Pressemitteilung: 12.495-086/21

Aufwendungen für Forschung und Entwicklung stagnierten 2020

Wien, 2021-04-22 – Im Jahr 2020 wurde in Österreich einer Schätzung von Statistik Austria zufolge mit 12,1 Mrd. Euro etwas weniger für Forschung und Entwicklung (F&E) ausgegeben als im Jahr zuvor (2019: 12,3 Mrd. Euro). Der Anteil der F&E-Aufwendungen am nominellen Bruttoinlandsprodukt (BIP), die sogenannte Forschungsquote, erreichte mit 3,23% allerdings den bisher höchsten Wert. Der Anstieg der Forschungsquote von 3,10% im Jahr 2019 auf 3,23% (2020) ist aber allein dadurch bedingt, dass die Wirtschaftsleistung im gleichen Zeitraum noch stärker als die Forschungsausgaben zurückging.

F&E-Ausgaben trotz der Krise nicht eingebrochen

Der nominelle Rückgang der gesamtösterreichischen F&E-Aufwendungen von 2019 auf 2020 wird auf rund 2% geschätzt, während im gleichen Zeitraum das Bruttoinlandsprodukt um 5,5% zurückgegangen ist. Die F&E-Ausgaben erweisen sich damit in Krisenzeiten erneut als stabil. In der Rezession um das Krisenjahr 2009 konnte ein ähnliches Phänomen beobachtet werden: Ein starker Rückgang der Wirtschaftsleistung wurde von zwar stagnierenden, aber nicht einbrechenden F&E-Ausgaben begleitet. Im Unternehmenssektor wird F&E nach wie vor hauptsächlich in Bereich der Sachgütererzeugung und der unternehmensbezogenen Dienstleistungen durchgeführt und seltener in solchen Wirtschaftszweigen, die in stärkerem Maß von den pandemiebedingten Einschränkungen betroffen sind. Auch F&E-Aktivitäten an den Universitäten und anderen öffentlichen Einrichtungen sind weniger stark von den durch COVID-19 ausgelösten Verwerfungen betroffen.

Die Hälfte der österreichischen F&E-Ausgaben von Unternehmen finanziert

2020 haben die Unternehmen 6,1 Mrd. Euro Forschung finanziert und damit 50% der österreichischen F&E-Ausgaben. Die F&E-Finanzierung der Unternehmen beinhaltet auch die Ausschüttungen durch die Forschungsprämie, die für 2020 vom Bundesministerium für Finanzen mit rund 1 Mrd. Euro angegeben werden. Auf den Sektor Staat entfallen mit 4,0 Mrd. Euro rund 33% der F&E-Finanzierung. Der größte Anteil stammt dabei vom Bund mit 3,3 Mrd. Euro, die Bundesländer tragen 550 Mio. Euro zur Finanzierung für F&E bei. 2 Mrd. Euro (16%) wurden aus dem Ausland finanziert, hauptsächlich von Unternehmen, deren Tochterunternehmen in Österreich F&E betreiben.

Die Finanzierungsstruktur der F&E-Ausgaben hat sich zwischen 2019 und 2020 geändert. Eine Reduzierung der Bereitstellung von Unternehmensmitteln geht mit einer stärkeren öffentlichen Finanzierung einher. Während 2019 noch 53% der F&E-Ausgaben durch Unternehmen finanziert wurde, sank dieser Anteil 2020 auf 50%; der Anteil der öffentlichen Mittel stieg parallel dazu von 30% auf 33%.

Österreichische Forschungsquote deutlich über dem EU-Durchschnitt

Mit 3,10% für 2019 ist die österreichische Forschungsquote hinter Schweden (3,40%) und Deutschland (3,18%) die dritthöchste in der EU-27 und liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt von 2,20%. Dieser liegt deutlich unter der Forschungsquote der Schweiz (3,18%, 2017) und den wichtigsten außereuropäischen Ländern Südkorea (4,52%, 2018), Japan (3,28%, 2018) und der USA (2,82%, 2018), aber knapp über jener von China (2,14%, 2018).

Wegen der Unsicherheiten in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung wird wie bereits im Vorjahr auf eine Schätzung der für das aktuelle Kalenderjahr 2021 zu erwartenden F&E-Ausgaben verzichtet. Basierend auf einer Vorausschau für 2021 von rund 100 F&E betreibenden Großunternehmen sind die F&E-Ausgaben der Unternehmen 2021 um 1% gegenüber 2020 angestiegen. Wenn sich die Wirtschaftsentwicklung 2021 normalisieren sollte, ist daher mit einem Rückgang der Forschungsquote zu rechnen.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu F&E finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik: Die Globalschätzung der Bruttoinlandsausgaben für F&E wurde auf Grundlage der Ergebnisse der österreichischen F&E-Erhebungen sowie anderer verfügbarer Unterlagen und Informationen, in erster Linie der F&E-relevanten Voranschlags- und Rechnungsabschlussdaten des Bundes und der Bundesländer, der aktuellsten Konjunkturdaten, vorläufigen Teilergebnissen der F&E-Erhebung über das Berichtsjahr 2019 im Unternehmenssektor und Vorausschätzungen von rund 150 großen F&E betreibenden Unternehmen über das Jahr 2020 erstellt. Die Ausgaben für und die Finanzierung der in Österreich durchgeführten F&E wird entsprechend den Definitionen des international gültigen Frascati-Handbuchs der OECD dargestellt. Österreichische Zahlungen für im Ausland durchgeführte F&E sind in die Bruttoinlandsausgaben für F&E nicht einbezogen. Steuerliche Rückerstattungen aus der Forschungsprämie werden in dieser Darstellung gemäß den Vorgaben des Frascati-Handbuchs als Finanzierung durch den Unternehmenssektor subsumiert. Daten über die Jahre 2002, 2004, 2006, 2007, 2009, 2011, 2013, 2015 und 2017 sind Ergebnisse aus den detaillierten, im Regelfall alle zwei Jahre durchgeführten F&E-Erhebungen bei Forschung durchführenden Einrichtungen. Werte für die übrigen Jahre sind Schätzungen auf jeweils zum Zeitpunkt der Schätzung verfügbaren Informationen.

 

Bruttoinlandsausgaben für F&E in Österreich von 2000 bis 2020
BerichtsjahrBruttoinlandsausgaben für F&E
in Millionen Euroin Prozent des BIP
20004.028,671,89
20014.393,091,99
20024.684,312,07
20035.041,982,17
20045.249,552,17
20056.029,812,37
20066.318,592,36
20076.867,822,42
20087.548,062,57
20097.479,752,60
20108.066,442,73
20118.276,342,67
20129.287,842,91
20139.571,282,95
201410.275,183,08
201510.499,153,05
201611.135,563,12
201711.289,783,06
201811.911,853,09
201912.344,573,10
202012.143,113,23

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