Pressemitteilung: 11.177-237/15

Regionales BIP, verfügbares Einkommen und Beschäftigung 2014: stärkstes Wirtschaftswachstum und erstmals höchstes Pro-Kopf-Einkommen in Vorarlberg

Wien, 2015-12-14 – Im Berichtsjahr 2014 verzeichneten alle Bundesländer nominelle Zuwächse des Bruttoregionalproduktes (BRP). Die Anstiege lagen zwischen +3,8% (Vorarlberg) und +1,2% (Kärnten und Niederösterreich) – bei einer nominellen BIP-Steigerung Österreichs von +2,0%. Das zeigen die Daten von Statistik Austria zu den Regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nach ESVG 2010 für das Jahr 2014.

Nach Vorarlberg erreichten Tirol (+3,3%) und die Steiermark (+2,7%) die höchsten nominellen Wachstumsraten des BRP. Dem gesamtösterreichischen Durchschnitt entsprechend entwickelten sich das Burgenland, Salzburg und Oberösterreich. Lediglich Wien, Niederösterreich und Kärnten wiesen unterdurchschnittliche Zuwächse von +1,6% bzw. +1,2% auf. Beim BRP je Einwohner rangierte Wien im Bundesländervergleich mit 47.300 Euro unverändert vor Salzburg (45.200 Euro) und Vorarlberg (41.500 Euro; siehe Tabelle 1 und Kartogramm).

Das höchste verfügbare Einkommen pro Kopf verzeichneten 2014 erstmals die privaten Haushalte in Vorarlberg mit 23.300 Euro. Die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher erreichten mit 23.200 Euro das zweithöchste verfügbare Einkommen pro Kopf. Danach folgten die privaten Haushalte in Salzburg (22.800 Euro) und Oberösterreich (22.400 Euro). Unter dem Österreichschnitt von 22.300 Euro lagen die Einkommen im Burgenland, in Tirol, der Steiermark und in Wien (siehe Tabelle 2). Die geringsten Einkommen im Jahr 2014 wiesen erneut die privaten Haushalte in Kärnten mit 21.500 Euro auf.

Spitzenreiter Vorarlberg erstmals mit höchstem Pro-Kopf-Einkommen

Vorarlberg war 2014 in mehreren Hinsichten führend. So war das BRP-Wachstum im westlichsten Bundesland am höchsten; ausschlaggebend dafür war vor allem der Produzierende Bereich, der mit +5,4% stärker als in den anderen Bundesländern wuchs. Motor im Produzierenden Bereich war die Herstellung von Waren (ÖNACE C).

Die sehr gute (nominelle) Wirtschaftsentwicklung spiegelte sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider. Die Beschäftigung stieg um +1,6% oder circa 3.000 Beschäftigungsverhältnisse im Vergleich zum Vorjahr an. Beschäftigungsimpulse kamen ebenfalls aus der Herstellung von Waren, und hier vor allem aus der Herstellung von Metallerzeugnissen und dem Maschinenbau.

Zusätzlich erzielten die Vorarlberger Haushalte 2014 erstmals das höchste Pro-Kopf-Einkommen aller Bundesländer (23.300 Euro). Sowohl das Arbeitnehmerentgelt als auch das Einkommen der Selbständigen sowie der Pensionistinnen und Pensionisten stiegen überdurchschnittlich. Deshalb verzeichneten die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger 2014 hier auch die höchste Pro-Kopf-Steigerung aller Bundesländer (+2,4%), während der Anstieg österreichweit bei +1,8% Lag.

Zweitstärkste Entwicklung 2014 in Tirol

Nach Vorarlberg wurden in Tirol sowohl das zweithöchste BRP-Wachstum (+3,3%) als auch die zweitgrößte Einkommenssteigerung 2014 (+3,1%) erwirtschaftet. Im Gegensatz zu Vorarlberg kamen die stärksten Wachstumsbeiträge fürs Tiroler BRP vom Dienstleistungssektor, der mit +3,9 % den kräftigsten Zuwachs aller Bundesländer erzielte. Die stärksten Impulse kamen aus dem Bereich Verkehr und Lagerei (ÖNACE H) sowie aus den ÖNACE-Abschnitten KLMN (Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen sowie freiberufliche, wissenschaftliche, technische und sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen). Auch der für die Tiroler Wirtschaft zentrale Wirtschaftsbereich Beherbergung und Gastronomie (ÖNACE I) entwickelte sich über dem Österreichschnitt.

Der Tiroler Arbeitsmarkt verzeichnete mit einem Plus von +1,3% bzw. 5.200 zusätzlichen Jobs einen überdurchschnittlichen Anstieg. Der Beschäftigungszuwachs wirkte sich auch positiv auf die Einkommen der Tiroler Haushalte aus und erhöhte das Arbeitnehmerentgelt mit +3,4% überdurchschnittlich.

Gedämpfte Entwicklung in Wien

Ausschlaggebend für das schwache Wachstum der Wiener Wirtschaft im Jahr 2014 (+1,6% bei einer Österreich-Entwicklung von +2,0%) waren nominelle Rückgänge der Bruttowertschöpfung im Handel (ÖNACE G) sowie im Bereich Verkehr und Lagerei (ÖNACE H). Die Rückgänge konnten durch die sehr gute Entwicklung der Wiener Beherbergung und Gastronomie (ÖNACE I) und einer über dem Österreichschnitt liegenden Entwicklung der Bereiche öffentliche Verwaltung, Bildung und Gesundheit (ÖNACE O, P, Q) kompensiert werden.

