Pressemitteilung: 12.334-174/20

Öffentliche Finanzen im 1. Halbjahr 2020: öffentliches Defizit 9,4%, öffentlicher Schuldenstand 82,6% des BIP

Wien, 2020-09-30 – Im 1. Halbjahr 2020 verzeichnete Österreich ein öffentliches Defizit von 9,4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. 16,8 Mrd. Euro. Im Vergleich zum 1. Halbjahr 2019 bedeutet das laut Statistik Austria eine Verschlechterung um 17,3 Mrd. (1. Halbjahr 2019: öffentlicher Überschuss in Höhe von 0,5 Mrd. Euro bzw. 0,2% des BIP). Die Staatseinnahmen gingen im Vergleich zum 1. Halbjahr des Vorjahres um 6,4% bzw. 6,0 Mrd. Euro zurück (1. Halbjahr 2020: 88,0 Mrd. Euro, 1. Halbjahr 2019: 94,0 Mrd. Euro), während die Staatsausgaben um 12,0% bzw. 11,3 Mrd. Euro auf 104,8 Mrd. stiegen (1. Halbjahr 2019: 93,6 Mrd. Euro). Der öffentliche Schuldenstand stieg in absoluten Zahlen und betrug am Ende des 2. Quartals 2020 315,7 Mrd. Euro. Die Schuldenquote – das Verhältnis der Staatsschulden zum BIP – stieg auf 82,6% (Ende 2019: 70,5% des BIP bzw. 280,3 Mrd. Euro).

"Die Corona-Krise beendet die Haushaltskonsolidierung. Der österreichische Staatshaushalt hat im 1. Halbjahr dieses Jahres ein Budgetdefizit von 9,4% des Bruttoinlandsprodukts verbucht. Grund hierfür war ein deutlicher Anstieg der krisenbedingten Ausgaben bei gleichzeitigem Rückgang insbesondere der Steuereinnahmen. Die Schuldenquote stieg um 12,1 Prozentpunkte auf 82,6%. In den Jahren 2015 bis 2019 hatte Österreich die Staatverschuldung von 84,9% auf 70,5% reduziert und sich damit dem Maastrichtkriterium von 60% angenähert", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

 Staatseinnahmen im 1. Halbjahr 2020 um 6,4% gesunken

87,7% der Staatseinnahmen im 1. Halbjahr 2020 stammten aus Steuern und Sozialbeiträgen, die in Summe 77,1 Mrd. Euro ausmachten. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Verringerung um 5,9% bzw. um 4,9 Mrd. Euro.

Die wertmäßig größten Einbußen auf der Einnahmenseite waren im 1. Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei den Steuern zu verzeichnen: Bei den Einkommen- und Vermögensteuern (-9,9% bzw. -2,4 Mrd. Euro) betrifft dies vor allem die Körperschaftsteuer (-33,4% bzw. -1,3 Mrd. Euro) und die Einkommensteuer (-49,1% bzw. -0,9 Mrd. Euro). Der Rückgang bei den Produktions- und Importabgaben (-8,6% bzw. -2,4 Mrd. Euro) ist vor allem auf die Umsatzsteuer (-9,5% bzw. -1,4 Mrd. Euro) und die Mineralölsteuer (-22,8% bzw. -0,5 Mrd. Euro) zurückzuführen.

Staatsausgaben im 1. Halbjahr 2020 um 12% gestiegen

Im 1. Halbjahr 2020 entfielen 43% der Staatsausgaben auf Sozialleistungen (monetäre und Sachleistungen), 20% auf Arbeitnehmerentgelte sowie je 11% auf Subventionen und auf Vorleistungen.

Die wertmäßig größte Erhöhung gegenüber dem Vorjahr auf der Ausgabenseite gab es im 1. Halbjahr 2020 bei den Subventionen (+356,8% bzw. +9,2 Mrd. Euro), darunter fallen Aufwendungen für Kurzarbeit und den Fixkostenzuschuss. Ebenfalls stark erhöht haben sich die monetären Sozialleistungen (+6,5% bzw. +2,3 Mrd. Euro) aufgrund des erhöhten Aufwands für das Arbeitslosengeld und den Härtefallfonds. Da endgültige Zahlen für diese Maßnahmen noch nicht vorliegen, handelt es sich um Schätzwerte, die bei jeder Veröffentlichung an den neuen Erkenntnisstand angepasst werden.

Öffentlicher Schuldenstand am 30. Juni 2020 um 35,4 Mrd. Euro höher als Ende 2019

Ende des 2. Quartals 2020 betrug die Staatsverschuldung 315,7 Mrd. Euro oder 82,6% des BIP. Damit lag sie um 35,4 Mrd. Euro höher als Ende des 4. Quartals 2019. Die Schuldenquote stieg in diesem Zeitraum um 12,1 Prozentpunkte.

Dieser Anstieg kann fast ausschließlich auf die Kerneinheit Bund zurückgeführt werden, da Österreich ab Mitte März 2020 erhebliche Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie sowie ihrer wirtschaftlichen Folgen getroffen hat.

