Pressemitteilung: 12.516-107/21

Bildungsstand in Österreich steigt: 18,1% der 25- bis 64-Jährigen haben einen Hochschul- oder Akademieabschluss

Wien, 2021-05-12 – Das Bildungsniveau in Österreich steigt. Seit 2018 gibt es in der Bevölkerung im Haupterwerbsalter mehr Hochschul- und Akademieabsolventinnen und -absolventen als Personen, die höchstens über einen Pflichtschulabschluss verfügen. Das geht aus der aktuellen Publikation "Bildung in Zahlen 2019/20" von Statistik Austria hervor.

"Bildung ist eine der Haupttriebfedern der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes und ein wesentlicher Faktor für die Arbeitsmarktchancen der Menschen. In Österreich hat sich in den vergangenen 40 Jahren der Anteil der Personen mit Hochschul- oder Akademieabschluss in der 25- bis 64-jährigen Bevölkerung vervierfacht. Gleichzeitig ist der Anteil derer, die höchstens die Pflichtschule abschließen, um fast zwei Drittel gesunken", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Wie Statistik Austria weiter berichtet, war die Erfolgsquote bei den Reifeprüfungen zum Sommertermin 2020 die höchste seit Einführung der Zentralmatura. Und der Hochschulprognose zufolge wird es in Zukunft immer mehr Masterstudienabschlüsse geben, während die Abschlüsse von Diplomstudien weiter zurückgehen. Zuletzt wurde dieser Trend von der Umstellung der Lehramtsstudien von Diplomstudien auf Bachelor- und Masterstudien forciert.

18% der Personen im Haupterwerbsalter haben einen Hochschul- oder Akademieabschluss

Seit 1981 ist der Anteil derer, die höchstens einen Pflichtschulabschluss erreichen, an der österreichischen Wohnbevölkerung im Haupterwerbsalter von 25 bis 64 Jahren von 46,0% auf 17,9% um fast zwei Drittel gesunken, während der Anteil der Personen mit dem Abschluss einer Hochschule oder Akademie von 4,5% auf 18,1% gestiegen ist (siehe Tabelle 1).

Die Trends auf europäischer Ebene zeigen ein ähnliches Bild. Seit 2004 sank in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen der Pflichtschulanteil im EU27-Durchschnitt von 23% auf 16%. In Österreich lag der Wert darunter und sank in den Jahren 2014 bis 2016 um rund 10%. Seit 2017 stiegen die Anteilswerte jedoch geringfügig − zuletzt auf 14% −, sodass sich die Differenz zum EU-Durchschnitt verringerte. Der Anstieg des Pflichtschulanteils fiel dabei bei jungen Männern stärker aus als bei jungen Frauen und war unter Personen mit Migrationshintergrund (2020: 28%) ebenso zu beobachten wie unter Personen ohne Migrationshintergrund (2020: 9%).

Der Anteil der Personen mit Tertiärabschluss entwickelte sich seit 2004 in der Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen in Österreich ähnlich dem EU27-Durchschnitt. Im Unterschied zu den zuvor betrachteten Abschlüssen an Hochschulen und Akademien zählen zur tertiären Bildungsebene im internationalen Vergleich auch avancierte Ausbildungen des berufsbildenden Schulwesens wie BHS-Matura oder Meister- und Werkmeisterabschlüsse. Ausgehend von 30% in Österreich sowie 26% im EU-Durchschnitt im Jahr 2004 stieg die Tertiärquote bis 2020 auf 42% in Österreich bzw. 41% im EU-Durchschnitt.

Mehr als die Hälfte der Maturantinnen und Maturanten besuchten in der Sekundarstufe I die AHS-Unterstufe

Österreichweit gab es im Jahrgang 2019 etwa 39.700 Maturantinnen und Maturanten. Davon haben 54,5% in der Sekundarstufe I zuletzt die AHS-Unterstufe besucht, 42,6% kamen aus Hauptschulen oder NMS (Rest auf 100%: anderer Schultyp wie z. B. sonstige allgemeinbildende Statutschulen oder unbekannte Vorbildung in der Sekundarstufe I). Ehemalige Haupt- bzw. NMS-Schülerinnen und -Schüler waren allerdings nur unter den erfolgreichen Reifeprüflingen der AHS-Oberstufe stark in der Unterzahl (18,4%). Mehr als sechs von zehn Absolventinnen und Absolventen an BHS hatten hingegen zuvor eine Hauptschule bzw. NMS besucht (62,8%).

