Pressemitteilung: 12.541-132/21

Zahl der Verurteilungen im Jahr 2020 auf historischem Tiefststand

Wien, 2021-06-09 – Im Jahr 2020 wurden in Österreich 25.586 gerichtliche Verurteilungen registriert, das sind 13,7% weniger als im Jahr zuvor. Wie Statistik Austria weiter berichtet, lagen diesen Verurteilungen 42.502 Delikte zugrunde (siehe Tabelle 1), jede Verurteilung umfasste im Durchschnitt also 1,66 Delikte. Insgesamt wurden 23.716 Personen rechtskräftig verurteilt, das entspricht durchschnittlich 1,08 Verurteilungen pro Person.

"Im Jahr 2020 gab es bei der Zahl der Verurteilungen den größten relativen Rückgang seit der Einführung der Diversion im Erwachsenenstrafrecht im Jahr 2000. Nach einem nahezu stetigen Rückgang seit dem Jahr 2005 sind die Verurteilungen im Corona-Jahr 2020 abrupt auf den historischen Tiefstwert von 25.586 abgesackt", so Tobias Thomas, Generaldirektor von Statistik Austria.

Deutlicher Rückgang bei Verurteilungen wegen Eigentums- und Suchtmitteldelikten

Strafbare Handlungen gegen fremdes Vermögen stellten 2020 – wie im Jahr zuvor – die größte Deliktgruppe dar (12.926 bzw. 30,4%), gefolgt von Delikten gegen Leib und Leben (7.727 bzw. 18,2%) und Delikten nach dem Suchtmittelgesetz (7.039 bzw. 16,6%). Diese drei Gruppen machten zusammen rund zwei Drittel aller Delikte aus.

Die Zahl der Delikte nahm 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 11,4% ab. Manche Delikte bzw. Deliktgruppen gingen dabei überdurchschnittlich stark zurück (siehe Tabelle 2), u. a. Diebstahl (-20,3%), (grob) fahrlässige Tötung (-17,3%), fahrlässige Körperverletzung (-15,7%), aber auch Delikte nach dem Suchtmittelgesetz (-16,4%) und Finanzstrafgesetz (-27,4%). Fast keine Veränderungen zeigten sich bei den Delikten Mord (+/-0,0%), gefährliche Drohung (+1,0%), (schwere) Sachbeschädigung (-3,5%) und Vergewaltigung (+2,0%). Entgegen dem allgemeinen Trend waren bei einigen wenigen Delikten auch Anstiege zu verzeichnen, u. a. pornographische Darstellungen Minderjähriger (+18,0%) und fortgesetzte Gewaltausübung (+15,8%). Im Jahr 2020 rechtskräftig gewordene Urteile können sich auch auf Taten eines früheren Jahres beziehen, wobei Verfahrensdauer und Art des Deliktes typischerweise zusammenhängen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnete im Jahr 2020 einen Rückgang der Anzeigen um 11,3%.

Kaum Veränderungen bei Geschlecht und Alter der Verurteilten

Nahezu gleich hoch wie im Vorjahr war 2020 der Anteil der Männer (84,7%) sowie der Erwachsenen (83,6%) an allen Verurteilten (siehe Tabelle 3). 6,3% der Verurteilten waren zum Tatzeitpunkt Jugendliche (14 bis 17 Jahre) und 10,1% junge Erwachsene (18 bis 20 Jahre).

Ähnlich wie im Vorjahr (2019: 56,6%) wies knapp über die Hälfte (55,4%) aller verurteilten Personen eine oder mehrere Vorstrafen auf.

