Pressemitteilung: 12.389-229/20

Regionales Wirtschaftswachstum 2019 am stärksten in der Steiermark und am schwächsten in Kärnten

Wien, 2020-12-04 – Im Jahr 2019 verzeichneten laut Statistik Austria alle Bundesländer ein positives reales Wachstum des Bruttoregionalprodukts (BRP) zwischen 0,8% (Kärnten) und 2,0% (Steiermark) – bei einer Steigerung des österreichischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,4%.

"Reale Wirtschaftsleistung, Einkommen und Beschäftigung sind im Vorjahr in allen Bundesländern weiter gewachsen. Das stärkste Wirtschaftswachstum gab es in der Steiermark, den höchsten Beschäftigungszuwachs in Wien. Das höchste Pro-Kopf-Einkommen konnte erneut Vorarlberg verbuchen, während das Bruttoregionalprodukt pro Einwohner wieder in Salzburg am höchsten war", erklärt Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Produzierender Bereich als Wachstumsmotor in der Steiermark und im Westen

Die Steiermark wies 2019 mit 2,0% den stärksten realen Anstieg aller Bundesländer auf (siehe Tabelle 1). Verantwortlich für das gute Abschneiden war der Produzierende Bereich, der mit 3,8% stärker als in den anderen Bundesländern wuchs. Insbesondere die Herstellung von Waren entwickelte sich in der Steiermark entgegen dem bereits eingetrübten Österreichtrend noch sehr dynamisch. Auch in den westlichen Bundesländern Tirol, Vorarlberg und Salzburg war der Produzierende Bereich ausschlaggebend für die überdurchschnittliche Zunahme der Wirtschaftsleistung. In Tirol ist die starke Entwicklung des Baus hervorzuheben, während in Salzburg und besonders in Vorarlberg die Herstellung von Waren das Wachstum ankurbelte.

Im Gegensatz zum Vorjahr wies Kärnten 2019 mit einem BRP-Anstieg von 0,8% die geringste Dynamik aller Bundesländer auf. Dies ist auf zwei Faktoren zurückzuführen: Einerseits kamen keine Wachstumsimpulse mehr aus der für Kärnten bedeutsamen Herstellung von Waren, von denen das südliche Bundesland in den vergangenen Jahren stark profitierte, andererseits wuchs in Kärnten der Dienstleistungssektor mit nur 0,7% klar am schwächsten von allen Bundesländern. Auch in Niederösterreich war das reale Wachstum mit 0,9% unterdurchschnittlich, was an einer Stagnation bzw. einer recht verhaltenen Entwicklung in den gewichtigsten Wirtschaftsbereichen lag.

Sowohl das Burgenland als auch Oberösterreich verzeichneten mit 1,6% bzw. 1,5% einen überdurchschnittlichen Anstieg. Für das Wachstum im Industriebundesland Oberösterreich waren hauptsächlich die Dienstleistungen verantwortlich. Impulse kamen hier vor allem vom Grundstücks- und Wohnungswesen, von der Information und Kommunikation sowie vom Handel. Im Burgenland konnte der starke Zugewinn im Bau Rückgänge in der Landwirtschaft und in der Herstellung von Waren kompensieren.

Wien: Wirtschaftsentwicklung knapp unter dem Schnitt, aber stärkster Beschäftigungszuwachs

Die reale Wirtschaftsleistung Wiens nahm 2019 um 1,2%, leicht unter dem Österreichschnitt von 1,4%, zu. Die Bundeshauptstadt erzielte mit 1,8% das stärkste Wachstum aller Bundesländer im Dienstleistungssektor (bei einem Österreichwert von 1,4%), wobei insbesondere von der Beherbergung und Gastronomie sowie vom Gesundheits- und Sozialwesen Dynamik ausging. Deutlich gebremst wurde die wirtschaftliche Entwicklung Wiens allerdings vom Produzierenden Bereich, wofür der starke Rückgang in der Herstellung von Waren verantwortlich zeichnete.

Bei der Beschäftigung erzielte Wien 2019 mit einem Wachstum von 1,8% den Spitzenwert aller Bundesländer. In absoluten Zahlen bedeutete dies einen kräftigen Anstieg um 20.100 Beschäftigungsverhältnisse in der Bundeshauptstadt, wovon 17.300 auf den Dienstleistungssektor entfielen. In den übrigen Bundesländern spiegelte sich die gegenüber den Vorjahren bereits etwas gedämpfte Wirtschaftsentwicklung auch in der Beschäftigung wider. Mit +0,7% war der Anstieg der Beschäftigungsverhältnisse in Kärnten wie schon beim BRP am geringsten, wobei das Wachstum sowohl im Produzierenden Bereich als auch im Dienstleistungsbereich unterdurchschnittlich ausfiel.

Beim BRP je Einwohner verzeichneten im Jahr 2019 alle Bundesländer ein positives reales Wachstum, das zwischen 0,5% in Niederösterreich und 1,7% in der Steiermark lag – bei einem Österreichschnitt von 1,0% (siehe Tabelle 1). Das höchste BRP je Einwohner zu laufenden Preisen erzielte wie im Vorjahr Salzburg mit rund 53.600 Euro, gefolgt von Wien mit rund 52.700 Euro (siehe Kartogramm). Wie in den Jahren zuvor lagen die östlichen und südlichen Bundesländer unter dem Österreichwert von 44.800 Euro.

