Pressemitteilung: 12.417-008/21

Inflation im Jahr 2020 auf 1,4% gesunken

Wien, 2021-01-20 – Mit 1,4% lag die von Statistik Austria berechnete durchschnittliche Inflationsrate des Verbraucherpreisindex (VPI 2015) im Jahr 2020 leicht unter dem Wert des Vorjahres (1,5%) und merklich unter den Werten der Jahre 2018 und 2017 (2,0% bzw. 2,1%). Nach 2,2% im Februar und einem Jahrestiefstwert von 0,7% im Mai hatte die Inflation im Juli 1,7% erreicht und sank im Dezember auf 1,2%.

"Die Inflationsrate lag im Jahr 2020 bei 1,4% und setzte damit den Trend niedriger Teuerungsraten der letzten Jahrzehnte fort. An der Supermarktkasse war das aber nicht spürbar: Im Coronajahr 2020 fiel die Teuerung bei Nahrungsmitteln mit 2,4% etwa doppelt so hoch aus wie im Jahr zuvor. Besonders kräftig stiegen die Preise beim Obst mit 4,6% und bei den Fleischwaren mit 4,5%. Der Weltmarkt für Rohöl ließ hingegen die Preise für Treibstoff und Heizöl sinken", so Statistik-Austria-Generaldirektor Dr. Tobias Thomas.

Ausgaben für Wohnen hatten, wie bereits im Jahr 2019, den größten Einfluss auf die Jahresinflation. Einem leichten Rückgang bei Treibstoffen 2019 folgte ein stärkerer im Jahr 2020.

Höhere Kosten für Wohnen waren für etwa ein Drittel der Jahresinflation verantwortlich

Die Preise für Wohnung, Wasser, Energie stiegen 2020 durchschnittlich um 2,3% (Einfluss: +0,47 Prozentpunkte). Im Schnitt höhere Mieten trugen wesentlich dazu bei (+4,1%; Einfluss: +0,22 Prozentpunkte). Die Instandhaltung von Wohnungen kostete um 3,0% mehr (Einfluss: +0,19 Prozentpunkte). Haushaltsenergie hingegen zeigte sich mit -0,2% (Einfluss: -0,01 Prozentpunkte) beinahe preisstabil. Massiv verbilligte Heizölpreise (-22,5%; Einfluss: -0,12 Prozentpunkte) wurden durch höhere Strompreise (+5,8%; Einfluss: +0,12 Prozentpunkte) kompensiert. Die Preise für Gas verringerten sich um 1,5%, jene für Fernwärme um 0,2%. Feste Brennstoffe legten um 0,7% zu.

Zweitwichtigster Preistreiber: Bewirtungsdienstleistungen

Ausgaben für Restaurants und Hotels stiegen durchschnittlich um 3,1% (Einfluss: +0,39 Prozentpunkte). Hauptverantwortlich dafür waren fast ausschließlich höhere Preise für Bewirtungsdienstleistungen (insgesamt +3,5%; Einfluss: +0,38 Prozentpunkte). Aufgrund der COVID-19-Maßnahmen wurden fast alle Preise für Beherbergungsdienstleistungen (+0,5%; Einfluss: +0,01 Prozentpunkte) im April, Mai, November und Dezember imputiert. Die Senkung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020 hatte keinen spürbaren Effekt auf die Entwicklung der Verbraucherpreise in diesen Branchen.

Preissteigerung bei Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken mit +2,3% etwa doppelt so hoch wie 2019 (+1,1%)

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich im Jahr 2020 durchschnittlich um 2,3% (Einfluss: +0,26 Prozentpunkte). Dafür waren überwiegend Nahrungsmittel verantwortlich (insgesamt +2,4%; Einfluss: +0,24 Prozentpunkte). Im Zuge der Maßnahmen gegen COVID-19 seit dem Frühjahr waren überdurchschnittlich hohe Teuerungen insbesondere für Obst mit 4,6% (Einfluss: +0,04 Prozentpunkte) auffallend. Fleisch kostete um 4,5% mehr (Einfluss: +0,11 Prozentpunkte). Die Preise für Milch, Käse und Eier stiegen insgesamt um 2,3%. Brot und Getreideerzeugnisse verteuerten sich um 1,4%. Gemüse kostete um 0,7% mehr. Öle und Fette hingegen verbilligten sich um 2,2%. Die Preise für alkoholfreie Getränke stiegen um 1,6%.

