Pressemitteilung: 12.514-105/21

Insolvenzen im 1. Quartal 2021 erneut stark zurückgegangen; Registrierungen leicht gestiegen

Wien, 2021-05-10 – Im 1. Quartal 2021 wurden laut vorläufigen Zahlen von Statistik Austria 484 Insolvenzen gezählt. Das sind um 57% weniger als im Vergleichszeitraum des Jahres zuvor, in dem noch 1.118 Insolvenzen verzeichnet wurden. Im Gesamtjahr 2020 gab es insgesamt 3.001 Insolvenzen. Das sind 39% weniger als im Jahr 2019.

"Trotz der weiterhin massiv schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Unternehmen gab es im 1. Quartal 2021 nicht einmal halb so viele Firmenpleiten wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Vor dem Hintergrund der seit 1. März 2020 ausgesetzten Insolvenzantragspflicht bei einer Überschuldung gingen die Insolvenzen um 57% im Vergleich zum Vorjahresquartal zurück", erklärt Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Im 1. Quartal 2021 wurden 19.195 Registrierungen rechtlicher Einheiten verzeichnet, immerhin 9% mehr als im 1. Quartal 2020 mit 17.564 Registrierungen. Im Gesamtjahr 2020 hatte es 61.233 Registrierungen gegeben, 7% weniger als im Jahr davor (2019: 65.490 Registrierungen). Deutliche Effekte aufgrund der Corona-Krise zeigen sich im Halbjahresvergleich. Während die Registrierungen im 2. Halbjahr 2020 im Vergleich zum 2. Halbjahr 2019 in einigen Bereichen, etwa der Sachgütererzeugung, gestiegen sind, gab es in anderen Bereichen weniger Registrierungen – insbesondere in der Beherbergung und Gastronomie (-22%) sowie bei persönlichen Dienstleistungen (-10%).

Insolvenzen im Bau und Dienstleistungsbereich am höchsten

Die meisten Insolvenzen im 1. Quartal 2021 gab es im Bau (134), bei den Finanzdienstleistungen /sonstigen Dienstleistungen (105), im Handel (78) sowie in der Beherbergung und Gastronomie (54), wobei die Anzahl der Insolvenzen grundsätzlich von der Anzahl der in den einzelnen Wirtschaftsbereichen aktiven Unternehmen abhängig ist. Eine vergleichsweise geringe Anzahl an Insolvenzen weisen die Bereiche Information und Kommunikation (13), Sachgütererzeugung (24) und persönliche Dienstleistungen (30) auf. Für das 1. Quartal 2020 zeigt sich eine ähnliche Verteilung der Insolvenzen auf die Wirtschaftsbereiche (siehe Tabelle 1).

Registrierungen im Dienstleistungsbereich am höchsten

Im 1. Quartal 2021 wurden für die Bereiche Finanzdienstleistungen/sonstige Dienstleistungen (5.901), persönliche Dienstleistungen (4.641) und Handel (3.858) die höchste Anzahl an Registrierungen gezählt. Eine relativ geringe Anzahl an Registrierungen weisen die Bereiche Verkehr (642) und Beherbergung und Gastronomie (764) auf. Für das 1. Quartal 2020 zeigt sich eine ähnliche Verteilung der Registrierungen auf die Wirtschaftsbereiche (siehe Tabelle 2).

Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu Insolvenzen und Registrierungen finden Sie auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Verordnung (EU) 2019/2152 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2019 über europäische Unternehmensstatistiken sowie die Unternehmensdemografiestatistik-Verordnung, BGBl. II Nr. 270/2009 idF. BGBl. II Nr. 138/2021 verpflichtet Statistik Austria, ab dem 1. Quartal 2021 quartalsweise Daten über Insolvenzen und Registrierungen zu erstellen. 
 
Um die Auswirkungen der Corona-Krise in den Daten abbilden zu können, starten die Zeitreihen bereits mit 2019. Die Statistik wird nach aggregierten Wirtschaftsbereichen (ÖNACE 2008) ausgewertet. Erfasst sind alle marktwirtschaftlichen Tätigkeiten in den Abschnitten B bis S (ohne Abschnitt O und Abteilung S94) der ÖNACE 2008. Für Einheiten, für die keine ÖNACE vorhanden ist, wird die Fachzuordnung zur WKÖ als Quelle herangezogen bzw. es erfolgt eine Schätzung anhand einer ÖNACE-Verteilung basierend auf den Neuaufnahmen in das statistische Unternehmensregister (URS). 
 
Die Daten der jeweils letzten vier Berichtsquartale werden als vorläufig ausgewiesen und bei der Veröffentlichung eines neuen Quartals revidiert. 
 