Vorarlbergs Pro-Kopf-Einkommen 2019 wieder am höchsten

Die privaten Haushalte in Vorarlberg konnten auch 2019 wie in den Vorjahren das höchste verfügbare Einkommen pro Kopf mit 25.200 Euro verzeichnen (siehe Tabelle 2). An zweiter Stelle lag Niederösterreich mit 25.100 Euro, gefolgt vom Burgenland mit 24.800 Euro und Salzburg mit 24.700 Euro. Über dem Österreichschnitt von 24.000 Euro finden sich die Pro-Kopf-Einkommen der Oberösterreicher und Oberösterreicherinnen mit 24.500 Euro. Die Steiermark und Tirol lagen beim verfügbaren Einkommen je Einwohner mit 23.900 Euro und 23.800 Euro nur noch leicht unter dem Österreichschnitt.

Unterdurchschnittliche Einkommen verzeichneten die privaten Haushalte in Kärnten mit 23.600 Euro pro Kopf. Die Bundeshauptstadt Wien wies wie in den Vorjahren das niedrigste verfügbare Einkommen pro Kopf mit 22.500 Euro auf, jedoch zeigte sich 2019 im Gegensatz zu den Vorjahren ein leicht überdurchschnittliches Wachstum. Dies war, entsprechend dem kräftigen Anstieg der Beschäftigung, auf eine deutlich überdurchschnittliche Entwicklung des Arbeitnehmerentgeltes und des Selbständigeneinkommens zurückzuführen. Im Gegensatz zum BRP, das auf den Arbeitsort abzielt, wird das verfügbare Einkommen nach dem Wohnort ausgewiesen.

Regional tiefer gegliederte Ergebnisse 2018

Für die Jahre 2000 bis 2018 gibt es regional tiefer gegliederte Ergebnisse für die 35 NUTS-3-Regionen Österreichs. Es stehen Daten zu Bruttoregionalprodukt bzw. Bruttowertschöpfung und Beschäftigung zur Verfügung. Beim Bruttoregionalprodukt je Einwohner 2018 lag die Landeshauptstadtregion Salzburg und Umgebung mit einem BRP je Einwohner in der Höhe von 55.700 Euro vor Linz-Wels (54.900 Euro) und Wien (51.300 Euro).

Die vollständigen Ergebnisse für alle NUTS-3-Regionen und weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite. Interaktive Karten und Diagramme zum BRP je Einwohner sowie zum verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte stehen im STATatlas zur Verfügung.

Informationen zur Methodik, Definitionen: In den regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen von Statistik Austria werden jährlich Berechnungen zu volkswirtschaftlichen Aggregaten nach Bundesländern (NUTS-2-Regionen) und nach NUTS-3-Regionen entsprechend den Konzepten des ESVG 2010 erstellt (nähere Informationen zu NUTS finden sie auf unserer Webseite). 
Das Bruttoregionalprodukt (BRP) ist die regionale Entsprechung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Bei der Betrachtung der BRP-Pro-Kopf-Werte ist generell zu beachten, dass sich das Bruttoregionalprodukt auf den Ort der Leistungserstellung (Arbeitsort) bezieht, während die dazu in Relation gesetzten Einwohnerzahlen auf den Wohnort bezogen sind; d. h., dass regionsüberschreitende Pendlerströme unberücksichtigt bleiben. 
Erwerbstätige umfassen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen (unselbständig Beschäftigte) sowie Selbständige. Die regionale Zuordnung erfolgt am Arbeitsort. 
Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte in den Bundesländern bildet die Umverteilung des (Primär-) Einkommens durch monetäre Transfers (Einkommen- und Vermögenssteuern, Sozialbeiträge, monetäre Sozialleistungen, sonstige laufende Transfers) ab (nähere Informationen finden Sie auf unserer Webseite). Im Gegensatz zum regionalen Bruttoinlandsprodukt messen die Konten der privaten Haushalte das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte in jener Region, in der sie ihren Wohnsitz haben.

 

Tabelle 1: Bruttoregionalprodukt und Erwerbstätigkeit 2019
BundeslandBRP 2019BRP je Einwohner 2019Erwerbstätige (Jobs) 2019
nominellreale Veränderungnominellreale Veränderung
in Mio. €in % zum VJ2)in €in % zum VJ2)AnzahlVeränderung in % zum VJ2)
Österreich397.5751,444.8001,04.815.0001,3
Burgenland9.2731,631.6001,2133.0000,8
Niederösterreich61.7060,936.7000,5786.0001,1
Wien100.3481,252.7000,61.112.9001,8
Kärnten21.5060,838.3000,8284.5000,7
Steiermark50.8312,040.8001,7679.8001,2
Oberösterreich68.3801,546.0001,0824.8001,2
Salzburg29.8521,753.6001,2340.1001,1
Tirol36.3831,848.1001,4442.6001,4
Vorarlberg19.1621,848.4001,0210.7001,2
Extra-Regio1)135-1,3..700-2,7
Tabelle 2: Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte 2019, nominell
BundeslandVerfügbares Einkommen 2019, nominellVerfügbares Einkommen je Einwohner 2019Anteil am österr. verfügbaren Einkommen 2019Anteil an der Wohnbevölkerung 2019
in Mio. €Veränderung in % zum VJ2)in €in %in %
Österreich213.4603,324.000100,0100,0
Burgenland7.2933,224.8003,43,3
Niederösterreich42.1523,025.10019,718,9
Wien42.8993,522.50020,121,4
Kärnten13.2232,623.6006,26,3
Steiermark29.7753,123.90013,914,0
Oberösterreich36.3953,824.50017,116,7
Salzburg13.7613,424.7006,46,3
Tirol17.9873,323.8008,48,5
Vorarlberg9.9753,425.2004,74,5

Grafik 1

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Mag. Christian LEUPOLD, Tel.: +43 1 71128-7705 bzw. christian.leupold@statistik.gv.at

Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber: 
Bundesanstalt Statistik Österreich 
1110 Wien, Guglgasse 13, Tel.: +43 1 71128-7777 
presse@statistik.gv.at  
© STATISTIK AUSTRIA