Korrigierte Pressemitteilung: 12.461-052/21

Österreichs Wirtschaftsleistung im 4. Quartal 2020 um 5,7% gesunken, Rückgang von 6,6% für 2020

Wien, 2021-03-05 – Die österreichische Wirtschaft ist laut vorläufigen Berechnungen von Statistik Austria im 4. Quartal 2020 um 5,7% (real) gegenüber dem Vorjahresquartal geschrumpft. Im Vergleich zum 3. Quartal 2020 wurde saison- und arbeitstagbereinigt ein realer Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,7% verzeichnet. Im gesamten Jahr 2020 ging die österreichische Wirtschaftsleistung real um 6,6% zurück.

"Österreichs Wirtschaftsleistung verzeichnete im Corona-Jahr 2020 mit einem Minus von 6,6% den markantesten Rückgang nach 1945. Das BIP ging damit um 2,8 Prozentpunkte kräftiger zurück als im Jahr der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009. Dabei ist der Rückgang im 4. Quartal mit -5,7% geringer ausgefallen als zuletzt befürchtet. Dass Österreichs Wirtschaft im europäischen Vergleich recht hart getroffen wurde, liegt insbesondere am kräftigen Rückgang der Wirtschaftsleistung gerade in den Bereichen Beherbergung und Gastronomie. Ihr Anteil an der österreichischen Wertschöpfung wiegt mehr als dreimal schwerer als zum Beispiel in Deutschland", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

BIP im 4. Quartal 2020: starke Einbrüche im Dienstleistungskonsum; Investitionen stabilisieren sich

Der Konsum privater Haushalte sank gegenüber dem 4. Quartal 2019 real um 11,2%, vor allem aufgrund des starken Rückgangs des Konsums von Dienstleistungen von -21,7%. Auch im Vergleich zum 3. Quartal 2020 brach der Dienstleistungskonsum real um 14,8% ein, der gesamte Konsum privater Haushalte ging um 5,5% zurück. Demgegenüber wies der öffentliche Konsum ein reales Plus von 4,1% im Vergleich zum 4. Quartal des Vorjahres auf (+1,6% im Vergleich zum 3. Quartal 2020).

Auch der Dienstleistungsaußenhandel verzeichnete im 4. Quartal 2020 größere Einbußen. Gegenüber dem Vorjahresquartal brach der Export von Dienstleistungen real um 21,8%, der Import real um 14,1% ein. Die Rückgänge im Warenexport (-2,4% zum Vorjahresquartal) und im Warenimport (-0,1% zum Vorjahresquartal) fielen vergleichsweise moderat aus.

Die realen Investitionen stabilisieren sich nach Ausbruch der Krise wieder leicht. Sie verzeichneten gegenüber dem 4. Quartal 2019 nur mehr ein leichtes Minus von 0,7% (+0,4% gegenüber dem Vorquartal). Insbesondere die Ausrüstungsinvestitionen (inkl. Fahrzeuge) wiesen zum Vorjahresquartal mit +1,7% eine positive reale Wachstumsrate auf (+2,8% im Vergleich zum 3. Quartal 2020).

Der neuerliche Lockdown im 4. Quartal hinterließ deutliche Spuren in den Bereichen Gastronomie, Beherbergung, Handel und Verkehr (-19,7% real zum Vorjahresquartal) sowie in den Bereichen Unterhaltung und Kultur (-21,5% real zum Vorjahresquartal). Im Vergleich zum 3. Quartal, in denen sich diese Bereiche merklich erholt hatten, brach die reale Wertschöpfung erneut um 15,6% (Bereich Gastronomie, Beherbergung, Handel und Verkehr) bzw. um 12,5% (Bereich Unterhaltung und Kultur) ein. Die Herstellung von Waren konnte zwar noch nicht an das Vorkrisenniveau heranreichen (-1,3% im Vergleich zum 4. Quartal 2019), wies aber gegenüber dem 3. Quartal 2020 ein leichtes reales Plus von 1,7% auf.