Diese Schuldaufnahme geht jedoch auch teilweise mit einem Anstieg an Einlagen auf der Aktivseite einher. Das bestätigt, dass die Auszahlungen aus den diversen Corona-Hilfspaketen zwar schon teilweise erfolgt sind, nebenbei aber auch vorsorglich neue Verbindlichkeiten eingegangen wurden, um zukünftige Corona-Hilfen zu finanzieren.

Öffentliche Finanzen 2019: öffentlicher Überschuss 0,7%, öffentlicher Schuldenstand 70,5% des BIP

Im Jahr 2019 wurde – zum zweiten Mal in Folge – ein öffentlicher Überschuss verzeichnet, und zwar von 0,7% des BIP bzw. 2,7 Mrd. Euro (2018: 0,2% des BIP bzw. 0,7 Mrd. Euro). Die Staatsausgaben stiegen im Vergleich zu 2018 um 2,5% bzw. 4,8 Mrd. Euro, die Staatseinnahmen wuchsen um 3,6% bzw. 6,8 Mrd. Euro. 2019 verringerte sich der öffentliche Schuldenstand in absoluten Zahlen und betrug am Jahresende 280,3 Mrd. Euro. Die Schuldenquote fiel auf 70,5% (Ende 2018: 74,0% des BIP bzw. 285,3 Mrd. Euro).

Staatseinnahmen 2019 deutlich angestiegen

Die Staatseinnahmen 2019 betrugen insgesamt 195,2 Mrd. Euro und stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Mrd. Euro (+3,6%). 87,5% der Staatseinnahmen stammten aus Steuern und Sozialbeiträgen, die 2019 in Summe 170,8 Mrd. Euro ausmachten; die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr lag bei 3,8% bzw. 6,3 Mrd. Euro. Bei den Produktions- und Importabgaben (inklusive Mehrwertsteuer) lag die Steigerungsrate 2019 bei 3,5% bzw. 1,8 Mrd. Euro. Die Einnahmen aus Einkommen- und Vermögensteuern zeigten 2019 einen starken Anstieg (+4,2% bzw. 2,2 Mrd. Euro), der vor allem auf Steigerungen gegenüber 2018 bei der Lohnsteuer um 1,3 Mrd. Euro und bei der veranlagten Einkommensteuer um 0,6 Mrd. Euro zurückzuführen ist. Das Lohnsteueraufkommen 2019 lag mit 29,6 Mrd. Euro (+4,5%) über jenem vor der Steuerreform 2016 (2015: 28,4 Mrd. Euro).

Staatsausgaben 2019 relativ gering angestiegen

Die Staatsausgaben stiegen im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 2,5% oder 4,8 Mrd. Euro auf insgesamt 192,5 Mrd. Euro. 45,2% der Ausgaben des Staates entfielen 2019 auf die Sozialausgaben, die gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 3,5% auswiesen. Die nächstgrößeren Positionen waren mit einigem Abstand der Personalaufwand mit rund 22% (+3,4% bzw. 1,4 Mrd. Euro) und der Sachaufwand mit rund 14% (+3,8% bzw. 1,0 Mrd. Euro). Förderungen haben einen Anteil von rund 10% an den Staatsausgaben. Die Investitionen zeigten 2019 einen Anstieg auf 12,1 Mrd. Euro. Die Zinsausgaben waren auch 2019 stark rückläufig (-10,2% bzw. 0,6 Mrd. Euro).

Überschuss in drei Teilsektoren des Staates

Im Jahr 2019 verzeichneten drei von vier Teilsektoren des Staates einen Überschuss. Die Bundesebene (Gebietskörperschaft, Bundeskammern und sonstige Bundeseinheiten) erzielte 2019 mit 1,8 Mrd. Euro einen Überschuss (2018: Defizit von 474 Mio. Euro). Die Landesebene (Gebietskörperschaft, Landeskammern und sonstige Landeseinheiten) erreichte 2019 einen Überschuss von 741 Mio. Euro (2018: Überschuss von 631 Mio. Euro). Die Gemeindeebene einschließlich Wien verzeichnete 2019 ein Defizit von 34 Mio. Euro (2018: Überschuss von 46 Mio. Euro). Ein Überschuss von 186 Mio. Euro im Jahr 2019 ist beim Sektor Sozialversicherung zu beobachten (2018: Überschuss von 472 Mio. Euro).

Schuldenquote 2019 fiel auf 70,5% des Bruttoinlandsprodukts

Ende 2019 betrug der öffentliche Schuldenstand 280,3 Mrd. Euro oder 70,5% des BIP. Damit lag die Staatsverschuldung um 5,0 Mrd. Euro unter dem Vorjahreswert, das entspricht einer Reduzierung der Schuldenquote um 3,5 Prozentpunkte. Von der Art der Verschuldung entfielen im Jahr 2019 1,7 Mrd. Euro auf Einlagen, 235,1 Mrd. Euro auf Anleihen und 43,5 Mrd. Euro auf Kredite.