Bekleidung und Schuhe fast preisstabil

Bekleidung und Schuhe kosteten durchschnittlich um 0,1% weniger (Einfluss: -0,00 Prozentpunkte). Bekleidungsartikel verbilligten sich um 0,3%, für Schuhe zahlte man um 0,5% mehr.

Verkehr: deutlicher Preisdämpfer aufgrund billigerer Treibstoffe

Die Preise für Verkehr gingen durchschnittlich um 1,7% zurück (Einfluss: -0,23 Prozentpunkte). Treibstoffe verbilligten sich insgesamt um 12,6% (Einfluss: -0,40 Prozentpunkte). Im Jahr 2019 hatten sie um 1,5% weniger gekostet (Einfluss: -0,04 Prozentpunkte). Auch die Preise für Flugtickets gingen im Jahr 2020 zurück (-8,6%; Einfluss: -0,04 Prozentpunkte). Neue Kraftwagen hingegen kosteten um 4,1% mehr (Einfluss: +0,09 Prozentpunkte). Reparaturen privater Verkehrsmittel verteuerten sich um 3,6% (Einfluss: +0,06 Prozentpunkte).

Unterschiedliche Entwicklung der Teuerung bei Spezialindizes im Jahr 2020

Die Jahresveränderungsraten des Miniwarenkorbs (-0,6%), der den wöchtenlichen Einkauf abbilden soll und neben Nahrungsmitteln auch Treibstoffe enthält, sowie des Pkw-Index (-1,7%) lagen aufgrund verbilligter Treibstoffe markant unter der allgemeinen VPI-Inflationsrate des Jahres 2020 (+1,4%). Die Jahresveränderungsrate des Mikrowarenkorbs (+2,9%) hingegen, der den Warenkorb des täglichen Bedarfs repräsentieren soll, war etwa doppelt so hoch wie die allgemeine Inflationsrate. Die Ausgaben für Tarife und Gebühren stiegen im Jahr 2020 um 1,6%.

Teuerung laut harmonisiertem Verbraucherpreisindex im Jahr 2020 bei +1,4%

Die Inflationsrate des auf europäischer Ebene harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI 2015) fiel mit 1,4% niedriger aus als 2019 (+1,5%). Sie war gleich hoch wie jene des VPI. Gewichtungsunterschiede zwischen VPI und HVPI (siehe Informationen zur Methodik) führten in einzelnen Ausgabengruppen zu unterschiedlichen Veränderungsraten und Einflüssen, die sich jedoch insgesamt ausglichen.

COVID-19 machte geänderte Vorgangsweise bei Erstellung des Verbraucherpreisindex notwendig

Die umfangreichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Eindämmung von COVID-19, wirkten sich auch auf die Berechnung der Inflationsrate aus. Insbesondere während der Lockdowns konnte ein Teil der Preise nicht wie gewohnt erhoben werden und wurde daher ersetzt bzw. fortgeschrieben. Unterschiedliche Methoden und Ansätze kamen zur Anwendung, um die Erhebungsausfälle zu kompensieren bzw. um ihren Einfluss auf die Inflationsrate zu begrenzen. Insgesamt waren im Jahr 2020, gemessen an ihrer Gewichtung, etwa 8,1% der zu erhebenden Preise für Waren und Dienstleistungen von nicht zu ersetzenden Erhebungsausfällen betroffen und mussten unter Verwendung international gängiger und EU-weit abgestimmter Methoden fortgeschrieben werden (Details siehe unter "Informationen zur Methodik").

Weitere Informationen zum VPI und HVPI, HVPI-KS sowie zum aktuellen Warenkorb und zur Gewichtung, zur Revision und zu den verketteten Indexreihen finden Sie auf unserer Webseite.

Den Wertsicherungsrechner mit und ohne Schwellenwert finden Sie unter: Wertsicherungsrechner.

Unser "Persönlicher Inflationsrechner" erlaubt es Ihnen, eine für Ihren Haushalt aussagekräftige Inflationsrate zu berechnen und diese mit der nationalen Inflationsrate zu vergleichen.

Die Detailauswertungen der Spezialindizes im Jahr 2020 (PDF, 91 KB) und des Dezember 2020 (PDF, 222 KB) finden Sie auf der Website unter "weitere Informationen".