Das Bauwesen verzeichnete gegenüber dem 4. Quartal 2019 einen vergleichsweisen moderaten realen Rückgang von 2,7% (-2,4% im Vergleich zum Vorquartal). Als stabil im Jahresabstand erwiesen sich erneut das Finanz- und Versicherungswesen (+3,1% real), das Wohnungswesen (+2,2% real) und der Bereich Information und Kommunikation (+1,6% real).

Der Arbeitsmarkt zeigte sich vom zweiten Lockdown im 4. Quartal weniger betroffen als noch im Frühjahr. Im Vergleich zum Zeitraum Oktober bis Dezember 2019 fielen die Beschäftigtenzahlen im 4. Quartal 2020 um 1,6%. Zum 3. Quartal 2020 ergibt sich keine Änderung (0,0%). Der vergleichsweise starke Einbruch der geleisteten Arbeitsstunden (-10,2% zum Vorjahresquartal, -5,8% zum Vorquartal) verweist auf die weiterhin aufrechten Maßnahmen zur Kurzarbeit.

BIP im Jahr 2020: historischer Rückgang von 6,6%; Dienstleistungen am stärksten betroffen

Das vorläufige Ergebnis für die reale wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2020 von -6,6% bedeutete vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie einen dramatischen Einbruch der Wirtschaftsleistung, der den Rückgang des Jahres 2009 (-3,8%) im Zuge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise noch deutlich übertraf. Nach derzeit vorliegenden Informationen lag Österreich damit im Vergleich mit den EU-Mitgliedsländern etwa im unteren Drittel. Der wichtigste Handelspartner Deutschland schnitt mit einem Minus von 4,9% deutlich besser ab, Italien als zweitwichtigster Partner mit -8,9% deutlich schlechter (Quelle: EUROSTAT, DESTATIS, ISTAT; siehe Grafik).

Der reale Rückgang fiel im Produzierenden Bereich (real -5,8%) insgesamt etwas geringer aus als im Dienstleistungsbereich (real -6,7%), wobei der tertiäre Sektor vor allem durch die staatsnahen Dienstleistungen (öffentliche Verwaltung, Gesundheitswesen, Bildungswesen) gestützt wurde. Am wenigsten stark von der Krise betroffen war im Produzierenden Bereich die Wasser- und Abfallwirtschaft, deren Anteil an der Gesamtwertschöpfung allerdings gering ist. Das Minus im Bauwesen (real -2,3%) fiel im Vergleich mit den anderen Wirtschaftsbereichen deutlich geringer aus. Die Herstellung von Waren (real -7,2%) verzeichnete einen ähnlichen starken Einbruch wie die Energiewirtschaft (real -7,7%). Die am stärksten betroffenen Dienstleistungsbranchen waren Beherbergung und Gastronomie (real -35,2%), Kultur-, Unterhaltungs- und persönliche Dienstleistungen (real -19,6%) sowie Verkehrsdienstleistungen (real -15,5%). Der Handel als gewichtigste Dienstleistungsbranche schrumpfte 2020 real um 5,6%.

Die Nachfrage nach Anlagegütern verzeichnete 2020 einen deutlichen realen Rückgang von -4,9%, wozu durchwegs alle Investitionskategorien mit Ausnahme der immateriellen Anlagegüter (Software, Forschung und Entwicklung (real +1,7%) beitrugen. Am kräftigsten schrumpften die Fahrzeuginvestitionen (-14,2%), gefolgt von den Investitionen in Maschinen (-12,1%). Moderater war der Rückgang bei den Bauinvestitionen (real -3,3%) und bei der Nachfrage nach Gütern der Informations- und Kommunikationstechnologie (real -1,1%).

Ein massiver Rückgang war bei den Konsumausgaben zu beobachten (real -9,6%), was vor allem an den Konsumausgaben der privaten Haushalte lag, die ein reales Minus von 9,8% verzeichneten. Die stärksten Einbrüche gab es beim Konsum von Dienstleistungen (Beherbergung und Gastronomie, Verkehr, persönliche Dienstleistungen). Einen Anstieg gab es bei dauerhaften Konsumgütern (z. B. Möbel) und bei digitalen Dienstleistungen. Die Konsumausgaben des Staates wuchsen real um 0,8%, wobei sich hier der Erwerb von Gütern zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie auswirkte.

