Konzept

Wie bei der gesamten Registerzählung wird auch bei der Wohnsitzanalyse das Prinzip der Redundanz angewendet.

Der erste Schritt besteht darin, zwei Gruppen von Personen mit Hauptwohnsitz zum Stichtag zu bilden:

  • Personen, deren Zählung außer Streit steht.
  • Personen, die aufgrund der vorliegenden Daten zu Klärungsfällen werden.

In die erste Gruppe fallen alle Personen, die zum Stichtag ihres Alters gemäß in den Verwaltungsregistern vorkommen, in denen sie zu erwarten waren. Beispiele dafür sind:

  • Ein Kind im schulpflichtigen Alter ist im Zentralen Melderegister (ZMR) mit Hauptwohnsitz gemeldet, besitzt einen Eintrag in der Schulstatistik und im Register der Familienbeihilfe
  • Eine erwerbstätige Frau ist im ZMR mit Hauptwohnsitz gemeldet, ist laut Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger (HV) erwerbstätig und hat einen Eintrag im Steuerregister.
  • Ein älterer Mann ist im ZMR mit Hauptwohnsitz gemeldet und erhält laut HV seine Pension

Prinzipiell werden alle Personen mit Hauptwohnsitz gezählt, die im ZMR und mindestens in einem weiteren Verwaltungsregister mit Lebenszeichen vorkommen. Die restlichen Personen des ZMR werden zu Klärungsfällen.

Der zweite Schritt besteht darin, nach weiteren „Lebenszeichen“ bei Klärungsfällen zu suchen. Nachdem Personen, die aus „technischen“ Gründen nicht gezählt werden (vor dem Stichtag verstorben, Mehrfachzählungen, 90-Tage- und 180-Tage-Fälle), ausgeschieden sind, werden die übrig gebliebenen Klärungsfälle einem record linkage mit Daten-Singles aus anderen Verwaltungsregistern unterzogen. Das Matching wird über die Merkmale Geburtsdatum, Geschlecht und Adresse vorgenommen, da der Name als Merkmal nicht vorliegt. Eindeutige Treffer werden mit Hauptwohnsitz gezählt, dies waren bei Probezählung 2006 insgesamt 0,5% der Bevölkerung.

Weiterhin werden bestimmte Klärungsfälle ex offo gezählt: Personen, die mit Hauptwohnsitz in einem Kloster bzw. einer Justizvollzugsanstalt „wohnen“. Weiters wird geprüft, ob die übrig gebliebenen Klärungsfälle im Zeitraum 1.11.2011 bis 30.6.2012 eine nachträgliche Meldeveränderung aufweisen (Ab- oder Ummeldung des Hauptwohnsitzes). Diese Meldeveränderungen gelten als „Lebenszeichen“ und führen zur Zählung einer Person. Im Gegenzug werden alle Personen nicht mit Hauptwohnsitz anerkannt, die im Zeitraum 1.11.2011 bis 30.6.2012 nach § 15 MeldeG amtlich abgemeldet wurden.

In einem dritten Schritt wird für die nun übrig gebliebenen Klärungsfälle das Lebenszeichen bei den betroffenen Personen selbst gesucht. Nur für diese Personen liefert das ZMR Namen und aktuelle Adresse an die Bundesanstalt Statistik Österreich (nach § 5 Abs. 5 Registerzählungsgesetz). Diese Personen werden mittels RSb-Brief angeschrieben und um Auskunft ersucht, ob sie am 31.10.2011 tatsächlich den Hauptwohnsitz (=Mittelpunkt der Lebensbeziehungen) in Österreich hatten. Bestätigte Hauptwohnsitze werden gezählt. Alle Personen, die nicht anzutreffen sind bzw. keine Antwort geben werden nicht gezählt, ebenso wie alle Personen, die zum Stichtag einen ausländischen Hauptwohnsitz angaben.

Laut § 5 Abs. 6 ist die Bundesanstalt Statistik Österreich verpflichtet, den Gemeinden die Personen mit Namen und Adresse bekannt zu geben, die mit Hauptwohnsitz von der Zählung ausgeschlossen werden. Gesetzlich ist den Gemeinden eine Frist von drei Monaten eingeräumt, um die Bundesanstalt Statistik Österreich über irrtümlich von der Zählung ausgeschlossene Personen zu informieren.

Nach der Berücksichtigung von irrtümlichen Nichtanerkennungen steht die Bevölkerungs- und Bürgerzahl (= österreichische Staatsbürger) insgesamt und je Gemeinde fest. Diese Zahlen werden vom Bundesministerium für Inneres per Verordnung kundgemacht