Pressemitteilung: 12.325-165/20

Todesursachen 2019: überwiegend altersbedingt; ein Viertel verstarb an Krebs

Wien, 2020-09-17 – Im Jahr 2019 starben in Österreich laut Statistik Austria insgesamt 83.386 Personen, darunter mehr Frauen (51%) als Männer (49%). Bedingt durch die stetig steigende Lebenserwartung versterben sowohl Männer als auch Frauen öfter an Krankheiten, die im Alter vermehrt vorkommen. Die beiden häufigsten Todesursachen im Jahr 2019 waren Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems (38,6%) und Krebs (24,6%), auf sie entfielen zwei Drittel der Sterbefälle. Weitere bedeutsame Todesursachen waren Krankheiten der Atmungsorgane (6,3%), Verletzungen und Vergiftungen (5,5%) sowie Krankheiten der Verdauungsorgane (3,6%).

Altersspezifische Todesursachen: im hohen Alter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, im mittleren Alter Krebs, in jungen Jahren Krebs, Suizide und Unfälle

Unter den im Jahr 2019 in Österreich verstorbenen Personen waren 40.774 Männer und 42.612 Frauen. Mehr als die Hälfte der Todesfälle im Jahr 2019 (46.646 Verstorbene bzw. 55,9%) ereignete sich nach erreichtem 80. Lebensjahr. In dieser Altersgruppe lag jedem zweiten Todesfall eine Krankheit des Herz-Kreislaufsystems zugrunde. Rund jede bzw. jeder Siebente in dieser Altersgruppe (15,4%) verstarb an Krebs. Mit großem Abstand waren auch Krankheiten der Atmungsorgane, psychische Krankheiten und Ernährungs- bzw. Stoffwechselkrankheiten von Bedeutung. Aufgrund von Stürzen verstarben rund 1% der über 80-Jährigen (siehe Tabelle 1).

Zwischen dem 40. und dem 80. Lebensjahr ereigneten sich rund 42% aller Todesfälle. In dieser Altersgruppe waren Krebserkrankungen die häufigste Todesursache: Vier von zehn Sterbefällen wurden durch ein Karzinom verursacht. Ein Viertel der Sterbefälle im mittleren Erwachsenenalter war 2019 durch Herz-Kreislauf-Krankheiten bedingt, 7% durch Krankheiten der Atmungsorgane.

Bei Jugendlichen und Erwachsenen zwischen zehn und 40 Jahren (zusammen 1,6% aller Sterbefälle) waren Krebs, Suizide und Unfälle die häufigsten Todesursachen. Bei den wenigen Todesfällen von Kindern im Alter von ein bis unter zehn Jahren (96 Todesfälle im Jahr 2019 bzw. 0,1%) war neben angeborenen Fehlbildungen Krebs die verbreitetste Todesursache.

Bei Säuglingen (250 Todesfälle im Jahr 2019 bzw. 0,3%) waren Geburtskomplikationen und angeborene Fehlbildungen die häufigsten Ursachen für den frühen Tod.

