Pressemitteilung: 12.392-232/20

Arbeitsmarkt während der Corona-Krise: Zahl der Erwerbstätigen hat sich im 3. Quartal 2020 deutlich erholt, Arbeitslosigkeit bleibt hoch

Wien, 2020-12-09 – Die Anzahl erwerbstätiger Personen (nach internationaler Definition) lag im 3. Quartal 2020 mit 4.360.300 um 31.100 bzw. 0,7% unter dem Wert des 3. Quartals 2019. Im Vergleich zum stark von der Corona-Krise betroffenen 2. Quartal hat sich die Zahl der Beschäftigten mit einem Plus von 146.200 bzw. 3,5% deutlich erholt. Wie die endgültigen Ergebnisse der Arbeitskräfteerhebung von Statistik Austria weiter zeigen, blieb die Arbeitslosenquote nach EU-Definition im Vergleich zum Vorquartal im 3. Quartal 2020 mit 5,7% nahezu unverändert, lag aber weiterhin um 1,3 Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau.

Die Zahl der offenen Stellen sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund ein Fünftel (-28.500) und lag im 3. Quartal 2020 bei 99.900.

"Nach dem starken Rückgang der Beschäftigtenzahlen im 2. Quartal dieses Jahres, gab es zwischen Juli und September eine spürbare Erholung am Arbeitsmarkt. Dennoch waren im 3. Quartal heuer 59.600 Menschen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen als im Vorjahresquartal", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Starker Anstieg bei Erwerbstätigen gegenüber dem Vorquartal, deren Anzahl bleibt aber unter dem Vorjahresniveau

Im 3. Quartal 2020 waren in Österreich 4.360.300 Personen ab 15 Jahren nach internationaler Definition erwerbstätig, um 146.200 bzw. 3,5% mehr als im besonders stark von den Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie betroffenen 2. Quartal. Damit hat sich die Zahl der Beschäftigten nach dem außerordentlichen Rückgang im 2. Quartal 2020 (-129.200 Personen; -3,0%) deutlich erholt. Zu berücksichtigen ist dabei, dass üblicherweise die Zahl der Erwerbstätigen im 3. Quartal eines Jahres saisonbedingt ansteigt. Im Vergleich zum 3. Quartal 2019 blieb die Zahl der Erwerbstätigen im aktuellen Quartal jedoch um 0,7% oder 31.100 Personen zurück.

Die Erwerbstätigenquote für das Haupterwerbsalter (15 bis 64 Jahre) lag damit bei 73,5%, um 0,8 Prozentpunkte unter dem Niveau des 3. Quartals 2019. Dabei waren Männer stärker von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen als Frauen. Die Erwerbstätigenquote der Frauen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,4 Prozentpunkte auf 69,2% gesunken, jene der Männer dagegen stark um 1,2 Prozentpunkte auf 77,7%.

Starker Rückgang bei 20- bis 24-jährigen Männern

Im 3. Quartal betrug die Erwerbstätigenquote der österreichischen Staatsangehörigen 74,9%, um 0,8 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr, bei nicht-österreichischen Staatsangehörigen lag sie mit 67,3% um 0,3 Prozentpunkte darunter. Im Vergleich zum 2. Quartal 2020 waren die Zeichen für eine Erholung des Arbeitsmarktes bei Personen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft (+4,7 Prozentpunkte) stärker sichtbar als bei Österreicherinnen und Österreichern (+1,9 Prozentpunkte).

In mehreren Altersgruppen sind die Erwerbstätigenquoten im Vergleich zum Vorjahr gesunken, am deutlichsten aber bei den 20- bis 24-Jährigen mit einem Minus von 2,0 Prozentpunkten. Dieser Rückgang ging dabei ausschließlich auf das Konto der jungen Männer. So sank die Erwerbstätigenquote der 20- bis 24-jährigen Männer im Jahresvergleich um 5,7 Prozentpunkte, bei den gleichaltrigen Frauen war im Gegensatz dazu ein Anstieg von 2,3 Prozentpunkten zu verzeichnen.