Erfolgsquote beim Sommertermin der standardisierten Reife- und Diplomprüfung im Corona-Jahr gestiegen

Mit der Einführung der standardisierten Reife- und Diplomprüfung (SRDP) an den AHS im Schuljahr 2014/15 und an den BHS im Schuljahr 2015/16 kam es an den höheren Schulen zu einem Rückgang der Reifeprüfungserfolgsquoten zum Sommertermin. Während im Schuljahr 2013/14 vor der Einführung der Standardisierung 87,7% der AHS-Schülerinnen und -Schüler der Abschlussklasse die Reifeprüfung beim ersten Antritt (Sommertermin) positiv bestanden, sank die Erfolgsquote bei den darauffolgenden Sommerterminen auf 82,0% (2014/15) bzw. auf 77,8% (2015/16). Ähnlich verhält es sich an den BHS nach der Einführung der "Zentralmatura" im Schuljahr 2015/16: der Anteil der positiven Reifeprüfungen sank von 89,9% beim Sommertermin 2015 auf 80,8% beim Sommertermin 2016.

Diese niedrigeren Erfolgsquoten des Sommertermins werden durch höhere Erfolgsquoten bei den Nebenterminen im Herbst und Winter größtenteils kompensiert. Nach beiden Nebenterminen stieg die Erfolgsquote an den AHS (2014/15) auf 93,1% und an den BHS auf 93,2% (2015/16). Im Schuljahr vor der Einführung der SRDP der jeweiligen Schultypen lag die Erfolgsquote der jeweiligen Abschlussklassen nach drei Antrittsterminen an den AHS bei 95,2% (2013/14) und an den BHS bei 96,3% (2014/15). Seit der Einführung der SRDP ist also für einen Teil der Schülerinnen und Schüler eine zeitliche Verschiebung der Reifeprüfungsabschlüsse zu den Nebenterminen zu erkennen.

Fünf bzw. vier Jahre nach Einführung der standardisierten Reife- und Diplomprüfung im Schuljahr 2019/20 stieg die Erfolgsquote beim Sommertermin erstmals wieder auf das Niveau vor der Standardisierung. Aufgrund der Pandemie kam 2020 eine neue Regelung zum Einsatz, bei der auch die Jahresnote in die Beurteilung der Matura einbezogen wurde. An den AHS schlossen beim Sommertermin 2020 85,9% (Sommer 2019: 78,6%) der Schülerinnen und Schüler die Reifeprüfung positiv ab, vor Einführung der "Zentralmatura" im Sommer 2014 lag dieser Anteil bei 87,7%. Ähnlich verhält es sich an den BHS: Die Erfolgsquote stieg beim Sommertermin 2020 auf 90,9% (Sommer 2019: 80,0%); beim Sommertermin vor der Einführung der Standardisierung lag diese bei 89,9%.

83% der begonnenen Medizinstudien werden erfolgreich abgeschlossen

Bei der Analyse der Studienverläufe von Erststudien an öffentlichen Universitäten und Fachhochschulen weisen an den öffentlichen Universitäten die rigoros zugangsbeschränkten medizinischen Diplomstudien die höchste Abschlussquote (83,0%) innerhalb von zehn Jahren auf, gefolgt von den Bachelorstudien der Künste, die ebenfalls strengen Zugangsbeschränkungen unterliegen und eine Abschlussquote von 74,4% erreichen. Von den Erststudien an Fachhochschulen werden 73,6% abgeschlossen (siehe Tabelle 2).

Masterstudienabschlüsse steigen laut Hochschulprognose in den kommenden Jahren deutlich an

Vom Studienjahr 2014/15 auf das Studienjahr 2018/19 sind die Anzahl der abgeschlossenen Bachelorstudien um 2,4% und die Anzahl der abgeschlossenen Masterstudien um 20,7% gestiegen. Hingegen lässt sich ein Rückgang an abgeschlossenen Studien beim Studientyp Diplom um 27,3% im selben Zeitraum beobachten. Im Prognosezeitraum werden sich die Trends der vergangenen Jahre fortsetzen, sodass vom Studienjahr 2018/19 auf das Studienjahr 2028/29 die Anzahl der abgeschlossenen Bachelorstudien um 13,7% und die Anzahl der abgeschlossenen Masterstudien um 36,7% ansteigen werden. Gleichzeitig geht die Anzahl an abgeschlossenen Diplomstudien um 40,7% zurück (siehe Grafik). Der vergleichsweise starke Anstieg der abgeschlossenen Masterstudien ist vorwiegend auf die Umstellung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung im Studienjahr 2016/17 und die Einführung der Masterstudiengänge an den Pädagogischen Hochschulen zurückzuführen.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Bildungsstatistik finden Sie in der Publikation Bildung in Zahlen 2019/20 (PDF, 24 MB) sowie auf unserer Webseite, Ergebnisse zur Hochschulprognose im Bericht Hochschulprognose 2020 (PDF, 1,0 MB).

