Pressemitteilung: 12.544-135/21

Knapp ein Viertel der Bevölkerung in Österreich hat Migrationshintergrund

Wien, 2021-06-10 – Im Durchschnitt des Jahres 2020 lebten laut Statistik Austria rund 2,14 Millionen Personen (24,4% der Gesamtbevölkerung) mit Migrationshintergrund in Österreich, um rund 610.000 bzw. 40% mehr als vor zehn Jahren (2010: 1,53 Millionen).

"Österreichs Bevölkerung wächst aktuell allein durch internationale Zuwanderung, ohne sie würde die Einwohnerzahl laut Bevölkerungsprognose langfristig auf das Niveau der 1950er Jahre schrumpfen. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund kontinuierlich von 18,5% auf 24,4% gestiegen. Viele von ihnen sind dabei nicht nur äußerlich angekommen. So fühlen sich beispielsweise rund 90% der in Österreich lebenden Menschen aus Afghanistan, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Syrien, Tschetschenien und der Türkei hierzulande völlig oder zumindest eher heimisch", sagt Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

40% der Zugewanderten in Österreich stammen aus anderen EU-Staaten, 60% aus Drittstaaten

851.000 Personen mit Migrationshintergrund (40%) haben ihre Wurzeln in einem anderen EU- oder EFTA-Staat: Rund 291.000 Personen stammen aus EU-Staaten vor 2004, EFTA-Staaten bzw. dem Vereinigten Königreich (GB), 324.000 Personen aus den EU-Beitrittsstaaten des Jahres 2004 und weitere 235.000 aus den jüngsten drei EU-Staaten Bulgarien, Rumänien und Kroatien. 1,29 Millionen Personen (60%) haben einen Migrationshintergrund aus Drittstaaten. Darunter stammen aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens (ohne die EU-Mitglieder Slowenien und Kroatien) 556.000 Personen (26% aller Personen mit Migrationshintergrund) und aus der Türkei 270.000 (13%). 128.000 Personen (6%) haben einen afghanischen, syrischen oder irakischen Migrationshintergrund.

Corona-bedingt steigende Arbeitslosigkeit und sinkende Erwerbsbeteiligung

Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit im Corona-Jahr 2020 waren ausländische Staatsangehörige stärker betroffen als Österreicherinnen und Österreicher. Die Gesamtarbeitslosenquote (nationale Definition) erhöhte sich im Jahr 2020 auf 9,9% (+2,5 Prozentpunkte im Vergleich zu 2019). Die Arbeitslosenquote bei Ausländerinnen und Ausländern stieg von 10,8% im Jahr 2019 auf 15,3% im Jahr 2020 und damit deutlicher als die Quote der inländischen Bevölkerung (2019: 6,4%; 2020: 8,4%). Bei Personen aus den EU- und EFTA-Staaten sowie dem Vereinigten Königreich (GB) war ein besonders starker Anstieg der Arbeitslosenquote zu beobachten.

Im Gegenzug reduzierte sich die Erwerbstätigenquote von 73,6% auf 72,4%. Unter ausländischen Staatsangehörigen war der Rückgang mit 1,7 Prozentpunkten stärker als für Österreicherinnen und Österreicher (0,9 Prozentpunkte). Bei Staatsangehörigen aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak sank die Erwerbsbeteiligung um 4,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr, bei Angehörigen sonstiger Drittstaaten um 4,4 Prozentpunkte und bei türkischen Staatsangehörigen um 4 Prozentpunkte. Einzig bei Personen aus den EU-Staaten vor 2004, EFTA-Staaten bzw. dem Vereinigten Königreich (GB) sowie den EU-Beitrittsstaaten 2004 war die Abnahme zwischen 2019 und 2020 etwas geringer als bei den inländischen Erwerbstätigen.

Große Unterschiede in der Bildungsstruktur je nach Herkunft der Migrantinnen und Migranten

Die Chancen am Arbeitsmarkt hängen in hohem Ausmaß vom vorhandenen Qualifikationsniveau ab. Insgesamt konzentrierte sich die Bildungsstruktur von in Österreich lebenden Personen mit Migrationshintergrund stärker an den Rändern der Bildungsskala. Hatten 2020 nur 9% der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 64 Jahren höchstens die Pflichtschule abgeschlossen, lag dieser Anteil bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei 25%. Hohe Anteile an Personen mit nur Pflichtschulbildung gab es vor allem bei Zugewanderten aus Drittstaaten (Türkei: 55%, ehemaliges Jugoslawien außerhalb der EU: 28% sowie sonstige Drittstaaten: 32%).

Andererseits waren Personen mit Migrationshintergrund aber auch bei höheren Bildungsabschlüssen leicht überrepräsentiert. Hatten 2020 20% der 25- bis 64-Jährigen ohne Migrationshintergrund einen akademischen Abschluss, traf dies auf 23% aller Gleichaltrigen mit Migrationshintergrund zu. Vor allem Personen aus den EU-Staaten vor 2004, den EFTA-Staaten bzw. dem Vereinigten Königreich (GB) wiesen einen besonders hohen Akademikeranteil (47%) auf, ebenso wie aus der heterogenen Gruppe der sonstigen Drittstaaten (31%), die auch Amerika, Afrika, Asien und Australien umfasst.

Zugewanderte fühlen sich überwiegend heimisch in Österreich

Das Statistische Jahrbuch bildet auch subjektive Einschätzungen zum Integrationsklima ab. Im Jahr 2021 wurde die zugrundeliegende Integrationsbefragung erstmals von Statistik Austria durchgeführt. Befragt wurden 1.120 in Österreich Geborene, 1.058 Personen mit Geburtsort in Bosnien und Herzegowina, Serbien oder der Türkei sowie 1.278 Personen mit Wurzeln in Afghanistan, Syrien oder Tschetschenien.