Arbeitslosigkeit deutlich über dem Vorjahresniveau

Die Zahl der Arbeitslosen nach internationaler Definition stieg seit dem 2. Quartal 2020 nur leicht auf insgesamt 263.300 Personen (+11.600) an. Im Vergleich zum 3. Quartal 2019 lag die Arbeitslosigkeit coronabedingt um 59.600 bzw. 29,3% aber sehr deutlich über dem Vorjahresniveau. Die Arbeitslosenquote nach ILO-Definition war mit 5,7% um 1,3 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Männer und Frauen waren nahezu gleich häufig von Arbeitslosigkeit betroffen (jeweils 5,7%).

Überdurchschnittlich stark ist die Arbeitslosenquote bei Personen mit maximal Pflichtschulabschluss auf 13,8% (+3,0 Prozentpunkte) sowie bei Personen mit Lehrabschluss auf 4,8% (+1,5 Prozentpunkte) angewachsen. Bei Akademikerinnen und Akademikern fiel der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr am geringsten aus.

Die Auswirkungen der Corona-Krise zeigten sich vor allem im vorigen Quartal in einer massiven Zunahme der Personen in der "stillen Reserve" des Arbeitsmarkts. Die "stille Reserve" umfasst Personen, die nicht erwerbstätig sind, keine Arbeit gesucht haben, aber grundsätzlich gerne erwerbstätig gewesen wären und auch innerhalb von zwei Wochen eine neue Tätigkeit aufnehmen könnten. Diese Gruppe hat sich von 93.600 (2. Quartal 2019) auf 202.700 Personen (2. Quartal 2020) mehr als verdoppelt. Vom 2. Quartal auf das 3. Quartal 2020 ist die Zahl der "stillen Reserve" wieder um 75.200 auf 127.600 gesunken. Damit lag sie dennoch um 19.000 Personen über dem Vorjahresquartal.

Starker Rückgang bei coronabedingtem Homeoffice

Im 3. Quartal 2020 haben 19,6% bzw. 700.900 Erwerbstätige zum Befragungszeitpunkt von zu Hause aus gearbeitet, das entspricht einem Rückgang von 11 Prozentpunkten gegenüber dem Vorquartal. Nur noch 8,5% haben coronabedingt von zu Hause aus gearbeitet (-14,3 Prozentpunkte). Der Großteil war dabei mittels PC und/oder Smartphone tätig, das entspricht einem Anteil von 18,1% der Erwerbstätigen in Telearbeit (-11,6 Prozentpunkte). Auch im 3. Quartal wurde mit steigendem Bildungsniveau und mit höherer beruflicher Qualifikation häufiger von zu Hause aus gearbeitet. Frauen und Männer haben sich seit dem 2. Quartal angeglichen und waren beinahe zu gleichen Teilen im Homeoffice. Zu den Branchen mit den höchsten Homeoffice-Anteilen zählten auch im 3. Quartal Information und Kommunikation (59,3%), Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (44,8%) sowie Erziehung und Unterricht (40,0%). Den größten Rückgang bei coronabedingtem Homeoffice wiesen Erwerbstätige in der Branche Erziehung und Unterricht (-39,6 Prozentpunkte) und Personen in akademischen Berufen (-27,7 Prozentpunkte) auf.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Webseite sowie im Schnellbericht Arbeitsmarktstatistik (PDF, 2,5 MB).

