Pressemitteilung: 11.605-165/17

Bedarfsorientierte Mindestsicherung 2016: 307.533 unterstütze Personen, 924 Mio. Euro Ausgaben

Wien, 2017-08-23 – Im Jahr 2016 bezogen in Österreich insgesamt 307.533 Personen Bedarfsorientierte Mindestsicherung (BMS), das waren laut Statistik Austria um 23.159 (+8%) mehr als im Vorjahr (284.374). Seit 2012 hat die Anzahl der Unterstützten um 86.192 (+39%) zugenommen (siehe Tabelle 1). Anspruch auf Mindestsicherung haben Menschen, die zu einem dauernden Aufenthalt in Österreich berechtigt sind und ihre Existenz (Lebensunterhalt, Wohnen, Schutz im Krankheitsfall) nicht oder nicht ausreichend durch eigenes Einkommen bzw. vorrangig bezogene Sozialleistungen (z. B. Arbeitslosengeld, Unterhalt) sichern können.

Die BMS-Ausgaben lagen bei insgesamt 924 Mio. Euro und damit 353 Mio. Euro (+62%) über dem Niveau von 2012 (siehe Tabelle 2); für die Sicherung des Lebensunterhalts und des Wohnbedarfs wurden 872 Mio. Euro (+61%), für die Krankenhilfe 52 Mio. Euro (+69%) ausgegeben. Trotz des starken Anstiegs betrugen die Aufwendungen für die Mindestsicherung gemessen an den gesamten Sozialausgaben weiterhin weniger als 1% (2016: 0,9%; 2012: 0,6%).

Wien hatte höchsten BMS-Anteil, andere Bundesländer verzeichneten deutlich stärkere Zuwächse

Auf Wien entfiel mit 56% der Großteil der unterstützten Personen (173.484), während in den anderen Bundesländern jeweils maximal 10% der Leistungsbeziehenden lebten (Niederösterreich: 10%, Steiermark: 9%). Allerdings hat die Anzahl der Unterstützten seit 2012 in Niederösterreich (+61%), Vorarlberg (+52%), der Steiermark (+47%) und Oberösterreich (+43%) prozentuell wesentlich stärker zugenommen als in der Bundeshauptstadt (+37%).

Analog zum Leistungsbezug waren auch die BMS-Ausgaben in Wien am höchsten (583 Mio. Euro, Anteil von 63%), wobei der prozentuelle Zuwachs gegenüber dem Vergleichsjahr 2012 in der Bundeshauptstadt mit +56% niedriger ausfiel als in Vorarlberg (+105%), der Steiermark (+97%), Niederösterreich (+77%) und Oberösterreich (+72%).

Mehr Frauen als Männer erhielten Mindestsicherung, Anstieg bei Männern war höher

37% der BMS-Bezieherinnen und -Bezieher des Jahres 2016 waren Frauen (113.778), 36% Männer (109.937) und 27% (minderjährige) Kinder (83.818). Seit 2012 nahm der Anstieg bei den Männern sowohl absolut (+36.707) als auch relativ (+50%) wesentlich stärker zu als bei den Frauen (+24.988 bzw. +28%) und Kindern (+24.497 bzw. +41%).

Im Durchschnitt 8 Monate lang 589 Euro pro Bedarfsgemeinschaft bei großen Unterschieden zwischen den Bundesländern

Die BMS-Unterstützung für eine Bedarfsgemeinschaft, die eine oder mehrere Personen umfassen kann, betrug im Jahr 2016 durchschnittlich 4.789 Euro (siehe Tabelle 3). Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Bezugsdauer (8,1 Monate) lag die monatliche Unterstützungshöhe für Lebensunterhalt und Wohnen bei 589 Euro. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern waren beträchtlich: Die Leistungshöhen reichten von 2.979 Euro (bzw. monatlich 348 Euro) im Burgenland bis 5.329 Euro (bzw. monatlich 882 Euro) in Tirol (Wien: 5.110 Euro bzw. monatlich 580 Euro).

65% der Bedarfsgemeinschaften wurden länger als ein halbes Jahr unterstützt, 16% erhielten im Jahresverlauf 2016 vier bis sechs Monate eine BMS-Leistung, die restlichen knapp 20% maximal drei Monate lang. Während in Wien und im Burgenland 71% bzw. 66% länger als ein halbes Jahr im Bezug standen, waren es in Kärnten, Vorarlberg und Tirol zwischen 45% und 48%. Dementsprechend wich auch die durchschnittliche Bezugsdauer pro Bedarfsgemeinschaft stark voneinander ab und reichte von 6,0 Monaten in Tirol bis 8,8 Monaten in Wien.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Bedarfsorientierten Mindestsicherung finden Sie auf unserer Webseite.