Insolvenzen 
Die Daten zu den Insolvenzen basieren auf den gerichtlichen Insolvenzverfahren. Gezählt wird die Einleitung eines Insolvenzverfahrens einer rechtlichen Einheit gemäß Insolvenzordnung – IO, RGBl. Nr. 337/1914. Berücksichtigt werden: Konkursverfahren, Konkurseröffnungsverfahren, Sanierungsverfahren mit und ohne Eigenverwaltung. Hauptdatenquelle ist die Justiz-Ediktsdatei. Die dort erfassten Daten werden Statistik Austria vom Bundesministerium für Justiz zur Verfügung gestellt, in das URS und das Unternehmensregister für Zwecke der Verwaltung (URV) eingelagert sowie mit für die Statistik notwendigen Merkmalen angereichert. Verfahrenswechsel (Einheiten, die in einem Zeitraum von 12 Monaten mehrmals in den Edikten aufscheinen) werden nicht gezählt, d. h. es kommt zu keinen Doppelzählungen. Nachtragsverteilungen werden ausgeschlossen. 
 
Hinweis: In Österreich gibt es vergleichbare Insolvenzzahlen u. a. vom Kreditschutzverband von 1870. Obwohl die verwendete Datenquelle ident ist, gibt es geringfügige Abweichungen zu den von Statistik Austria veröffentlichten Zahlen. Ursachen sind u. a. abweichende Erfassungsbereiche bzw. Zeitpunkte für die Auswertungen oder die Zuordnung der Einheiten zu den Wirtschaftsbereichen nach ÖNACE 2008.  
 
Registrierungen 
Als Registrierung wird die Aufnahme einer rechtlichen Einheit in das Unternehmensregister für Zwecke der Verwaltung (URV) gezählt. Neben dem URV stellt das URS die zentrale Datenbasis für die quartalsweise Statistik über Registrierungen von rechtlichen Einheiten dar. 
 
Aus dem URV werden folgende Quellen zur Bestimmung der Anzahl der Registrierungen, des Registrierungsdatums und zur Ermittlung weiterer Merkmale herangezogen: Ergänzungsregister für sonstige Betroffene, Firmenbuch, Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Wirtschaftskammer, Kammern der freien Berufe sowie Steuergrunddaten, Umsatzsteuervoranmeldungen und Einkommensteuerdaten. Als Datum der Registrierung zählt das erste Lebenszeichen einer Einheit in den Quellen, d. h. die erste Registrierung wird gezählt.

 

Tabelle 1: Insolvenzen 2019 bis 1. Quartal 2021 nach Wirtschaftsbereichen, vorläufig
ÖNACE 200820192020*Veränderung  
in %  
2019-2020
Q12020Q12021Veränderung 
in %  
Q12020 - 
Q12021
Sachgütererzeugung311203-34,77324-67,1
Bau808559-30,8183134-26,8
Handel879496-43,617478-55,2
Verkehr und Lagerei460253-459846-53,1
Beherbergung und Gastronomie792430-45,717554-69,1
Information und Kommunikation182110-39,64413-70,5
Finanzdienstleistungen/  
Sonstige Dienstleistungen
997657-34,1255105-58,8
Persönliche Dienstleistungen458293-3611630-74,1
Insgesamt4.8873.001-38,61.118484-56,7
Tabelle 2: Registrierungen 2019 bis 1. Quartal 2021 nach Wirtschaftsbereichen, vorläufig
ÖNACE 200820192020Veränderung in %Q12020Q12021Veränder-
ung  
in %
1. HJ2. HJGesamt1. HJ2. HJGesamt1. HJ 2019 - 
1. HJ 2020
2. HJ 2019 - 
2. HJ 2020
2019- 
2020
Q1 2020 - Q1 2021
Sachgütererzeugung1.6201.4303.0501.5221.5953.117-6,011,52,27921.21953,9
Bau2.2811.7204.0011.8661.8093.675-18,25,2-8,11.0821.1607,2
Handel6.0385.15211.1905.5867.20512.791-7,539,814,33.2053.85820,4
Verkehr und Lagerei1.2519182.1698389351.773-33,01,9-18,348864231,6
Beherbergung und Gastronomie2.2041.7353.9391.6281.3532.981-26,1-22,0-24,3922764-17,1
Information und Kommunikation1.6871.3523.0391.4071.5412.948-16,614,0-3,08301.01021,7
Finanzdienstleistungen/Sonstige Dienstleistungen1)10.4058.41918.8248.8049.27718.081-15,410,2-3,95.4415.9018,5
Persönliche Dienstleistungen10.2409.03819.2787.7218.14615.867-24,6-9,9-17,74.8044.641-3,4
Insgesamt35.72629.76465.49029.37231.86161.233-17,87,0-6,517.56419.1959,3

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