Pressemitteilung: 12.399-239/20

Inflation bleibt im November 2020 bei 1,3%

Wien, 2020-12-17 – Die Inflationsrate für November 2020 lag laut Statistik Austria bei 1,3% und war damit gleich hoch wie im Oktober 2020 (ebenfalls 1,3%). Der Indexstand des Verbraucherpreisindex 2015 (VPI 2015) betrug im November 2020 108,8. Gegenüber dem Vormonat Oktober 2020 stieg das durchschnittliche Preisniveau um 0,2%.

"Im November hat sich die Preissteigerung nicht beschleunigt. Die Inflationsrate lag wie bereits im Oktober bei 1,3%. Kräftiger stiegen die Preise bei Einkäufen des täglichen Bedarfs: Der sogenannte Mikrowarenkorb, der überwiegend aus Lebensmitteln besteht, verteuerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 3,3%", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Ohne Preisanstieg für Wohnen hätte die Inflation 0,9% betragen

Der Preisanstieg für Wohnung, Wasser, Energie (durchschnittlich +2,1%) beeinflusste die Inflationsrate mit +0,42 Prozentpunkten und erwies sich damit als stärkster Preistreiber im Jahresvergleich. Mieten stiegen insgesamt um 5,6% (Einfluss: +0,31 Prozentpunkte). Die Instandhaltung von Wohnungen verteuerte sich durchschnittlich um 2,7% (Einfluss: +0,17 Prozentpunkte). Haushaltsenergie kostete hingegen durchschnittlich um 2,2% weniger (Einfluss: -0,09 Prozentpunkte), wozu vor allem die stark gesunkenen Heizölpreise beitrugen (-31,0%; Einfluss: -0,17 Prozentpunkte). Gas verbilligte sich ebenfalls (-2,4%). Auch die Preise für Fernwärme und feste Brennstoffe gingen zurück (um -1,6% bzw. um -1,1%). Strom hingegen verteuerte sich deutlich (+5,1%; Einfluss: +0,10 Prozentpunkte).

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke kosteten durchschnittlich um 2,7% mehr (Einfluss: +0,32 Prozentpunkte). Nahrungsmittel alleine verteuerten sich insgesamt um 2,7% (Einfluss: +0,29 Prozentpunkte). Die Preise für Fleisch stiegen um 3,2% (Einfluss: +0,08 Prozentpunkte), jene für Obst um 6,6% sowie jene für Gemüse um 4,7%. Milch, Käse und Eier verteuerten sich insgesamt um 3,0%. Für Brot und Getreideerzeugnisse zahlte man um 1,1% mehr. Alkoholfreie Getränke verteuerten sich um 2,6%.

Die Preise für Verkehr sanken durchschnittlich um 3,1% (Einfluss: -0,42 Prozentpunkte). Treibstoffe verbilligten sich insgesamt um 16,3% (Einfluss: -0,53 Prozentpunkte), etwa so stark wie im Oktober (-16,1%; Einfluss: -0,50 Prozentpunkte). Auch für Flugtickets musste deutlich weniger ausgegeben werden (-21,8%; Einfluss: -0,09 Prozentpunkte). Neue Kraftwagen hingegen verteuerten sich durchschnittlich um 4,8% (Einfluss: +0,11 Prozentpunkte) und Reparaturen privater Verkehrsmittel um 3,0% (Einfluss: +0,05 Prozentpunkte).

Nachrichtenübermittlung verbilligte sich durchschnittlich um 2,0% (Einfluss: -0,04 Prozentpunkte). Mobiltelefone kosteten um 8,3% weniger (Einfluss: -0,03 Prozentpunkte), die Preise für Telefon- und Telefaxdienste gingen um 0,8% zurück.

Inflation November gegenüber Oktober 2020: +0,2%

Hauptpreistreiber im Vergleich zum Vormonat Oktober 2020 waren teurere Fahrzeuge (durchschnittlich +0,6%; Einfluss: +0,03 Prozentpunkte). Als Hauptpreisdämpfer im Vergleich zum Vormonat erwies sich Fleisch (durchschnittlich -1,5%; Einfluss: -0,04 Prozentpunkte).

Teuerung laut harmonisiertem Verbraucherpreisindex liegt im November 2020 bei 1,1%

Der Indexstand des auf europäischer Ebene harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI 2015) lag im November 2020 bei 109,13 (Oktober 2020: 108,93 revidiert). Die harmonisierte Inflationsrate betrug 1,1% (Oktober 2020 ebenfalls 1,1%) und war somit um 0,2 Prozentpunkte geringer als jene des VPI. Der Unterschied beruht auf Gewichtungsunterschieden zwischen VPI und HVPI (siehe Informationen zur Methodik). Insbesondere höhere Kosten für die Instandhaltung und Reparatur von Wohnungen (geringere Gewichtungsanteile im HVPI als im VPI) verminderten den HVPI gegenüber dem VPI.

