake@statistik.gv.at  

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