Pressemitteilung: 12.418-009/21

Spitalsentlassungen 2019: weniger und kürzere stationäre Krankenhausaufenthalte

Wien, 2021-01-21 – Insgesamt 2.558.049 stationäre Spitalsaufenthalte wurden laut Statistik Austria für das Jahr 2019 dokumentiert. Rund 93% der Spitalsentlassungen entfielen auf den Akutsektor; ein Sechstel der Akutaufenthalte erfolgte in einem tagesklinischen Setting. Die durchschnittliche Dauer eines vollstationären Aufenthaltes in einem Akutkrankenhaus lag im Jahr 2019 bei 6,3 Tagen. Im Bereich der Nichtakutversorgung wurde in 156.995 Fällen ein Rehabilitationsaufenthalt beendet, weitere 10.229 Entlassungen fanden aus Einrichtungen der Langzeitversorgung und Prävention/ Genesung statt. Insgesamt wurden im Jahr 2019 in allen Versorgungssektoren 4.524.477 medizinische Leistungen (Untersuchungen bzw. Therapien) im Rahmen stationärer Aufenthalte erbracht, gut 28% davon waren operative Eingriffe.

Stationäre Behandlungen verlagern sich zunehmend in den tagesklinischen und spitalsambulanten Bereich

Der langjährige Vergleich zeigt, dass die Zahl der Spitalsentlassungen im Bereich der Akutversorgung in den ersten zwanzig Jahren nach Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1989 um rund 60% stieg; rechnet man das Bevölkerungswachstum heraus, liegt der Anstieg noch immer bei 47%. Danach pendelte sich die Zahl stationärer Aufenthalte auf einem Niveau von rund 2,7 Millionen pro Jahr ein, um von 2016 bis 2019 wieder um rund 12% zu sinken.

Dieser Rückgang stationärer Aufenthalte ist vor allem auf ein in den Jahren 2017 und 2018 sukzessive eingeführtes und mit 1. Jänner 2019 verbindlich in Kraft getretenes Abrechnungsmodell zurückzuführen, bei dem bisher als tagesklinisch codierte Leistungen nun als spitalsambulant erfasst werden, was eine teilweise Verlagerung von stationärer tagesklinischer zu spitalsambulanter Versorgung nach sich gezogen hat.

Zugleich steigt auch mit dem Fortschritt medizinischer Untersuchungs- und Behandlungstechnologien die Zahl an minimalinvasiven Eingriffen, die im Rahmen von kürzeren Spitalsaufenthalten erbracht werden können. Dies wiederum führt zu einer Verschiebung vollstationärer Behandlungen in den tagesklinischen Bereich.

Weniger und kürzere Aufenthalte in Akutkrankenanstalten

Die Verlagerung stationärer Behandlungen in den tagesklinischen und spitalsambulanten Bereich erklärt auch den Rückgang der Spitalsaufenthalte in Akutkrankenanstalten in den vergangenen drei Jahren um fast 12%. Die Zahl der sogenannten "Null-Tagesaufenthalte", bei denen die Aufnahme und die Entlassung am selben Tag erfolgen, verringerte sich von 2016 auf 2019 um nahezu 39%, im vollstationären Segment wurden im gleichen Zeitraum um 3% weniger Entlassungen erfasst. Damit einher geht auch eine kontinuierliche Verkürzung der durchschnittlichen Spitalsaufenthaltsdauer um fast 43% seit dem Jahr 1989 (1989: 11,0 Tage, 2019: 6,3 Tage). Verbrachte die Hälfte der vollstationär aufgenommenen Personen 1989 noch bis zu 6,9 Tage im Spital, so waren es 2019 nur mehr 3,4 Tage.

Minimalinvasive chirurgische Eingriffe im tagesklinischen Setting

In österreichischen Spitälern wurden im Jahr 2019 insgesamt 1.282.050 Operationen durchgeführt. Die meisten davon betrafen den Bewegungsapparat (24%) und geburtshilfliche Eingriffe bzw. Eingriffe am Urogenitaltrakt (20%). Rund 22% aller operativen Leistungen wurden tagesklinisch erbracht, das sind um fast 13 Prozentpunkte mehr als noch im Jahr 2009. Insgesamt hat sich die Zahl der tagesklinischen (zumeist minimalinvasiven) Operationen in den vergangenen zehn Jahren auf das Zweieinhalbfache erhöht.

