Pressemitteilung: 12.374-214/20

Bevölkerungsprognose 2020: ab 2021 mehr ältere Menschen als Kinder und Jugendliche

Wien, 2020-11-19 – Die aktuelle Entwicklung einer wachsenden und alternden Bevölkerung Österreichs wird sich auch in Zukunft fortsetzen, wie aus der von Statistik Austria veröffentlichten Bevölkerungsprognose hervorgeht. Demnach wird die Bevölkerungszahl Österreichs von 8,88 Mio. (2019) bis 2040 um 6% auf 9,45 Mio. wachsen, bis 2080 schließlich um 12% auf 9,93. Mio.

"Österreich wächst. Bereits im Jahr 2022 wird die Bevölkerungszahl die Neun-Millionen-Grenze überschreiten und 2080 werden fast zehn Millionen Menschen in Österreich leben. Österreich wird aber auch immer älter. Das ist an sich eine gute Nachricht, allerdings setzt dies umlagefinanzierte Sicherungssysteme, wie Pensionen oder Gesundheit, unter Finanzierungsdruck. Während 1950 auf eine Person im Pensionsalter noch sechs Personen im erwerbsfähigen Alter kamen, so sind es heute nur noch drei Personen und 2040 werden es nur noch zwei sein", sagt Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Wanderungsgewinne übertreffen prognostizierte Geburtendefizite

Der erwartete Bevölkerungszuwachs ist ausschließlich auf Wanderungsgewinne von jährlich rund 30.000 Personen zurückzuführen. Damit wird ein langjähriger Trend fortgeschrieben: Seit der Jahrhundertwende ist die Einwohnerzahl Österreichs vor allem durch Wanderungsüberschüsse gestiegen. Zur Volkszählung 2001 zählte Österreich erstmals knapp über 8 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner, im Jahresdurchschnitt 2010 waren es 8,36 Mio. Bis 2019 ergab sich eine weitere Zunahme um 6% auf 8,88 Mio. Von dem Zuwachs seit der Jahrhundertwende entfielen nur knapp 5% auf Geburtenüberschüsse, der überwiegende Teil waren Wanderungsgewinne. Zwar dürfte in den kommenden Jahren die Zahl der Sterbefälle über die Zahl der Geburten steigen, die Geburtenbilanz wird somit negativ. Auch stehen die starken Geburtsjahrgänge des Babybooms der 1950er und 1960er Jahre an der Schwelle zum Pensionsalter. Dennoch wird die Bevölkerungszahl nach den vorliegenden Berechnungen im Jahr 2022 die Neun-Millionen-Grenze überschreiten. Auch für die Zeit danach ist ein weiterer Anstieg wahrscheinlich, da die prognostizierten Wanderungsgewinne die Verluste aus der Geburtenbilanz übertreffen werden.

Stärkstes Bevölkerungswachstum im Pensionsalter

Die Bevölkerung der Generation 65+ wird weiterhin zahlen- und anteilsmäßig stark an Gewicht gewinnen. Ab dem Jahr 2021 werden österreichweit mehr Personen im Alter von 65 und mehr Jahren leben als unter 20-Jährige. Dafür sind neben stagnierenden Geburtenzahlen und einer voraussichtlich weiterhin steigenden Lebenserwartung insbesondere die starken Geburtsjahrgänge der 1950er und 1960er Jahre verantwortlich, die sukzessive ins Pensionsalter aufrücken. 2040 dürfte die Bevölkerung ab 65 um 48% (bzw. mehr als 800.000 Personen) größer sein als 2019. Zugleich erhöht sich ihr Anteil an der Bevölkerung von derzeit 18,9% auf 26,4% (2040). Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis unter 65 Jahren wird bis 2021 noch geringfügig über dem Niveau von 2019 liegen, danach bis 2040 jedoch um knapp 300.000 Personen (-5%) unter den derzeitigen Wert sinken (siehe Tabelle 1). Nach 2040 bleibt die Zahl der Erwerbsfähigen der Prognose zufolge weitgehend konstant. Die Zahl der unter 20-Jährigen wird zwar noch leicht ansteigen, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sinkt jedoch mittelfristig von 19,3% (2019) auf 18,8% (2040).

Anteil der im Ausland Geborenen steigt langfristig von 20% auf 27%

Die Zahl der im Ausland geborenen Bevölkerung Österreichs wird unter der Annahme fortgesetzter internationaler Zuwanderung künftig weiterhin zunehmen. 2019 lebten im Bundesgebiet 1,75 Mio. Menschen, die nicht in Österreich zur Welt kamen, das entspricht 20% der Gesamtbevölkerung (siehe Tabelle 1). Bis zum Jahr 2040 steigt ihre Zahl der Prognose zufolge auf 2,23 Mio. (+28%), bis 2080 schließlich auf 2,67 Mio. (+53% gegenüber dem Basisjahr 2019). Der Anteil der nicht in Österreich geborenen Personen nimmt somit laut Prognose bis 2040 auf 24% und bis 2080 auf 27% zu (siehe Tabelle 1).

