Umstellung der Einheiten des Unternehmensregisters auf die ÖNACE 2008

Einleitung

Eine zentrale Grundvoraussetzung für die Umstellung auf eine neue Wirtschaftstätigkeitensystematik ist die Umkodierung aller statistischen Einheiten im Unternehmensregister auf die neue Systematik. Weiters müssen für einen gewissen Zeitraum die Einheiten sowohl nach alter als auch nach neuer Systematik parallel kodiert werden. In diesem Umstellungsprozess sind natürlich auch alle jene Institutionen einzubeziehen, die in ihren Registern ebenfalls die Einheiten nach der ÖNACE-Systematik führen. Dies gilt insbesondere für die Register der Steuerverwaltung und der Sozialversicherungen, weil diese u.a. auch für die Führung des statistischen Unternehmensregisters die Erstzuordnung neuer Einheiten nach der ÖNACE-Systematik bereitstellen. Außerdem verwenden diese Institutionen die ÖNACE-Systematik auch für ihre eigenen Zwecke bzw. publizieren danach statistische Daten.

Die Umstellung von ÖNACE 2003 nach ÖNACE 2008 im Unternehmensregister der Statistik Austria

Die Gesamtmasse der umzukodierenden Einheiten setzte sich aus der Masse der im Unternehmensregister geführten Unternehmen, deren Betriebe und Arbeitsstätten zusammen, wobei jede Einheit gemäß ihrem wirtschaftlichen Schwerpunkt einem Sechssteller (Unterklasse) der ÖNACE 2003 zugeordnet war, in vielen Fällen waren noch Nebentätigkeiten – ebenfalls auf der Ebene der Sechssteller – registriert. Im Folgenden wird jedoch der Einfachheit halber bloß auf die Ebene der Unternehmen Bezug genommen, deren Anzahl zum Zeitpunkt Voranalysen zur ÖNACE-Implementierung Ende 2006 knapp 380.000 betragen hat. Auch wird hier nur auf die Grundkonzepte der Umstellung eingegangen.

Ausgangspunkt der Überlegungen der Umkodierung bildete die Analyse der Beziehungen zwischen derzeitiger und neuer Systematik. Da es sich ja bekanntlich um eine Revision handelte, konnte erwartet werden, dass die Strukturen der beiden Systematiken stark voneinander abweichen und daher eine einfache, quasi-automatische Umkodierung in vielen Fällen nicht möglich sein würde. Zudem musste berücksichtigt werden, dass sich die Qualität der ÖNACE-Codierung durch den Umkodierungsprozess nicht beeinträchtigt wird.

Grundsätzlich können die Beziehungen zwischen zwei Systematiken aus folgenden vier Typen bestehen:

  1. 1-Fälle: ein Element in der alten Systematik findet sich in gleicher Weise auch in der neuen Systematik wieder;
  2. n-Fälle: ein Element der alten Systematik wurde in der neuen Systematik in zwei oder mehrere Elemente aufgegliedert;
  3. 1-Fälle: mehrere Elemente der alten Systematik wurden zu einem Element in der neuen Systematik aggregiert;
  4. n-Fälle: Teile aus verschiedenen Elementen der alten Systematik wurden neu zusammengesetzt, sodass die neuen Elemente keine bloßen Aggregierungen aus alten Elementen bzw. keine bloßen Disaggregierungen aus einem alten Element sind. Dies sind die typischen Konstellationen bei Klassifikationsrevisionen.

Es war daher klar, dass lediglich 1 : 1-Fälle und n : 1-Fälle automatisch umkodiert werden konnten. Für alle anderen Konstellationen bedurfte es daher bestimmter Zusatzinformationen oder der Setzung von bestimmten Annahmen. Eine detaillierte Darstellung dieser Arbeiten finden sich in dem an Eurostat übermittelten englischen Projektbericht zu den Voranalysen zur NACE Rev. 2 Implementierung in das Unternehmensregister (PDF, 866 KB).

Nachdem ein Konzept für die Behandlung jeder einzelnen Unterklasse der ÖNACE 2003 entwickelt war, konnten die Einheiten des Unternehmensregisters wie folgt umgestellt werden:

  1. Rund 50% der Unternehmen konnten automatisch umkodiert werden, weil sie in Klassen zugeordnet waren, bei denen es sich um 1 : 1-Fälle oder n : 1-Fälle handelte.
  2. Weitere rund 17% der Unternehmen konnten ebenfalls automatisch umkodiert werden, weil die vorhandene Unterklassenzuordnung eine eindeutige Überführung in eine der neuen Klassen (Unterklassen) der ÖNACE 2008 ermöglichte.
  3. Weitere knapp 2% der Unternehmen konnten zudem automatisch umkodiert werden, weil sie PRODCOM-meldepflichtig waren und für diese daher auf Produktebene bekannt war, welche Tätigkeiten sie ausübten und wo der Schwerpunkt lag.
  4. Weitere knapp 4% der Unternehmen sollten automatisch umkodiert werden, obwohl sie in Elementen zugeordnet waren, die m : n-Beziehungen aufwiesen. Allerdings konnte mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass die Aktivitäten, die für die komplexe m : n-Beziehungsstruktur verantwortlich waren, in Österreich nicht relevant sind bzw. es keine Unternehmen gibt, die schwerpunktmäßig solchen Tätigkeiten nachgehen. Für diese Fälle wurde daher eine 1 : 1-Beziehung unterstellt.

