Pressemitteilung: 12.356-196/20

Sterbefälle in den ersten 41 Kalenderwochen des Jahres 2020 um 2,9% über dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019

Wien, 2020-10-22 – In den ersten 41 Kalenderwochen des Jahres 2020 starben in Österreich laut vorläufigen Daten von Statistik Austria 65.633 Personen. Damit lag die Zahl der Sterbefälle bis einschließlich 11. Oktober um 2,9% über dem Durchschnittswert des Vergleichszeitraums der Jahre 2015 bis 2019. Der Zuwachs an Sterbefällen betraf Männer (+5,3%) mehr als Frauen (+0,8%).

"In der ersten Aprilhälfte 2020 lag die Sterblichkeit markant höher als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019. Nach Einführung der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ist sie auf das erwartbare Maß zurückgegangen. Dass die Sterbefälle im bisherigen Jahr insgesamt nur leicht höher liegen als im Vorjahresschnitt, ist insbesondere dem Sommer mit weniger extremen Hitzewellen und einer relativ niedrigen Sterblichkeit zu verdanken", erläutert Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Die aktuellen Ergebnisse der altersstandardisierten Sterberaten (siehe Informationen zur Methodik) sind bis zur Kalenderwoche 39 verfügbar und liegen trotz zwischenzeitlichen Anstiegs der Sterblichkeit zwischen den Minimal- und Maximalwerten der Jahre 2015 bis 2019. Vergleiche mit länger zurückliegenden Jahren sind aufgrund des Anstiegs der Lebenserwartung und den damit verbundenen sinkenden altersstandardisierten Sterberaten nur bedingt aussagekräftig.

Mehr Sterbefälle im Westen und in Wien

Auf regionaler Ebene gab es sowohl Bundesländer mit etwas mehr, aber auch etwas weniger Sterbefällen im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019. Über dem Bundesdurchschnitt lagen die Bundesländer Salzburg (+6,4%), Tirol (+5,6%), Steiermark (+4,6%) und Wien (+3,8%). Im Burgenland (-0,1%) und in Kärnten (-1,1%) war die Zahl der Sterbefälle in den ersten 41 Kalenderwochen des Jahres 2020 dagegen sogar geringer als im Durchschnitt des Vergleichszeitraums der Jahre 2015 bis 2019. Auch im Hinblick auf die Bundesländer lagen die Sterberaten 2020 in den ersten 39 Kalenderwochen insgesamt bereinigt um Einflüsse der wachsenden Einwohnerzahl und veränderten Altersstruktur (Altersstandardisierung) innerhalb der Bandbreite der vergangenen fünf Jahre oder sogar darunter.

Generell unterliegt die Zahl der Sterbefälle saisonalen Schwankungen, die durch verschiedene Umwelteinflüsse (z. B. Hitzewellen), menschliche Verhaltensweisen oder das saisonale Auftreten von Erkrankungswellen hervorgerufen werden. Insbesondere die jährlichen Grippewellen sorgen in einzelnen Wochen des 1. Quartals regelmäßig für besonders hohe Sterbezahlen, danach geht die Zahl der Sterbefälle und deren Schwankungsbreite tendenziell zurück, ehe im Hochsommer infolge von Hitzewellen wieder Wochen mit erhöhter Sterblichkeit auftreten können.

Neuer "Atlas der Sterbefälle": interaktive Karte und Grafiken zur wöchentlichen Sterbefallstatistik

Um Öffentlichkeit, Gesundheitspolitik und Forschung in der derzeitigen Situation mit aktuellen Informationen zu versorgen, veröffentlicht Statistik Austria seit Mitte April wöchentliche Sterbefallzahlen. Ab sofort sind nicht nur die Daten als Excel-Tabellen bzw. Open-Data-Bestände verfügbar, sondern können auch in einem interaktiven "Atlas der Sterbefälle" grafisch anschaulich dargestellt werden. Die Grafiken zeigen die Entwicklung der wöchentlichen Sterbefälle sowie der altersstandardisierten Sterberaten im Vergleich der vergangenen Jahre. Darüber hinaus sind auch die regionalen Unterschiede im Sterblichkeitsniveau der einzelnen Wochen in einer interaktiven Karte dargestellt. 

Die aktuellsten Ergebnisse liegen momentan bis zur 39. Kalenderwoche (21. bis 27. September 2020) vor. Für die 40. und 41. Kalenderwoche (bis 11. Oktober) gibt es außerdem bereits erste Ergebnisse auf weniger detaillierter Ebene (nur Bundesländer), da hier erfahrungsgemäß noch nicht alle Meldungen von Sterbefällen vorliegen und in geringem Ausmaß noch Zuschätzungen erforderlich sind.