Von den im Jahr 2019 tagesklinisch durchgeführten Eingriffen entfiel fast die Hälfte (47%) auf Operationen an Augen und Orbita (das sind 77% aller chirurgischen Eingriffe in diesem Bereich), vier Fünftel dieser operativen Leistungen machten Kataraktoperationen aus. Andere häufig im tagesklinischen Setting durchgeführte minimalinvasive Eingriffe betrafen Urogenitaltrakt und Bewegungsapparat, sie machten jeweils rund ein Siebentel aller tagesklinisch durchgeführten Operationen aus.

Häufigste Entlassungsdiagnosen

Ein vollstationärer Aufenthalt in einer Akutkrankenanstalt war vor allem wegen einer Erkrankung des Kreislaufsystems (13% der Entlassungen) oder einer Verletzung bzw. Vergiftung (12% der Fälle) notwendig. Wegen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Verdauungssystems sowie wegen bösartiger Neubildungen wurden jeweils rund 10% aller Patientinnen und Patienten vollstationär behandelt. Dagegen waren Augenerkrankungen die häufigste Ursache für einen Null-Tagesaufenthalt in einer Akutkrankenanstalt, sie betrafen knapp 37% aller tagesklinisch betreuten Patientinnen und Patienten. Weitere 11% erhielten eine Krebsbehandlung im tagesklinischen Setting (zumeist Chemotherapien bzw. Bestrahlungen); gegenüber dem Jahr 2016 kam es hier zu einem Rückgang von 165.734 auf 44.463 Aufnahmen (-73%).

Detaillierte Ergebnisse finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Spitalsentlassungsstatistik wird seit 1989 erhoben. Als Sekundärstatistik basiert sie auf der gesetzlich verpflichtenden Diagnosen- und Leistungsdokumentation aller österreichischen Krankenanstalten, seit 1997 im Rahmen der leistungsorientierten Krankenanstalten-Finanzierung (LKF). Statistik Austria veröffentlicht jährlich die Statistik der Spitalsentlassungsfälle nach Hauptdiagnose zum Zeitpunkt der Entlassung sowie die Statistik der medizinischen Einzelleistungen.  
Die Spitalsentlassungsstatistik ist keine personenbezogene, sondern eine fallbezogene Statistik, das heißt Mehrfachaufnahmen einer Person innerhalb eines Berichtsjahrs sind auch mehrfach enthalten.  
In der Berechnung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer sind die tagesklinischen Null-Tagesaufenthalte, bei denen die Aufnahme und die Entlassung am selben Tag erfolgen, nicht enthalten. Dieser Berechnungsmodus entspricht den internationalen Vorgaben.  
Als vollstationäre Aufenthalte werden Spitalsaufenthalte mit mindestens einer Übernachtung bezeichnet. Gezählt werden hier die Mitternachtsstände. 
Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz stellt jährlich Daten über die in den Krankenhäusern vorhandenen Ressourcen in personeller, apparativer und räumlicher Hinsicht sowie Kennzahlen zur Inanspruchnahme der Krankenhäuser aus der Krankenanstalten-Statistik zur Verfügung. 
Die Daten zu den Spitalsentlassungen, Spitalsbetten und Personalzahlen werden von Statistik Austria jährlich an die OECD, EUROSTAT und die WHO gemeldet und in deren Datenbanken und Publikationen veröffentlicht.

 

