Pressemitteilung: 12.254-094/20

Der Arbeitsmarkt während der Corona-Krise – Arbeitsmarktdaten April 2020

Wien, 2020-06-03 – Die Maßnahmen und Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie sowie die schrittweisen Lockerungen zeigen für die Monate März und April 2020 deutliche, teils branchenspezifisch unterschiedliche Auswirkungen auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Laut Statistik Austria endeten in diesem Zeitraum 380.000 Fälle unselbständiger Erwerbstätigkeit, in 230.000 Fällen wurde eine Beschäftigung neu aufgenommen. Die nach internationaler Definition für April ermittelte Anzahl von 4.079.000 erwerbstätigen Personen lag um 80.000 unter jener vom März bzw. um 164.000 unter jener vom April 2019. Stärker noch als in der Zahl von 227.700 arbeitslosen Personen nach internationaler Definition spiegelt sich der Beschäftigungsrückgang in der "stillen Reserve" des Arbeitsmarkts: Sie wuchs von 129.000 im Februar 2020 auf 221.000 Personen im April 2020 an. Aber auch Personen, die ihren Job behielten, leisteten im Durchschnitt im April 2020 aufgrund von Kurzarbeit, Abbau von Zeitguthaben und (Sonder-)urlaub mit 25,4 Stunden 6,9 Arbeitsstunden weniger pro Woche als im April 2019.

Rund 380.000 Beschäftigungsbeendigungen im März und April

In mehr als 380.000 Fällen wurde in den Monaten März und April eine unselbständige Erwerbstätigkeit beendet. Diesen Jobverlusten stehen lediglich 230.000 Beschäftigungsaufnahmen gegenüber. Der April zeigt hier allerdings ein bereits deutlich positiveres Bild als der März: Im April standen etwa 70.000 Beendigungen 100.000 Aufnahmen gegenüber, im März war das Verhältnis dagegen 314.000 zu 130.000.

Die etwas günstigere Situation im April erklärt sich durch stark unterschiedliche Entwicklungen in den Branchen. So wirkten sich die mit Mitte April in Kraft getretenen Lockerungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie besonders positiv auf die Baubranche aus (nur etwas mehr als 5.000 Beendigungen bei 33.000 Aufnahmen). Vor allem in den Wirtschaftsabschnitten "Kunst, Unterhaltung und Erholung" sowie "Beherbergung und Gastronomie" waren hingegen noch kaum Beschäftigungsaufnahmen zu verzeichnen.

Starker Rückgang der Erwerbstätigenzahlen

Die nach internationaler Definition ermittelte Zahl der Erwerbstätigen blieb auch im April rückläufig. Im Monatsdurchschnitt waren im April 4.079.000 Personen erwerbstätig, um 80.000 Personen weniger als im März bzw. um 159.000 Personen weniger als im Februar 2020. Verglichen mit dem April 2019 ist der Rückgang der Erwerbstätigenzahl mit 164.000 Personen noch höher. Der aktuelle Beschäftigungsrückgang übertrifft damit – zumindest kurzfristig – die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise des Jahres 2009 auf den Arbeitsmarkt deutlich. Damals lag das Maximum beim Beschäftigungsrückgang bei knapp 28.000 Personen im Vergleich der Quartalsdurchschnitte des 2. Quartals 2009 mit dem 2. Quartal 2008.

Arbeitslosigkeit und Zahl der Personen in der "stillen Reserve" steigen

Die Zahl der beim AMS registrierten Arbeitslosen stieg bis Ende April auf 522.300 Personen (+226.000 im Vergleich zum April des Vorjahres). Die Arbeitslosenquote lag damit nach nationaler Definition Ende April bei 12,8%, um 5,5 Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau.

Demgegenüber stehen die Monatsergebnisse der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung: Auf Basis der internationalen Definition von Arbeitslosigkeit gab es im Aprildurchschnitt 227.700 arbeitslose Personen. Damit ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum April des Vorjahres mit einem Plus von 12.600 Personen nur leicht gestiegen. Die bereinigte Arbeitslosenquote für April 2020 beträgt nunmehr 5,2% und ist damit um 0,4 Prozentpunkte höher als im Vergleichszeitraum. Diese vergleichsweise geringe Dynamik erklärt sich durch die zugrundeliegenden Definitionen und Konzepte. Die Kriterien für Arbeitslosigkeit laut internationaler Definition sind die aktive Suche nach Arbeit und die Bereitschaft, eine Arbeitsstelle innerhalb von zwei Wochen anzutreten. Es ist davon auszugehen, dass situationsbedingt nur wenige Personen, die ihren Job kurzfristig verloren haben, sofort mit der Arbeitssuche begonnen haben oder innerhalb von zwei Wochen eine Arbeit antreten könnten.

