Pressemitteilung: 10.443-019/13

Weltkrebstag 4. Februar:  
37.000 Neuerkrankungen und 20.000 Krebssterbefälle pro Jahr in Österreich; Überlebenschancen für Krebskranke deutlich verbessert

Wien, 2013-02-01 – Pro Jahr werden in Österreich rund 20.000 Männer und 18.000 Frauen mit einer Krebsdiagnose konfrontiert, bei jährlich rund 9.000 Frauen und 10.000 Männern führt eine Krebserkrankung zum Tod. Damit sind Krebserkrankungen für etwa ein Viertel der Todesfälle verantwortlich. Wie die Daten von Statistik Austria zeigen, gehen aber sowohl das Risiko einer Neuerkrankung als auch das Sterblichkeitsrisiko tendenziell zurück (siehe Tabelle 1). Analysen zur Überlebensdauer von Krebspatienten in Österreich zeigen, dass das relative 5-Jahres-Überleben in den letzten 20 Jahren von 43% auf 61% stieg (siehe Tabelle 2). Die Überlebenswahrscheinlichkeit (bezogen auf einen Zeitraum von fünf Jahren) war damit bei im Jahr 1986 an Krebs erkrankten Personen um 57% geringer als für den Durchschnitt der Bevölkerung. Bei im Jahr 2006 an Krebs erkrankten Personen verringerte sich dieser Unterschied auf 39%.

Neuerkrankungs- und Sterblichkeitsrisiko sind rückläufig

Berücksichtigt man die Veränderung der Altersstruktur der österreichischen Bevölkerung, so sanken in den letzten zehn Jahren sowohl die Neuerkrankungen als auch die Krebssterblichkeit (altersstandardisierte Raten). Der Rückgang der Neuerkrankungsrate betrug bei Männern 20% und bei Frauen 9%. Auch die Krebssterblichkeit war in den letzten zehn Jahren rückläufig, bei den Männern etwas stärker (-15%) als bei den Frauen (-12%). Die häufigsten Krebserkrankungen bei Männern waren Prostatakrebs, Lungenkrebs und Darmkrebs. Bei den Frauen waren die Brust, der Darm und die Lunge die häufigsten Krebslokalisationen.

Prostatakrebs machte im Jahr 2010 bei den Männern mit knapp 4.488 Fällen (absolut) ein Viertel aller bösartigen Neubildungen aus. Altersstandardisiert gingen die Neuerkrankungen in den letzten zehn Jahren um 32% zurück. Rund jeder elfte Krebstodesfall bei den Männern war auf Prostatakrebs zurückzuführen. Die Rate der Sterblichkeit an Prostatakrebs sank in den letzten zehn Jahren ebenfalls um ein Drittel.

Brustkrebs ist mit einem Anteil von 29% (bzw. 5.058 Fällen absolut im Diagnosejahr 2010) bei den Frauen seit langem die häufigste Krebserkrankung. Allerdings nahm die Neuerkrankungsrate im Vergleich zu 2000 um 5% ab. Die Sterblichkeit an Brustkrebs ging bei Frauen in den letzten zehn Jahren um 24% zurück. Dennoch war Brustkrebs auch 2010 die mit Abstand häufigste Krebstodesursache bei Frauen. 16% aller weiblichen Krebssterbefälle waren 2010 auf Brustkrebs zurückzuführen.

Trotz des Rückgangs der altersstandardisierten Neuerkrankungsrate der bösartigen Lungentumore bei den Männern um 20% in den vergangenen zehn Jahren, war Lungenkrebs mit knapp 2.400 Sterbefällen im Jahr 2010 die häufigste Krebstodesursache bei den Männern. Für Frauen stieg die altersstandardisierte Neuerkrankungsrate seit 2000 um 18% an. Die Sterblichkeit an Lungenkrebs erhöhte sich bei den Frauen im selben Zeitraum um 15%. Im Jahr 2010 starben 1.266 Frauen an einem bösartigen Lungentumor.

Mit 4.496 Fällen verursachte der Darmkrebs zuletzt 12% aller neudiagnostizierten Tumore im Jahr 2010. Die altersstandardisierten Erkrankungsraten sind seit 2000 insgesamt um 25% zurückgegangen. Darmkrebs war 2010 für jeweils 11% der Krebssterbefälle von Männern und Frauen verantwortlich. Die Sterblichkeit sank im Vergleichszeitraum bei beiden Geschlechtern um fast ein Drittel.

Weltkrebstag 2013: Aufklärung gegen Krebsmythen; Überlebenschancen deutlich verbessert

Der diesjährige Weltkrebstag steht unter dem Motto "Cancer – Did you know?" Die Welt-Krebsorganisation UICC ruft 2013 dazu auf, die nach wie vor bestehenden Wissensdefizite und sogenannte Krebsmythen, Vorurteile und Missverständnisse über Krebs auszuräumen. Ein Mythos ist beispielsweise, dass Krebs ein Todesurteil ist. Tatsächlich können aber viele Krebsarten (frühzeitig erkannt) geheilt werden. Auch die Überlebenschancen haben sich in den letzten Jahrzehnten in Österreich deutlich verbessert.