Wiederverurteilungsquote leicht gesunken

Bei der Wiederverurteilungsquote ist ein leichter Rückgang von 32,7% im Jahr 2019 auf 32,0% im Jahr 2020 festzustellen. Die Wiederverurteilungsstatistik beobachtet alle in einem bestimmten Jahr Entlassenen oder rechtskräftig Verurteilten (außer zu unbedingter Haftstrafe oder Anstaltsunterbringung, Erläuterungen siehe Box unten) über einen Zeitraum von jeweils vier Jahren hinsichtlich neuerlicher Verurteilungen durch österreichische Gerichte. Von den insgesamt 26.318 Personen des Ausgangsjahres 2016 – das heißt, die Verurteilung bzw. Entlassung fand 2016 statt – blieben rund zwei Drittel (68,0%) ohne weitere rechtskräftige Verurteilung, etwa jede dritte Person wurde innerhalb der vier Jahre wiederverurteilt. Wenn es zu einer Folgeverurteilung kam, dann relativ zeitnah: Zwei Drittel aller Wiederverurteilungen fanden innerhalb der ersten beiden Beobachtungsjahre statt.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Gerichtliche Kriminalstatistik basiert auf dem Strafregisterfile, das vom Bundesministerium für Inneres geführt wird. Sie gibt Auskunft über drei verschiedene Betrachtungsebenen: verurteilte Personen, Verurteilungen sowie (seit dem Berichtsjahr 2012) sämtliche abgeurteilte Delikte. Vor 2012 konnte nur das "führende", d. h. strafsatzbestimmende Delikt ausgewiesen werden, seit dem Berichtsjahr 2012 sind jedoch alle einer Verurteilung zugrunde liegenden Delikte in der Statistik enthalten. Da es sich um einen Auszug aus dem Strafregister handelt, kann die Gerichtliche Kriminalstatistik nur Auskunft über verurteilte Täterinnen bzw. Täter geben, aber keine Informationen über andere Verfahrenserledigungen, über das Dunkelfeld oder über Geschädigte bzw. Opfer bieten. Daten zu Kriminalitätsopfern sind in der Polizeilichen Kriminalstatistik (Anzeigenstatistik) verfügbar, die vom Bundeskriminalamt geführt und auf dessen Homepage veröffentlicht wird. 
Die Wiederverurteilungsstatistik umfasst alle Personen, die in einem Ausgangsjahr rechtskräftig verurteilt wurden (mit Ausnahme zu einer unbedingten Haftstrafe oder Anstaltsunterbringung) bzw. in diesem Jahr aus einer unbedingten Haftstrafe oder einem Maßnahmenvollzug entlassen wurden. Diese Personen werden über einen individuellen Zeitraum von vier Kalenderjahren (z. B. 01.07.2016 bis 30.06.2020) hinsichtlich neuerlicher Verurteilungen beobachtet.

 

Tabelle 1: Verurteilte Personen, Verurteilungen und Delikte 2012–2020
Darstellungsebene201220132014201520162017201820192020
absolut
Verurteilte Personen32.28531.54130.22729.51127.91628.28627.65527.28423.716
Verurteilungen35.54134.42432.98032.11830.45030.74630.15729.63225.586
Sämtliche Delikte53.62451.69649.94049.21047.64549.04948.83047.98042.502
Veränderung zum Vorjahr in %
Verurteilte Personen.-2,3-4,2-2,4-5,41,3-2,2-1,3-13,1
Verurteilungen.-3,1-4,2-2,6-5,21-1,9-1,7-13,7
Sämtliche Delikte.-3,6-3,4-1,5-3,22,9-0,4-1,7-11,4
Tabelle 2: Veränderungen bei ausgewählten Delikten bzw. Deliktgruppen 2019–2020
Delikt bzw. Deliktgruppe1)20192)20202)VeränderungVeränderung in %
Sämtliche Delikte gesamt47.98042.502-5.478-11,4
St. H.3) gegen Leib und Leben8.4747.727-747-8,8
darunter Körperverletzung4.3633.968-395-9,1
darunter Fahrlässige Körperverletzung1.2381.044-194-15,7
darunter Schwere Körperverletzung1.7791.801-22-1,2
darunter (Grob) Fahrlässige Tötung150124-26-17,3
darunter Mord868600,0
St. H. gegen die Freiheit4.4074.269-138-3,1
darunter Gefährliche Drohung1.9822.002201,0
darunter Fortgesetzte Gewaltausübung1461692315,8
St. H. gegen fremdes Vermögen14.82412.926-1.898-12,8
darunter Diebstahl6.6645.309-1.355-20,3
darunter Betrug2.5482.388-160-6,3
darunter (Schwere) Sachbeschädigung2.1742.098-76-3,5
St. H. gegen die sexuelle Integrität u. Selbstbestimmung1.3221.4321108,3
darunter Vergewaltigung9810022,0
darunter Pornograph. Darstellungen Minderjähriger57367610318,0
darunter (Schwerer) Sexueller Missbrauch v. Unmündigen22522831,3
Delikte nach dem Suchtmittelgesetz8.4157.039-1.376-16,4
Delikte nach dem Finanzstrafgesetz274199-75-27,4

 

Tabelle 3: Verurteilte Personen 2019 und 2020
Merkmale der Person 
bei der ersten Verurteilung 
im Berichtsjahr
Verurteilte Personen
20192020
absolutin %absolutin %
Verurteilte Personen insgesamt27.284100,023.716100,0
Geschlecht
Männer23.18185,020.09684,7
Frauen4.10315,03.62015,3
Alter zum Tatzeitpunkt
Jugendliche (14- bis 17-Jährige)1.6346,01.4946,3
Junge Erwachsene (18- bis 20-Jährige)2.76410,12.38810,1
Erwachsene (21-Jährige und älter)22.88683,919.83483,6
Staatsangehörigkeit
Österreich15.61957,214.05159,2
Nicht-Österreich11.66542,89.66540,8
Vorverurteilung
Ohne Vorverurteilung15.44556,613.13355,4
Mit Vorverurteilung11.83943,410.58344,6

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