Insgesamt konnten daher knapp 73% der Unternehmen allein aufgrund der Beziehungen zwischen alter und neuer Systematik bzw. vorhandener Informationen automatisch umklassifiziert werden. Die restlichen 27% der Unternehmen gliederten sich in zwei Hälften:

  1. Für rund 60% dieser Unternehmen wurde davon ausgegangen, dass durch interne Recherchen die für die Umkodierung notwendige Information über die Tätigkeit des Unternehmens ermittelt werden kann. Recherchequellen waren dabei das Internet, die gelben Seiten, Branchenlisten und ähnliche Instrumente, sowie Expertenwissen.
  2. Alle restlichen Unternehmen – rund 42.000 – mussten allerdings kontaktiert und um Angaben über ihre Tätigkeiten ersucht werden, damit sie entsprechend der neuen Systematik richtig klassifiziert werden konnten.

Die Unternehmen erhielten entweder einen schriftlichen Fragebogen bzw. wurden in einfacheren Fällen telefonisch kontaktiert. Gefragt wurde nach den verschiedenen ausgeübten Tätigkeiten und den jeweiligen Umsatzanteilen, um daraus auch den tatsächlich wirtschaftlichen Schwerpunkt ableiten zu können. Die Fragebögen wurden je Klassifikationsbereich maßgeschneidert; d.h. die mutmaßlichen Tätigkeiten waren bereits aufgelistet. Die Erhebung fand verteilt über die ersten drei Quartale 2007 statt und stützte sich rechtlich auf § 25/4 des Bundesstatistikgesetzes 2000.

Eine ausführliche Beschreibung der Arbeiten findet sich in Heft 7/2009 der Statistischen Nachrichten „Die Implementierung der ÖNACE 2008 im Unternehmensregister der Statistik Austria“ (PDF, 511 KB).

Doppelkodierung der Einheiten im Unternehmensregister nach ÖNACE 2003 und ÖNACE 2008

Das Unternehmensregister bildet die Basispopulation für Stichproben, die bei verschiedensten Statistiken, die die Unternehmen als Untersuchungsgegenstand haben, benötigt werden. Da diese Statistiken (z.B. die Konjunkturstatistiken, die Leistungs- und Strukturerhebungen, Offene Stellen Erhebungen, Arbeitskostenerhebung, …) jeweils für bestimmte Zeiträume sowohl nach ÖNACE 2003 als auch nach ÖNACE 2008 ausgewiesen werden müssen, ist es notwendig die Einheiten des Unternehmensregisters ebenfalls eine zeitlang nach diesen beiden Klassifikationen zu führen.

Da die Umkodierung im Unternehmensregister 2007 durchgeführt wurde, ist für dieses Jahr eine Doppelkodierung der Einheiten gegeben. Es werden auch weiterhin alle Einheiten doppelt kodiert.

Das Unternehmensregister stellt vielfach auch die Basis für die Rückrechnungen in den einzelnen Statistiken dar. Wird für diese Rückrechnungen der Mikroansatzes gewählt, so sind Informationen sowohl zu ÖNACE 2003 als auch zu ÖNACE 2008 für die einzelnen Einheiten des Unternehmensregisters auch in der Vergangenheit notwendig. Daher wurde beschlossen, die Einheiten des Unternehmensregisters bis ins Jahr 2003 zurück doppelt zu kodieren. Da es schwer möglich ist Informationen über die wirtschaftlichen Tätigkeiten der Unternehmen für bereits vergangenen Zeiträume zu bekommen, musste ein Regelwerk entwickelt werden, das eine Umkodierung ermöglichte, ohne dass Recherchen oder direkte Kontaktaufnahmen mit den Unternehmen notwendig wurden. Für die rückwirkende Kodierung der Einheiten auf der Unternehmensebene für die Jahre 2003 bis 2006 ist daher in folgenden Schritten vorgegangen worden:

  1. Jene Einheiten, bei denen sich in den Jahren 2003 bis 2007 keine Änderung der ÖNACE-Zuordnung ergeben hat, waren de facto schon doppelt kodiert, da die Doppelkodierung des Jahres 2007 unmittelbar auf die vorangegangenen Jahre übertragen werden konnte. Dies war bei der rund der Hälfte der Einheiten der Fall.
  2. Die verbliebenen Einheiten, bei denen es in den Jahren 2003 bis 2006 zu einer oder mehreren Änderungen der ÖNACE-Zuordnung gekommen ist, aber alle diese ÖNACE-Zuordnungen jeweils auch in den Jahren 2007 oder 2008 vorkamen, konnten gemäß dieser Zuordnungen doppelkodiert werden.
  3. Für diejenigen Einheiten, die nicht aufgrund 1.) oder 2.) doppelkodiert werden konnten, musste die ÖNACE-Zuordnung der Jahre 2003 bis 2006 auf Basis der Korrespondenzen zwischen ÖNACE 2003 und ÖNACE 2008 abgeleitet werden. Wie bereits ausgeführt, konnten die für die Doppelkodierung notwendigen Umschlüsselungen in ca. 2/3 der Fälle automatisch erfolgen. In den übrigen Fällen wurde die Umschlüsselung probabilistisch durchgeführt. Auf Basis der aus der Implementierung bekannten Anzahl der Unternehmen, die pro ÖNACE 2003-Unterklasse einer entsprechenden ÖNACE 2008-Unterklasse zugeordnet wurden, konnte die probabilistische Umschlüsselung entsprechend gewichtet werden.
  4. Eine Ausnahme bildeten dabei Stichprobeneinheiten. Diese wurden manuell bearbeitet, da aufgrund der Erhebungen zusätzliche Informationen zu diesen Einheiten (z.B. PRODCOM-Zuordnung, Tätigkeitsbeschreibung im Dienstleistungsbereich) vorlagen.

Zusätzlich zu den Unternehmen mussten auch die Betriebe und Arbeitsstätten für den Zeitraum 2003 bis 2006 doppelkodiert werden. Für diese rückwirkende Kodierung konnte in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine bereits umgeschlüsselte ÖNACE-Zuordnung von der Unternehmensebene übernommen werden. War dies nicht der Fall, erfolgte die Umkodierung auf Basis der Korrespondenztabellen.

Somit haben alle Einheiten die seit 2003 im Unternehmensregister geführt werden, eine doppelte Kodierung sowohl nach der neuen ÖNACE 2008 als auch nach der alten ÖNACE 2003. Die doppelte Kodierung wird weiterhin fortgeführt.

Weitergabe der neuen Zuordnungen an die Verwaltungsregister

Die Umkodierung aller Einheiten des Unternehmensregisters konnte zeitgerecht im Herbst 2007 abgeschlossen werden. Dadurch war es möglich, einerseits die neue Datenbasis zu analysieren und die entsprechenden neuen Stichproben zu ziehen und andererseits die neuen Klassifikationszuordnungen je Einheit den Verwaltungsregistern (Sozialversicherung, etc.) weiterzugeben, sodass sich diese Verwaltungsstellen den Aufwand der Umkodierung ersparen konnten.

Damit wurde aber zugleich eine weitere Forderung des Bundesstatistikgesetzes angegangen, nämlich die, dass in allen Bereichen die klassifikatorischen Zuordnungen der Statistik Austria verwendet werden sollen (§ 21 BStG 2000). Dafür ist es natürlich nicht ausreichend, dass bloß die klassifikatorischen Neuzuordnungen des Gesamtbestandes übernommen werden, sondern es muss auch für die neuen bzw. geänderten Fälle eine laufende Abstimmung stattfinden. Da gegenwärtig die Zuordnungen in einem gewissen Ausmaß abweichen, entstünde bei Nutzung der klassifikatorischen Zuordnungen der Statistik Austria ein Bruch in den betreffenden Statistiken.

Für die ab 2008 zu erfolgende Klassifizierung von neuen Einheiten bzw. bei Änderungen des Schwerpunktes von Einheiten nach der ÖNACE 2008 stellt die Statistik Austria die notwendigen Klassifikationsbehelfe in elektronischer Form zur Verfügung und ist auch bereit, Informations- bzw. Schulungsveranstaltungen abzuhalten.

Klassifikationsmitteilung für die ÖNACE 2008

Die ÖNACE 2008 ist eine echte Revision der ÖNACE 2003 und weicht von der Struktur und der Codierung stark von der ursprünglichen Klassifikation ab. Da sie am 1.1. 2008 in Kraft trat und die ÖNACE 2003 ablöste, werden nunmehr alle Einheiten des Unternehmensregisters (mit Ausnahme des Staates und der Non-Profit Organisationen) hinsichtlich der neuen Zuordnung mittels einer Klassifikationsmitteilung schriftlich verständigt. Dies ist im wesentlichen Ziel und Aufgabe des Projektes „Klassifikationsmitteilung“.

Da die richtige klassifikatorische Zuordnung der Einheiten des Unternehmensregisters der Statistik Austria von zentralem Interesse ist (z.B. Erstellen von Stichprobenplänen, Zuordnung als Grundlage für diverse Wirtschaftsstatistiken, …), erfolgte die Versendung der Klassifikations-Mitteilungen an alle rund 360.000 Unternehmen von Anfang Februar bis Ende März 2008. Die Aufarbeitung der Rückmeldungen (ÖNACE Änderungen, Änderungen der Adresse oder des Firmennamens) wurde bereits Mitte August 2008 abgeschlossen. In Heft 11/2009 der Statistischen Nachrichten findet sich dazu der Artikel „Die Klassifikations-Mitteilung (KLM) 2008“.(PDF, 705 KB)

Seit September 2008 wird die Versendung der Klassifikationsmitteilungen wie bisher fortgesetzt.