Der Einbruch in der Herstellung von Waren spiegelt sich auch in den Warenexporten wider, deren realer Rückgang mit -6,9% ähnlich stark ausfiel wie jener der Warenimporte (real -7,4%). Deutlich stärker waren die Einbrüche bei den Exporten (real -18,0%) und Importen (real -17,4%) von Dienstleistungen, nicht zuletzt aufgrund der Beschränkungen im Reiseverkehr.

Krisenbedingt sanken die geleisteten Arbeitsstunden im Jahr 2020 um 8,8%. Aufgrund der gesetzten Maßnahmen sank die Zahl aller unselbständig und selbständig Erwerbstätigen in Österreich lediglich um 1,8% bzw. um rund 87.000 auf knapp mehr als 4,7 Mio. Beschäftigungsverhältnisse. Das Arbeitnehmerentgelt ging 2020 ebenfalls um 1,8% zurück.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Webseite. Eine Aufzeichnung des Pressegesprächs am 05. März 2021 finden Sie auf Youtube.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die nach dem standardisierten Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010) erstellten Berechnungen entsprechen der mit EU-Verordnung für alle Mitgliedsländer festgelegten Verpflichtung, Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) innerhalb der Europäischen Union nach einheitlichen Konzepten und Methoden zu erstellen. Aufgrund des außergewöhnlichen wirtschaftlichen Umfeldes sind zukünftige Revisionen nicht auszuschließen.

Tabelle 1: Reale Veränderungsraten des Bruttoinlandsprodukts, Quartalswerte
 201820192020
Q3Q4Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3Q4
% zum Vorquartal, bereinigt0,20,90,8-0,30,3-0,5-3,0-10,7+11,8-2,7
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt2,13,02,21,41,70,4-3,6-13,5-3,7-5,7
Tabelle 2: Bruttoinlandsprodukt, Jahreswerte
 201220132014201520162017201820192020
BIP, nominell, Mrd. Euro318,65323,91333,15344,27357,61369,34385,36397,58375,56
% zum Vorjahr2,71,62,93,33,93,34,33,2-5,5
% zum Vorjahr, real0,70,00,71,02,02,42,61,4-6,6
Tabelle 3: Reale Veränderungsraten ausgewählter Verwendungsaggregate, Quartalswerte
 201820192020
Q3Q4Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3Q4
Konsum
% zum Vorquartal, bereinigt-0,60,71,3-0,50,0-0,5-3,2-7,88,4-3,3
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt0,11,41,10,81,60,6-3,5-11,5-4,1-6,9
Konsum privater Haushalte
% zum Vorquartal, bereinigt-0,40,41,5-0,6-0,4-0,4-4,9-11,412,4-5,5
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt-0,21,20,41,11,20,5-5,2-16,4-6,1-11,2
Bruttoanlageinvestitionen
% zum Vorquartal, bereinigt-1,02,62,30,7-1,2-2,1-0,5-7,56,90,4
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt2,55,07,64,54,70,0-3,5-12,8-2,7-0,7
Exporte von Waren und Dienstleistungen
% zum Vorquartal, bereinigt-0,81,22,7-1,40,3-0,2-4,5-18,218,0-0,2
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt5,25,34,42,42,62,2-4,4-22,1-7,1-8,4
Tabelle 4: Ausgewählte Verwendungsaggregate, Jahreswerte
 201220132014201520162017201820192020
Konsumausgaben, nominell, Mrd. Euro233,64238,33243,86249,40257,17265,90274,58282,86267,98
% zum Vorjahr2,82,02,32,33,13,43,33,0-5,3
% zum Vorjahr, real0,40,10,40,61,61,61,11,0-6,5
Bruttoanlage-investitionen, nominell, Mrd. Euro72,1774,6375,4978,1482,5987,2692,4398,1494,93
% zum Vorjahr3,63,41,23,55,75,65,96,2-3,3
% zum Vorjahr, real0,91,6-0,42,34,34,13,94,0-4,9
Exporte von Waren und Dienstleistungen, nominell, Mrd. Euro171,99173,10177,86172,77187,41199,64214,61220,95197,63
% zum Vorjahr2,80,62,72,82,56,57,53,0-10,6
% zum Vorjahr, real1,40,62,93,03,04,95,52,9-10,4
Tabelle 5: Reale Veränderungsraten ausgewählter Wirtschaftsbereiche, Quartalswerte
 201820192020
Q3Q4Q1Q2Q3Q4Q1Q2Q3Q4
Produzierender Bereich
% zum Vorquartal, bereinigt1,32,30,2-0,9-0,8-1,9-1,2-14,014,50,6
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt4,56,75,01,90,9-3,4-5,2-17,3-3,4-1,6
Bau
% zum Vorquartal, bereinigt0,41,00,60,70,70,8-0,2-9,210,6-2,4
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt1,72,42,52,52,82,81,8-8,30,6-2,7
Handel, Verkehr, Gastronomie und Beherbergung
% zum Vorquartal, bereinigt-0,51,10,4-0,41,4-1,0-8,0-21,229,6-15,6
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt1,42,70,31,02,80,7-8,1 -26,6-6,9-19,7
Öffentliche Verwaltung, Erziehung und Unterricht, Gesundheits- und Sozialwesen
% zum Vorquartal, bereinigt0,10,10,30,30,00,10,1-0,30,70,4
% zum Vorjahresquartal, unbereinigt0,70,80,90,40,50,70,5-0,70,51,0