Eine Aufzeichnung des Online-Pressegesprächs zur Preisentwicklung im Jahr 2020 vom 20.1.2021 steht ebenfalls online zur Verfügung.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Als Inflationsrate wird die durchschnittliche Preisentwicklung im Zwölfmonatsabstand bezeichnet.  
Einfluss = Veränderungsrate x Gewicht der betreffenden Position (vereinfachte Darstellung). 
Auswirkungen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung von COVID-19 auf die Erstellung der Inflationsraten im Jahr 2020: 
Ab April schwankte die Anzahl der Warenkorbpositionen, für die Preise imputiert werden mussten, stark. Die Empfehlungen des Statistikamtes der Europäischen Union Eurostat zur Erstellung von Verbraucherpreisindizes wurden dabei berücksichtigt.  
Eine ausführliche Dokumentation der verwendeten Methoden und Imputationen findet sich auf der Webseite von Statistik Austria. 
Unterschiede VPI/HVPI: 1) Gewichtungsunterschiede aufgrund der EU-Verordnung Nr. 2020/1148: Für den HVPI müssen aus Vergleichsgründen und zwecks Berücksichtigung der Ausgaben von ausländischen Touristinnen und Touristen die Daten der Konsumrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung als Gewichtung verwendet werden (Inlandsprinzip). Für den VPI sind die Ergebnisse der Konsumerhebung maßgeblich, um bestmöglich die Konsumausgabenanteile nur der in Österreich lebenden Haushalte abzubilden (Inländer-im-Inland-Prinzip). 2) Gewichtungsunterschiede aufgrund unterschiedlicher Konzepte: Die motorbezogene Versicherungssteuer und Glücksspiele sind nur im VPI enthalten. Die Ausgaben ausländischer Touristinnen und Touristen sind nur im HVPI enthalten. Deshalb sind Treibstoffe, Flugtickets, Bewirtungs- und Beherbergungsdienstleistungen sowie Bekeidung im HVPI höher gewichtet als im VPI. Bei Versicherungsdienstleistungen werden sowohl im HVPI als auch im VPI die von den Haushalten gezahlten Brutto-Prämien für die monatliche Preismessung herangezogen. In der VPI-Gewichtung sind Versicherungsdienstleistungen mit dem Brutto-Anteil berücksichtigt, im HVPI-Gewichtungsschema abzüglich der Schadenszahlungen der Versicherungen an die privaten Haushalte (Netto-Konzept).  Im HVPI ist die Instandhaltung von Wohnungen geringer gewichtet als im VPI.

 

Tabelle 1: Indexstände und Veränderungsraten für nationalen VPI und harmonisierten VPI1)
 VPIHVPI
JahrBasisjahr 2015+/- %Basisjahr 2010+/- %Basisjahr 2015+/- %
2000   2,3 2,0
2001   2,7 2,3
2002   1,8 1,7
2003   1,3 1,3
2004   2,1 2,0
2005   2,382,302,1
2006   1,583,691,7
2007   2,285,532,2
2008   3,288,293,2
2009   0,588,640,4
2010  100,01,990,141,7
2011  103,33,393,353,6
2012  105,82,495,752,6
2013  107,92,097,772,1
2014  109,71,799,201,5
2015100,0 110,70,9100,000,8
2016100,90,9111,70,9100,971,0
2017103,02,1114,02,1103,222,2
2018105,12,0116,32,0105,412,1
2019106,71,5118,11,5106,981,5
2020108,21,4119,81,4108,471,4

 