Der Osten Österreichs wächst am stärksten

Das für Österreich prognostizierte Bevölkerungswachstum um 12% bis 2080 wird sich regional sehr unterschiedlich verteilen. Überdurchschnittlich starke Zuwächse sind in Wien zu erwarten. Auf die Bundeshauptstadt entfällt knapp 40% der internationalen Zuwanderung nach Österreich. Wien wird laut Prognose im Jahr 2028 – wie zuletzt am Beginn des 20. Jahrhunderts – die Zwei-Millionen-Marke überschreiten. In Kärnten ist hingegen – wie schon zwischen 2010 und 2013 sowie im Jahr 2018 – mit leichten Bevölkerungsverlusten zu rechnen, wodurch die Einwohnerzahl ab 2021 hinter Salzburg zurückfällt. Salzburg steigt dadurch zum bevölkerungsmäßig sechstgrößten Bundesland auf. Neben Wien wird auch für Niederösterreich ein überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum prognostiziert, während der Trend in Salzburg und in der Steiermark unter dem Bundesschnitt liegt. Die erwartete Bevölkerungsentwicklung im Burgenland sowie in Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg entspricht weitgehend dem prognostizierten Durchschnitt für Österreich (siehe Tabelle 2).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Bevölkerungsprognose sowie eine interaktive Bevölkerungspyramide finden Sie auf unserer Webseite. Eine Aufzeichnung der Online-Pressekonferenz vom 19. November 2020 steht auf Youtube zur Verfügung.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Zur Berechnung der Prognose wird der nach Alter, Geschlecht und Geburtsland differenzierte Bevölkerungsstand zum 1.1.2020 in die Zukunft fortgeschrieben. Pro Kalenderjahr altern die Bevölkerungsbestände um ein Jahr. Die neuen Geburtsjahrgänge eines Prognosejahres werden mittels altersspezifischer Fertilitätsraten (Lebendgeburten nach Alter der Mutter) berechnet. Die Sterbefälle ergeben sich aus alters- und geschlechtsspezifischen Sterbewahrscheinlichkeiten, die mit den Bevölkerungsständen multipliziert werden. Während sich die internationale Abwanderung analog zu den Sterbefällen aus Raten errechnet, wird die Zuwanderung in Absolutzahlen vorgegeben (ebenfalls jeweils nach Alter und Geschlecht). Langfristig wird mit jährlich 145.000 Zuwandernden gerechnet. Bei etwa 115.000 Wegziehenden ergibt dies jährliche Wanderungsgewinne von rund 30.000 Personen. Die Binnenwanderungen zwischen den neun Bundesländern Österreichs werden mittels alters-, geschlechts- und richtungsspezifischer Abwanderungsraten modelliert. 
Bei der Interpretation der Ergebnisse nach dem Merkmal "im Inland/Ausland geboren" ist zu beachten, dass es sich hierbei nicht um eine Prognose der Bevölkerung Österreichs nach der Staatsangehörigkeit ("Ausländerprognose") handelt. Die künftige Entwicklung der Bevölkerung nach der Staatsangehörigkeit ist neben der internationalen Zu- und Abwanderung (und natürlich auch deren Fertilität und Mortalität) insbesondere von der Entwicklung der Einbürgerungsraten abhängig. Diese sind wesentlich von künftigen politischen Rahmenbedingungen abhängig und lassen sich daher kaum antizipieren. Demgegenüber bleibt das hier gewählte Merkmal "Geburtsland" der jeweiligen Person lebenslang unverändert erhalten.

 

Tabelle 1: Bevölkerungsprognose Österreichs nach Alter und Geburtsland (Hauptvariante)
JahrGesamtbevölkerung, absolutIn %Im Ausland geboren
InsgesamtBis unter 20 Jahre20 bis unter 65 Jahre65 und mehr JahreBis unter 20 Jahre20 bis unter 65 Jahre65 und mehr Jahreinsgesamtin %
20198.877.6371.717.8205.478.2941.681.52319,361,718,91.746.20619,7
20208.921.7891.723.1645.490.9821.707.64319,361,519,11.781.85320,0
20309.225.2711.777.7475.306.8072.140.71719,357,523,22.027.01722,0
20409.446.7591.775.1875.180.6562.490.91618,854,826,42.230.01423,6
20509.605.9261.778.5185.173.7622.653.64618,553,927,62.394.50124,9
20609.688.0721.813.0925.111.7332.763.24718,752,828,52.520.69226,0
20709.796.7231.834.4005.131.9912.830.33218,752,428,92.609.52526,6
20809.929.7921.844.6485.171.9742.913.17018,652,129,32.666.09126,8
Tabelle 2: Bevölkerungsprognose Österreichs nach Bundesländern (Hauptvariante)
Bundesland20192020203020402050206020702080
Burgenland293.861295.001305.992315.125320.819323.946328.317333.920
Kärnten561.062561.078555.204548.034539.045528.201523.449523.838
Niederösterreich1.680.5881.688.1691.757.6441.816.6101.865.0641.895.4051.930.4701.970.491
Oberösterreich1.486.1411.493.5901.549.6961.590.5981.616.3731.628.0541.646.8251.669.460
Salzburg556.627559.444572.864580.766585.626587.116590.884596.639
Steiermark1.244.4741.247.8401.267.0241.278.3061.281.4661.275.5111.277.2661.286.180
Tirol755.695759.600786.706804.975816.540820.437826.260834.257
Vorarlberg395.949398.186412.279421.743427.821430.351433.132436.884
Wien1.903.2401.918.8812.017.8622.090.6022.153.1722.199.0512.240.1202.278.123
Österreich insgesamt8.877.6378.921.7899.225.2719.446.7599.605.9269.688.0729.796.7239.929.792

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