Pressemitteilung: 12.200-040/20

Internationaler Frauentag 2020: Frauen holen bezüglich Bildungsniveau und Erwerbstätigkeit auf; Teilzeit und niedrigere Erwerbseinkommen führen zu größeren sozialen Risiken

Wien, 2020-03-04 – Frauen sind gut ausgebildet und immer häufiger erwerbstätig. Im Jahr 2018 stieg die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen laut Statistik Austria auf 68,6%. Fast die Hälfte der Frauen arbeitet dabei in Teilzeit (47,5%). Vor allem bei Frauen mit Kindern ist die Erwerbsbeteiligung von Teilzeit geprägt: 2018 waren 73,0% der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren teilzeitbeschäftigt. Der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern hat sich zwar verringert, Frauen verdienen aber immer noch deutlich weniger als Männer, was sich in niedrigeren Pensionen und einem höheren Armutsrisiko niederschlägt.

Frauen haben bei der Bildung stark aufgeholt und sind häufiger erwerbstätig

Bezogen auf das Bildungsniveau der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren verfügten 2017 33,3% der Frauen und 27,3% der Männer über den Abschluss einer mittleren oder höheren Schule. Der Anteil der Frauen mit Hochschul- oder Akademieabschluss lag bei 19,2% und damit ebenfalls über jenem der Männer mit 15,9% (siehe Tabelle 1).

Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen stieg im Zeitvergleich von 58,5% (1998) auf 64,8% (2008) und 68,6% (2018; Männer: 77,4%). Die verstärkte Teilnahme der Frauen am Arbeitsmarkt ist jedoch in erster Linie auf die steigende Zahl von Teilzeitbeschäftigten zurückzuführen. Die Teilzeitquote der Frauen erhöhte sich von 30,7% im Jahr 1998 über 41,6% im Jahr 2008 auf 47,5% im Jahr 2018. Bei Männern hat Teilzeitbeschäftigung ebenfalls zugenommen, sie ist mit einem Anteil von 11,2% (2018) aber von vergleichsweise geringer Bedeutung (siehe Tabelle 2).

Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleibt Frauensache

Vor allem Frauen mit Kindern unter 15 Jahren sehen besonders häufig in der Teilzeitbeschäftigung die einzige Möglichkeit, neben den Betreuungsaufgaben einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. 2018 waren 73,0% der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren teilzeitbeschäftigt. Die Teilzeitquote 25- bis 49-jähriger Männer mit Kindern unter 15 Jahren lag bei 6,4% und damit unter dem Anteil der Männer ohne Kinder (11,6%).

Ein wesentlicher Faktor für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist die Kinderbetreuung. Der Anteil der in Kindertagesheimen betreuten Kinder erhöhte sich bei den bis Zweijährigen von 14,0% (2008) auf 26,5% (2018) und bei den Drei- bis Fünfjährigen von 86,5% auf 93,4%. Mehr als ein Fünftel der Kindergärten sperrt allerdings vor 14.00 Uhr zu, während ein Drittel bis mindestens 17.00 Uhr geöffnet hat. Zusätzlich haben Kindergärten im Durchschnitt 26,9 Betriebstage pro Jahr geschlossen.

Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer

Die hohe Teilzeitbeschäftigung der Frauen spiegelt sich auch in niedrigeren Erwerbseinkommen wider. Insgesamt verdienten Frauen 2018 um 36,7% brutto pro Jahr weniger als Männer. Das mittlere Bruttojahreseinkommen der Frauen betrug laut Lohnsteuerdaten 2018 21.996 Euro, jenes der Männer 34.730 Euro. Beschränkt man den Vergleich auf ganzjährig Vollzeitbeschäftigte, dann lagen die mittleren Bruttojahreseinkommen der Frauen 2018 um 15,2% unter jenen der Männer; 2008 waren es noch 20,9% (siehe Tabelle 3).

Lohnunterschied trotz Rückgang über dem EU-Durchschnitt

Im EU-Vergleich zählt Österreich nach wie vor zu den Ländern mit den höchsten Gender Pay Gaps. Vergleicht man gemäß der Definition von Eurostat die durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft, dann hat sich der Gender Pay Gap in Österreich von 25,1% (2008) auf 19,6% (2018) verringert (siehe Tabelle 4). Österreich liegt damit weiterhin deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 15,7% (2018) und wechselte im Zehnjahresvergleich vom drittletzten Rang auf den fünftletzten Rang (Ländervergleich siehe Grafik).

Gemäß EU-Definition sind durch die Verwendung der Stundenverdienste Unterschiede in der Arbeitszeit bereits berücksichtigt. Weitere strukturelle Ungleichheiten, etwa dass Frauen öfter in schlechter bezahlten Berufen und Branchen arbeiten oder seltener in Führungspositionen zu finden sind als Männer, werden nicht in die EU-Berechnung einbezogen. Analysen von Statistik Austria für das Jahr 2014 zeigen, dass weniger als die Hälfte des Gender Pay Gap erklärt werden kann, wenn Unterschiede nach Branche, Beruf, Bildungsstand, Alter, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit, Voll-/Teilzeit, Art des Arbeitsvertrags, Region und Unternehmensgröße, im Modell berücksichtigt werden. Ausgehend von einem Gender Pay Gap von 22,2% (2014) blieben damit 13,6% unerklärt.

Niedrigere Erwerbseinkommen führen zu höheren sozialen Risiken

Die niedrigeren Erwerbseinkommen und Versicherungsverläufe, die vor allem durch Kindererziehung Lücken aufweisen, führen bei Frauen insgesamt auch zu niedrigeren Pensionen.