Die Pro-Kopf-Verschuldung war im Jahr 2019 in Kärnten am höchsten (6.594 Euro), gefolgt von Niederösterreich (6.377 Euro) und der Steiermark (5.458 Euro; siehe Tabelle 5). Um Wien, das sowohl Gemeinde als auch Bundesland ist, mit den restlichen Bundesländern vergleichen zu können, werden für die Berechnung der Pro-Kopf-Verschuldung die Schulden des Landes- und des Gemeindesektors herangezogen.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum öffentlichen Defizit/Überschuss und zum öffentlichen Schuldenstand sowie zu den Einnahmen und Ausgaben des Staates finden Sie auf unserer Webseite. Zum öffentlichen Defizit/Überschuss 2019 sind auch Bundesländerdaten verfügbar.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Grundlage für das Berichtsjahr 2019 sind die endgültigen Rechnungsabschlüsse des Bundes, der Länder, Wiens und der Gemeinden, außerdem die endgültige Finanzstatistik des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger sowie Informationen zu außerbudgetären Einheiten.  
Grundlage für das 1. Halbjahr 2020 sind die vorläufigen Rechnungsabschlusszahlen des Bundes, der Länder und der Gemeinden sowie die vorläufige Finanzstatistik des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger. Sonstige Einheiten des Sektors Staat werden auf Basis vorhandener Informationen geschätzt. 
Statistik Austria erstellt als Teil der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) zweimal pro Jahr Daten über den Sektor Staat und publiziert sie jeweils Ende März und Ende September. Diese Termine entsprechen auch den Verpflichtungen gemäß den EU-Verordnungen Nr. 549/2013 ("ESVG 2010") und Nr. 222/2014 ("Maastricht-Statistiken"), diese Daten sowie Statistiken über das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand der Europäischen Kommission (Eurostat) zu notifizieren. Die Daten gemäß der angeführten EU-Verordnungen werden erstellt für den Sektor Staat insgesamt und die vier Teilsektoren Bundesebene, Landesebene, Gemeindeebene und Sozialversicherung. Die Staatseinnahmen und -ausgaben werden nach dem Europäischen System für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (ESVG 2010) kategorisiert. Das öffentliche Defizit bzw. der öffentliche Überschuss ergeben sich aus der Differenz von Staatseinnahmen und Staatsausgaben.

 

Tabelle 1: Öffentliche Finanzen – Eckdaten des Staates im 1. Halbjahr 2019/2020
 Halbjahr
1. Halbjahr 20191. Halbjahr 2020
Staatseinnahmen in Mrd. Euro94,088,0
davon  
   Steuereinnahmen51,947,1
   Sozialbeiträge30,130,0
   Produktionserlöse8,37,9
   Sonstige3,72,9
Staatsausgaben in Mrd. Euro93,6104,8
davon  
   Sozialausgaben43,445,5
   Personalaufwand20,620,7
   Sachaufwand12,512,4
   Förderungen9,018,4
   Investitionen5,25,2
   Zinsen2,82,6
Defizit/Überschuss
Defizit/Überschuss in % des BIP+0,2-9,4
BIP in Mrd. Euro194,9179,6
Tabelle 2: Staatsverschuldung Ende des 1. Quartals 2020 und Ende des 2. Quartals 2020 nach Teilsektoren des Staates
Sektor/TeilsektorenEnde des Quartals
Q1/2020Q2/2020Q1/2020Q2/2020
in Mrd. Euroin % des BIP
Staat insgesamt289,0315,773,182,6
Bundesektor251,8277,563,772,6
Landesektor20,820,85,35,4
Gemeindesektor16,416,64,24,3
Sozialversicherungssektor0,00,90,00,2

 

Tabelle 3: Öffentliche Finanzen – Eckdaten des Staates 2018/2019
 Jahr
20182019
Staatseinnahmen in Mrd. Euro188,4195,2
davon  
   Steuereinnahmen105,8109,7
   Sozialbeiträge58,761,1
   Produktionserlöse16,417,1
   Sonstige7,57,2
Staatsausgaben in Mrd. Euro187,7192,5
davon  
   Sozialausgaben84,187,0
   Personalaufwand40,441,8
   Sachaufwand25,626,6
   Förderungen19,619,3
   Investitionen11,712,1
   Zinsen6,35,6
Defizit/Überschuss und Schuldenstand
Defizit/Überschuss in % des BIP+0,2+0,7
Schuldenstand in % des BIP74,070,5
BIP in Mrd. Euro385,4397,6

 

Tabelle 4: Staatsverschuldung 2018/2019 nach Teilsektoren
Sektor/TeilsektorenEnde des Jahres
2018201920182019
in Mrd. Euroin % des BIP
Staat insgesamt285,3280,374,070,5
Bundesektor246,2241,863,960,8
Landessektor21,721,05,65,3
Gemeindesektor16,116,44,24,1
Sozialversicherungssektor1,31,00,30,3
Tabelle 5: Pro-Kopf-Verschuldung Landes- und Gemeindesektor 2019
BundeslandPro-Kopf-Verschuldung in Euro
Burgenland4.180
Kärnten6.594
Niederösterreich6.377
Oberösterreich2.636
Salzburg2.996
Steiermark5.458
Tirol1.424
Vorarlberg2.350
Wien3.910

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