Zugewanderte aus den sechs betrachteten Herkunftsländern fühlen sich in sehr großem Ausmaß in Österreich heimisch. Unter den in Bosnien und Herzegowina, Serbien oder der Türkei geborenen Personen gaben 86% an, dies "eher" oder "völlig" zu tun. Bei Zugewanderten aus Afghanistan, Syrien oder Tschetschenien waren es mit 90% noch mehr. "Überhaupt nicht heimisch" fühlt sich in beiden Gruppen nur eine kleine Minderheit von jeweils 2% (siehe Grafik).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen finden Sie im Statistischen Jahrbuch für Migration & Integration 2021.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Das Statistische Jahrbuch für Migration & Integration erscheint in der vorliegenden Form zum zwölften Mal. Neben aktuellen Daten und Fakten rund um die Themen Migration und Integration sind darin auch 25 im nationalen Aktionsplan für Integration definierte Indikatoren zur Beurteilung von Integrationsprozessen enthalten – von demographischen Aspekten über die sozioökonomische Situation bis zum Thema Sicherheit. Durch das Einbeziehen unterschiedlicher Quellen sowie durch Anreicherung von vorhandenen Daten konnten quer über alle Statistikbereiche aussagekräftige Informationen zusammengetragen werden.  
Die Zahlen zum Migrationshintergrund sowie zu den Erwerbstätigen wurden aus einer Stichprobenerhebung (Mikrozensus) hochgerechnet. Sie unterliegen daher einer statistischen Schwankungsbreite. Aus diesem Grund werden nur gerundete Ergebnisse dargestellt. 
Migrationshintergrund haben jene Personen, deren Eltern beide im Ausland geboren wurden. Personen mit nur einem in Österreich geborenen Elternteil haben dieser Definition folgend keinen Migrationshintergrund. Für die Zuordnung des Herkunftslandes ist das Geburtsland der Mutter ausschlaggebend. 
Die Erwerbstätigenquote stellt den Anteil der erwerbstätigen Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren in Prozent der Bevölkerung gleichen Alters dar. Als erwerbstätig gilt nach ILO-Definition, wer zum Zeitpunkt der Befragung mindestens eine Stunde pro Woche gearbeitet hat bzw. nur aufgrund von Urlaub, Krankheit etc. nicht gearbeitet hat. Personen in Elternkarenz sowie Lehrlinge gelten ebenfalls als erwerbstätig, nicht aber Präsenz- und Zivildiener. 
Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition bezieht die zu den jeweiligen Monatsenden beim AMS als arbeitssuchend gemeldeten Personen auf den Arbeitslosenbestand sowie die unselbständig beschäftigten Personen laut Dachverband der Sozialversicherungsträger. 
Die Integrationsbefragung wurde als Stichprobenerhebung durchgeführt und anschließend auf den Bevölkerungsstand hochgerechnet. Die Ergebnisse unterliegen daher einer statistischen Schwankungsbreite und werden deshalb nur in Form von Verteilungen dargestellt. Ein Vergleich zu den Erhebungen vergangener Jahre ist nicht möglich, da sich das Stichprobendesign (geschichtete Zufallsstichprobe) sowie die Erhebungsmethode (Onlinebefragung) geändert haben. Die Stichproben wurden nach dem Geburtsland gezogen, d. h. bei den Zugewanderten wurden in ausgewählten Ländern geborene Personen befragt. Zugewanderte der zweiten Generation waren dagegen ausschließlich in der Stichprobe der in Österreich Geborenen enthalten.  
Drittstaaten: Alle Staaten außer EU-Staaten, mit der EU assoziierte Kleinstaaten, EFTA-Staaten sowie das Vereinigte Königreich (GB).

 

Tabelle 1: Bevölkerung 2020 nach Migrationshintergrund
Geburtsland der MutterBevölkerung (in 1.000)
ZusammenErste GenerationZweite Generation
Mit Migrationshintergrund insgesamt2.137,81.578,8559,0
EU-, EFTA-Staaten, GB850,7684,0166,6
   EU-Staaten vor 2004, EFTA, GB291,8249,342,4
   EU-Beitrittsstaaten 2004323,7253,869,9
   EU-Beitrittsstaaten ab 2007235,2180,954,3
Drittstaaten insgesamt1.287,1894,8392,4
   Ehem. Jugoslawien (außerhalb der EU)556,1383,8172,3
   Türkei270,1153,1117,1
   Afghanistan, Syrien, Irak128,2106,821,4
   Sonstige Drittstaaten332,7251,181,6
Tabelle 2: Erwerbstätigen- und Arbeitslosenquote der 15- bis 64-Jährigen 2019 und 2020 nach Staatsangehörigkeit
StaatsangehörigkeitErwerbstätigenquote der 15- bis 64-JährigenArbeitslosenquote (nationale Definition)
2019202020192020
insgesamt73,6%72,4%7,4%9,9%
Österreich75,0%74,1%6,4%8,4%
Nicht-Österreich66,8%65,1%10,8%15,3%
   EU-Staaten vor 2004, EFTA, GB77,0%76,3%6,0%9,3%
   EU-Beitrittsstaaten 200473,9%73,3%5,9%9,7%
   EU-Beitrittsstaaten ab 200771,0%70,1%11,1%16,5%
   Ehem. Jugoslawien (außerhalb der EU)64,6%63,5%11,6%15,6%
   Türkei57,1%53,1%16,2%21,8%
   Afghanistan, Syrien, Irak39,5%35,3%36,7%41,8%
   Sonstige Drittstaaten57,6%53,2%16,2%20,9%

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