Die Daten zur Wiener Beschäftigung zeigten einen Anstieg um 10.200 Jobs im Vergleich zu 2013. Die Zuwachsrate 2014 lag mit +1,0% im bundesweiten Durchschnitt. Zurückzuführen ist dies ausschließlich auf die ÖNACE-Abschnitte O, P und Q – öffentliche Verwaltung, Bildung und Gesundheit – sowie auf den Tourismus (ÖNACE I).

Betrachtet man die Ergebnisse zum verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, verzeichneten die Wienerinnen und Wiener 2014 die geringsten Pro-Kopf-Einkommenszuwächse (+1,0%) und hatten darüber hinaus erstmals das zweitniedrigste Pro-Kopf-Einkommen aller Bundesländer. Mitverantwortlich für diese fehlende Einkommensdynamik sind die unterdurchschnittlichen Zuwächse der Einkommen von Unselbständigen, die schwächsten Anstiege der Pensionseinkommen und die starke Bevölkerungsentwicklung in der Bundeshauptstadt.

Ergebnisse für das Jahr 2013 für die 35 NUTS 3-Regionen bzw. weitere Informationen zu den Regionalen Gesamtrechnungen finden Sie auf unserer Webseite.

Methodische Informationen, Definitionen: In den Regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (RGR) von Statistik Austria werden jährlich Berechnungen zu volkswirtschaftlichen Aggregaten nach Bundesländern (NUTS 2-Regionen) und nach NUTS 3-Regionen entsprechend den Konzepten des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen 2010 (ESVG 2010) erstellt. Das revidierte ESVG 2010, das das bisherige ESVG 1995 ablöst, ist europaweit ab 1. September 2014 anzuwenden. Gegenüber dem ESVG 1995 wurde das RGR-Berichtsspektrum inhaltlich erweitert, zusätzlich wurden die Lieferfristen auf der Bundesländerebene (NUTS 2) für die Aggregate Bruttowertschöpfung und Erwerbstätige um ein Jahr verkürzt.  
Mit der Einführung des ESVG 2010 wurden die VGR-Jahresdaten bis 1995 und die RGR-Jahresdaten bis 2000 zurückrevidiert. Die Neuberechnung nach dem ESVG 2010 brachte eine Vielzahl von methodischen Änderungen mit sich. Die quantitativ wichtigsten Änderungen sind die Behandlung von Forschungs- und Entwicklungsausgaben als Investition, sowie die inhaltliche Erweiterung zur Abgrenzung von Einheiten des Sektors Staat und der Definition von Nichtmarktproduzenten.  
Das Bruttoregionalprodukt (BRP) ist die regionale Entsprechung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Bei der Betrachtung der BRP-pro-Kopf-Werte ist generell zu beachten, dass sich das Bruttoregionalprodukt auf den Ort der Leistungserstellung (Arbeitsort) bezieht, während die dazu in Relation gesetzten Einwohnerzahlen auf den Wohnort bezogen sind; d. h., dass regionsüberschreitende Pendlerströme unberücksichtigt bleiben.  
Erwerbstätige umfassen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen (unselbständig Beschäftigte) sowie Selbständige. Die regionale Zuordnung erfolgt am Arbeitsort. 
Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte in den Bundesländern bildet die Umverteilung des (Primär-) Einkommens durch monetäre Transfers (Einkommen- und Vermögenssteuern, Sozialbeiträge, Monetäre Sozialleistungen, Sonstige laufende Transfers) ab. Im Gegensatz zum regionalen Bruttoinlandsprodukt messen die Konten der privaten Haushalte das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte in jener Region, in der sie ihren Wohnsitz haben.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Mag. Kerstin GRUBER, Tel.: +43 (1) 71128-7875 bzw. kerstin.gruber@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Bruttoregionalprodukt 2014, nominell
BundeslandBRP 2014Veränderung des BRP, nominell BRP je Einwohner 2014Erwerbstätige (Jobs) 2014Veränderung der Erwerbstätigen
in Mio. Euroin % zum VJin EuroAnzahlin % zum VJ
Österreich329.2962,038.5004.501.8001,1
Burgenland7.6382,126.500123.5001,0
Niederösterreich51.1801,231.400738.4001,1
Wien84.2121,647.3001.022.5001,0
Kärnten17.9381,232.200275.9000,8
Steiermark42.2792,734.700635.3001,0
Oberösterreich56.1701,839.200778.7001,3
Salzburg24.2561,945.200323.3000,6
Tirol29.8923,341.200407.2001,3
Vorarlberg15.6433,841.500196.4001,6
Extra-Regio1)891,0-7001,7
Tabelle 2: Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte und POoE 2014, nominell
BundeslandVerfügbares Einkommen 2014Veränderung des verfügbaren Einkommens Verfügbares Einkommen je Einwohner 2014Anteil am österr. verfügbaren Einkommen 2014Anteil an der Wohnbevölkerung 2014
in Mio. Euroin % zum VJin Euroin %in %
Österreich190.7012,622.300100,0100,0
Burgenland6.3592,222.1003,33,4
Niederösterreich37.7912,323.20019,819,1
Wien38.8422,621.80020,420,8
Kärnten11.9652,321.5006,36,5
Steiermark26.6502,621.90014,014,3
Oberösterreich32.0712,822.40016,816,8
Salzburg12.2222,422.8006,46,3
Tirol15.9983,122.1008,48,5
Vorarlberg8.8013,223.3004,64,4

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