Pressemitteilung: 12.424-015/21

Krebserkrankungen in Österreich: 366.843 Betroffene, 42.219 Neuerkrankungsfälle, 20.431 Sterbefälle

Wien, 2021-01-28 – Zum Jahresanfang 2019 lebten laut Statistik Austria 366.843 Personen mit einer Krebsdiagnose in Österreich. Die Zahl der Neuerkrankungsfälle lag im Jahr 2018 bei 42.219. Bei etwa der Hälfte aller 2018 diagnostizierten Fälle waren Brust, Prostata, Darm oder Lunge betroffen.

"Vor Corona waren Krebserkrankungen für jeden vierten Todesfall in Österreich verantwortlich. Im Jahr 2018 verstarben 20.431 Menschen daran, davon 9.373 Frauen und 11.058 Männer. Die häufigsten Todesursachen aufgrund einer Krebserkrankung waren Lungenkrebs bei Männern und Brustkrebs bei Frauen", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Häufigste Krebsneuerkrankungen: Brustkrebs bei Frauen, Prostatakrebs bei Männern

2018 erhielten in Österreich 19.519 Frauen und 22.700 Männer eine Krebsdiagnose. Die häufigsten Diagnosen waren bösartige Tumore der Brust bei Frauen (5.565 Fälle) und bösartige Tumore der Prostata bei Männern (6.018 Fälle), gefolgt von bösartigen Tumoren der Lunge (4.985 Fälle) und bösartigen Tumoren des Dickdarms bzw. Enddarms (4.563 Fälle).

Auf Brustkrebs entfielen 2018 rund 29% der Neuerkrankungsfälle bei Frauen sowie 17% aller Krebssterbefälle. Damit war Brustkrebs bei Frauen auch die häufigste krebsbedingte Todesursache. Prostatakrebs machte etwas mehr als ein Viertel (27%) aller 2018 neu diagnostizierten bösartigen Neubildungen bei Männern aus und war 2018 für etwa jeden neunten Krebstodesfall (11%) bei Männern verantwortlich.

Lungenkrebs stand 2018 mit 2.060 Fällen (11%) bei Frauen und 2.925 Fällen (13%) bei Männern jeweils an zweiter Stelle der Krebsneuerkrankungen. Mit etwa jedem fünften Krebssterbefall nahm Lungenkrebs bei Männern den ersten Rang unter den krebsbedingten Todesursachen ein (22%), bei Frauen stand er nach Brustkrebs an zweiter Stelle (17%). Sowohl das Erkrankungs- als auch das Sterberisiko an Lungenkrebs nahmen in den vergangenen Jahren bei Frauen stark zu.

Die dritthäufigste Lokalisation bei den Neuerkrankungen 2018 war mit 1.994 Fällen (10%) bei Frauen und 2.569 Fällen (11%) bei Männern Dickdarmkrebs. Dickdarmkrebs war für rund 10% der Krebssterbefälle verantwortlich. Das Risiko einer Darmkrebserkrankung ist für Frauen deutlich geringer als für Männer und sank in den vergangenen Jahren für Frauen und Männer gleichermaßen.

Immer mehr Menschen leben mit Krebs

Im Zeitraum von 1983 bis 2018 wurden im Österreichischen Krebsregister rund 1,306 Mio. Krebsneuerkrankungen bei rund 1,212 Mio. Personen mit Hauptwohnsitz in Österreich verzeichnet. Von diesen Personen lebten zum Jahresende 2018 noch 366.843, davon 191.871 Frauen und 174.972 Männer. Diese Personen hatten insgesamt rund 394.500 Tumore. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung machten an Krebs erkrankte Personen 4% aus.

In den vergangenen zehn Jahren nahm die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen von rund 39.000 auf über 42.000 zu. Dementsprechend steigt die Krebsprävalenz (die Anzahl der mit Krebs lebenden Personen an einem bestimmten Stichtag) seit Jahren kontinuierlich an. 2008 lebten rund 281.000 Personen mit einer Krebsdiagnose in Österreich, das waren um knapp 86.000 weniger als 2018. Daraus ergab sich ein Anstieg der Prävalenz von 2008 bis 2018 um 31% (Frauen 30% und Männer 32%). Dieser ist vor allem dadurch bedingt, dass es absolut gesehen in Folge der demografischen Alterung sowie steigender Lebenserwartung der Bevölkerung immer mehr Personen in höherem Lebensalter gibt und die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, mit steigendem Lebensalter zunimmt. Auch verstärktes Screening sowie verbesserte Diagnosemethoden tragen dazu bei, Krebserkrankungen vermehrt und frühzeitiger zu erkennen und erhöhen somit die Zahl der registrierten Neuerkrankungen.

Verbesserte Überlebenswahrscheinlichkeiten

Nicht zuletzt verbessern sich aber auch die Überlebenswahrscheinlichkeiten im Falle von Krebserkrankungen, wodurch sich die Zahl der mit Krebs lebenden Personen weiter erhöht. Bei rund 20.400 Personen führte im Jahr 2018 eine Krebserkrankung zwar zum Tod, das relative Fünf-Jahres-Überleben (Definition siehe "Informationen zur Methodik") ist dennoch von der Periode 2001–2005 bis zur Periode 2011–2015 von 60% auf 61% gestiegen. Das heißt, der Überlebensnachteil von Personen mit einer Krebserkrankung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung verringerte sich von 40% auf 39%.