Teuerung beim täglichen Einkauf höher als Gesamtinflation, Wocheneinkauf weiterhin billiger

Das Preisniveau des Mikrowarenkorbs, der überwiegend Nahrungsmittel, aber auch Tageszeitungen oder den Kaffee im Kaffeehaus enthält und den täglichen Einkauf widerspiegelt, stieg im Jahresvergleich um 3,3% (Oktober +3,3%).

Das Preisniveau des Miniwarenkorbs, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Treibstoffe enthält, ging im Jahresabstand um 0,7% zurück (Oktober -0,8%).

"Leichter" Lockdown: Vorgangsweise bei der Erstellung des November-Verbraucherpreisindex

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Eindämmung von COVID-19 haben im November merkliche Auswirkungen auf die Berechnung der Inflationsrate gehabt. Da die Erhebungswoche (9. bis 13. November 2020) vor dem "harten" Lockdown (17. November bis inklusive 6. Dezember 2020) stattfand, erstreckten sich die Preisausfälle im November vor allem auf die Bereiche Kultur, Unterhaltung, Freizeit sowie Sport. Auch der Bereich Gastronomie war stark betroffen, mit Ausnahme jener (wenigen) Speisen und Getränke, die man abholen bzw. sich liefern lassen konnte. Erneut wurden bewährte Methoden und Ansätze angewendet, um Erhebungsausfälle zu kompensieren bzw. um deren Einfluss auf die Inflationsrate zu begrenzen. Diese betrafen 14,6% des Warenkorbgewichtes (siehe "Informationen zur Methodik").

Weitere Informationen zum VPI und HVPI, HVPI-KS sowie zum aktuellen Warenkorb und zur Gewichtung, zur Revision und zu den verketteten Indexreihen finden Sie auf unserer Webseite.

Den Wertsicherungsrechner mit und ohne Schwellenwert finden Sie unter: Wertsicherungsrechner.

Unser persönlicher Inflationsrechner erlaubt es Ihnen, eine für Ihren Haushalt aussagekräftige Inflationsrate zu berechnen und diese mit der nationalen Inflationsrate zu vergleichen.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Für den VPI wird seit Jänner 2016 eine neue Indexperiode mit dem Basisjahr 2015 veröffentlicht. Jede Indexreihe wird mit dem Basisjahr bezeichnet, d. h. die durchschnittliche Jahresmesszahl des neuen Verbraucherpreisindex 2015 (VPI 2015) wird für das Basisjahr 2015 auf 100,0 normiert. Der HVPI wird seit Jänner 2016 ebenfalls auf Basis 2015 veröffentlicht. 
 
Merkliche Auswirkungen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung von COVID-19 auf die Erstellung der November-Inflationsrate: 
Aufgrund des "leichten" Lockdowns war die Anzahl der Warenkorbpositionen, für die im November 2020 Preise imputiert werden mussten, deutlich höher als im Oktober. Die Empfehlungen des Statistikamtes der Europäischen Union Eurostat zur Erstellung von Verbraucherpreisindizes wurden dabei berücksichtigt.  
Eine ausführliche Dokumentation der verwendeten Methoden und Imputationen findet sich auf der Webseite von Statistik Austria. 
 
Als Inflationsrate wird die durchschnittliche Preisentwicklung im Zwölfmonatsabstand bezeichnet. 
Einfluss = Veränderungsrate x Gewicht der betreffenden Position (vereinfachte Darstellung).  
Der Basiseffekt ist ein statistisches Phänomen und betrifft den Einfluss des vergleichbaren Bezugszeitpunkts (Basis) auf die aktuelle Preisentwicklung. Der Basiseffekt spielt insbesondere bei der Interpretation der Veränderungsraten zum Vorjahr eine Rolle. Die Höhe der Teuerungsrate eines bestimmten Monats hängt nicht nur von der aktuellen Preisentwicklung ab, sondern auch vom Preisniveau des Vorjahres. Gab es in der vergleichbaren Vorjahresperiode einen (vorübergehenden) starken Preisanstieg, so wird die aktuelle Teuerungsrate tendenziell niedriger, gegebenenfalls auch rückläufig ausfallen. Selbst bei unveränderter Preisentwicklung im aktuellen Monat gegenüber dem Vormonat kann die zugehörige Teuerungsrate aufgrund des statistischen Basiseffektes variieren. 
 
