Pressemitteilung: 12.355-195/20

Jeder dritte Verkehrstote im 1. Halbjahr 2020 aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit; mehr Radfahrerinnen und Radfahrer verunglückt

Wien, 2020-10-22 – Nicht angepasste Geschwindigkeit kostete im 1. Halbjahr 2020 laut Statistik Austria 55 Menschen das Leben und war die Unfallursache Nummer eins bei tödlichen Straßenverkehrsunfällen in Österreich.

"Der Corona-Lockdown ließ die Zahl der Verkehrstoten sinken. Im 1. Halbjahr 2020 starben im Straßenverkehr 44 Personen weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Häufigster Grund für die tödlichen Verkehrsunfälle war diesmal überhöhte Geschwindigkeit. In den Jahren zuvor war Unachtsamkeit bzw. Ablenkung stets die häufigste Ursache gewesen", so Tobias Thomas, Generaldirektor von Statistik Austria.

Wurden im 1. Halbjahr 2019 noch 23% und 2018 22% der tödlichen Unfälle durch nicht angepasste Geschwindigkeit verursacht, so waren es 2020 38%. 49 der 55 tödlich Verunglückten – das sind fast 90% – waren die Fahrzeuglenkerinnen bzw. -lenker und gleichzeitig auch die vermutlichen Hauptunfallverursacherinnen bzw. -verursacher. Der Großteil von ihnen war mit einem Pkw (24 Personen) oder Motorrad (17 Personen) unterwegs, drei mit einem Fahrrad (zwei davon mit einem Elektrofahrrad), drei mit einem Lkw und je eine Person mit einem Traktor und einer Kutsche. Darüber hinaus verloren vier Mitfahrer und zwei Fußgänger bei Unfällen aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit ihr Leben. Noch deutlicher war der Anstieg während der Ausgangsbeschränkungen von Mitte März bis Ende April 2020 (Kalenderwochen 12 bis 17): In diesem Zeitraum verunglückten 14 Personen infolge nicht angepasster Geschwindigkeit tödlich; der Anteil der Geschwindigkeitsunfälle an sämtlichen Straßenverkehrsunfällen mit Todesfolge stieg damit auf 44%.

Insgesamt weniger Verkehrstote während des Lockdowns, Anstieg in Salzburg

Im 1. Halbjahr 2020 kamen insgesamt 152 Menschen bei Verkehrsunfällen in Österreich ums Leben, das sind um 44 Personen (-22%) weniger als im 1. Halbjahr 2019 (196 Getötete, siehe Tabelle 1), wobei dieser Rückgang vorwiegend auf die Ausgangsbeschränkungen zurückzuführen ist. So verunglückten in den Kalenderwochen 12 bis 17 insgesamt 36 Personen bei Unfällen tödlich (siehe Tabelle 2), 13 Personen weniger als im Vergleichszeitraum 2019 (-27%; 2019: 49 Getötete). Einen starken Rückgang der im Straßenverkehr Getöteten gab es in diesem Zeitraum in Tirol (keine Toten), Kärnten (eine getötete Person, -80%) und in der Steiermark (fünf Tote, -55%), während die Zahl der Verkehrstoten in Salzburg (sechs Tote, +200%) stark gestiegen ist.

Auch die Zahl der Verletzten (15.524) ging im 1. Halbjahr 2020 mit -25% im Vergleich zum 1. Halbjahr des Vorjahres deutlich zurück – besonders stark in den Kalenderwochen 12 bis 17 (-60%). So wurden während des Lockdowns im Durchschnitt pro Tag 70 Menschen weniger verletzt als im Vergleichszeitraum 2019, in dem es im Schnitt täglich 116 Verletzte gegeben hatte. Eine deutliche Zunahme während des Lockdowns gab es indes beim Anteil der Schwerverletzten an der Gesamtzahl der Verletzten: Dieser lag in den Kalenderwochen 12 bis 17 bei 23%, im selben Zeitraum 2019 bei 16%.

Mehr als die Hälfte der getöteten Radfahrerinnen und Radfahrer verunglückte mit einem E-Bike

Obwohl es im 1. Halbjahr 2020 weniger Verkehrstote und Verletzte als im selben Zeitraum 2019 gab, stieg die Anzahl der verunglückten Radfahrerinnen und Radfahrer um 9% (siehe Tabelle 3). So kamen 17 Radfahrerinnen und Radfahrer in den ersten sechs Monaten 2020 ums Leben (2019: 16), mehr als die Hälfte (53%) von ihnen verunfallte mit einem Elektrofahrrad. Gestiegen ist auch der Anteil der verletzten Radfahrerinnen und Radfahrer, die mit elektrischem Antrieb unterwegs waren. So hatten im 1. Halbjahr 2020 insgesamt 18% aller verletzten Radfahrerinnen und Radfahrer einen Unfall mit einem Elektrofahrrad, 2019 waren es 16% und 2018 12%. 65% der verletzten E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrer waren 50 Jahre und älter, bei den tödlich Verunglückten beträgt der Anteil in dieser Altersgruppe 78%.

