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Bedeutung des österreichischen Non-Profit-Bereichs

Wien, 2008-09-03 – Die Statistik Austria und das Institut für Sozialpolitik der Wirtschaftsuniversität Wien führten gemeinsam eine umfassende Befragung unter Non-Profit-Organisationen durch, um die ökonomische und gesellschaftliche Bedeutung des österreichischen Non-Profit-Bereichs erstmals möglichst vollständig erfassen zu können.

Umfang des Non-Profit-Bereichs

Der gesamte Non-Profit-Bereich in Österreich erzielte im Jahr 2005 einen Produktionswert von 6,95 Mrd. € und eine Wertschöpfung von 4,66 Mrd. €. Gemessen an diesem Indikator ist der Non-Profit-Bereich damit bedeutender als etwa die Wirtschaftszweige Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (3,55 Mrd. €), Nahrungs- und Genussmittel, Getränke, Tabak (4,45 Mrd. €), Papier und Pappe, Druck- und Verlagswesen (3,47 Mrd. €) oder etwa der Fahrzeugbau (3,73 Mrd. €). Der Beitrag zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt belief sich auf 1,9%. Von den 170.113 bezahlten unselbständig Beschäftigten in diesem Bereich waren nur etwa 40% Vollzeitarbeitskräfte. 61% der befragten Organisationen gaben weiters an, zusätzlich auch über ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verfügen. Der Wirtschaftsbereich ÖNACE 85 (Krankenanstalten, Altenheime, Rettungsdienste und sonstige soziale Fürsorge) ist mit einem Output von 3,95 Mrd. €, einer Wertschöpfung von über 2,6 Mrd. € und 99.648 Beschäftigungsverhältnissen mit Abstand der bedeutendste innerhalb des Non-Profit-Bereichs.

Tabelle 1: Umfang des Non-Profit-Bereichs
ÖNACE
2003
BezeichnungProduktionswert1)Wertschöpfung1)Beschäftigte
73Forschung und Entwicklung52291.750
80Kindergärten, Schulen und Volkshochschulen94281227.721
85Krankenanstalten, Altenheime, Rettungsdienste und sonstige soziale Fürsorge3.9462.60399.648
91Vereine, Arbeitgeber- und, Arbeitnehmerverbände, Interessensvertretungen, und religiöse Vereinigungen1.8331.07534.351
92Sport und Kultur1761466.643
Insgesamt6.9494.665170.113

Beschäftigungsstruktur

Der Frauenanteil unter den im Non-Profit-Bereich tätigen Personen lag im Jahr 2005 bei 74%. Der Anteil an Teilzeitarbeitskräften betrug 56%, darüber hinaus waren über 4% der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geringfügig beschäftigt. Innerhalb des Bereichs war im Wirtschaftsbereich ÖNACE 80 (Kindergärten und Volkshochschulen) der Frauenanteil mit beinahe 89% am höchsten. Der Wirtschaftsbereich ÖNACE 92 (Sport und Kultur) war mit 41% durch den niedrigsten Frauenanteil und mit 28% ebenfalls durch den niedrigsten Anteil an Teilzeitarbeitskräften gekennzeichnet, wies aber dafür mit über 20% den höchsten Anteil an geringfügig Beschäftigten aus.

Tabelle 2: Beschäftigungsstruktur
ÖNACE
2003
BezeichnungFrauenanteilTeilzeitanteilAnteil Geringfügig Beschäftigte
Alle Angaben in %
73Forschung und Entwicklung58,7938,194,86
801)Kindergärten und Volkshochschulen88,6346,405,56
851)Altenheime, Rettungsdienste und sonstige soziale Fürsorge72,9357,863,51
911)Vereine, Arbeitgeber- und, Arbeitnehmerverbände und Interessensvertretungen65,8544,5713,32
92Sport und Kultur41,4627,5520,67
Insgesamt74,0255,674,28