Unterschiede VPI/HVPI:  
1) Gewichtungsunterschiede aufgrund der EU-Verordnung Nr. 1114/2010: Seit Jänner 2012 müssen für den HVPI aus Vergleichsgründen die Daten der Konsumrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung als Gewichtung verwendet werden. Dadurch erhielten beispielsweise im HVPI Bekleidung und Schuhe ein deutlich höheres Gewicht als im VPI, Pauschalreisen hingegen ein deutlich niedrigeres.  
2) Gewichtungsunterschiede aufgrund unterschiedlicher Konzepte: Die motorbezogene Versicherungssteuer und Glücksspiele sind nur im VPI enthalten. Die Ausgaben ausländischer Touristinnen und Touristen sind nur im HVPI enthalten. Deshalb sind Treibstoffe, Flugtickets, Bewirtungs- und Beherbergungsdienstleistungen im HVPI höher gewichtet als im VPI. Bei Versicherungsdienstleistungen werden sowohl im HVPI als auch im VPI die von den Haushalten gezahlten Brutto-Prämien für die monatliche Preismessung herangezogen. In der VPI-Gewichtung sind Versicherungsdienstleistungen mit dem Brutto-Anteil berücksichtigt, im HVPI-Gewichtungsschema abzüglich der Schadenszahlungen der Versicherungen an die privaten Haushalte (Netto-Konzept). Im HVPI ist die Instandhaltung von Wohnungen geringer gewichtet als im VPI.  
 
Saisonale Produkte: Aufgrund der EU-Verordnung Nr. 330/2009 wird für Saisonprodukte wie Obst, Gemüse, Fisch, Bekleidung und Schuhe die Preisentwicklung in den außersaisonalen Zeiträumen mithilfe der durchschnittlichen Preisentwicklung aller Produkte bzw. der restlichen Saisonprodukte derselben Produktgruppe geschätzt. Die Anwendung dieser Methoden ist für den HVPI verpflichtend, für den VPI wird aus Konsistenzgründen analog vorgegangen. 
 
ECOICOP: Die ECOICOP 5-Steller liegen auch für den HVPI-CT auf Basis 2015=100 rückwirkend ab 12/2014 vor. Weiters wurden in der Eurostat-Datenbank die ECOICOP 5-Steller für den HVPI auf Basis 2015=100 rückwirkend ab 12/2012 publiziert.

 

Tabelle 1: Indexstände und Veränderungsraten für Gesamtindizes und COICOP1) -Hauptgruppen8)
Index/AggregatVeränderungEinflussIndex
November 
2020/ 
November 
2019
November 
2020/ 
Oktober 
2020
Oktober 
2020/ 
Oktober 
2019
November 
2020/ 
November 
2019
November 
2020/ 
Oktober 
2020
November 
20202)
Oktober 
20203)
+/- %+/- ProzentpunkteBasisjahr 2015
Verbraucherpreisindex 2015 (gesamt)1,30,21,3--108,8108,6
Mikrowarenkorb (täglicher Einkauf; Basis 2015) 3,30,13,3--112,3112,2
Miniwarenkorb (wöchentlicher Einkauf; Basis 2015) -0,70,0-0,8--107,2107,2
Index ohne Saisonwaren 20151,20,21,3--108,9108,7
Index der Saisonwaren 20157,40,35,3--104,4104,1
Index für den privaten Pkw-Verkehr 20155)-2,80,2-2,7--101,9101,7
Harmonisierter Verbraucherpreisindex 20156)1,10,21,1--109,13108,934)
Harmonisierter Verbraucherpreisindex zu konstanten Steuersätzen 20157)2,70,22,6--110,54110,344)
COICOP-Hauptgruppen (VPI) 2015
01 Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke2,7-0,32,70,319-0,035108,5108,8
02 Alkoholische Getränke und Tabak1,9-0,12,10,0760,000112,4112,5
03 Bekleidung und Schuhe-0,20,1-0,4-0,0100,005111,3111,2
04 Wohnung, Wasser, Energie2,10,12,20,4190,017110,9110,8
05 Hausrat und laufende Instandhaltung des Hauses 0,5-0,20,80,035-0,016106,6106,8
06 Gesundheitspflege2,50,22,60,1420,011109,9109,7
07 Verkehr-3,10,1-3,3-0,4210,004101,3101,24)
08 Nachrichtenübermittlung-2,0-0,5-1,3-0,042-0,00988,488,8
09 Freizeit und Kultur1,41,41,20,1570,150107,8106,34)
10 Erziehung und Unterricht1,70,21,50,0220,002111,8111,6
11 Restaurants und Hotels3,30,33,30,4120,027116,8116,5
12 Verschiedene Waren und Dienstleistungen2,1-0,22,50,192-0,012109,8110,0
Tabelle 2: Wichtigste Preisänderungen im November 2020 gegenüber dem Vorjahr
Indexposition1)Veränderung gegenüber November 2019Einfluss auf Vorjahresveränderung
+/- %+/- Prozentpunkte
Preistreiber  
Wohnungsmiete, alle Kategorien5,60,305
Elektrischer Strom, Arbeitspreis/Tag5,20,078
Zigaretten3,00,065
Fast Food13,80,030
Betriebskosten, Mietwohnung1,00,021
Preisdämpfer  
Dieseltreibstoff-16,8-0,346
Superbenzin-15,2-0,186
Heizöl extra leicht, Großabnahme-31,0-0,167
Flugticket-21,8-0,089
Mobiltelefongerät-8,3-0,030
Tabelle 3: Wichtigste Preisänderungen im November 2020 gegenüber dem Vormonat
Indexposition1)Veränderung gegenüber Oktober 2020Einfluss auf Vormonatsveränderung
+/- %+/- Prozentpunkte
Preistreiber  
Wohnungsmiete, alle Kategorien0,30,018
CD-Rom-Spiel für PC41,50,015
Gardinen, Store17,40,013
Brillenfassung7,40,011
Zigaretten0,40,009
Preisdämpfer  
Schweinsschnitzel-9,0-0,018
Rindsschnitzelfleisch-8,0-0,015
Flugticket
-3,5-0,011
Superbenzin-1,1-0,011
Mobiltelefongerät-2,3-0,009