Gemäß den Daten des Dachverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger betrug die mittlere monatliche Alterspension der Frauen im Jahr 2018 982 Euro und jene der Männer 1.953 Euro. Die Alterspensionen der Frauen waren somit im Mittel um 49,7% niedriger als jene der Männer. Die Neuzuerkennungen zeigen eine ähnlich große Pensionsdifferenz. Betrachtet man nur die 2018 neu zuerkannten Pensionen, dann waren die mittleren Alterspensionen der Frauen mit 1.133 Euro um 49,2% niedriger als jene der Männer mit 2.232 Euro.

Laut der Erhebung EU-SILC 2018 waren 26% der alleinlebenden Pensionistinnen und 15% der alleinlebenden Pensionisten armutsgefährdet. Ein-Eltern-Haushalte – das sind fast ausschließlich Frauen mit ihren Kindern – haben mit 37% das höchste Armutsrisiko aller Haushaltstypen.

Detaillierte Ergebnisse sowie weitere Informationen zur Gender-Statistik finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Erwerbstätigenquote: Erwerbstätige im Alter von 15 bis 64 Jahren bezogen auf die gleichaltrige Bevölkerung. Bis 2003 Mikrozensus, Durchschnitt der Erhebungen im März, Juni, September und Dezember. Ab 2004 Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung, Jahresdurchschnitt über alle Wochen.  
Teilzeitquote: Anteil der teilzeitbeschäftigten Personen an allen Erwerbstätigen. Bis 2003: Klassifikation Vollzeit/Teilzeit nach Stundengrenze (bis 35 Stunden). Ab 2004 nach Selbstzuordnung.  
Bruttojahreseinkommen: Mittlere (Median-)Bruttojahresbezüge gemäß § 25 Einkommensteuergesetz (inkl. Sonderzahlungen) auf Basis der Lohnsteuerdaten für alle unselbständig Beschäftigten sowie für ganzjährig Vollzeitbeschäftigte (ausgenommen Lehrlinge). 
Gender Pay Gap: Geschlechtsspezifischer Lohnunterschied (ohne Anpassungen) gemäß Eurostat bezogen auf die Differenz zwischen den durchschnittlichen (arithmetisches Mittel) Bruttostundenverdiensten von Frauen und Männern in Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten in der Privatwirtschaft (ohne Land- und Forstwirtschaft; öffentliche Verwaltung). Basis sind Unternehmensdaten, die in der gesamten Europäischen Union alle vier Jahre nach harmonisierten Standards erhoben werden. In Österreich leisteten zwischen 11.000 und 12.000 Unternehmen Angaben zu ihren Beschäftigten. Die Werte für die Jahre zwischen den Erhebungen werden geschätzt.  
Pensionen: Mittlere (Median) Alterspensionen (ohne zwischenstaatliche Teilleistungen) auf Basis der Daten des Dachverbandes oder österreichischen Sozialversicherungsträger (ohne Sonderzahlungen). 
Armutsgefährdung: Als armutsgefährdet werden laut der Erhebung EU-SILC jene Personen bezeichnet, deren äquivalisiertes Haushaltseinkommen unter einer Armutsgefährdungsschwelle von 60% des Medians liegt. Für 2018 liegt der Median des Äquivalenzeinkommens bei 25.175 Euro. Die Armutsgefährdungsschwelle betrug somit 15.105 Euro für einen Einpersonenhaushalt, das entspricht 1.259 Euro pro Monat (zwölf Mal).

 

Tabelle 1: Bildungsniveau der Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren in %
Höchste abgeschlossene AusbildungInsgesamtFrauenMänner
Hochschule und Akademie17,519,215,9
Hochschule15,215,614,8
Akademien2,33,61,1
Mittlere und höhere Schule30,333,327,3
Kolleg0,81,00,5
Berufsbildende höhere Schule8,68,48,8
Allgemein bildende höhere Schule6,26,75,7
Berufsbildende mittlere Schule 1)14,717,212,2
Lehre34,226,641,7
Pflichtschule18,020,915,1
Tabelle 2: Entwicklung der Erwerbstätigen- und Teilzeitquoten (ILO) in %
Jahre19982000200220042006200820102012201420162018
Erwerbstätigenquoten (ILO) in %
Frauen58,559,461,259,762,264,865,766,766,967,768,6
Männer77,077,376,473,374,976,876,076,275,275,477,4
Teilzeitquoten (ILO) in %
Frauen30,7
32,3
35,3
37,6
40,4
41,6
43,8
45,1
46,9
47,7
47,5
Männer4,3
4,0
4,7
4,8
6,6
8,2
9,2
9,2
10,9
11,8
11,2
Tabelle 3: Differenz zwischen den mittleren Bruttojahreseinkommen von Frauen und Männern in %
Jahre19982000200220042006200820102012201420162018
Bruttojahreseinkommen39,440,340,040,640,540,939,739,338,937,936,7
Bruttojahreseinkommen der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten...22,521,820,919,118,318,015,915,2
Tabelle 4: Geschlechtsspezifischer Lohnunterschied (Gender Pay Gap) in %
Jahre20082009201020112012201320142015201620172018
EU1)17,317,2*17,117,117,416,816,616,5*16,3*16,0*15,7*
Österreich25,124,324,023,522,922,322,221,720,119,919,6*

Grafik 3

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Tamara GEISBERGER, Tel.: +43 (1) 71128-7818 bzw. tamara.geisberger@statistik.gv.at

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