In den letzten zwanzig Jahren stieg das relative 5-Jahres-Überleben von 43% auf 61%. D. h., die Überlebenschancen von Personen mit Krebs lagen früher (Beobachtungszeitraum 1986 bis 1991) um 57% unter jener der Gesamtbevölkerung, beim aktuellen Beobachtungszeitraum (2006 bis 2011) verringerte sich dieser Unterschied auf 39%. Männer zeigten bei einer Diagnosestellung im Jahr 1986 eine 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit von 38%, bei Frauen waren es 48% (jeweils bezogen auf die Bevölkerung gleichen Alters und Geschlechts). Für das Diagnosejahr 2006 lauten die entsprechenden Werte 60% (Männer) bzw. 63% (Frauen). Den stärksten Zugewinn wiesen Männer der Altersgruppe 45 bis unter 60 Jahre auf. Kaum eine Verbesserung der Überlebenschancen zeigte sich allerdings bei jenen Patientinnen und Patienten, deren Tumor bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung metastasiert hatte.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum österreichischen Krebsregister sowie zur Todesursachenstatistik finden Sie im Jahrbuch der Gesundheitsstatistik 2011 sowie auf unserer Webseite.

Methodische Informationen, Definitionen: Ergebnisse zu den Krebsneuerkrankungen sowie zur Krebsprävalenz, d. h. der Zahl der derzeit lebenden Krebspatienten, liefert das Österreichische Krebsregister, das seit 1969 von Statistik Austria geführt wird. Basis dafür sind die gesetzlich verpflichtenden Krebsmeldungen, welche neben Alter, Geschlecht und Wohnort auch wesentliche Informationen zu den Krebslokalisationen enthalten. 
Relatives Überleben setzt das beobachtete Überleben der Krebspatienten nach einem bestimmten Zeitraum (z. B. fünf Jahre) in Beziehung zum Überleben der Gesamtbevölkerung unter Berücksichtigung der Alters- und Geschlechtsverteilung. Eine relative Überlebensrate von 100% bedeutet, dass die Sterblichkeit unter den Erkrankten genauso hoch ist wie die Sterblichkeit der allgemeinen Bevölkerung gleichen Alters und Geschlechts. Das relative Überleben ist somit eine von der Kenntnis der wahren Todesursache unabhängige Schätzung des krebsspezifischen Überlebens. Weitere Informationen zur Berechnung des Überlebens der Krebspatienten siehe Dickman, P. (2004): "Estimating and modeling relative survival using SAS" unter www.pauldickman.com. 
Ergebnisse zu den Krebssterbefällen stammen aus der Todesursachenstatistik, in der jeder Todesfall der österreichischen Bevölkerung dokumentiert ist. Erhoben werden neben Alter, Geschlecht und Wohnort auch Todesort. Die Todesursachen werden durch einen Totenbeschauarzt angegeben und von Statistik Austria nach WHO-Richtlinien klassifiziert.  
Für einen regionalen oder zeitlichen Vergleich der Krebsneuerkrankungen (Inzidenz) und der Krebssterbefälle eignen sich altersstandardisierte Raten besonders gut. Diese Maßzahlen berücksichtigen, dass sowohl das Erkrankungs- als auch das Mortalitätsrisiko mit dem Lebensalter stark ansteigen und daher in einer Bevölkerung mit vielen älteren Menschen von vorne herein mehr Neuerkrankungs- und Todesfälle auftreten.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Dipl. Demogr. Nadine ZIELONKE, Tel.: +43 (1) 71128-7228 bzw. nadine.zielonke@statistik.gv.at und  
Mag. Barbara LEITNER, Tel.: +43 (1) 71128-7262 bzw. barbara.leitner@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Krebsneuerkrankungen und Krebssterblichkeit 2000 und 2010, nach ausgewählten Lokalisationen und Geschlecht
Krebslokalisation  
(ICD-Codes)
InzidenzMortalität
absolute Zahlenaltersstandardisierte Raten 2)absolute Zahlenaltersstandardisierte Raten 2)
20002010200020102000201020002010
Insgesamt
Neubildungen gesamt (C00-C43, C45-C99) 1)37.20036.733297,5256,418.74919.757134,5117,9
Prostata (C61)--------
Brust (C50)4.8525.10540,637,41.6881.51412,49,1
Lunge (C33-C34)3.8124.14230,528,33.2693.65225,323,9
Darm (C18-C21)5.1304.49637,628,12.5362.14616,811,9
Männer
Neubildungen gesamt (C00-C43, C45-C99) 1)19.42419.103365,2292,99.52410.462175,1149,5
Prostata (C61)5.3664.48897,466,21.2291.12521,714,6
Lunge (C33-C34)2.6752.65949,839,82.2852.38642,035,0
Darm (C18-C21)2.6842.48149,336,01.2401.11722,415,6
Frauen
Neubildungen gesamt (C00-C43, C45-C99) 1)17.77617.630253,0230,69.2259.295108,795,5
Brust (C50)4.8115.05874,670,61.6711.50221,516,3
Lunge (C33-C34)1.1371.48315,918,89841.26613,115,0
Darm (C18-C21)2.4462.01529,022,01.2961.02913,49,1
Tabelle 2: 5-Jahres-Überleben für die Diagnosejahre 1986 und 2006, nach Geschlecht
DiagnosejahrInsgesamtMännerFrauen
198620061986200619862006
5-Jahres-Überleben der Allgemeinbevölkerung (entsprechend der Alters- und Geschlechtsverteilung der Krebspatientinnen und Krebspatienten)0,83
0,880,79
0,86
0,860,90
5-Jahres-Überleben der Krebspatientinnen und Krebspatienten0,36
0,54
0,30
0,52
0,41
0,56
Relative 5-Jahres-Überlebensrate in Prozent43
61
38
60
48
63

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