 

Tabelle 4: Sonderaggregate des Verbraucherpreisindex 2015 nach COICOP1)
Sonderaggregate, 
Güter und Dienstleistungen
VeränderungEinflussIndex
November 
2020/ 
November 
2019
November 
2020/ 
Oktober 
2020
November 
2020/ 
November 
2019
November 
2020/ 
Oktober 
2020
November 
20202)
Oktober 
20203)
+/- %+/- ProzentpunkteBasisjahr 2015
A,E,F,SGESAMTINDEX (VPI)1,30,2 - -108,8108,6
A,E,FGüter0,2-0,10,102-0,015106,1106,2
A,EIndustriegüter und Energie-0,80,1-0,2930,020104,8104,7
AIndustriegüter1,10,10,3320,026107,0106,9
A1Kurzlebige Industriegüter2,20,00,228-0,002108,0108,0
A2Halbdauerhafte Industriegüter-0,20,5-0,0200,041107,5107,0
A3Dauerhafte Industriegüter1,2-0,10,124-0,013105,3105,4
EEnergie-8,2-0,1-0,626-0,00695,895,9
E1Elektrizität, Gas, feste Brennstoffe, Fernwärme2,00,10,0730,003104,1104,0
E2Mineralölprodukte-18,2-0,3-0,699-0,00987,187,4
F
Lebensmittel, Tabak, Alkohol2,5-0,20,395-0,035109,5109,7
F1Verarbeitete Lebensmittel und Alkohol1,90,00,198-0,001109,4109,4
F2Saisonwaren (Obst, Gemüse, Fisch)4,90,30,1220,002108,6108,3
F3Fleisch- und Wurstwaren3,2-1,50,075-0,036110,5112,2
SDienstleistungen2,40,41,1920,159111,8111,4
S1Verkehrsdienstleistungen0,6-0,20,041-0,009107,3107,5
S2Dienstleistungen zur Wohnung3,20,10,4230,019114,6114,5
S3Reisen und Unterkunft2,43,20,0740,113104,9101,6
S4Restaurants und Dienstleistungen (Freizeit)2,90,30,5030,038116,4116,1
S5Kommunikationsdienstleistungen-0,80,0-0,0130,00091,291,2
S6Dienstleistungen zu Gesundheit, Erziehung, Sozialschutz sowie sonstige Dienstleistungen2,20,00,163-0,002110,9110,9

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Mag. Michaela MAIER, Tel. +43 1 71128-7187 bzw. michaela.maier@statistik.gv.at

Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber: 
Bundesanstalt Statistik Österreich  
1110 Wien, Guglgasse 13, Tel.: +43 1 71128-7777 
presse@statistik.gv.at  
© STATISTIK AUSTRIA