Pressemitteilung: 10.195-048/12

Internationaler Frauentag 8. März: Erwerbsbeteiligung von Frauen steigt, Einkommensunterschiede zu Männern nahezu unverändert

Wien, 2012-03-02 – Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen stieg laut Statistik Austria im letzten Jahrzehnt von 59,4% (2000) auf 66,4% (2010). Die Zunahme der Frauenerwerbstätigkeit ist jedoch in erster Linie auf einen Anstieg der Teilzeitarbeit (2000: 32,3%; 2010: 43,8%) zurückzuführen. Teilzeitarbeit prägt vor allem die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern. 2010 waren 69,1% der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren teilzeitbeschäftigt. Zudem zeigen die Daten, dass Frauen noch immer deutlich weniger verdienen als Männer. Dies schlägt sich sowohl in niedrigeren Pensionen als auch einem höheren Armutsrisiko nieder.

Erwerbsbeteiligung der Frauen steigt

In den letzten zehn Jahren erhöhte sich die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-jährigen Frauen von 59,4% (2000) auf 66,4% (2010). Ohne Frauen in Elternkarenz betrug die Erwerbstätigenquote 2010 63,9%. Der Anstieg der Erwerbsbeteiligung ist in erster Linie auf die deutliche Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen. So stieg die Teilzeitquote bei den erwerbstätigen Frauen von 32,3% (2000) auf 43,8% (2010). Unter den erwerbstätigen Männern ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigten trotz eines Anstiegs von 4% (2000) auf 9% (2010) noch immer deutlich geringer. Insgesamt waren 2010 rund 81% der Teilzeitbeschäftigten weiblich.

Als Gründe für Teilzeitbeschäftigung waren bei 38,1% der Frauen, aber nur bei 4,1% der Männer Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene ausschlaggebend. Bei den Männern (23,8%) stand dagegen die Aus- oder Fortbildung im Vordergrund (Frauen: 7,4%).

Elternschaft geht für Frauen meist mit einer Reduzierung der Arbeitszeit einher

Vor allem Frauen mit Kindern unter 15 Jahren sehen besonders häufig in der Teilzeitbeschäftigung die einzige Möglichkeit, neben den Betreuungsaufgaben einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. 2010 waren 69,1% der Frauen im Alter von 25 bis 49 Jahren mit Kindern unter 15 Jahren teilzeitbeschäftigt (+27,9 Prozentpunkte gegenüber 1995). Bei Frauen ohne betreuungspflichtige Kinder betrug die Teilzeitquote 2010 31,9% (1995: 20,5%).

Während bei Frauen meist eine Reduzierung der Arbeitszeit mit der Elternschaft einhergeht, ist bei Männern ein umgekehrter Trend zu beobachten. So verzeichnet die Gruppe der 25- bis 49-jährigen Männer ohne betreuungsbedürftige Kinder 2010 eine Teilzeitquote von 7,9%, jene der Väter mit Kindern unter 15 Jahren von 5,0%.

Frauen verdienen nach wie vor deutlich weniger als Männer

Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern blieben in den letzten zehn Jahren relativ stabil. Bezogen auf die mittleren Bruttojahreseinkommen aller unselbständig Erwerbstätigen lagen die Einkommen der Frauen sowohl 2000 als auch 2010 um rund 40% unter jenen der Männer. Im Jahr 2010 betrug das mittlere Bruttojahreseinkommen der Frauen 18.270 Euro, jenes der Männer 30.316 Euro.

Werden die Einflüsse von Teilzeit und nicht ganzjähriger Beschäftigung ausgeklammert, zeigt sich dagegen ein leichter Rückgang der Lohnunterschiede. Bezogen auf die mittleren Bruttojahresverdienste der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten sank der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied um 3,4 Prozentpunkte von 22,5% (2004) auf 19,1% (2010). Bei öffentlich Bediensteten (Beamtinnen und Beamte -4,2 Prozentpunkte; Vertragsbedienstete -2,7 Prozentpunkte) war der Rückgang jedoch deutlich stärker als in der Privatwirtschaft (Arbeiterinnen und Arbeiter -1,1 Prozentpunkte; Angestellte -0,4 Prozentpunkte).

Im europäischen Vergleich zählt Österreich nach wie vor zu den Mitgliedstaaten mit den größten geschlechtsspezifischen Verdienstunterschieden. Gemessen an den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten der Voll- und Teilzeitbeschäftigten in Unternehmen ab zehn unselbständig Beschäftigten in der Privatwirtschaft beträgt der geschlechtsspezifische Verdienstunterschied in Österreich 2010 25,5% (EU-27: 16,4%).