 

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Die vorliegenden Daten stammen aus der europäischen Arbeitskräfteerhebung (AKE), die in allen Mitgliedsländern der EU stattfindet. Dabei werden in zufällig ausgewählten privaten Haushalten in standardisierter Form Informationen zu Erwerbstätigkeit und Arbeitsuche erhoben. In Österreich wird die AKE im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt – eine Stichprobenerhebung, bei der wöchentlich ca. 1.500 Haushalte befragt werden. Diese Daten werden auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet und sind saisonal nicht bereinigt.  
Erwerbstätige nach internationaler Definition: Personen, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder die wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgehen. Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen.  
Erwerbstätigenquote: Erwerbstätige im Alter von 15 bis 64 bezogen auf die gleichaltrige Bevölkerung.  
Arbeitslose nach internationaler Definition: Personen, die im Sinne dieses Konzeptes nicht erwerbstätig sind, die weiters innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen können und in der Referenzwoche oder den drei vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben oder nur deshalb nicht gesucht haben, weil sie bereits eine Arbeit gefunden haben, die sie innerhalb von drei Monaten aufnehmen werden. Als langzeitarbeitslos gelten Personen, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind. 
Arbeitslose nach nationaler Definition: Die beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos vorgemerkten, nicht selbständig oder unselbständig erwerbstätigen Personen. Geringfügige Beschäftigungen (laut Dachverband der Sozialversicherungsträger, kurz: DV) sind hier ausgenommen, d. h. eine arbeitslose Person kann gleichzeitig geringfügig beschäftigt sein.  
Arbeitslosenquote: Anteil der Arbeitslosen nach nationaler Definition am Arbeitskräftepotential (das sind Arbeitslose plus unselbständige Beschäftigungen laut DV).  
Arbeitslosenquote nach internationaler Definition: Hier werden die nach internationalen Richtlinien erhobenen Erwerbstätigen und Arbeitslosen im Alter von 15 bis 74 Jahren für die Berechnung der Quote herangezogen.  
Arbeitslosenquote nach nationaler Definition: beruht auf den Arbeitslosen laut AMS und den unselbständigen Beschäftigungen laut DV. Selbständige und Mithelfende sind hier nicht bei den Erwerbspersonen enthalten, geringfügig Beschäftigte nur dann, wenn sie als arbeitslos vorgemerkt sind. Für die Berechnung der Arbeitslosenquote nach nationaler Definition ergibt sich daher ein größerer Zähler (Arbeitslose), aber ein kleinerer Nenner (Arbeitslose + Erwerbstätige) und in der Folge eine höhere nationale Arbeitslosenquote als bei der Anwendung der internationalen Richtlinien.  
Teilzeitarbeit: Die hier präsentierten Zahlen basieren auf einer direkten Frage nach Teilzeitarbeit. 
Telearbeit: Personen, die mit PC und/oder Smartphone von zu Hause aus gearbeitet haben. Seit Beginn des 2. Quartals 2020 wurden im Rahmen der AKE vier freiwillig zu beantwortende Zusatzfragen zur Arbeitssituation in Zeiten der COVID-19-Pandemie gestellt. Die Fragen waren an alle Personen gerichtet, die in der Referenzwoche gearbeitet haben und zusätzlich in den letzten vier Wochen von zu Hause aus gearbeitet haben. Personen, die in den letzten vier Wochen nie von zu Hause aus gearbeitet haben, wurden automatisch der Gruppe "keine Arbeit von zu Hause" zugeordnet. 
"Stille Arbeitsmarktreserve" (auch "stille Reserve") nach internationaler Definition: Nicht-Erwerbspersonen (Personen, die laut internationaler Definition weder erwerbstätig noch arbeitslos sind) im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in der Referenzwoche und den drei Wochen davor nicht nach Arbeit suchen, aber grundsätzlich gerne arbeiten würden und innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche zu arbeiten beginnen könnten.  
Offene Stellen: Die Offene-Stellen-Erhebung von Statistik Austria wird seit dem 1. Quartal 2009 für die Wirtschaftsabschnitte B bis S der ÖNACE 2008 laufend durchgeführt. Insgesamt werden pro Quartal rund 6.000 Unternehmen befragt.