Methodische Informationen, Definitionen: Die Statistik der Bedarfsorientierten Mindestsicherung (BMS-Statistik) hat die vormalige Sozialhilfestatistik im Bereich der "offenen" Sozialhilfe (Privathaushalte) abgelöst und basiert wie diese auf den (tabellarischen) Meldungen der Bundesländer. Die "Vereinbarung zwischen dem Bund und den Ländern gemäß Art. 15a B-VG über eine bundesweite Bedarfsorientierte Mindestsicherung" (BGBl. I Nr. 96/2010) stellt bis zum Berichtsjahr 2016 die rechtliche Grundlage der BMS-Statistik dar. 2012 ist das erste vollständige Statistik-Jahr, nachdem die Bundesländer die in ihrer Zuständigkeit liegende Mindestsicherung im Zeitraum September 2010 bis Oktober 2011 legistisch umgesetzt hatten. 
Die BMS-Statistik erfasst die Geldleistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts und des Wohnbedarfs außerhalb stationärer Einrichtungen sowie die Krankenhilfe (Einbeziehung in die Krankenversicherung und allfällige sonstige Leistungen, wie z. B. Selbstbehalte). Nicht inkludiert sind die im Rahmen der Wohnbauförderung gewährte Wohnbeihilfe, Betreuungs- und Pflegeleistungen, Leistungen aus dem Titel der Hilfe zur Erziehung und Erwerbsbefähigung sowie der ausschließliche Bezug von Taschengeldern und von Hilfen in besonderen Lebenslagen. Aufgrund von Unterschieden im Erfassungsbereich (oder anderer Abweichungen) werden in den Statistiken der Bundesländer teilweise andere Daten veröffentlicht als in der BMS-Statistik auf Bundesebene (so bezieht z. B. Wien auch die Hilfe in besonderen Lebenslagen sowie die nicht BMS-unterstützten Kinder mit ein und kommt dadurch auf insgesamt 193.020 Bezieherinnen und -Bezieher im Jahr 2016). 
Die BMS-Statistik informiert über die Anzahl der unterstützten Personen und Bedarfsgemeinschaften, die Dauer des Leistungsbezugs sowie die Höhe der Ausgaben. Eine Bedarfsgemeinschaft besteht entweder aus einer (alleinunterstützten) Person oder aus mehreren Personen, die gemeinsam unterstützt werden. Personen, Bedarfsgemeinschaften und Ausgaben werden jeweils als Jahressummen erhoben (im nicht von allen Bundesländern befüllten optionalen Erhebungsteil der Statistik liegen dazu auch Angaben für den Monat Oktober vor), wobei nach einer Reihe von Kategorien (Alleinstehende, Paare ohne/mit Kinder/n, Alleinerziehende etc.) unterschieden wird. Zu den Kindern zählen ausschließlich Minderjährige, die mit zumindest einer erwachsenen Person im gemeinsamen Haushalt leben und für die Familienbeihilfe bezogen wird. Volljährige Personen mit Familienbeihilfenanspruch (erwachsene "Kinder") werden zu den Frauen/Männern gerechnet. 
Zu anderen wichtigen sozialstatistischen Merkmalen, wie z. B. Staatsangehörigkeit, aufenthaltsrechtlicher Status, Arbeitsmarktbeteiligung, Teil- oder Vollbezug, liegen in der BMS-Statistik derzeit keine Informationen vor. Ob und wie die Statistik nach dem Wegfall der Bund-Länder-Vereinbarung ab dem Berichtsjahr 2017 weitergeführt werden kann, steht gegenwärtig noch nicht definitiv fest.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Kurt PRATSCHER, Tel.: +43 (1) 71128-7024 bzw. kurt.pratscher@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Bezieherinnen und Bezieher1) der Bedarfsorientierten Mindestsicherung 2012–2016
 20122013201420152016Veränderung 2012–2016
absolutabsolutin %
Insgesamt221.341238.392256.405284.374307.53386.19238,9
Frauen88.79094.901100.235108.226113.77824.98828,1
Männer73.23079.23185.83798.980109.93736.70750,1
Kinder2)59.32164.26070.33377.16883.81824.49741,3
Bundesländer
Burgenland3.0233.2033.4243.7763.85182827,4
Kärnten4.9795.0205.1865.4986.2091.23024,7
Niederösterreich18.96621.40724.13826.55130.56611.60061,2
Oberösterreich14.21416.20017.59419.58720.3796.16543,4
Salzburg12.03912.46813.37614.35814.7282.68922,3
Steiermark3)19.55222.10425.60428.70428.7029.15046,8
Tirol13.46514.25815.22015.91416.5363.07122,8
Vorarlberg3)8.5839.52310.28911.61113.0784.49552,4
Wien126.520134.209141.574158.375173.48446.96437,1
Tabelle 2: Ausgaben1) der Bedarfsorientierten Mindestsicherung 2012–2016
 20122013201420152016Veränderung 2012–2016
absolut (Mio. €)abs. (Mio. €)in %
Insgesamt571,3634,5708,0807,6924,2352,961,8
Lebensunterhalt/ 
Wohnbedarf2)
540,6601,0673,0765,2872,4331,861,4
Krankenhilfe3)30,633,535,042,551,821,168,9
Bundesländer
Burgenland5,15,46,16,97,32,242,6
Kärnten11,911,512,412,815,83,932,7
Niederösterreich41,445,351,460,473,331,977,1
Oberösterreich28,035,438,344,548,020,071,6
Salzburg23,526,829,032,634,711,247,5
Steiermark37,046,860,766,972,935,996,9
Tirol33,738,342,650,254,520,861,5
Vorarlberg16,819,322,027,134,317,6104,8
Wien373,8405,6445,5506,4583,4209,656,1
Tabelle 3: Bedarfsgemeinschaften (BG)1) der Bedarfsorientierten Mindestsicherung 2016 – Anzahl, Leistungshöhe und Bezugsdauer
BundeslandAnzahl BG2)Leistungshöhe  
pro BG (€)
Bezugsdauer (Anteil in %)5)Durchschnittliche Bezugsdauer (Monate)6)
Jahr3)Monat4)≤ 3 Monate4-6 Monate7-12 Monate
Insgesamt182.1734.78958919,715,564,88,1
Burgenland2.2532.97934818,715,066,48,6
Kärnten4.4373.25149936,718,145,26,5
Niederösterreich15.2934.45060825,018,756,37,3
Oberösterreich12.2563.69048617,622,360,17,6
Salzburg8.6593.75751428,615,855,67,3
Steiermark14.9224.60661126,415,358,37,5
Tirol9.6365.32988233,518,947,76,0
Vorarlberg6.0534.98280335,818,545,76,2
Wien108.6645.11058014,813,871,48,8

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