Kein Anstieg der Sterbefälle durch Atemwegserkrankungen vor Corona

Die Entwicklung der Sterbefälle durch Atemwegserkrankungen vor der Coronakrise kann zeigen, ob das Coronavirus SARS-CoV-2 bereits vor März/April 2020 in Österreich verbreitet war. Der Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre 2015–2019 zeigt für die Monate vor dem Auftreten der ersten bestätigten COVID-19-Fälle in Österreich allerdings nur einen geringen Anstieg an Sterbefällen aufgrund von Atemwegserkrankungen. Auch liegen die Todesfälle dieser Gruppe im Jahr 2020 beinahe vollständig im Durchschnitt der Vorjahre. 2018 und 2019 wurden in den Kalenderwochen 6 bis 13 (von Anfang Februar bis Ende März) jeweils sogar etwas mehr Sterbefälle verzeichnet als in der Vergleichsperiode 2020. Im Winter 2017 gab es außergewöhnlich viele Sterbefälle aufgrund von Atemwegserkrankungen, was auf eine stark ausgeprägte Grippesaison hinweist (siehe Grafik).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Todesursachenstatistik finden Sie auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Todesursachenstatistik beinhaltet Informationen zu den Todesursachen aller verstorbenen Personen. Dies entspricht einer medizinisch dokumentierten Vollerhebung von jährlich mehr als 80.000 Fällen. Die Todesursachenstatistik gibt nachträglich Aufschluss über das Auftreten und den Verlauf von Krankheiten in der Bevölkerung. Das gewonnene Datenmaterial bildet die Grundlage für medizinische Forschung sowie Gesundheitssystemforschung.  
Diese Auswertung der Sterbefälle aus dem Jahr 2020 bezieht sich auf alle zwischen dem 1. Jänner und 31. Mai 2020 in Österreich aufgetretenen Sterbefälle, die bis zum 1.9.2020 bei den Personenstandsbehörden registriert wurden. Alle Daten des Jahres 2020 sind vorläufige Daten, auch die medizinischen Informationen und deren Kodierung. Für den betrachteten Zeitraum liegen nur bei 34 Todesfällen (0,1% der Sterbefälle) noch keine medizinischen Informationen vor. 
Die gesetzliche Grundlage für die Erhebung der Todesursache ist das Personenstandsgesetz 2013 (PStG 2013: BGBl. I Nr. 16/2013; § 28 Abs. 1). Demnach hat Statistik Austria Informationen zur Todesursache zu erhalten und zu verarbeiten. Basis für die Erstellung der Todesursachenstatistik ist der sogenannte Totenschein, dessen Struktur von der Weltgesundheitsorganisation festgelegt ist. Der Totenschein wird von einem Totenbeschauarzt, Pathologen oder Gerichtsmediziner ausgefüllt. Dieser gibt auf dem Totenschein jene aufeinanderfolgenden Krankheiten an, die letztendlich zum Tod geführt haben. Daraus wird nach internationalen Vorgaben (der sog. International Classification of Causes of Diseases – ICD-10) die den Todesprozess auslösende Krankheit (das Grundleiden) ausgewählt und kodiert. Darüber hinaus kann der Arzt auf dem Totenschein noch Begleiterkrankungen angeben, die zum Todesprozess beigetragen bzw. diesen beschleunigt haben. Beispiele dafür wären Diabetes oder Bluthochdruck. Die Totenscheine werden an das Standesamt geschickt, wo der Tod beurkundet wird. Diese beurkundeten Fälle werden dann an Statistik Austria weitergeleitet, wo sie vorsortiert, eingegeben, kodiert und ausgewertet werden. Veröffentlicht wird die Todesursachenstatistik nach dem Hauptwohnsitz des bzw. der Verstorbenen.

Die häufigsten Todesursachen in Österreich nach Alter im Jahr 2019
GeschlechtAlter zum Todeszeitpunkt in Jahren
01–910–3940–7980 und älterinsgesamt
 absolut
Insgesamt
250961.30035.09446.64683.386
Männer1455590621.32318.34540.774
Frauen1054139413.77128.30142.612
Todesursachen (ICD-Codes)in % der jeweiligen Altersgruppe
Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems I00-I990,83,18,326,448,838,6
Bösartige Neubildungen C00-C970,018,817,437,415,424,6
Krankheiten der Atmungsorgane J00-J990,47,31,56,76,26,3
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten E00-E900,87,32,54,34,34,3
Psychische Krankheiten F01-F990,00,04,72,45,24,0
Krankheiten des Nervensystems und der Sinnesorgane G00-H952,012,53,23,54,54,0
Krankheiten der Verdauungsorgane K00-K920,80,02,85,22,53,6
Selbstmord und Selbstbeschädigung X60-X84, Y87.00,00,015,82,10,41,3
Unfälle durch Sturz W00-W190,40,02,10,91,21,1
Transportmittelunfälle V01-V99, Y850,012,59,20,70,10,5
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien Q00-Q9927,222,92,60,40,00,3
Perinatale Affektionen P00-P9659,20,00,00,00,00,2
Andere (alle übrigen ICD-Codes)8,415,629,910,111,311,1
Insgesamt100,0100,0100,0100,0100,0100,0
Q: STATISTIK AUSTRIA, Todesursachenstatistik. – Die in Klammer stehenden Codes beziehen sich auf die internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (10. Revision Version 2013), dargestellt sind ausgewählte ICD-Gruppen. – Inklusive im Ausland verstorbene Personen mit Wohnsitz in Österreich.

Grafik 1

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Barbara LEITNER, Tel.: +43 (1) 71128-7262 bzw. barbara.leitner@statistik.gv.at und  
Mag. Jeannette KLIMONT, Tel.: +43 (1) 71128-8277 bzw. jeannette.klimont@statistik.gv.at

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