 

Tabelle 1: Hauptergebnisse der Arbeitsmarktstatistik (internationale Definitionen) 2020 und 2019, Quartale
 Einheit3. Quartal 2020Veränderung zum … 
absolut bzw. in %-Punkten
2. Quartal 20203. Quartal 2019
Erwerbstätigkeit (ILO-Konzept)    
Erwerbstätige1.0004.360,3146,2-31,1
Erwerbstätigenquote1) (15 bis 64 Jahre)%73,52,4-0,8
   Männer%77,72,7-1,2
   Frauen%69,22,1-0,4 *
   Jugendliche (15 bis 24 Jahre)%52,75,4-0,2 *
   Ältere (55 bis 64 Jahre)%55,00,9 *0,7 *
   Österreichische Staatsangehörige%74,91,9-0,8
   Ausländische Staatsangehörige%67,34,7-0,3 *
Unselbständig Erwerbstätige1.0003.827,8130,1-35,8
   Männer1.0001.983,075,9-18,7 *
   Frauen1.0001.844,854,2-17,1 *
Selbständig Erwerbstätige1.000476,915,0-4,8 *
   Männer1.000307,16,2 *-4,8 *
   Frauen1.000169,78,8-0,1 *
Mithelfende1.00055,71,1 *9,5 *
Land- und Forstwirtschaft1.000174,56,5 *13,1 *
Industrie und Gewerbe1.0001.102,844,2-13,7 *
Dienstleistungen1.0003.083,095,5-30,4 *
Arbeitslosigkeit (ILO-Konzept)    
Arbeitslose1.000263,311,6 *59,6
Arbeitslosenquote2)%5,70,1 *1,3
   Männer%5,7-0,1 *1,2
   Frauen%5,70,3 *1,3
   Jugendliche (15 bis 24 Jahre)%11,0-0,7 *1,3 *
   Ältere (55 bis 64 Jahre)%4,30,6 *0,8 *
   Österreichische Staatsangehörige%4,40,4 *0,9
   Ausländische Staatsangehörige%11,5-1,5 *2,6
Nicht-Erwerbspersonen1.0001.285,3-151,6-8,9 *
   Stille Arbeitsmarktreserve1.000127,6-75,219,0
Offene Stellen    
Offene Stellen (ÖNACE 2008 B-S)1.00099,915,1-28,5
Offene-Stellen-Quote3)%2,40,3-0,6

 

Tabelle 2: Erwerbstätige nach Telearbeit, Geschlecht und ausgewählten Wirtschaftszweigen, 3. Quartal 2020
MerkmaleIn Referenzwoche gearbeitet insg.Keine Arbeit von zu HauseArbeit von zu Hause Darunter:
Telearbeit (mit PC bzw. Smartphone)Keine Angabe auf die Frage nach Arbeit von zu Hause
wegen
Corona
Insgesamt in 1.0003.571,82.720,1700,9302,5648,1150,8
Männer in 1.0001.973,31.503,9382,7156,6355,786,7
Frauen in 1.0001.598,51.216,2318,2145,9292,464,1
Insgesamt in %100,076,219,68,518,14,2
Männer in %100,076,219,47,918,04,4
Frauen in %100,076,119,99,118,34,0
Veränderung in %-Punkten zum Vorquartal
Insgesamt in %-Punkten-11,4-11,0-14,3-11,6-0,4 *
Männer in %-Punkten -10,6-10,1-13,7-10,6-0,5 *
Frauen in %-Punkten-12,5-12,2-15,1-12,7-0,3 *
Ausgewählte Wirtschaftszweige (ÖNACE 08); Männer und Frauen in 1.000
F Bau315,8281,526,98,325,7(7,4)
G Handel507,4430,962,226,361,514,4
I Beherbergung und Gastronomie218,9195,916,6(4,7)13,8(6,4)
J Information und Kommunikation106,233,963,040,262,89,3
K Finanz- u. Versicherungsdienst-leistungen120,160,053,840,953,8(6,3)
P Erziehung und Unterricht177,791,971,122,868,814,7
Q Gesundheits- und Sozialwesen370,5328,534,08,932,2(8,0)
R Kunst, Unterhaltung und Erholung62,641,618,4(7,3)18,0(x)

Rückfragen zum Thema beantwortet das Team der Arbeitskräfteerhebung in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria, unter: ake@statistik.gv.at  

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