 

Tabelle 6: Ausgewählte Wirtschaftsbereiche, Jahreswerte
 201220132014201520162017201820192020
Herstellung von Waren, nominell, Mrd. Euro53,2353,4355,1757,4660,9662,2065,0666,0659,43
% zum Vorjahr3,40,43,34,26,12,04,61,5-10,0
% zum Vorjahr, real2,00,32,20,94,43,75,30,7-7,2
Bau, nominell, Mrd. Euro18,0318,5518,9619,1719,9521,1522,4324,1924,49
% zum Vorjahr3,22,92,21,14,16,06,17,81,2
% zum Vorjahr, real-0,6-1,2-2,3-2,5-0,13,31,82,7-2,3
Handel, nominell, Mrd. Euro36,4135,4136,6437,5337,9737,8740,6940,4238,22
% zum Vorjahr0,5-2,83,52,41,2-0,37,4-0,7-5,5
% zum Vorjahr, real-1,7-2,32,22,10,60,12,90,6-5,6
Beherbergung und Gastronomie, nominell, Mrd. Euro14,0414,4815,1215,7016,6617,2218,1019,1413,33
% zum Vorjahr5,13,24,43,86,23,45,15,8-30,3
% zum Vorjahr, real1,8-0,2-0,4-0,21,70,71,32,1-35,2
Information und Kommunikation, nominell, Mrd. Euro9,419,8010,3610,7011,4611,7212,8713,5413,69
% zum Vorjahr2,04,25,73,27,12,39,85,21,1
% zum Vorjahr, real-0,82,21,41,55,62,19,83,71,8
Grundstück- und Wohnungswesen, nominell, Mrd. Euro26,3727,7428,6829,9031,0132,6934,0735,3136,74
% zum Vorjahr4,35,23,44,33,75,44,23,64,0
% zum Vorjahr, real1,71,90,9-0,51,01,31,11,21,9
Öffentliche Verwaltung, Erziehung u. Unterricht, Gesundheit u. Soziales, nominell, Mrd. Euro49,3850,2651,6253,7155,9357,6459,6561,6862,98
% zum Vorjahr2,91,82,74,04,13,13,53,42,1
% zum Vorjahr, real0,40,10,40,71,61,20,80,60,3

Österreich im EU-Vergleich: Veränderung des Bruttoinlandsprodukts zum Vorjahr in Prozent

Grafik 1

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Ferdinand LEITNER, BA, Tel.: +43 1 71128-7715 bzw. ferdinand.leitner@statistik.gv.at und  
Mag. Kathrin LAIS, Tel.: +43 1 71128-7285 bzw. kathrin.lais@statistik.gv.at

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