Pressemitteilung: 12.212-052/20

Öffentliche Finanzen 2019: öffentlicher Überschuss 0,7%, öffentlicher Schuldenstand 70,4% des BIP

Wien, 2020-03-31 – Im Jahr 2019 war laut Statistik Austria – zum zweiten Mal in Folge – ein öffentlicher Überschuss zu verzeichnen, und zwar von 0,7% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. 2,9 Mrd. Euro (2018: 0,2% des BIP bzw. 0,7 Mrd. Euro). Die Staatsausgaben stiegen im Vergleich zu 2018 um 2,4% bzw. 4,5 Mrd. Euro, die Staatseinnahmen wuchsen um 3,6% bzw. 6,7 Mrd. Euro. 2019 verringerte sich der öffentliche Schuldenstand in absoluten Zahlen und betrug am Jahresende 280,4 Mrd. Euro. Die Schuldenquote – das Verhältnis der Staatsschulden zum BIP – fiel auf 70,4% (Ende 2018: 74,0% des BIP bzw. 285,3 Mrd. Euro).

Staatseinnahmen sehr stark angestiegen

Die Staatseinnahmen 2019 betrugen insgesamt 195,1 Mrd. Euro und stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Mrd. Euro (+3,6%). 87,5% der Staatseinnahmen stammten aus Steuern und Sozialbeiträgen, die 2019 in Summe 170,8 Mrd. Euro betrugen; die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr lag bei 3,8% bzw. 6,3 Mrd. Euro. Bei den Produktions- und Importabgaben (inklusive Mehrwertsteuer) lag die Steigerungsrate 2019 bei 3,3% bzw. 1,8 Mrd. Euro. Die Einnahmen aus Einkommen- und Vermögensteuern zeigten 2019 einen starken Anstieg (+4,3% bzw. 2,2 Mrd. Euro), der vor allem auf Steigerungen gegenüber 2018 bei der Lohnsteuer um 1,3 Mrd. Euro und bei der veranlagten Einkommensteuer um 0,6 Mrd. Euro zurückzuführen ist. Das Lohnsteueraufkommen 2019 lag mit 29,6 Mrd. Euro (+4,5%) über jenem vor der Steuerreform (2015: 28,4 Mrd. Euro).

Staatsausgaben relativ gering angestiegen

Die Staatsausgaben stiegen im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 2,4% oder 4,5 Mrd. Euro auf insgesamt 192,2 Mrd. Euro. 45,2% der Ausgaben des Staates entfielen 2019 auf die Sozialausgaben, die gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 3,3% auswiesen. Die nächstgrößeren Positionen waren mit einigem Abstand der Personalaufwand mit rund 22% (+2,5% bzw. 1,0 Mrd. Euro) und der Sachaufwand mit rund 14% (+3,1% bzw. rund 800 Mio. Euro). Förderungen haben einen Anteil von rund 10% an den Staatsausgaben. Die Investitionen zeigten 2019 nur einen sehr geringen Anstieg auf 11,8 Mrd. Euro. Die Zinsausgaben waren auch 2019 stark rückläufig (-9,7% bzw. rund 600 Mio. Euro).

Überschuss in allen Teilsektoren des Staates

Im Jahr 2019 verzeichneten alle vier Teilsektoren des Staates einen Überschuss. Die Bundesebene (Gebietskörperschaft, Bundeskammern und sonstige Bundeseinheiten) erzielte 2019 mit 2,0 Mrd. Euro einen Überschuss (2018: Defizit von 474 Mio. Euro). Die Landesebene (Gebietskörperschaft, Landeskammern und sonstige Landeseinheiten) erreichte 2019 einen Überschuss von 606 Mio. Euro (2018: Überschuss von 631 Mio. Euro). Die Gemeindeebene einschließlich Wien verzeichnete 2019 einen Überschuss von 125 Mio. Euro (2018: Überschuss von 46 Mio. Euro). Ein Überschuss von 224 Mio. Euro im Jahr 2019 ist beim Sektor Sozialversicherung zu beobachten (2018: Überschuss von 472 Mio. Euro).

Schuldenquote fällt auf 70,4% des Bruttoinlandsprodukts

Ende 2019 betrug der öffentliche Schuldenstand 280,4 Mrd. Euro oder 70,4% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit lag die Staatsverschuldung um 4,8 Mrd. Euro unter dem Vorjahreswert, das entspricht einer Reduzierung der Schuldenquote – dem Verhältnis der Staatsschulden zum BIP – um 3,6 Prozentpunkte. Von der Art der Verschuldung entfielen im Jahr 2019 1,7 Mrd. Euro auf Einlagen, 235,1 Mrd. Euro auf Anleihen und 43,6 Mrd. Euro auf Kredite.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum öffentlichen Defizit/öffentlichen Überschuss und zum öffentlichen Schuldenstand sowie zu den Einnahmen und Ausgaben des Staates finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Grundlage für das Berichtsjahr 2019 sind der vorläufige Rechnungsabschluss des Bundes, die Quartalsdaten der Länder und Gemeinden, die vorläufige Finanzstatistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger sowie erste Informationen zu außerbudgetären Einheiten. Statistik Austria erstellt als Teil der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) zweimal pro Jahr Daten über den Sektor Staat und publiziert sie jeweils Ende März und Ende September. Diese Termine entsprechen auch den Verpflichtungen gemäß den EU-Verordnungen Nr. 549/2013 ("ESVG 2010") und Nr. 222/2014 ("Maastricht-Statistiken"), diese Daten sowie Statistiken über das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand an die Europäische Kommission (Eurostat) zu notifizieren. Die Daten gemäß der angeführten EU-Verordnungen werden erstellt für den Sektor Staat insgesamt und die vier Teilsektoren Bundesebene, Landesebene, Gemeindeebene und Sozialversicherung. Die Staatseinnahmen und -ausgaben werden nach dem Europäischen System für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (ESVG 2010) kategorisiert. Das öffentliche Defizit bzw. der öffentliche Überschuss ergeben sich aus der Differenz von Staatseinnahmen und Staatsausgaben.

 

Tabelle 1: Öffentliche Finanzen – Eckdaten des Staates 2018/2019
 Jahr
20182019
Staatseinnahmen in Mrd. Euro188,4195,1
davon  
   Steuereinnahmen105,8109,7
   Sozialbeiträge58,761,1
   Produktionserlöse16,417,0
   Sonstige7,57,3
Staatsausgaben in Mrd. Euro187,7192,2
davon  
   Sozialausgaben84,186,9
   Personalaufwand40,441,4
   Sachaufwand25,626,4
   Förderungen19,620,0
   Investitionen11,711,8
   Zinsen6,35,7
Defizit/Überschuss und Schuldenstand
Defizit/Überschuss in % des BIP+0,2+0,7
Schuldenstand in % des BIP74,070,4
BIP in Mrd. Euro385,7398,5
Tabelle 2: Staatsverschuldung 2018/2019 nach Teilsektoren
Sektor / TeilsektorenEnde des Jahres
2018201920182019
 in Mrd. Euroin % des BIP
Staat insgesamt285,3280,474,070,4
Bund246,2241,863,8                            60,7
Bundesländer (ohne Wien)21,621,05,65,3
Gemeinden (einschl. Wien)16,216,54,24,1
Sozialversicherungsträger1,31,00,30,3

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Mag. Agnes SINGER-PESAU, Tel.: +43 (1) 71128-7169 bzw. agnes.singer-pesau@statistik.gv.at und  
Mag. Lukas DÖRFLER, Tel.: +43 (1) 71128-7816 bzw. lukas.doerfler@statistik.gv.at

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