Methode der Statistik zur Unternehmensdemografie

Methodikbericht (PDF, 625 KB)

Datenquellen

Die Unternehmensregister der Bundesanstalt (Unternehmensregister für Zwecke der Verwaltung und statistisches Unternehmensregister) stellen die zentrale Datenbasis für die Unternehmensdemografiestatistik dar.

Folgende Verwaltungsdatenquellen wurden ergänzend (zur Vollständigkeitskontrolle sowie für die genaue Abgrenzung der demografischen Zeitpunkte von Unternehmen) genutzt:

  • Steuergrunddaten und Umsatzsteuerdaten aus den Umsatzsteuererklärungen, Umsatzsteuervoranmeldungen an die Finanzbehörden und Einkommensteuerdaten
  • Dienstgeberdaten und Beschäftigtendaten des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger

Als Jahr der Gründung wurde jenes Jahr herangezogen, in dem das Unternehmen zum ersten Mal einen Umsatz erzielte oder erstmals mindestens eine(n) unselbständig Beschäftigte(n) hatte, umgekehrt wurde das Jahr der Schließung mit jenem Jahr festgelegt, in dem das Unternehmen letztmals einen Umsatz erzielte und letztmals unselbständig Beschäftigte hatte.

Danach wurden unechte Neugründungen und Schließungen über den paarweisen Vergleich von Name, wirtschaftlicher Haupttätigkeit, Adresse sowie manuelle Prüfungen ausgeschlossen.

Erhebungseinheit und Definitionen

Die Erhebungseinheit der Unternehmensdemografie ist das Unternehmen. Dieses ist definiert als eine rechtliche (organisatorische) Einheit zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen und verfügt insbesondere in Bezug auf die ihm zufließenden laufenden Mittel über eine gewisse Entscheidungsfreiheit. Das Unternehmen kann seine Tätigkeit(en) an einem oder mehreren Standorten (Arbeitsstätten) ausüben.

Aktivität

Ein Unternehmen gilt dann als wirtschaftlich aktiv, wenn es zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen 1.1. und 31.12. eines Berichtsjahres Umsatz erzielte und/oder Beschäftigte hatte, unabhängig davon, ob das Unternehmen das ganze Jahr oder nur Teile davon bestanden hat.

Neugründung eines Unternehmens

Eine echte Neugründung liegt dann vor, wenn nur ein Unternehmen beteiligt ist und eine Kombination von Produktionsfaktoren - insbesondere Beschäftigung - geschaffen wird. Das Unternehmen wird sozusagen „aus dem Nichts“ aufgebaut. Zugänge zum Bestand durch z.B. Fusion, Auflösung oder Umstrukturierung sind keine echten Neugründungen. Auch ein reiner Wechsel der Wirtschaftstätigkeit, der Rechtsform oder des Firmensitzes wird nicht als Neugründung betrachtet. Wenn eine ruhende Einheit innerhalb von zwei Jahren reaktiviert wird, wird dies auch nicht als Neugründung gezählt.

Schließung eines Unternehmens

Von einer echten Unternehmensschließung spricht man, wenn nur ein Unternehmen beteiligt ist und eine Kombination von Produktionsfaktoren wegfällt. Abgänge durch z.B. Fusion, Übernahme, Auflösung oder Umstrukturierung sind keine echten Schließungen. Auch ein reiner Wechsel der Wirtschaftstätigkeit, der Rechtsform oder des Firmensitzes wird nicht als Schließung betrachtet. Ein Unternehmen gilt erst dann als geschlossen, wenn es nicht innerhalb von zwei Jahren reaktiviert worden ist.

Überleben

Ein Unternehmen hat dann überlebt, wenn es im Jahr der Gründung und in den darauffolgenden Jahren wirtschaftlich aktiv ist (im Sinn von Umsatz und/oder Beschäftigung).

Beschäftigte

Die Zahl der Beschäftigten entspricht der Anzahl aller für die Beobachtungseinheit arbeitenden Personen (Selbständige und unselbständig Beschäftigte).

Darstellungsmerkmale

Die Statistik zur Unternehmensdemografie wird nach Wirtschaftszweigen und Rechtsform, nach Wirtschaftszweigen und Beschäftigtengrößenklasse, nach Wirtschaftsbereichen und Bundesland, nach Wirtschaftszweigen und Geschlecht der selbständigen Erwerbsperson bei Einzelunternehmen sowie nach Umsatzsteuerklassen ausgewertet und dargestellt.

Wirtschaftszweige (gemäß ÖNACE 2008):

  • B Bergbau
  • C Herstellung von Waren
  • D Energieversorgung
  • E Wasserversorgung und Abfallentsorgung
  • F Bau
  • G Handel
  • H Verkehr
  • I Beherbergung und Gastronomie
  • J Information und Kommunikation
  • K Finanz- und Versicherungsleistungen
  • L Grundstücks- und Wohnungswesen
  • M Freiberufliche/technische Dienstleistungen
  • N Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
  • P Erziehung und Unterricht
  • Q Gesundheits- und Sozialwesen
  • R Kunst, Unterhaltung und Erholung
  • S Sonst. Dienstleistungen

Rechtsformen:

  • Einzelunternehmen
  • Kapitalgesellschaften (AG, GmbH)
  • Personengesellschaften und andere Rechtsformen (ÖG, KEG etc.)