Alterspension der Frauen um rund 52% unter jener der Männer

Da Frauen im Schnitt nicht nur niedrigere Erwerbseinkommen haben, sondern ihre Versicherungsverläufe zudem oft durch Kindererziehung Lücken aufweisen, liegen auch die Pensionen der Frauen unter jenen der Männer. Betrachtet man die Höhe der Alterspensionen aus der gesetzlichen Pensionsversicherung (d. h. ohne Beamtinnen und Beamte), so betrug die mittlere monatliche Alterspension der Frauen im Jahr 2010 784 Euro und jene der Männer 1.632 Euro. Die Alterspensionen der Frauen waren somit im Mittel um 51,9% niedriger als die der Männer. Nach Pensionsversicherungsgruppen lag die Alterspension der weiblichen Angestellten mit 1.087 Euro um 48,8% unter jener der männlichen Angestellten mit 2.123 Euro. Die Pensionen der Arbeiterinnen waren mit 692 Euro um 51,1% niedriger als jene der Arbeiter mit 1.415 Euro.

Armutsgefährdung bei alleinlebenden Pensionistinnen und Alleinerzieherinnen am höchsten

Frauen sind in der Pension stärker armutsgefährdet als Männer. Laut EU-SILC 2010 betrug die Armutsgefährdungsquote alleinlebender Pensionistinnen 26% und jene alleinlebender Pensionisten 13%. Zu den besonders armutsgefährdeten Personen zählen auch Alleinerziehende: Ein-Eltern-Haushalte – dies sind fast ausschließlich Frauen mit ihren Kindern – sind mit 28% der Haushaltstyp mit der höchsten Armutsgefährdungsquote.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum Thema Gender-Statistik finden Sie auf unserer Webseite.

Methodische Informationen, Definitionen: Die Daten zu Erwerbstätigen- und Teilzeitquote stammen aus der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung.  
Erwerbstätigenquote: Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Privathaushalten, ohne Präsenz- und Zivildiener. Dieser Wert wird gewöhnlich für die 15- bis 64-Jährigen oder für detailliertere Altersgruppen berechnet. Personen in Elternkarenz sind inkludiert, können aber bei der Berechnung ausgeschlossen werden.  
Teilzeitquote: Anteil der Personen an den Erwerbstätigen, die bei der direkten Frage nach Arbeit in Vollzeit oder Teilzeit eine Teilzeiterwerbstätigkeit angeben. 
Armutsgefährdung: Die Armutsgefährdungsquote wird anhand der äquivalisierten Haushaltseinkommen berechnet. Alle Einkünfte im Haushalt werden zusammengerechnet und dann eine Gleichverteilung innerhalb des Haushaltes angenommen. Geschlechtsspezifische Unterschiede können daher nur für Einpersonenhaushalte beobachtet werden. Als armutsgefährdet oder von Armutsrisiko betroffen werden jene Personen bezeichnet, deren äquivalisiertes Haushaltseinkommen unter einer Armutsgefährdungsschwelle von 60% des Medians liegt. Laut EU-SILC 2010 beträgt die Armutsgefährdungsschwelle für einen Einpersonenhaushalt 12.371 Euro pro Jahr (1.031 Euro pro Monat, zwölfmal).

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Tamara GEISBERGER, Tel.: +43 (1) 71128-7818 bzw. tamara.geisberger@statistik.gv.at 
Tabelle 1 : Entwicklung der Erwerbstätigenquoten (LFK) in %
Jahre20002001200220032004200520062007200820092010
Frauen59,459,961,261,660,762,063,564,465,866,466,4
Männer77,376,676,476,474,975,476,978,478,576,977,1
Tabelle 2 : Entwicklung der Teilzeitquoten (LFK) in %
Jahre20002001200220032004200520062007200820092010
Frauen32,334,335,336,037,839,340,241,241,542,943,8
Männer4,04,44,74,74,86,16,57,28,18,79,0
Tabelle 3: Differenz zwischen den mittleren Bruttojahreseinkommen von Frauen und Männern 2000 bis 2010 in %
Jahre20002001200220032004200520062007200820092010
Bruttojahresverdienste40,340,240,040,440,640,540,540,740,939,839,7
Bruttojahresverdienste der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten----22,522,021,821,620,919,419,1
Tabelle 4: Alterspension aus der gesetzlichen Pensionsversicherung 2010 (Median) in Euro
Versicherungs-trägerAlle PV-TrägerPensionsversicherung der UnselbständigenPensionsversicherung der Selbständigen
PVA der …VA für …SVA der gewerblichen WirtschaftSVA der Bauern
Arbeiter und ArbeiterinnenAngestellteEisenbahnenBergbau
Frauen7846921.0878341.106809462
Männer1.6321.4152.1231.6641.9591.577959

 

Tabelle 5: Armutsgefährdung nach Haushaltstyp in %
Soziodemographische MerkmaleArmutsgefährdungsquote
nach Sozialleistungen in %
Insgesamt12
Männer (ab 20 Jahren)10
Frauen (ab 20 Jahren)13
Haushalte mit Pension 
Alleinlebende Pensionisten13
Alleinlebende Pensionistinnen26
Mehrpersonenhaushalte11
Haushalte ohne Pension 
Alleinlebende Männer19
Alleinlebende Frauen24
Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder6
Haushalte mit Kindern (zusammen)12
  Ein-Eltern-Haushalte28
  Mehrpersonenhaushalte + 1 Kind7
  Mehrpersonenhaushalte + 2 Kinder11
  Mehrpersonenhaushalte + mind. 3 Kinder18

Grafik 1:

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Grafik 2:

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