Tabelle 1: Spitalsaufenthalte seit 1989
Eckdaten Spitalsaufenthalte1)1989200920162019Veränderung 
in Prozent
1989/20192016/2019
Spitalsaufenthalte insgesamt1.721.7992.789.0662.863.7212.558.04948,6-10,7
Pro 1.000 der Bevölkerung2)221,7328,5322,1282,627,5-12,3
Spitalsaufenthalte Akutversorgung1.664.9622.672.2532.705.4602.390.82543,6-11,6
Vollstationäre Aufenthalte3)1.589.1242.212.2982.053.2741.991.34525,3-3,0
Tagesklinische Aufenthalte4)75.838459.955652.186399.480426,8-38,7
Durchschnittliche Aufenthaltsdauer5)  
 in Tagen (Mittelwert)
11,06,76,46,3-42,7-1,6
Median der Aufenthaltsdauer5)  
 in Tagen
6,93,83,53,4-50,5-2,5
Durchschnittliche Aufenthaltsdauer5)  
 pro Kopf6) (Mittelwert)
2,31,81,51,4-38,4-6,0
Spitalsaufenthalte  
Nichtakutversorgung
56.837116.813158.261167.224194,25,7
Rehabilitation37.682107.406147.620156.995316,66,4
Langzeitversorgung14.5455.0487.5347.509-48,4-0,3
Prävention/Genesung4.6104.3593.1072.720-41,0-12,5
Medizinische Leistungen insgesamt.4.424.6934.834.2214.524.477.-6,4
Leistungen während 
vollstationärer Aufenthalte3)
.4.032.2214.145.7904.079.479.-1,6
Operative Leistungen.1.084.454993.453998.557.0,5
Nichtoperative Leistungen.2.947.7673.152.3373.080.922.-2,3
Leistungen während  
tagesklinischer Aufenthalte4)
.392.472688.431444.998.-35,4
Operative Leistungen.114.251244.175283.493.16,1
Nichtoperative Leistungen.278.221444.256161.505.-63,6

 

Tabelle 2: Spitalsaufenthalte in Akutkrankenanstalten 2019 nach Diagnose
Diagnosegruppe (ausgewählte ICD-10-Kapitel)Spitalsaufenthalte 2019Veränderung in Prozent
absolutin Prozent2009/20192016/2019
Spitalsaufenthalte1) in Akutkrankenanstalten insgesamt2.390.825.-10,5-11,6
Vollstationäre Aufenthalte2)1.991.345100,0-10,0-3,0
Krankheiten des Kreislaufsystems (I00-I99)251.63812,6-10,2-3,3
Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)238.77912,0-3,42,7
Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems  
und des Bindegewebes (M00-M99)
201.75910,1-10,6-2,5
Krankheiten des Verdauungssystems (K00-K93)200.96110,1-2,3-2,7
Bösartige Neubildungen (C00-C97)198.0939,9-0,6-1,7
Krankheiten des Atmungssystems (J00-J99)137.3336,9-5,91,7
Krankheiten des Urogenitalsystems (N00-N99)125.2616,3-9,10,3
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)107.5845,40,0-6,3
Krankheiten des Nervensystems (G00-G99)90.0774,5-6,7-7,7
Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99)88.9084,5-28,4-17,7
Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)53.9282,7-1,9-0,2
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)46.2352,3-20,0-5,6
In-situ- und andere (gutartige) Neubildungen (D00-D48)41.1252,1-8,3-1,7
Krankheiten des Auges und der Augenanhangsgebilde  
(H00-H59)
29.4671,5-64,1-18,0
Andere Krankheiten180.1979,0-10,9-2,2
Tagesklinische Aufenthalte3)399.480100,0-13,1-38,7
Krankheiten des Auges und der Augenanhangsgebilde  
(H00-H59)
146.08736,6135,4-16,2
Bösartige Neubildungen (C00-C97)44.46311,1-64,8-73,2
Krankheiten des Urogenitalsystems (N00-N99)34.1278,528,5-7,8
Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems  
und des Bindegewebes (M00-M99)
32.0588,0-20,3-33,2
Krankheiten des Kreislaufsystems (I00-I99)23.5545,9-11,1-28,2
Verletzungen, Vergiftungen und bestimmte andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)23.2885,8-0,7-8,3
Krankheiten des Verdauungssystems (K00-K93)17.4924,4-37,9-42,1
Krankheiten des Nervensystems (G00-G99)15.7163,91,4-17,1
In-situ- und andere (gutartige) Neubildungen (D00-D48)10.3592,6-35,8-58,3
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)8.3692,1-12,1-31,4
Krankheiten des Atmungssystems (J00-J99)6.9581,7-38,6-25,5
Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99)6.4681,6-61,2-50,7
Andere Krankheiten30.5417,6-46,9-49,3

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Michaela Prammer-Waldhör, Tel.: +43 1 71128-7263 bzw. michaela.prammer-waldhoer@statistik.gv.at

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