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Die Daten über den Bildungsstand der österreichischen Bevölkerung im Haupterwerbsalter entstammen den nationalen Volkszählungen und dem Bildungsstandregister, jene über den Bildungsstand Jugendlicher und die Tertiärquote der EU-Arbeitskräfteerhebung. Der Bildungsstand im internationalen Vergleich wird dargestellt mit Bezug auf die ISCED (Internationale Standard-Klassifikation des Bildungswesens) 2011, wobei "höchstens Pflichtschulabschluss" mit ISCED 0-2 und "tertiäre Bildung" mit ISCED 5-8 gleichgesetzt ist; Daten bis 2013 sind aus der ISCED 1997 übergeleitet. 
EU27: Europäische Union - 27 Länder (ab 2020). 
Maturantinnen und Maturanten, Jahrgang 2019: Erfolgreiche Abschlüsse mit Reifeprüfung oder Reife- und Diplomprüfung, inkl. Aufbaulehrgänge und Schulen für Berufstätige, ohne Kollegs und Lehrgänge für Sonderpädagogik (Diplomprüfungen als Zweit- bzw. Folgeabschlüsse), abgelegt im Zeitraum 1. Oktober 2018 bis 30. September 2019. 
Die Ergebnisse der standardisierten Reife- und Diplomprüfung (SRDP) der Sommertermine und der Nebentermine werden seit dem Schuljahr 2016/17 von Statistik Austria im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) österreichweit erhoben und aufbereitet. Für die Ergebnisse der früheren Schuljahre werden die Daten aus der Schulstatistik herangezogen und an die Auswertungen der SRDP angepasst. Als Erfolgsquote wird der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit erfolgreich bestandener Reife- und Diplomprüfung an allen Schülerinnen und Schülern der jeweiligen Abschlussklasse bezeichnet. 
Erststudien sind Bachelorstudien und Diplomstudien. Analysiert wurden die von den Erstimmatrikulierten an öffentlichen Universitäten bzw. Studienanfängerinnen und -anfängern an Fachhochschulen (jeweils ohne Gaststudierende) des Wintersemesters 2009/10 begonnenen Bachelor- und Diplomstudien über einen Zeitraum von zehn Jahren. 
Die Prognoseergebnisse entstammen dem Projekt "Hochschulprognose 2020", das mit Daten aus der Schul- bzw. Hochschulstatistik die Anzahl der Studien, der Studienanfängerinnen und -anfänger sowie der Studienabschlüsse vorhersagt.

 

Tabelle 1: Entwicklung des Bildungsniveaus der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren
BildungsniveauJahr
1981199120012011201620172018
Pflichtschule46,034,226,219,218,318,017,9
Lehre31,037,039,436,034,434,233,7
Mittlere und höhere Schule18,421,924,630,230,230,330,3
Hochschule und Akademie4,56,99,914,617,117,518,1
Tabelle 2: Verläufe von Erststudien an Universitäten und Fachhochschulen 2009/10 über zehn Jahre
StudiengruppeAbschlusswird noch studiertAbbruch/ 
Unterbrechung
Erststudien an öffentlichen Universitäten1)
Medizinische Diplomstudien83,03,613,4
Künstlerische Bachelorstudien74,41,623,9
Ingenieurwissenschaftliche Bachelorstudien42,46,551,1
Naturwissenschaftliche Bachelorstudien38,62,259,2
Sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Bachelorstudien36,82,860,4
Lehramts-Diplomstudien36,47,256,4
Sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Diplomstudien35,85,059,1
Geistes- & kulturwissenschaftliche Bachelorstudien33,12,364,7
Rechtswissenschaftliche Diplomstudien32,211,856,0
Naturwissenschaftliche Diplomstudien29,55,964,6
Rechtswissenschaftliche Bachelorstudien23,44,372,3
Erststudien an Fachhochschulen73,60,026,4

Zukünftige Entwicklung der Zahl der Studienabschlüsse nach Studientyp

Grafik 3

Q: STATISTIK AUSTRIA, Hochschulprognose 2020.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Regina RADINGER, Tel.: +43 1 71128-7457 bzw. regina.radinger@statistik.gv.at und  
MMag. Guido SOMMER-BINDER, Tel.: +43 1 71128-7349 bzw. guido.sommer-binder@statistik.gv.at

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