Die Veränderung war bei Frauen stärker als bei Männern: Lag das relative Fünf-Jahres-Überleben für alle Malignome bei Frauen im Zeitraum 2010–2014 bei 63%, waren es zehn Jahre zuvor 60%. Bei Männern betrug das relative Fünf-Jahres-Überleben im Zeitraum 2010–2014 nur 58%, ein minimaler Rückgang im Vergleich zu 59% in der Periode 2000–2004.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu Krebserkrankungen, finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Das Österreichische Krebsregister von Statistik Austria liefert Ergebnisse zu Krebsneuerkrankungen. Die Ergebnisse umfassen Daten zur Inzidenz, zur Prävalenz und zum Überleben nach einer Krebsdiagnose. Basis dafür sind die gesetzlich verpflichtenden Krebsmeldungen, welche neben Informationen zur Krebserkrankung auch Angaben zum Alter, Geschlecht und Wohnort der Patientinnen und Patienten enthalten. 
Die Krebsinzidenz bezeichnet die Anzahl an Krebsneuerkrankungen pro Kalenderjahr. 
Altersstandardisierte Inzidenzraten sind um Effekte einer im Zeitverlauf sich ändernden Altersstruktur bzw. unterschiedlicher Alterszusammensetzungen der jeweiligen Bezugsbevölkerungen adjustiert und können im Sinne eines Erkrankungsrisikos interpretiert werden. 
Als Krebsprävalenz bezeichnet man die Anzahl der Personen (oder den Anteil in einer Bevölkerung), die mit einer vorangegangenen Krebsdiagnose zu einem bestimmten Zeitpunkt am Leben sind. In diese Messgröße fließen alle Krebsdiagnosen ein, unabhängig vom jeweiligen Gesundheitszustand der Person. Die Daten zur Prävalenz wurden auf Basis der Zahlen des Österreichischen Krebsregisters sowie eines Follow-up des Überlebensstatus aller registrierten Personen berechnet. Da Personen auch an mehreren Malignomen erkranken können, wird die Prävalenz nach Personen mit Krebserkrankungen (unabhängig von der Anzahl der Malignome) sowie nach Tumorlokalisationen ausgewiesen. Die Gesamtprävalenz nach Tumorlokalisationen ist folglich höher als nach Personen. 
Das relative Überleben setzt das beobachtete Überleben der Krebspatienten nach einem bestimmten Zeitraum (kumuliert, z. B. fünf Jahre) in Beziehung zum Überleben der Gesamtbevölkerung unter Berücksichtigung der Alters- und Geschlechtsverteilung. Eine relative Überlebensrate von 100% bedeutet, dass die Sterblichkeit unter den Erkrankten genauso hoch ist wie die Sterblichkeit der allgemeinen Bevölkerung gleichen Alters und Geschlechts. Das relative Überleben ist somit ein von der Kenntnis der wahren Todesursache unabhängiger Schätzer des krebsspezifischen Überlebens. Weitere Informationen zur Berechnung des Überlebens der Krebspatienten finden sie in Dickman, P. (2004): "Estimating and modeling relative survival using SAS" unter https://www.pauldickman.com
Die Übermittlung der Krebsregistermeldungen an Statistik Austria erfolgt teilweise mit größerer Verzögerung. Die Veröffentlichung der Statistik über Krebsneuerkrankungen in den Jahren 2019 und 2020 erfolgt daher aufgrund der derzeit noch unvollständigen Datenlage erst zu einem späteren Zeitpunkt. 
Die Ergebnisse zu den Krebssterbefällen stammen aus einer Verknüpfung der Daten des Krebsregisters mit den Daten der Todesursachenstatistik. Die Definition der Krebssterbefälle folgt hier Regeln der internationalen Vereinigung der Krebsregister (International Association of Cancer Registries, IACR). Daher weichen die Ergebnisse etwas von den Ergebnissen der Todesursachenstatistik ab.

 

Inzidenz, Mortalität, 5-Jahres-Überleben und Prävalenz zu Krebserkrankungen 2018
Lokalisationen1)InzidenzMortalitätÜberleben2)Prävalenz3)
Absolute ZahlenAbsolute ZahlenIn %Absolute Zahlen
Kopf- u. Halsbereich (C00-C14)1.22654349,98.541
Speiseröhre (C15)42341121,01.275
Magen (C16)1.12175032,86.825
Dickdarm und Enddarm (C18-C21)4.5632.07062,843.847
Leber (C22)1.01985815,01.980
Bauchspeicheldrüse (C25)1.8751.81210,42.838
Kehlkopf (C32)28815760,62.914
Lunge (C33-C34)4.9854.05321,314.830
Haut (C43)1.47135885,923.202
Brust (C50)5.6281.63686,781.174
Gebärmutterhals (C53)44013366,28.654
Gebärmutterkörper (C54)98718377,914.136
Eierstock (C56)76152043,26.819
Prostata (C61)6.0181.21591,468.130
Hoden (C62)3971895,99.971
Niere (C64)1.37042776,616.016
Harnblase (C67)1.50355765,315.707
Gehirn (C70-C72)67856427,84.190
Schilddrüse (C73)7417795,515.675
Hodgkin Lymphom (C81)1553187,03.843
Non-Hodgkin Lymphom (C82-C86, C96, B21.2)1.42065567,413.312
Plasmozytom u. Myelom (C90)49233344,92.503
Leukämie (C91-C95)1.13180752,08.675
Andere Malignome (restl. C-Codes und B21 excl. B21.2)3.5272.263-19.449
Alle Malignome (C00-C97, ohne C44, inkl. B21)42.219-60,7394.506
Alle Personen mit einer Krebsdiagnose (C00-C97, ohne C44, inkl. B21)-20.431 366.843

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Mag. Dr. Monika HACKL, Tel.: +43 1 71128-7355 bzw. monika.hackl@statistik.gv.at und  
Petra IHLE, BA, Tel.: +43 1 71128-7533 bzw. petra.ihle@statistik.gv.at

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