Das integrierte System der internationalen Wirtschaftssystematiken

Um international vergleichbare Statistiken zu erstellen, bedarf es naturgemäß auch der Harmonisierung der verwendeten Systematiken. Es gehört daher zu den vorrangigen Aufgaben der internationalen statistischen Stellen, entsprechende Nomenklaturen zu erarbeiten bzw. bestehende Nomenklaturen zu revidieren.

Die so geschaffenen Nomenklaturen stellen ein integriertes System wirtschaftsstatistischer Nomenklaturen dar, das Güternomenklaturen wie in einem Bausteinsystem miteinander verbindet. Überdies wurde eine umfassende und zentrale Güternomenklatur geschaffen, die alle Sachgüter und Dienstleistungen einschließt. Auf diese Weise ist ein zusammengehöriges Klassifikationssystem, das integrierte Wirtschaftstätigkeiten- und Güterauswertungen erlaubt, entstanden. Die einzelnen Systematiken harmonisieren untereinander und sind auf weltweiter Ebene, auf europäischer Ebene und auf nationaler Ebene miteinander verknüpft.

Grafik 1

Es ist zweckmäßig, zwischen der weltweiten Ebene und der EU-Ebene zu unterscheiden. Die für die weltweite Anwendung empfohlenen statistischen Systematiken werden vom Statistischen Amt der Vereinten Nationen (UNSD), New York, erstellt, die Europäischen Klassifikationen vom Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaft (Eurostat), Luxemburg.

ISIC Rev. 4

(International Standard Industrial Classification of All Economic Activities) ist eine hierarchisch strukturierte Systematik der Wirtschaftstätigkeiten, die für weltweite Anwendung empfohlen ist. Da sie auch für Entwicklungsländer anwendbar sein soll, ist der Grad der Detaillierung nicht so tief wie dies üblicherweise bei nationalen Systematiken der Wirtschaftstätigkeiten der Fall ist.

NACE Rev. 2

(Statistische Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft) ist die für den EU-(EWR-) Bereich gültige Systematik der Wirtschaftstätigkeiten. Die NACE Rev. 2 ist die im Rahmen der Operation 2007 revidierte Version der NACE Rev. 1.1. Sie ist mit der ISIC Rev. 4 harmonisiert und kann daher als europäische Version der ISIC Rev. 4 aufgefasst werden.

CPC Ver. 2.1

(Central Product Classification) ist die für die weltweite Anwendung empfohlene zentrale Gütersystematik mit fünf hierarchischen Ebenen. Sie umfasst sowohl Sachgüter als auch Dienstleistungen, wobei die Sachgüter auf Basis der Elemente des Harmonisierten Systems definiert sind. Für den Dienstleistungsbereich gibt es keine Bausteinbeziehung zu einer Basisklassifikation, da im Rahmen der Revision in den 1990er Jahren mit der CPC Ver. 1 die erste Klassifikation geschaffen wurde, die alle Dienstleistungen abdeckt. Im Rahmen der Operation 2007 wurde die revidierte Version der CPC, die CPC Ver. 2 entwickelt. Bedingt durch Änderungen im Harmonisierten System, wurde die CPC Ver. 2.1 erarbeitet.

CPA 2.1

(Statistische Güterklassifikation in Verbindung mit den Wirtschaftszweigen in der Europäischen Gemeinschaft) ist die Europäische Version der CPC Ver.2.1. Im Unterschied zur CPC folgt die CPA der strukturellen Gliederung der Systematik der Wirtschaftszweige; d.h. die einzelnen Güter sind direkt gemäß ihres wirtschaftlichen Ursprungs sortiert. Die CPA 2.1 weist damit die analoge hierarchische Struktur wie die NACE Rev. 2 auf („Symmetrie"). Sie unterscheidet jedoch zwei weitere hierarchische Ebenen.

Das Harmonisierte System (HS) ist nicht nur die Basis für die Definition der Sachgüter in der CPC, sondern auch für das von den Vereinten Nationen herausgegebene internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (SITC Rev.4) sowie für die im EU-Bereich gültige Außenhandelsnomenklatur, die so genannte Kombinierte Nomenklatur (KN).

Kombinierte Nomenklatur

Die Kombinierte Nomenklatur wurde zeitgleich mit dem Harmonisierten System eingeführt und setzt sich aus 8-stelligen numerisch kodierten Positionen zusammen. Die sehr zahlreichen Untergliederungen sind den speziellen zolltechnischen und EU-außen-handelsstatistischen Bedürfnissen angepasst. Die Kombinierte Nomenklatur wird jährlich revidiert.

PRODCOM

(Production Communautaire) bezeichnet das EU-System der Produktionsstatistik im Bergbau und im Sachgüterbereich. Wesentlichster Teil dieser Produktionsstatistik ist die zugrunde liegende Gütersystematik, die so genannte PRODCOM-Liste. Diese wird jährlich durch den PRODCOM-Ausschuss erarbeitet. Die Positionen der PRODCOM-Liste sind durch das Harmonisierte System bzw. durch die Kombinierte Nomenklatur definiert. Die Kodierung erfolgt dabei über einen 8-stelligen Kode, dessen erste sechs Stellen mit den CPA-Kodes identisch sind. Die PRODCOM-Liste ist daher mit der zentralen Gütersystematik direkt verknüpft.