In den nach internationalen Definitionen ermittelten Zahlen spiegelt sich der Rückgang der Beschäftigten nur zu einem geringeren Maße im Anstieg der Arbeitslosigkeit, sondern definitionsbedingt in der Zunahme der Personen in der "stillen Reserve" des Arbeitsmarkts. Diese Gruppe umfasst Personen, die zwar nicht erwerbstätig sind, grundsätzlich gerne arbeiten würden, aber nicht aktiv nach Arbeit suchen oder nicht kurzfristig mit einer Erwerbstätigkeit beginnen könnten. Zahlenmäßig hat diese Gruppe stark zugenommen, nämlich von 129.000 im Februar 2020 auf 221.000 Personen im April 2020 (April 2019: 102.000 Personen).

Nicht nur weniger Jobs, sondern zusätzlich deutlich weniger Arbeitsstunden

Der Rückgang der Erwerbstätigenzahlen und der Anstieg der Arbeitslosen bzw. der stillen Arbeitsmarktreserve spiegelt die aktuell krisenhafte Situation am Arbeitsmarkt nur unzureichend wider. Denn auch jene Personen, die ihren Job behalten haben, leisten durch Kurzarbeit, Abbau von Zeitguthaben und andere Formen der Arbeitszeitreduktion im Durchschnitt aktuell deutlich weniger Arbeitsstunden pro Woche als üblich. Im Jahresvergleich hat sich die durchschnittliche tatsächliche Wochenarbeitszeit von 32,3 Stunden (April 2019) auf 25,4 Stunden (April 2020), also um 6,9 Stunden verringert. Einzelne Branchen waren dabei in einem noch deutlich stärkeren Ausmaß betroffen, so etwa die "Beherbergung und Gastronomie" mit einem Rückgang von 33,3 Stunden (April 2019) auf 11,4 Stunden im April 2020 und der Bereich "Kunst, Unterhaltung und Erholung" von 29,9 Stunden im Vorjahr auf 12,5 Stunden tatsächlicher Wochenarbeitszeit im April 2020.

Jobverluste der ersten Lockdown-Woche bis Ende April erst zu einem Viertel kompensiert

Von allen insgesamt fast 118.000 Personen, die allein in der Kalenderwoche 12 (16. bis 22.3.2020) ihren Job beendet haben, hat knapp ein Viertel bis Ende April wieder eine Erwerbstätigkeit aufgenommen – sieben von zehn Personen beim selben Dienstgeber, bei dem sie zuvor beschäftigt waren.

Auch hier gibt es nach Branchen betrachtet deutliche Unterschiede. Zwei Drittel jener Personen, die ihren Job im Bau beendet hatten, gelang bis Ende April wieder eine Beschäftigungsaufnahme – in neun von zehn Fällen beim vorherigen Dienstgeber. Von den zuvor im Handel beschäftigten Personen konnte dagegen nur knapp ein Viertel bis Ende April wieder eine Beschäftigung aufnehmen – in sechs von zehn Fällen beim vorherigen Dienstgeber.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Registerbasierte Erwerbsverläufe: Die Daten werden aus strukturiert aufbereiteten Verwaltungsdaten von Statistik Austria gewonnen. Dabei werden aus den für die Registerzählung bzw. die Abgestimmte Erwerbsstatistik nutzbar gemachten Administrativdatenquellen überschneidungsfreie Erwerbskarrieren gebildet. Die Konzepte der Abgestimmten Erwerbsstatistik werden soweit wie möglich übernommen. Damit entstehen nicht nur überschneidungsfreie, sondern auch lückenlose Erwerbskarrieren für alle Personen, die in einer der Datenquellen irgendwann einmal vorgekommen sind – unabhängig davon, ob sie jemals einen Hauptwohnsitz in Österreich hatten oder nicht. Dieses Projekt ermöglicht es somit, die Erwerbsbiographie von Personen im Laufe ihres Lebens statistisch auszuwerten und Analysen zur Stabilität von Erwerbsbiographien und zu typischen Erwerbsmustern verschiedener Personengruppen durchzuführen. Die Auswertungen basieren auf den aktuellsten verfügbaren Daten mit Stand Ende April 2020. Da Beschäftigungsaufnahmen bzw. -beendigungen mitunter mit einigen Tagen Verspätung in den Daten des Dachverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger eingemeldet werden, sind die Zahlen v. a. in Bezug auf die Beschäftigungsbeendigungen am 30.4. vermutlich noch etwas unterschätzt. Genauere Analysen können daher erst in einigen Monaten vorgenommen werden.  
Weitere Informationen zu den Registerbasierten Erwerbsverläufen. 
Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung (AKE):
Die europäische Arbeitskräfteerhebung findet in allen Mitgliedsländern der EU statt. Dabei werden in zufällig ausgewählten privaten Haushalten in standardisierter Form Informationen zu Erwerbstätigkeit und Arbeitssuche erhoben. In Österreich wird die AKE im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt – eine Stichprobenerhebung, bei der wöchentlich rund 1.500 Haushalte befragt werden. Diese Daten werden auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet. Für die Monatsergebnisse wird ein Durchschnitt über alle Wochen eines Monats gebildet. Die Werte von April sind vorläufig und können sich daher noch ändern.  
Details zur Berechnung der monatlichen Arbeitslosenzahlen nach internationaler Definition finden sich auf unserer Website zum Thema Arbeitslose
Erwerbstätige nach internationaler Definition: Personen, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder die wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgehen. Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen.  
Unselbständig Beschäftigte nach nationaler Definition: Personen, die beim Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ein aufrechtes Beschäftigungsverhältnis über der Geringfügigkeitsgrenze haben (dazu zählen auch Lehrlinge, Personen mit Bezug von Karenz- oder Kinderbetreuungsgeld oder Präsenz- und Zivildiener, sofern ein aufrechtes Dienstverhältnis besteht).  
Arbeitslose nach internationaler Definition: Personen, die im Sinne der internationalen Definition nicht erwerbstätig sind, die weiters innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen könnten und in der Referenzwoche oder den drei vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht oder nur deshalb nicht gesucht haben, weil sie bereits eine Arbeit gefunden haben, die sie innerhalb von drei Monaten aufnehmen werden.  
Arbeitslose nach nationaler Definition: Personen, die beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos vorgemerkt sind. Eine parallele geringfügige Beschäftigung (laut Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger) ist möglich, d.h. eine arbeitslose Person kann gleichzeitig geringfügig beschäftigt sein.  
Arbeitslosenquote nach internationaler Definition: Anteil der Arbeitslosen nach internationaler Definition an der Zahl der Erwerbspersonen nach internationaler Definition (das sind Arbeitslose plus Erwerbstätige), jeweils im Alter von 15 bis 74 Jahren.  
Arbeitslosenquote nach nationaler Definition: Anteil der Arbeitslosen nach nationaler Definition am Arbeitskräftepotential (das sind Arbeitslose plus unselbständig beschäftigte Personen laut Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger).  
"Stille Arbeitsmarktreserve" (auch "stille Reserve") nach internationaler Definition: Nicht-Erwerbspersonen (Personen, die laut internationaler Definition weder erwerbstätig noch arbeitslos sind) im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in der Referenzwoche und den drei Wochen davor nicht nach Arbeit suchen, aber grundsätzlich gerne arbeiten würden und innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche zu arbeiten beginnen könnten.