Beschäftigungsentwicklung

In der Zeit zwischen 2000 und 2005 war der österreichische Non-Profit-Bereich tendenziell durch eine positive Beschäftigungsentwicklung gekennzeichnet. Während sich innerhalb dieses Zeitraums bei insgesamt nur 8% aller befragten Non-Profit-Organisationen die entgeltliche Beschäftigung reduzierte und bei 54% unverändert blieb, erhöhte sie sich bei 38%. Innerhalb des Non-Profit-Bereichs gab es hinsichtlich dieser Entwicklung aber große Unterschiede. So gaben im Wirtschaftsbereich ÖNACE 73 (Forschung und Entwicklung) 46% aller Organisationen an, dass sich die Zahl ihrer Beschäftigten während dieser Zeitspanne reduzierte, während dies bei nur 5% der befragten Organisationen im Wirtschaftsbereich ÖNACE 85 (Altenheime, Rettungsdienste und sonstige soziale Fürsorge) der Fall war. Auf der anderen Seite stieg die Beschäftigung nur für 28% der befragten Organisationen aus dem Wirtschaftsbereich ÖNACE 80 (Kindergärten und Volkshochschulen) an, während sie sich im Wirtschaftsbereich ÖNACE 85 (Altenheime, Rettungsdienste und sonstige soziale Fürsorge) hingegen bei 61% aller Organisationen erhöhte.

Tabelle 3: Beschäftigungsentwicklung 2000 – 20051)
ÖNACE
2003
BezeichnungSinkende BeschäftigungUnverändertSteigende Beschäftigung
Alle Angaben in %
73Forschung und Entwicklung462331
802)Kindergärten und Volkshochschulen66628
852)Altenheime, Rettungsdienste und sonstige soziale Fürsorge53461
912)Vereine, Arbeitgeber- und, Arbeitnehmerverbände und Interessensvertretungen85834
92Sport und Kultur125236
Insgesamt85438
Methodische Informationen, Definitionen: Die Abgrenzung des Non-Profit-Bereichs für die Erhebung entspricht weitgehend dem Konzept des UN-Handbook on Non-Profit Institutions in the System of National Accounts, allerdings blieben Einheiten, die dem institutionellen Sektor Staat (S.13) zugeordnet sind, außer Betracht, da nur Privatorganisationen befragt werden sollten. Aus erhebungstechnischen Gründen wurden zudem Organisationen aus dem Sektor Private Haushalte (S.14), die sich ausschließlich auf unbezahlte Arbeit bzw. Freiwillige stützen, nicht berücksichtigt. Im Rahmen der schriftlichen Befragung wurden keine Schulen und Krankenanstalten kontaktiert, da für diese beiden Bereiche die Informationsgrundlage aufgrund der Schul- und Bildungsausgabenstatistik sowie von Daten aus dem Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend ausreichend ist. Aus Kostengründen wurden im Bereich religiöse Vereinigungen ausschließlich Diözesen und Superintendenturen, aber keine einzelnen Pfarren angeschrieben. Kindergärten erhielten aufgrund vorhandener Daten aus der Bildungsausgabenstatistik einen verkürzten Fragebogen ohne Finanzteil. Von den in Summe 4.590 ausgesendeten Fragebögen wurden insgesamt 798 ausgefüllt zurückgeschickt, was einer Rücklaufquote von 17% entspricht. Da tendenziell größere Organisationen geantwortet haben, lag der Rücklauf gemessen an den ausbezahlten Bruttolöhnen und -gehältern sogar bei 38%. Für die von der Erhebung abgedeckten Aktivitätsfelder des Non-Profit-Bereichs wurden zur Bestimmung der Variablen in Tabelle 1 die ausbezahlten Bruttolöhne und -gehälter der Organisationen aus der Lohnzettelstatistik als Hochrechnungsvariable verwendet. Der Hochrechnungsfaktor ergibt sich aus dem Anteil der Bruttolöhne und -gehälter von Organisationen, die den Fragebogen beantwortet haben, an den Bruttolöhnen und -gehältern von allen befragten Organisationen. Zusätzlich wurden noch Informationen aus der Umsatzsteuerstatistik und von Geschäftsberichten bedeutender Non-Profit-Organisationen entnommen und in die Berechnungen integriert. Für die in der Erhebung nicht berücksichtigten Aktivitätsfelder Kindergärten, Schulen, Krankenanstalten und religiöse Vereinigungen wurden bereits vorhandene Daten verwendet.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Mag. Robert Leisch, Tel. (01) 71128-8278 bzw. robert.leisch@statistik.gv.at

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