Pressemitteilung: 12.497-088/21

Energiearmut: 94.000 Haushalte können es sich nicht leisten, angemessen zu heizen

Wien, 2021-04-23 – Rund 94.000 Haushalte bzw. 2,4% aller Haushalte in Österreich können es sich nicht leisten, die Wohnung angemessen warm zu halten. Das geht aus einer aktuellen Studie von Statistik Austria auf Basis der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) aus dem Jahr 2019 hervor. Im Jahr 2010 hatte der Anteil noch 3,7% betragen. Die betroffenen Haushalte hatten pro Jahr im Median rund 18.980 Euro Haushaltseinkommen zur Verfügung.

"In den letzten zehn Jahren ist der Anteil der Haushalte, die aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht angemessen heizen können, um ein Drittel gesunken. Dennoch blieb vor der Corona-Krise bei 94.000 Haushalten die Wohnung teilweise kalt. Alleinlebende sowie Haushalte mit Menschen, die über höchstens Pflichtschulabschluss verfügen, waren davon besonders häufig betroffen", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Kleinere und bildungsferne Haushalte können sich häufiger die Heizkosten nicht leisten

Ein-Personen-Haushalte können sich häufiger angemessenes Heizen nicht leisten, Haushalte mit Kindern dagegen seltener. Überdurchschnittlich betroffen sind zudem Haushalte mit Menschen, die über höchstens Pflichtschulabschluss verfügen. Durchschnittlich konnten es sich 2019 2,4% aller Haushalte nicht leisten, angemessen zu heizen; Haushalte mit Personen, die höchstens einen Pflichtschulabschluss hatten, waren zu 5,9% betroffen. Unter den Ein-Personen-Haushalten lag der Anteil derer, die es sich nicht leisten können, die Wohnung angemessen warm zu halten, bei 4,3%.

115.500 Haushalte mit niedrigem Einkommen sind durch hohe Energiekosten besonders belastet

Zugleich gab es 2018 115.500 Haushalte mit vergleichsweise niedrigem Einkommen, die gleichzeitig überdurchschnittlich hohe Energiekosten zu tragen hatten. Diese Haushalte verfügten über ein äquivalisiertes Haushaltseinkommen von unter 15.437 Euro im Jahr, das sind 60% des Medianeinkommens, und mussten gleichzeitig äquivalisierte Energiekosten von mehr als 1.720 Euro begleichen, was 140% der Medianenergiekosten entspricht. Dabei steigen der absolute Energieverbrauch und dafür anfallende Kosten mit zunehmendem Haushaltseinkommen, während der für Energie ausgegebene Anteil daran immer geringer wird.

Aktuelle Studie liefert erstmals Informationen zur Leistbarkeit

In der aktuellen Studie im Auftrag der e-Control wurden zum dritten Mal sogenannte energiearme Haushalte mit hohen Energiekosten bei niedrigem Haushaltseinkommen analysiert. Bislang wurde dabei ausschließlich auf Haushalte mit relativ geringem Einkommen gemessen am Medianeinkommen und relativ hohen Energiekosten fokussiert. Allerdings sagen relative Einkommensmaße nichts darüber aus, was sich Haushalte leisten können. Zudem wurden bislang die Haushalte nicht berücksichtigt, die von vornherein auf Energie für Wohnen verzichten müssen, und dadurch eher niedrige Energiekosten aufweisen. Daher wurden in Erweiterung zu den beiden Vorgängerberichten im aktuellen Bericht zusätzlich jene Haushalte betrachtet, die in der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) 2019 angaben, sich eine angemessene Menge von Energie für die Heizung nicht leisten zu können.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite sowie in der Studie "Erweiterte Betrachtung der Energiearmut in Österreich".

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Für den vorliegenden Bericht wurden Einkommensdaten aus Verwaltungsdaten sowie aus der Einkommenserhebung EU-SILC 2019 (EU Statistics on Income and Living Conditions, enthält Einkommensinformationen zu 2018) mit den Daten des MZ-Energie 2017/2018 (Mikrozensus-Sondermodul "Energieeinsatz der Haushalte") verknüpft.  
Im aktuellen Projekt wurden zum dritten Mal sogenannte energiearme Haushalte mit hohen Energiekosten bei niedrigem Haushaltseinkommen analysiert. Dabei wurde zum einen eine Definition von Energiearmut der Energie-Control Austria aus dem Jahr 2013 herangezogen, wonach als energiearm jene Haushalte gelten, die über ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle verfügen, aber gleichzeitig überdurchschnittlich hohe Energiekosten zu begleichen haben. Jene Haushalte, die von vornherein auf notwendige Energie für Wohnen verzichten müssen, und dadurch eher niedrige Energiekosten aufweisen, fehlten jedoch bei diesem Ansatz. Auch sagt er nichts darüber aus, ob sich die Haushalte die Energiekosten leisten können. In Erweiterung zu den beiden Vorgängerberichten wurden deshalb im aktuellen Bericht zusätzlich jene Haushalte betrachtet, die im Datensatz EU-SILC 2019 angaben, sich eine angemessene Menge von Energie für die Heizung nicht leisten zu können. Dieser Indikator erlaubt die Analyse jener Haushalte, die weniger Energie einsetzen, als sie eigentlich möchten oder brauchen würden. Beide Aspekte der Energiearmut betreffen weitgehend unterschiedliche Haushalte, diese haben jedoch häufig ihren Schwerpunkt in ähnlichen soziodemografischen Gruppen.

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