 

Tabelle 1: Monatsergebnisse zu Erwerbstätigen, Nicht-Erwerbspersonen und Arbeitslosen
 Erwerbstätige (15-64 Jahre)DarunterNicht-Erwerbspersonen (15-64 Jahre)DarunterArbeitslosigkeit
(international)1)
Arbeitslosigkeit (national)2)
UnselbständigeRückkehr auf den alten
Arbeitsplatz
Stille Arbeitsmarktreserve
in 1.000in 1.000in %in 1.000in %
Jänner 20194.225,43.740,11.373,457,6133,4214,04,8368,09,0
Februar 20194.217,43.710,51.363,960,0124,9232,55,2343,48,4
März 20194.232,13.775,71.361,837,4106,1220,84,9304,47,5
April 20194.242,93.763,91.358,619,4101,9215,24,8296,37,3
 
Jänner 20204.235,83.751,51.393,755,2127,3192,34,3355,38,6
Februar 20204.238,43.741,81.373,445,4128,8220,24,9334,08,1
März 20204.159,43.686,71.458,082,9164,1215,54,9504,312,3
April 20204.079,03.621,71.517,492,9221,0227,75,2522,312,8
 
Veränderung im April 2020 (in 1.000 bzw. Prozentpunkten)…
…zum Vormonat-80,4-65,059,410,056,812,20,417,90,5
…zum Vorjahresmonat-163,9-142,3158,873,5119,112,60,4226,05,5
Tabelle 2: Monatsergebnisse zur durchschnittlichen tatsächlichen Wochenarbeitszeit Erwerbstätiger nach Wirtschaftsbereichen
 Erwerbstätige (15-64 Jahre)Land- u. Forst-wirtschaftIndustrie und GewerbeDarunterDienstleistungenDarunter
BauHandelBeherbergung u. Gastro-nomieKunst, Unterhaltung u. Erholung
Stunden pro Person und Woche (arithmetisches Mittel)
Jänner 201929,835,929,827,129,628,731,631,4
Februar 201933,339,235,635,432,132,535,025,7
März 201934,242,835,936,833,232,234,629,9
April 201932,342,334,935,430,831,033,329,9
 
Jänner 202029,140,628,426,928,728,133,925,8
Februar 202032,840,635,234,631,730,934,127,6
März 202029,641,331,730,228,327,423,618,3
April 202025,443,627,829,123,623,311,412,5
 
Veränderung im April 2020 (in Stunden/Woche)…
…zum Vormonat-4,22,2-3,9-1,1-4,8-4,0-12,2-5,8
…zum Vorjahresmonat-6,91,3-7,1-6,3-7,2-7,7-21,9-17,4

 

Tabelle 3: Aufnahmen und Beendigungen unselbständiger Erwerbstätigkeit
 Beschäftigungsaufnahmen1) insgesamtDarunterBeschäftigungsbeendigungen2) insgesamtDarunter
BauBau
auf 1.000 gerundet
März 2019158.00036.000128.00010.000
April 2019150.00022.000115.0009.000
     
März 2020130.00027.000314.00038.000
April 20203)100.00033.00067.0005.000

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