Mehr Verkehrstote bei Alkoholunfällen

Der steigende Trend bei den Alkoholunfällen setzt sich fort. Waren im 1. Halbjahr 2018 bei 5,9% aller Unfälle eine alkoholisierte Person (am Steuer oder zu Fuß) beteiligt, stieg der Anteil 2019 auf 6,7% und 2020 auf 7,1%. So kamen im 1. Halbjahr 2020 bei Alkoholunfällen 14 Personen ums Leben; das entspricht 9% aller im Straßenverkehr tödlich verunglückten Personen, um 40% mehr als im 1. Halbjahr 2019 (10 Personen). Auch während der Ausgangsbeschränkungen in den Kalenderwochen 12 bis 17 verunglückten bei Alkoholunfällen mehr Personen tödlich (4 Getötete) als im selben Vergleichszeitraum 2019 (2 Getötete).

Keine tödlich verunglückten Kinder

Im 1. Halbjahr 2020 kam kein Kind (0–14 Jahre) im Straßenverkehr ums Leben, im Vergleichszeitraum des Vorjahres verunglückten acht Kinder tödlich. Ebenso wurden keine tödlichen Schulwegunfälle Sechs- bis 15-Jähriger verzeichnet. Bei Verkehrsunfällen verletzt wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres hingegen 841 Kinder, im Vergleich zum 1. Halbjahr 2019 entspricht das einem Rückgang von 35%.

Detaillierte Ergebnisse sowie zusätzliche Informationen finden Sie im Schnellbericht "Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden, 1. Halbjahr 2020" (PDF, 2,3 MB) und auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Statistik Austria erstellt und veröffentlicht seit 1961 die Statistik der Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden. Seit 2012 werden die Verkehrsunfälle durch die Polizeiorgane nicht mehr mit Unfallzählblättern, sondern elektronisch erfasst und über ein Webservice an Statistik Austria übermittelt. Die aktuell veröffentlichten Halbjahresergebnisse von 2020 sind bis zum Vorliegen der endgültigen Jahresergebnisse als vorläufig zu betrachten, da nachträglich bekannt gewordene Änderungen der Unfalldaten (z. B. nachträgliche Verletzungsanzeigen) durch das Bundesministerium für Inneres bzw. die Polizeiorgane noch möglich sind.  
Ein Straßenverkehrsunfall mit Personenschaden liegt vor, wenn infolge des Straßenverkehrs auf Straßen mit öffentlichem Verkehr Personen verletzt oder getötet wurden und daran zumindest ein in Bewegung befindliches Fahrzeug beteiligt war. 
Als Verunglückte zählen Personen, die bei einem Unfall bzw. in Folge eines Unfalles verletzt oder getötet wurden.  
Als Verkehrstote gelten Personen, die entweder am Unfallort oder innerhalb von 30 Tagen, gerechnet ab dem Unfallereignis, an den Unfallfolgen verstorben sind. 
Als Alkoholunfall gilt ein Unfall, bei dem zumindest bei einer beteiligten Person (Lenker oder Fußgänger) eine Beeinträchtigung durch Alkohol gemäß § 5 Abs. 1 Straßenverkehrsordnung oder eine Überschreitung des im § 14 Abs. 8 Führerscheingesetz festgelegten Blut- oder Atemalkoholwertes festgestellt wurde, eine Alkoholisierung durch die Polizeiorgane vermutet oder der Alkoholtest verweigert wurde.

 

Tabelle 1: Unfälle, Verletzte und Getötete im 1. Halbjahr 2016 bis 2020
Unfälle, Verletzte und Getötete20161)20171)20181)20191)20201)Veränderung 2019/2020 in %
Unfälle, Verletzte und Getötete insgesamt
  Unfälle17.20017.01717.14516.18712.525-22,6%
  Verletzte21.74021.52821.82120.60215.524-24,6%
  Getötete190170197196152-22,4%
Verletzte und getötete Kinder (0 bis 14 Jahre)
  Verletzte Kinder1.3461.3001.4191.294841-35,0%
  Getötete Kinder43
18--100,0%
Verletzte und Getötete bei Alkoholunfällen
  Verletzte1.3871.3051.3421.3891.080-22,2%
  Getötete719171014+40,0%
Tabelle 2: Unfälle, Verletzte und Getötete in den Kalenderwochen 12 bis 17 (während der COVID-19-Ausgangsbeschränkungen von Mitte März bis Ende April) 2020 im Vergleich zu 2019
Unfälle, Verletzte und Getötete20191)20201)Veränderung 2019/2020 in %
Unfälle3.8311.734-54,7%
Verletzte4.8861.959-59,9%
Getötete4936-26,5%

 

Tabelle 3: Verunglückte (Verletzte oder Getötete) im 1. Halbjahr 2020 nach Verkehrsarten
 PkwFahrrad2)Motorrad/MopedFußgängerLkw3)Weitere VerkehrsartenSumme
Verunglückte1)7.7323.6402.2271.17942547315.676
Veränd. 2019/2020 in %-31,38,6-30,6-31,5-23,0-34,0-24,6

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Raumwirtschaft, Statistik Austria:  
Eveline PFEILER, Tel.: +43 (1) 71128-7223 bzw. eveline.pfeiler@statistik.gv.at und  
DI Brigitte ALLEX, Tel.: +43 (1) 71128-7553 bzw. brigitte.allex@statistik.gv.at

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