Pressemitteilung: 11.077-137/15

Statistisches Jahrbuch für Migration & Integration 2015: Rund 20% der Bevölkerung Österreichs hat Migrationshintergrund

Wien, 2015-07-16 – Im Durchschnitt des Jahres 2014 lebten rund 1,715 Millionen Personen (20,4%) mit Migrationshintergrund in Österreich. Von diesen waren 1,254 Millionen Personen selbst im Ausland geboren, weitere 460.000 gehörten als in Österreich geborene Nachkommen von Eltern mit ausländischem Geburtsort der sogenannten "zweiten Generation" an. Dies geht aus dem Statistischen Jahrbuch für Migration und Integration hervor, das von Statistik Austria zusammengestellt und heute veröffentlicht wurde.

Menschen mit Migrationshintergrund stammen zu zwei Drittel aus Nicht-EU-Staaten

Von den 1,715 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund kamen 39% bzw. 672.000 aus einem anderen EU- oder EWR-Staat. 29% (495.000 Personen) stammten aus den Nachfolgestaaten Jugoslawiens außerhalb der EU (also ohne Slowenien und Kroatien). 263.000 Personen (15%) hatten einen türkischen Migrationshintergrund, während etwa 17% auf Menschen aus den übrigen europäischen Staaten sowie anderen Erdteilen (insgesamt 285.000 Personen) entfielen.

Geringere Bildungsbeteiligung von im Ausland geborenen Jugendlichen

Rund 77% der 15- bis 19-Jährigen befanden sich 2012 in Aus- oder Weiterbildung. Bei im Ausland geborenen Jugendlichen waren es allerdings nur 60%. Die Bildungsbeteiligung von im ehemaligen Jugoslawien, der Türkei und in den EU-Staaten vor 2004 geborenen Jugendlichen lag bei rund zwei Drittel. Spürbar niedriger war sie bei in anderen Drittstaaten (53%) sowie den ab 2004 beigetretenen EU-Staaten (56%) geborenen Jugendlichen.

Größerer Anteil von niedrigen Stundenlöhnen bei der im Ausland geborenen Bevölkerung

Im Durchschnitt der drei Jahre 2012 bis 2014 verdienten rund 14% aller Erwerbstätigen einen Stundenlohn von weniger als zwei Drittel des Medians, bei im Ausland geborenen Erwerbstätigen war der Anteil mit 28% hingegen doppelt so hoch. Im Niedriglohnsektor besonders stark vertreten waren in Nicht-EU-Staaten geborene Erwerbstätige (33%), während von den in der EU geborenen Erwerbstätigen 20% einen Niedriglohn bezogen.

Genau gegengleich war die Verteilung bei den höheren Stundenlöhnen, die um mehr als ein Drittel über dem Median liegen: Konnten sich 27% der in Österreich geborenen Erwerbstätigen über höhere Stundenlöhne freuen, waren es bei im Ausland geborenen Erwerbstätigen lediglich 13%. Nur 7% der in Nicht-EU-Staaten geborenen Erwerbstätigen verdienten mehr als 133% des Median-Stundenlohns.

Ausländische Staatsangehörige stärker von Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen

Die Arbeitslosenquote ausländischer Staatsangehöriger lag im Jahr 2014 bei 12,1%, jene der Österreicherinnen und Österreicher bei 7,6%. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete dies eine Zunahme von 0,6 Prozentpunkten bei österreichischen Staatsangehörigen, jedoch von 1,5 Prozentpunkten bei Ausländerinnen und Ausländern. Besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen waren türkische Staatsangehörige (17,8%) sowie Personen aus anderen Drittstaaten außerhalb des ehemaligen Jugoslawiens (20,3%). Bei diesen beiden Gruppen war auch der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zu 2013 mit 2,4 bzw. 3,1 Prozentpunkten am höchsten.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen finden Sie im Statistischen Jahrbuch für Migration und Integration 2015.

 

Methodische Informationen, Definitionen: Das Statistische Jahrbuch für Migration und Integration erscheint in der vorliegenden Form zum sechsten Mal. Neben aktuellen Daten und Fakten rund um die Themen Migration und Integration sind darin auch 25 im Nationalen Aktionsplan "Integration" definierte Indikatoren zur Beurteilung von Integrationsprozessen enthalten – von demographischen Aspekten über die sozioökonomische Situation bis zum Thema Sicherheit. Durch die Einbeziehung von unterschiedlichen Quellen sowie durch Anreicherung von vorhandenen Daten konnten quer über alle Statistikbereiche aussagekräftige Informationen zusammengetragen werden. Die in der Publikationen enthaltenen Informationen zum Integrationsklima wurden im Rahmen einer im Frühjahr 2015 durchgeführten Erhebung von GfK-Austria erfasst und von der Kommission für Migrations- und Integrationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ausgewertet. 
Einen Migrationshintergrund haben jene Personen, deren beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Personen mit einem in Österreich geborenen Elternteil haben somit keinen Migrationshintergrund. Für die Zuordnung des Herkunftslandes ist das Geburtsland der Mutter ausschlaggebend. 
Für die Berechnung der Stundenlöhne wurden die Brutto-Einkommen aller für mind. 12 Wochenstunden unselbstständig Beschäftigten über 15 Jahre ohne Lehrlinge herangezogen. Der Brutto-Median-Stundenlohn liegt für den Dreijahresdurchschnitt 2012 bis 2014 bei 13,28 Euro. Die Niedriglohngrenze gemäß ILO-Definition entspricht 66,7% des Brutto-Median-Stundenlohns, das sind für 2012 bis 2014 8,85 Euro. Unter Hochlohnsektor werden Stundenlöhne über der doppelten Niedriglohngrenze, also 133,3% des Medians (2012–2014: 17,71 Euro), definiert.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Dr. Stephan MARIK-LEBECK, Tel.: +43 (1) 71128-7204 bzw. stephan.marik-lebeck@statistik.gv.at 

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