Pressemitteilung: 11.152-212/15

Österreichische Gesundheitsbefragung 2014: Mehr Lebensjahre in guter Gesundheit – Schmerzen, Allergien und Bluthochdruck häufigste Gesundheitsprobleme

Wien, 2015-11-12 – Eine steigende Lebenserwartung in guter Gesundheit, gleichzeitig aber ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung mit chronischen Krankheiten – das sind zwei zentrale Ergebnisse der von Statistik Austria im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit sowie der Bundesgesundheitsagentur durchgeführten Befragung zum Gesundheitszustand und Gesundheitsverhalten der österreichischen Bevölkerung.

Mehr Lebensjahre in guter Gesundheit

79% der Österreicherinnen und Österreicher ab 15 Jahren bewerten ihren eigenen Gesundheitszustand als "sehr gut" oder "gut". Nur 5% fühlten sich gesundheitlich "schlecht" oder "sehr schlecht". Frauen sahen ihren Gesundheitszustand generell etwas pessimistischer als Männer. Im Vergleich zu früheren Befragungen schätzen nun mehr Menschen ihren Gesundheitszustand positiv ein. So fühlten sich etwa 1991 lediglich 71% gesundheitlich "sehr gut" oder "gut".

Diese Veränderung zeigt sich auch an der Einschätzung der Lebensjahre in guter Gesundheit. Diese stiegen bei Männern seit 1991 um 10,2 Jahre auf 65,9 Jahre und bei Frauen um 9,7 Jahre auf 66,6 Jahre. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich die Lebenserwartung bei der Geburt bei Männern um 6,6 Jahre auf 78,9 Jahre, bei Frauen um 4,7 Jahre auf 83,7 Jahre. Damit nahmen bei beiden Geschlechtern seit 1991 die in guter Gesundheit verbrachten Lebensjahre doppelt so stark zu wie die Lebenserwartung insgesamt.

Besonders stark profitierten ältere Menschen ab 65 Jahren vom Sterblichkeitsrückgang und der gleichzeitigen Verbesserung des subjektiven Gesundheitszustandes: So können 65-jährige Männer gegenwärtig noch 11,4 Jahre in guter Gesundheit erwarten, gleichaltrige Frauen noch 11,3 Jahre. Im Vergleich dazu waren es 1991 nur jeweils 6,0 Jahre.

Häufigste Gesundheitsprobleme: Rückenschmerzen und Allergien

Den Ergebnissen der aktuellen Erhebung zufolge leidet rund ein Viertel der Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, also etwa 1,76 Mio. Menschen, unter chronischen Kreuzschmerzen oder einem anderen chronischen Rückenleiden. Besonders stark betroffen sind die ab 75-Jährigen: hier berichtete jede zweite Frau und jeder dritte Mann davon.

Ähnlich häufig sind mit 1,75 Mio. Betroffenen Allergien. Frauen sind häufiger betroffen als Männer (27% bzw. 22%). Im Gegensatz zu den meisten anderen chronischen Erkrankungen treten Allergien häufiger bei jungen Menschen und im mittleren Erwachsenenalter auf. An dritter Stelle der gesundheitlichen Probleme steht Bluthochdruck: Darunter leiden akut 1,5 Mio. Menschen, d. h. jede fünfte Person ab 15 Jahren. Bluthochdruck kommt im höheren Erwachsenenalter besonders häufig vor, die Hälfte der Frauen ab 60 Jahren berichtete davon. Über chronische Nackenschmerzen klagen 1,3 Mio. Österreicher und Österreicherinnen (19% der Bevölkerung).

An Diabetes Mellitus (Zuckerkrankheit) leiden österreichweit 360.000 Personen (5% der Bevölkerung), wobei 65% der Diabetiker und 68% der Diabetikerinnen 60 Jahre und älter sind.

Chronische Krankheiten und Gesundheitsprobleme nehmen mit dem Alter zu. Zwar ist eine knappe Mehrheit (51%) der 15- bis 44-jährigen Bevölkerung frei von chronischen Krankheiten, aber bereits im Alter von 45 bis 59 Jahren sinkt Anteil der Personen ohne Angabe einer chronischen Krankheit auf 35%. Bei der älteren Bevölkerung ab 60 Jahren sind 81% von zumindest einer Erkrankung, viele aber auch von mehreren gesundheitlichen Problemen betroffen (58%).

60.400 Personen ab 65 Jahren brauchen mehr Unterstützung bei Basisaktivitäten

Rund eine halbe Million Menschen in Österreich (7% der Bevölkerung) sind bei ihren Alltagstätigkeiten durch ein dauerhaftes gesundheitliches Problem stark eingeschränkt. Weitere 1,8 Mio. Personen (25% der Bevölkerung) sind etwas eingeschränkt. Besonders betroffen ist die ältere Bevölkerung. Über Probleme bei der selbständigen Ausübung von zumindest einer Basisaktivität der täglichen Körperpflege und Versorgung der eigenen Person berichten 249.000 Personen ab 65 Jahren (16%), darunter 165.000 Frauen und 84.000 Männer. Etwa ein Viertel der Betroffenen hat dabei keine oder keine ausreichende Unterstützung.

Detaillierte Ergebnisse zur Gesundheitsbefragung finden Sie in der Publikation "Gesundheitsbefragung 2014 – Hauptergebnisse und methodische Dokumentation".

Methodische Informationen, Definitionen: Statistik Austria führte im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit sowie der Bundesgesundheitsagentur von Oktober 2013 bis Juni 2015 eine auf der Europäischen Gesundheitsbefragung basierende österreichweite Erhebung zum Thema Gesundheit durch. Insgesamt wurden 15.771 zufällig ausgewählte Personen im Rahmen eines telefonischen Interviews und eines schriftlichen Fragebogens befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Bevölkerung in Privathaushalten ab 15 Jahren (hochgerechnet 7,2 Mio. Personen).  
Themen der Befragung waren zum einen der Gesundheitszustand der Bevölkerung, also das Auftreten bestimmter Krankheiten und Gesundheitsprobleme, Schmerzen, funktionaler Beeinträchtigungen sowie das Ausmaß bzw. der Bedarf an Unterstützung bei Aktivitäten des täglichen Lebens. Ein zweiter Themenbereich betraf das Gesundheitsverhalten. Hier wurden Daten zu Risikofaktoren (Rauchen, Alkohol, Adipositas) sowie zu Ernährung, körperlicher Aktivität und Gesundheitsvorsorge erhoben. Ein dritter Aspekt betraf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Erstmals wurden in der Gesundheitsbefragung Informationen zum Gesundheitszustand der im Haushalt lebenden Kinder erhoben. 
Die Interviews wurden telefonisch und computerunterstützt durchgeführt (CATI-Computer Assisted Telephone Interviewing). Die Erhebung über die Lebensqualität und körperliche Aktivität erfolgte mittels eines selbst auszufüllenden Papierfragebogens im Anschluss an das Telefoninterview. Die österreichweite Ausschöpfung lag bei 40,7%. 
Die Teilnahme an der Befragung war generell freiwillig. Zu beachten ist ein möglicherweise sozial erwünschtes Antwortverhalten besonders bei einzelnen, möglicherweise sensiblen oder für die Zielperson unangenehmen Fragen, wie zum Alkoholkonsum oder zum Rauchen.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Jeannette KLIMONT, Tel.: +43 (1) 71128-8277 bzw. jeannette.klimont@statistik.gv.at

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