ICD-Klassifikation

Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme

Die „International Classification of Diseases and Related Health problems“ wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben und ist die wichtigste international angewandte Systematik zur Klassifikation von Krankheiten. Die ICD wird eingesetzt, um das Vorkommen von Krankheiten auf internationaler Ebene und im Zeitverlauf standardisiert und systematisch aufzuzeichnen und zu analysieren. Im Jahr 2002 wurde die 10. Revision der ICD eingeführt; sie wird regelmäßig von der WHO aktualisiert und vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in der jeweils deutschsprachigen Fassung herausgegeben. Einige Staaten geben länderspezifische, an die nationalen klinischen Rahmenbedingungen angepasste Versionen heraus (z.B. Deutschland: ICD-10-GM, Österreich: ICD-10 BMGF).

ICD-Klassifikation in der Todesursachenstatistik

Die ICD-10 bildet auch die Grundlage für eine international vergleichbare Todesursachenstatistik und wird deshalb in Österreich zur Codierung der Angaben auf dem Formblatt „Anzeige des Todes" verwendet. Seit dem Berichtsjahr 2016 (mit der Implementierung des internationalen elektronischen Codierprogramms IRIS) kommt die ICD-10 in der Version 2013 zum Einsatz. Die davor angewandte Version 1.3 der ICD-10 wurde entsprechend umgeschlüsselt, um eine bis zum Jahr 2002 rückwirkend vergleichbare Zeitreihe anbieten zu können. Für Zeiträume bis einschließlich 2001 gelten die folgenden ICD-Revisionen: ICD-9 (1980-2001), ICD-8 (1969-1979), ICD-7 (1959-1968), ICD-6 (1953-1958), ICD-5 (vor 1953).

Die Veröffentlichung der Todesursachenstatistik erfolgt gemäß einer international standardisierten Liste von Todesursachenkategorien. In dieser aggregierten Form können Informationen über den Zeitverlauf ohne Zeitreihenbrüche dargestellt werden.

ICD-Klassifikation in der Spitalsentlassungsstatistik

Die Diagnosen in der Spitalsentlassungsstatistik werden nach der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10) in der für Österreich angepassten Version des BMGF erfasst. Die ICD-10 BMGF ist akkordiert an das System der leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF), das in Österreichs Krankenanstalten bundeseinheitlich für die Diagnosen- und Leistungsdokumentation verwendet wird.

Im Vergleich zur deutschsprachigen Version der ICD-Klassifikationen enthält die ICD-10 BMFG (in der Version 2017) Ergänzungen zur Erfassung bestimmter Diagnosen (beispielsweise das Tumorstadium beim kolorektalen Karzinom, den Schweregrad bei der Linksherzinsuffizienz und COPD oder Revisionsgründe in der Endoprothetik). Kapitel XX der DIMDI-Version („Äußere Ursachen von Morbidität und Mortalität“) ist in der BMGF-Version durch das Kapitel XXa „Exogene Noxen – Ätiologie“ (entsprechend den „E-Codes“ der ICD-9) ersetzt. Kapitel XXI differenziert und kennzeichnet einzelne Codes als national spezifische Schlüsselnummern, während die Gruppe Z55-Z65 („Personen mit potenziellen Gesundheitsrisiken auf Grund sozioökonomischer und psychosozialer Umstände“) nicht verwendet wird.

Rückwirkend bis zum Berichtsjahr 2001 erfolgt die Gliederung der Diagnosen gemäß der ICD-10 in der aktuell gültigen Version. Für die Jahre davor (1989 bis 2001) kommt in der Spitalsentlassungsstatistik die ICD-9 in der zuletzt gültigen Fassung zur Anwendung.

ICD-Klassifikation in der Krebsstatistik

Das Österreichische Nationale Krebsregister verwendet seit August 2006 die dritte Version „International Classification of Diseases for Oncology" (ICD-O-3). Das ist eine speziell auf die Onkologie zugeschnittene Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Codierung von Krebserkrankungen.

Die ICD-O ist eine duale Klassifikation, die die Codierung der Lokalisation, der Histologie und des biologischen Verhaltens des Primärtumors ermöglicht. Der Lokalisationscode beschreibt den Sitz des Tumors und entspricht in der Regel den 3- bzw. 4-Stellern der ICD-10. Der morphologische Code beschreibt den Zelltyp der Neubildung und ihr biologisches Verhalten.

In den Jahren 2002 bis 2006 wurde die 2. Version der ICD-O verwendet. Davor kam die ICD-9 für die Codierung der Lokalisation in Kombination mit der ICD-O (Version 1) für die Codierung der Histologie zum Einsatz. Da das österreichische Krebsregister auch urgierte Nachmeldungen bis weit über das Datum der Erstdiagnose hinaus berücksichtigt, wird bei jedem Versionswechsel der ICD-O eine Umschlüsselung der gesamten Krebsdatenbank auf die aktualisierte Systematik durchgeführt.

In Publikationen zur Krebsinzidenz werden die ICD-O-Codes in ICD-10-Codes übergeführt, um die Daten zu den Krebsneuerkrankungen direkt mit den Daten aus der Todesursachenstatistik vergleichen zu können. Für diese Umschlüsselung werden spezielle EDV-Programme der „International Agency for Research on Cancer" (IARC) und des „European Network of Cancer Registries" (ENCR) verwendet. Über die Statistische Datenbank STATcube - und mittels Sonderauswertungen kann für spezielle Forschungsvorhaben auch die Histologie der Tumore (nach dem Code der ICD-O-3) abgefragt werden.