Informationen zur ISCO-08

Allgemeines

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ist zuständig für die Internationale Standardklassifikation der Berufe (ISCO). Die ISCO klassifiziert die beruflichen Tätigkeiten  (Jobs) der arbeitenden Bevölkerung. Ein Beruf ist definiert als ein Set von Aufgaben und Pflichten, die von einer Person für einen Arbeitgeber oder als Selbständiger erfüllt werden. Die Zusammenfassung zu relativ ähnlichen Kategorien erfolgt anhand der „skills“ (notwendige Fähigkeiten, um die mit einem Job verbundenen Aufgaben und Pflichten zu erfüllen). Es wird zwischen „Anforderungsniveau“ (skill level) und „berufsfachlicher Spezialisierung“ (skill specialisation) unterschieden. Das Anforderungsniveau erfasst den Grad der Komplexität der Aufgaben und wurde in vier breit gefasste Kategorien unterteilt. Die Definition erfolgt über die Ausbildungsstufen der ISCED (International Standard Classification of Education). Die berufsfachliche Spezialisierung erfasst das Gebiet, auf dem Kenntnisse erforderlich sind, und ist durch die benutzten Werkzeuge und Maschinen, die zu bearbeitenden Werkstoffe sowie die Art der erzeugten Produkte und Dienstleistungen bestimmt.

Die ISCO-08 unterscheidet vier Hierarchieebenen, deren Kodierung numerisch ist:

  • 10 Berufshauptgruppen (0 – 9)
  • 43 Berufsgruppen (01 – 96)
  • 130 Berufsuntergruppen (011 – 962)
  • 436 Berufsgattungen (0110 – 9629)

Entwicklung

Die bisherige Berufsklassifikation ISCO-88 wurde mittels Resolution der 14. Internationalen Konferenz der Arbeitsmarktstatistiker am 6. November 1987 in Kraft gesetzt. Da sie damit nun schon seit mehr als 20 Jahren zur Anwendung kommt, wurden die Rufe nach einer Revision immer lauter. Folgende Gründe waren für eine Aktualisierung ausschlaggebend:

  1. Die weltweit anzuwendende Systematik der Wirtschaftstätigkeiten ISIC wurde für die Zensusrunde 2010 revidiert (ISIC Rev.4) und daher beschloss die Statistische Kommission der Vereinten Nationen in ihrer 34. Sitzung im März 2003, dass auch die ISCO eine Revision für die nächste Zensusrunde benötige.
  2. Durch die Gültigkeit der ISCO-88 von bereits über 20 Jahren büßte sie natürlich an Aktualität ein. Es gab viele Entwicklungen, die mit der ISCO-88 nicht mehr adäquat abgebildet werden konnten, wie zum Beispiel die rasante Entwicklung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologieberufe.
  3. Die Erfahrungen, die man durch die weltweite Anwendung der ISCO-88 gewonnen hat, sollten in die „Verbesserung“ einfließen.

Am 6. Dezember 2007 wurde die Resolution über die ISCO-08 in der Sitzung des ILO-Ausschusses angenommen.

An Behelfen zur ISCO-08 liegen die Struktur der ISCO-08, Korrespondenztabellen zwischen alter und neuer Berufssystematik und Erläuterungstexte vor.

Gemeinsame deutschsprachige Fassung

Die deutschsprachigen Länder - Deutschland, Schweiz und Österreich - haben  eine gemeinsame deutschsprachige Fassung der Erläuterungen der ISCO-08 (PDF, 3MB), auf Basis der englischsprachigen Erläuterungen Version 1.5a von April 2011, erarbeitet.

Anwendungen im Europäischen statistischen System

Bei der Entwicklung der ISCO-08 wurde bereits frühzeitig festgelegt, dass es im Gegensatz zur derzeit geltenden europäischen Fassung ISCO-88 (COM), keine europäische Fassung der internationalen Berufsklassifikation geben wird. Das heißt, dass die ISCO-08 ohne Abweichungen anzuwenden ist, auch wenn es Positionen gibt, die für europäische Bedürfnisse nicht zu verwenden sind, wie zum Beispiel die Position 1113 „Traditionelle Dorf- und Stammeshäuptlinge“.

Im Europäischen statistischen System erfolgte die erste Anwendung der ISCO-08 bei der Verdienststrukturerhebung 2010 und für weitere dreizehn Statistikbereiche (einschließlich der Volkszählung und Arbeitskräfteerhebung) seit 2011. Die Anwendung der ISCO-08 ist in einer Kommissionsverordnung und einer Kommissionsempfehlung geregelt (siehe Rechtsgrundlagen). Dass für einen Großteil der Statistiken, die durch die ISCO-Revision betroffen sind, die Anwendung nicht verpflichtet, sondern nur empfohlen werden kann, hängt grundsätzlich damit zusammen, dass in (Rats-)Verordnungen, die die Bevölkerungs- und Sozialstatistik betreffen, die anzuwendenden Klassifikationen teils überhaupt nicht festgelegt sind.

Die Europäische Kommission hat für die Implementierung der ISCO-08 eine Verordnung zur Änderung einiger Verordnungen über bestimmte Bereiche der Statistik bereits in Kraft gesetzt, in denen die Internationale Standardklassifikation der Berufe (ISCO-08) angewendet wird. In diesen Verordnungen ist die ISCO-88 (COM) ausdrücklich genannt, daher ist eine Änderungsverordnung notwendig. Diese Verordnungen betreffen die Verdienststrukturerhebung, Qualitätsbewertung der Statistik über die Struktur der Arbeitskosten und Verdienste, die Stichprobenerhebung über Arbeitskräfte und die Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen. Dabei wird lediglich das Wort „ISCO – 88 (COM)“ durch „ISCO-08“ ersetzt, damit im Falle der Verdienststrukturerhebung 2010 und bei der Arbeitskräfteerhebung ab 2011 Daten nach ISCO-08 zur Verfügung stehen.

Die Empfehlung der Kommission über die Verwendung der Internationalen Standardklassifikation der Berufe (ISCO-08) empfiehlt für 13 weitere statistische Bereiche einschließlich der Volkszählung 2011 die Anwendung der neuen Berufssystematik, in denen Daten über Berufe meist anhand der ISCO auf der Grundlage eines Gentlemen´s Agreement erhoben werden. Laut dieser Empfehlung sollten die Mitgliedstaaten in Statistiken nach Berufen die ISCO-08 verwenden. 

Die Implementierung der ISCO-08 in Österreich richtet sich nach den europäischen Vorgaben und begann mit der Verdienststrukturerhebung 2010.