Tabelle 2: Indexstände und Veränderungsraten für Gesamtindizes und COICOP1)-Hauptgruppen5)
Index/AggregatVeränderungEinflussIndex
2020/20192019/20182020/20192019/201820202019
+/- %+/- ProzentpunkteBasisjahr 2015
VPI 2015 (gesamt)1,41,5 - -108,2106,7
Mikrowarenkorb (täglicher Einkauf; Basis 2015) 2,90,3 - -111,7108,5
Miniwarenkorb (wöchentlicher Einkauf; Basis 2015) -0,60,7 - -107,3108,0
Index ohne Saisonwaren 20151,41,6 - -108,3106,8
Index der Saisonwaren 20153,2-1,5 - -102,699,4
Index für den privaten Pkw-Verkehr 20152)-1,70,3 - -102,5104,3
Harmonisierter Verbraucherpreisindex
20153)
1,41,5 - -108,47106,98
Harmonisierter Verbraucherpreisindex zu konstanten Steuersätzen20154)2,21,5 - -109,10106,76
COICOP-Hauptgruppen (VPI) 2015      
01 Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke2,31,10,2640,117108,2105,8
02 Alkoholische Getränke und Tabak1,21,00,0450,037111,2109,9
03 Bekleidung und Schuhe-0,10,80,0010,037103,5103,6
04 Wohnung, Wasser, Energie2,32,80,4660,536110,3107,8
05 Hausrat und laufende Instandhaltung des Hauses 0,91,10,0600,075106,3105,4
06 Gesundheitspflege2,01,10,1130,062109,2107,1
07 Verkehr-1,70,3-0,2290,030102,5104,3
08 Nachrichtenübermittlung-3,0-3,2-0,061-0,06388,691,3
09 Freizeit und Kultur1,71,40,1900,146107,5105,7
10 Erziehung und Unterricht2,02,70,0240,031110,5108,3
11 Restaurants und Hotels3,12,90,3880,353116,3112,8
12 Verschiedene Waren und Dienstleistungen2,11,70,1880,147109,3107,0

 

Tabelle 3: Wichtigste Preisänderungen im Jahr 2020 gegenüber 2019
Indexposition1)Veränderung 
gegenüber 
Jahr 2019
Einfluss auf 
Vorjahresveränderung
+/- %+/- Prozentpunkte
Preistreiber  
Wohnungsmiete, alle Kategorien4,10,218
Elektrischer Strom, Arbeitspreis / Tag6,00,090
Ehering / Ring10,80,026
Ziegelstein4,20,026
Matratze16,00,025
Preissenker  
Dieseltreibstoff-12,7-0,255
Superbenzin-12,3-0,146
Heizöl extra leicht, Großabnahme-22,5-0,119
Flugticket
-8,6-0,038
Mobiltelefongerät-9,2-0,030

 

Tabelle 4: Sonderaggregate des Verbraucherpreisindex 2015 nach COICOP
Sonderaggregate1)
Güter und Dienstleistungen
VeränderungEinflussIndex
2020/20192019/20182020/20192019/201820202019
+/- %+/-  
Prozentpunkte
Basisjahr 2015
A,E,F,SGESAMTINDEX (VPI)1,41,5--108,2106,7
A,E,FGüter0,61,00,2950,530105,4104,8
A,EIndustriegüter und Energie0,01,0-0,0140,375104,0104,0
AIndustriegüter1,31,10,3980,304105,4104,0
A1Kurzlebige Industriegüter2,52,40,2430,243107,9105,3
A2Halbdauerhafte Industriegüter-0,30,1-0,0200,007102,7103,0
A3Dauerhafte Industriegüter1,60,60,1740,054104,7103,1
EEnergie-5,61,0-0,4110,07198,3104,1
E1Elektrizität, Gas, feste Brennstoffe, Fernwärme3,03,20,1100,118104,3101,3
E2Mineralölprodukte-13,9-1,5-0,521-0,04891,9106,7
F
Lebensmittel, Tabak, Alkohol2,11,00,3090,156109,0106,8
F1Verarbeitete Lebensmittel und Alkohol1,30,90,1400,094108,7107,3
F2Saisonwaren (Obst, Gemüse, Fisch)2,60,50,0620,013107,4104,7
F3Fleisch- und Wurstwaren4,52,10,1070,049111,4106,6
SDienstleistungen2,42,01,1460,978111,3108,7
S1Verkehrsdienstleistungen1,41,00,1010,077108,0106,5
S2Dienstleistungen zur Wohnung3,02,60,3640,328113,4110,1
S3Reisen und Unterkunft2,51,70,0830,048107,7105,1
S4Restaurants und Dienstleistungen (Freizeit)2,92,90,4800,466115,3112,0
S5Kommunikationsdienstleistungen-1,8-2,4-0,031-0,04391,092,7
S6Dienstleistungen zu Gesundheit, Erziehung, Sozialschutz sowie sonstige Dienstleistungen2,01,40,1490,102110,3108,1

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