Beschäftigtengrößenklassen:

  • 0 unselbständig Beschäftigte
  • 1-4 unselbständig Beschäftigte
  • 5-9 unselbständig Beschäftigte
  • 10 oder mehr unselbständig Beschäftigte

Bundesländer und NUTS3-Einheiten:

  • AT11 Burgenland
  • AT111 Mittelburgenland
  • AT112 Nordburgenland
  • AT113 Südburgenland
  • AT21 Kärnten
  • AT211 Klagenfurt-Villach
  • AT212 Oberkärnten
  • AT213 Unterkärnten
  • AT12 Niederösterreich
  • AT121 Mostviertel-Eisenwurzen
  • AT122 Niederösterreich-Süd
  • AT123 Sankt Pölten
  • AT124 Waldviertel
  • AT125 Weinviertel
  • AT126 Wiener Umland/Nordteil
  • AT127 Wiener Umland/Südteil
  • AT31 Oberösterreich
  • AT311 Innviertel
  • AT312 Linz-Wels
  • AT313 Mühlviertel
  • AT314 Steyr-Kirchdorf
  • AT315 Traunviertel
  • AT32 Salzburg
  • AT321 Lungau
  • AT322 Pinzgau-Pongau
  • AT323 Salzburg und Umgebung
  • AT22 Steiermark
  • AT221 Graz
  • AT222 Liezen
  • AT223 östliche Obersteiermark
  • AT224 Oststeiermark
  • AT225 West- und Südsteiermark
  • AT226 Westliche Obersteiermark
  • AT33 Tirol
  • AT331 Außerfern
  • AT332 Innsbruck
  • AT333 Osttirol
  • AT334 Tiroler Oberland
  • AT335 Tiroler Unterland
  • AT34 Vorarlberg
  • AT341 Bludenz-Bregenzer Wald
  • AT342 Rheintal-Bodenseegebiet
  • AT13 Wien
  • AT130 Wien

Geschlecht des Unternehmers:

  • Männlich
  • Weiblich

Umsatzsteuerklassen (in EUR):

  • 0-7.500
  • 7.500-21.999
  • 22.000-49.999
  • 50.000-99.999
  • 100.000-299.999
  • 300.000-999.999
  • 1.000.000 und mehr

Wissens- und forschungsintensive Unternehmensneugründungen

Die Abgrenzung von wissens- und forschungsintensiven Unternehmensneugründungen erfolgt in Anlehnung an die „High-technology and knowledge based services aggregations“ von Eurostat. Die Statistik umfasst somit folgende Tätigkeiten gemäß den Abschnitten J, K, M und O bis R, den Abteilungen C 19 bis C 30, C 33, H 50, H 51, N78 und N 80 sowie den Gruppen C 18.2 und C 32.5 der ÖNACE 2008.

Behandlung vertraulicher Daten

Daten, die sich auf weniger als drei Beobachtungseinheiten (Unternehmen) beziehen, werden unterdrückt und stattdessen im entsprechenden Feld mit einem „G" ausgewiesen (primäre Geheimhaltung). Darüber hinaus sind zusätzlich Ergebnisse für mehr als zwei Meldeeinheiten zu unterdrücken, um zu verhindern, dass durch Differenzbildung gegenüber Summen (Aggregaten) auf durch primäre Geheimhaltung unterdrückte Ergebnisse geschlossen werden kann oder diese errechnet werden können (defensive oder sekundäre Geheimhaltung). Einzige Ausnahme bildet die Anzahl der statistischen Einheiten selbst: Für diese Variable wird auf eine Unterdrückung verzichtet, da keine Schutzwürdigkeit angenommen wird.

Die Konzepte und Begriffe der Unternehmensdemografie sind im von Eurostat und der OECD gemeinsam entwickelten Manual on Business Demography Statistics näher beschrieben.

Hinweis

Die Schließungszahlen der jeweils letzten beiden Berichtsjahre (hier: 2016 und 2017) sowie die Neugründungs-, Bestands- und Überlebenszahlen des aktuellsten Berichtsjahres (hier: 2017) werden bedingt durch die relativ späte zeitliche Verfügbarkeit der zugrundeliegenden Verwaltungsdatenquellen und den damit verbundenen Verzögerungen als vorläufig ausgewiesen.

Seit der Erstellung der Statistik für das Berichtsjahr 2013 erfolgen laufend Konsistenzanpassungen zur Annäherung der Daten an die Leistungs- und Strukturerhebung.

Seit 2015 gelangt eine überarbeitete, verbesserte Methode zur Erstellung der Unternehmensdemografie-Statistik zur Anwendung. Wesentliche Änderung war die nunmehrige Möglichkeit der Miterfassung kleiner und kleinster Unternehmen durch den Wegfall der Umsatzgrenze. Die Daten wurden bis einschließlich 2007 mit der neuen Methode rückgerechnet.