Österreichs Wirtschaft wuchs 2019 um 1,4%

Im Jahr 2019 wuchs die österreichische Wirtschaft nach den jüngsten Berechnungen von Statistik Austria real um 1,4%. Dies bedeutet eine Abschwächung der Dynamik der letzten Jahre (2017: +2,4%; 2018: +2,6%). Das Ergebnis liegt auch leicht unter den vorläufigen Schätzungen, die noch auf einer weniger breiten Datenbasis beruhten. Das österreichische Wirtschaftswachstum bewegte sich damit im Jahr 2019 etwa im Durchschnitt der EU28 (+1,5%), übertraf jedoch deutlich die Wachstumsraten seiner wichtigsten EU-Handelspartner Deutschland (+0,6%) und Italien (+0,3%) (Quellen: Eurostat-Datenbank, September 2020).

Das österreichische Bruttoinlandsprodukt zu laufenden Preisen lag 2019 bei rund 397,6 Mrd. Euro (+3,2%), das entspricht einem Wert von 44.780 Euro pro Einwohner.

Nachdem das reale Wachstum im Produzierenden Bereich in den Vorjahren jenes im Dienstleistungssektor jeweils deutlich übertraf, wuchsen beide Sektoren im Jahr 2019 real im gleichen Ausmaß um 1,4%, wobei sich die einzelnen Branchen sehr unterschiedlich entwickelten. Im Produzierenden Bereich war ein kräftiges Wachstum im Bauwesen (real+2,7%) und in der Energieversorgung (real +2,5%) zu beobachten. Den stärksten Zuwachs mit real +5,4% verzeichnete die Wasser- und Abfallwirtschaft, deren Beitrag zur Gesamtwertschöpfung allerdings gering ist. In der Herstellung von Waren hat sich die Dynamik deutlich verlangsamt (real+0,7%; nach +3,7% 2017 bzw. +5,3% 2018).

Im Dienstleistungssektor verzeichneten vor allem die Informations- und Kommunikationsdienstleistungen (real +3,7%), die Finanz- und Versicherungswirtschaft (real +3,0%) sowie die unternehmensnahen Dienstleistungen und die Beherbergung und Gastronomie (jeweils real + 2,1%) ein überdurchschnittliches Plus. Die für Österreichs Wirtschaft wichtigste Dienstleistungsbranche - der Handel - legte 2019 real mit 0,6% deutlich schwächer zu. Die Wertschöpfung aus staatsnahen Dienstleistungen (Öffentliche Verwaltung, Erziehung und Unterricht und das Gesundheits- und Sozialwesen) entwickelte sich mit einem realen Wachstum von + 0,6% ebenfalls gedämpft.

Verwendungsseitig entwickelten sich die Bruttoinvestitionen im weiteren Sinn mit einem realen Plus von 0,8% eher gedämpft, was aber einem im Vergleich zum Vorjahr geringeren Lageraufbau und einem starken Rückgang bei der Nachfrage nach Wertsachen geschuldet ist.

Die Nachfrage nach Anlagegütern verzeichnete hingegen 2019 einen deutlichen realen Anstieg von 4,0%, wozu durchwegs alle Investitionskategorien beitrugen. Am kräftigsten wuchsen die Fahrzeuginvestitionen mit einem realen Plus von 7,9%, gefolgt von den Bauinvestitionen und den Investitionen in immaterielle Güter (Software, Forschung und Entwicklung) mit jeweils +3,6%. Aber auch bei den Maschineninvestitionen war ein markanter Zuwachs zu beobachten (real+3,3%).

Im Gegensatz dazu gab es nur moderate Zuwächse bei den Konsumausgaben (real +1,0%). Die Konsumausgaben der privaten Haushalte stiegen real um 0,8%, wobei unter den größten Konsumpositionen die Beherbergungs- und Gastronomiedienstleistungen mit real +2,7% deutlich zulegten, während die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen des Verkehrs um 0,7% zurückging, vor allem aufgrund von deutlich geringeren Ausgaben für Fahrzeuge (real -5,1%). Die Konsumausgaben des Staates wuchsen real um 1,5%, was vor allem am Anstieg der Ausgaben für den Individualverbrauch (im Wesentlichen Gesundheits- und Bildungsausgaben) von real 2,2% lag.

Die geringere Dynamik in der Herstellung von Waren spiegelt sich auch in der Exportnachfrage wider, deren realer Anstieg mit 2,9% nur mehr etwa halb so kräftig ausfiel wie noch im Jahr davor (+5,5%). Demgegenüber stand 2019 ein reales Plus von 2,4% bei den Importen.

Der Außenbeitrag zu laufenden Preisen betrug im Berichtsjahr 2019 rund 13,4 Mrd. €. Mehr als drei Viertel davon stammen aus der stark positiven Dienstleistungsbilanz (10,4 Mrd. Euro), zu der wiederum der Reiseverkehrsüberschuss den überwiegenden Teil beitrug (8,7 Mrd. €).

Die Beschäftigung aller unselbständig und selbständig Erwerbstätigen in Österreich stieg 2019 um 1,3% bzw. um rund 61.000 Beschäftigungsverhältnisse auf einen Höchststand von knapp mehr als 4,8 Mio.  Beschäftigungsverhältnissen an. Die Beschäftigung in Vollzeitäquivalenten nahm um 1,5% zu.

Gleichzeitig stieg die durchschnittlich geleistete Arbeitszeit je Beschäftigungsverhältnis um 0,4%. Gegenüber dem Vorjahr ergab sich somit ein um 1,7% gestiegenes Arbeitsvolumen (=Summe der geleisteten Arbeitsstunden). Diese Entwicklung bei den Erwerbstätigen bedeutete für das Jahr 2018 einen leichten Rückgang der Produktivität je geleisteter Arbeitsstunde um 0,2%.

Das nominelle Arbeitnehmerentgelt (die Summe aller Geld- und Sachleistungen von Arbeitgebern an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer) nahm 2019 um 4,2% zu. Bei einem nominellen BIP-Zuwachs von 3,2% und einer Steigerung der Nettoproduktionsabgaben um 3,5% ergibt das für Bruttobetriebsüberschuss und Selbständigeneinkommen einen Anstieg von 1,8%. Das real verfügbare Nettoeinkommen der gesamten Volkswirtschaft stieg um 2,8%. 

Der "BIP-Deflator" (impliziter Preisindex, errechnet aus nominellem und realem Bruttoinlandsprodukt auf Vorjahrespreisbasis) stieg um 1,7 %. Die Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen inländischen Preisauftriebs fiel damit etwas stärker aus als die Veränderungsrate des Verbraucherpreisindex (+1,5%).

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung Hauptgrößen
Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftssektoren, nominell
Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftsbereichen, nominell
Bruttoinlandsprodukt nach Wirtschaftsbereichen, real
Verteilung des BIP, nominell
Verwendung des BIP, nominell
Verwendung des BIP, real
Konsumausgaben, nominell
Konsumausgaben, real
Privater Konsum, nominell
Privater Konsum, real
Bruttoinvestitionen, nominell
Bruttoinvestitionen, real
Erwerbstätigkeit nach ESVG-Konzepten
Arbeitnehmerentgelt

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Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen 1995-2019, Hauptergebnisse

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