Weitere Informationen und detailliertere Ergebnisse zu Sterbefällen finden Sie auf unserer Webseite, im Open-Data-Bestand von Statistik Austria sowie im Atlas der Sterbefälle.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Statistik Austria verarbeitet alle von den Personenstandsbehörden gelieferten Sterbefälle. Innerhalb der geplanten Veröffentlichungsfrist stehen Statistik Austria jedoch noch nicht alle Sterbefälle zur Verfügung. Daher werden die zu erwartenden Sterbefälle der jeweilig aktuellsten zwei Wochen geschätzt. Dafür werden die Erfahrungswerte zurückliegender Jahre genutzt, um die verzögerten Meldungen in den Zahlen methodisch bestmöglich zu berücksichtigen. Das zugrundeliegende Schätzmodell wird regelmäßig evaluiert und gegebenenfalls angepasst. Es handelt sich jedenfalls um vorläufige Ergebnisse, die einer Unsicherheit unterliegen, d. h. die endgültigen Werte der Sterbefälle in den jeweils aktuellsten beiden Wochen können sowohl geringfügig höher als auch geringfügig niedriger sein. Der Anteil an eingelangten Meldungen liegt aber in allen Wochen, für die Ergebnisse veröffentlicht werden, bei zumindest 90% aller Todesfälle für diese Woche. 
Sterbefälle von in Österreich wohnhaften Personen, die sich im Ausland ereignet haben, sind sowohl in den aktuellen vorläufigen Ergebnissen als auch in den Vergleichszahlen nicht enthalten. 
Die altersstandardisierte Sterberate gibt an, wie viele Sterbefälle aufgrund der jeweils herrschenden Sterblichkeitsverhältnisse auf 1.000 Lebende entfallen wären, wenn der Altersaufbau der Bevölkerung in der betreffenden Berichtsperiode dem einer sogenannten Standardbevölkerung entsprochen hätte. Um diese altersstandardisierten Raten zu berechnen, werden die rohen Sterberaten (Sterbefälle je 1.000 der Bevölkerung) der beobachteten Altersgruppe mit dem Anteil der Bevölkerung derselben Altersgruppe laut Europäischer Standardbevölkerung multipliziert. Für die Berechnung der hier dargestellten Raten wurde die 2013 von Eurostat festgelegte Standardbevölkerung verwendet; eine "künstliche Bevölkerung" mit einer geschätzten Altersstruktur für die europäische Bevölkerung. Die altersstandardisierten Sterberaten beziehen die Sterbefälle somit auf eine fiktive Bevölkerung, die über die Zeit im Hinblick auf die Personenzahl sowie ihre Zusammensetzung nach Alter und Geschlecht unverändert belassen wird. Damit können Veränderungen, die sich nur aufgrund einer Zunahme der Einwohnerzahl ergeben (bei mehr Einwohnerinnen und Einwohnern sterben auch mehr Personen) oder durch das Aufrücken von mehr Personen in höhere Altersgruppen mit entsprechend höherer Sterbewahrscheinlichkeit, ausgeschlossen werden. Somit stellen die Unterschiede im Zeitverlauf echte Schwankungen in der Sterblichkeit dar.

Tabelle 1: Sterbefälle in den ersten 41 Kalenderwochen des Jahres 2020 im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 nach Geschlecht, Altersgruppe und Bundesland
 Sterbefälle im Jahr 2020 *Sterbefälle im Durchschnitt der Jahre 2015–2019Abweichung der Sterbefälle 2020 gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2015–2019 in %
GesamtMännerFrauenGesamtMännerFrauenGesamtMännerFrauen
Österreich65.63332.22633.40763.76830.61433.1542,95,30,8
Burgenland2.5971.2181.3792.6011.2521.349-0,2-2,72,2
Kärnten4.6692.2982.3714.7212.2892.432-1,10,4-2,5
Niederösterreich13.7936.9056.88813.4136.4786.9352,86,6-0,7
Oberösterreich10.4715.2025.26910.4075.0195.3880,63,6-2,2
Salzburg3.7331.8501.8833.5071.7011.8066,48,84,3
Steiermark10.1754.9955.1809.7284.7105.0184,66,13,2
Tirol4.8852.4402.4454.6272.2812.3465,674,2
Vorarlberg2.3941.1671.2272.3191.1281.1913,23,53
Wien12.9166.1516.76512.4455.7566.6893,86,91,1
Tabelle 2: Altersstandardisierte Sterberaten * in den ersten 39 Kalenderwochen der Jahre 2015–2020
 201520162017201820192020
Österreich7,56,87,17,16,86,9
Burgenland7,87,47,67,47,57,2
Kärnten7,46,97,07,16,86,7
Niederösterreich7,77,27,47,47,37,2
Oberösterreich7,56,77,06,96,86,7
Salzburg6,86,26,66,36,26,4
Steiermark7,56,77,06,96,77,0
Tirol7,06,36,46,46,36,3
Vorarlberg6,86,36,56,56,16,2
Wien7,87,07,47,47,07,3

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