Methodik der Statistik zur Demografie von Arbeitgeberunternehmen

Methodikbericht

Datenquellen

Die Unternehmensregister der Bundesanstalt (Unternehmensregister für Zwecke der Verwaltung und statistisches Unternehmensregister) stellen die zentrale Datenbasis für die Arbeitgeberunternehmensdemografiestatistik dar.

Folgende Verwaltungsdatenquellen werden ergänzend (zur Vollständigkeitskontrolle sowie für die genaue Abgrenzung der demografischen Zeitpunkte von Unternehmen) genutzt:

  • Steuergrunddaten und Umsatzsteuerdaten aus den Umsatzsteuererklärungen, Umsatzsteuervoranmeldungen an die Finanzbehörden und Einkommensteuerdaten
  • Dienstgeberdaten und Beschäftigtendaten des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger

Als Jahr der Gründung wird jenes Jahr herangezogen, in dem das Unternehmen erstmals mindestens eine(n) unselbständig Beschäftigte(n) hatte und damit zum Arbeitgeberunternehmen wurde, umgekehrt wird das Jahr der Schließung mit jenem Jahr festgelegt, in dem das Arbeitgeberunternehmen letztmals unselbständig Beschäftigte hatte, unabhängig davon, ob das Unternehmen (ohne unselbständig Beschäftigte) weitergeführt wurde oder nicht.

Danach werden unechte Neugründungen und Schließungen über den paarweisen Vergleich von Name, wirtschaftlicher Haupttätigkeit und Adresse sowie manuelle Prüfungen ausgeschlossen.

Erhebungseinheit und Definitionen

Die Erhebungseinheit der Arbeitgeberunternehmensdemografie ist das Arbeitgeberunternehmen. Dieses ist definiert als eine rechtliche (organisatorische) Einheit zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen und verfügt insbesondere in Bezug auf die ihm zufließenden laufenden Mittel über eine gewisse Entscheidungsfreiheit. Das Arbeitgeberunternehmen kann seine Tätigkeit(en) an einem oder mehreren Standorten (Arbeitsstätten) ausüben.

Aktivität

Ein Arbeitgeberunternehmen gilt dann als wirtschaftlich aktiv, wenn es zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen 1.1. und 31.12. eines Berichtsjahres mindestens einen(n) unselbständig Beschäftigte(n) hat, unabhängig davon, ob das Arbeitgeberunternehmen das ganze Jahr oder nur Teile davon bestanden hat.

Neugründung eines Arbeitgeberunternehmens

Es können zwei Arten einer Arbeitgebergründung („Employer enterprise birth“) unterschieden werden:

  • Neugründung eines Unternehmens, das zum Zeitpunkt der Gründung mindestens einen unselbständig Beschäftigten hatte
  • „Entry by growth“, d.h. ein Unternehmen war schon ohne unselbständig Beschäftigte aktiv und erreicht im Referenzjahr die Schwelle von einem unselbständig Beschäftigten

Voraussetzung ist, dass das Unternehmen in den zwei dem Referenzjahr vorausgehenden Kalenderjahren keine unselbständig Beschäftigten hatte (Ausschluss einer Reaktivierung). Das Wachstum darf nicht auf die Übernahme eines Unternehmens mit Beschäftigten zurückgehen.

Schließung eines Arbeitgeberunternehmens

Es können zwei Arten einer Arbeitgeberschließung („Employer enterprise death“) unterschieden werden:

  • Schließung eines Unternehmens, das zum Zeitpunkt der Schließung zumindest einen unselbständig Beschäftigten hatte
  • „Exit by decline“, d.h. bei einem aktiven Arbeitgeberunternehmen fällt die Beschäftigtenzahl im Referenzjahr unter die Schwelle von einem unselbständig Beschäftigten

Voraussetzung ist, dass das Unternehmen auch in den zwei dem Referenzjahr nachfolgenden Kalenderjahren keine unselbständig Beschäftigten hatte (Ausschluss einer Reaktivierung).

Überleben

Ein Arbeitgeberunternehmen hat dann überlebt, wenn es im Jahr der Gründung und in den darauffolgenden Jahren wirtschaftlich aktiv im Sinne von Beschäftigung ist (also weiterhin mindestens einen unselbständig Beschäftigten hat).

Unselbständig Beschäftigte

Unselbständig Beschäftigte sind Angestellte, Arbeiter(innen) und Lehrlinge, welche in einem aufrechten Arbeitsverhältnis zum Unternehmen stehen und von diesem Lohn oder Gehalt beziehen. Das Beschäftigungsausmaß spielt dabei keine Rolle; es zählen daher auch Teilzeitbeschäftigte, geringfügig Beschäftigte, Saison- und Aushilfskräfte und Ferialpraktikanten und –praktikantinnen zu dieser Gruppe. Außerdem zählen auch im Urlaub oder Krankenstand befindliche Personen, im Mutterschutz befindliche Frauen sowie Personal auf Bau- und Montagestellen und vorübergehend im Ausland Tätige dazu, solange die Bezugsauszahlung vom Unternehmen erfolgt.

Beschäftigte

Die Zahl der Beschäftigten entspricht der Anzahl aller für die Beobachtungseinheit arbeitenden Personen (Selbständige und unselbständig Beschäftigte).

Darstellungsmerkmale

Die Statistik zur Demografie von Arbeitgeberunternehmen wird nach Wirtschaftszweigen und Rechtsform, nach Wirtschaftszweigen und Beschäftigtengrößenklasse, nach Wirtschaftszweigen und Bundesland, nach Wirtschaftszweigen und Geschlecht der selbständigen Erwerbsperson (bei Einzelunternehmen) sowie nach Umsatzsteuerklassen ausgewertet und dargestellt.

Wirtschaftszweige (gemäß ÖNACE 2008):

  • B Bergbau
  • C Herstellung von Waren
  • D Energieversorgung
  • E Wasserversorgung und Abfallentsorgung
  • F Bau
  • G Handel
  • H Verkehr
  • I Beherbergung und Gastronomie
  • J Information und Kommunikation
  • K Finanz- und Versicherungsleistungen (ohne K64.2 und K64.3)
  • L Grundstücks- und Wohnungswesen
  • M Freiberufliche/technische Dienstleistungen
  • N Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
  • P Erziehung und Unterricht
  • Q Gesundheits- und Sozialwesen
  • R Kunst, Unterhaltung und Erholung
  • S Sonst. Dienstleistungen

Rechtsformen:

  • Einzelunternehmen
  • Kapitalgesellschaften (AG, GmbH)
  • Personengesellschaften und andere Rechtsformen (OEG, KEG etc.)

Beschäftigtengrößenklassen:

  • 1-4 unselbständig Beschäftigte
  • 5-9 unselbständig Beschäftigte
  • 10 oder mehr unselbständig Beschäftigte

Bundesländer und NUTS3-Einheiten:

  • AT11 Burgenland
  • AT111 Mittelburgenland
  • AT112 Nordburgenland
  • AT113 Südburgenland
  • AT21 Kärnten
  • AT211 Klagenfurt-Villach
  • AT212 Oberkärnten
  • AT213 Unterkärnten
  • AT12 Niederösterreich
  • AT121 Mostviertel-Eisenwurzen
  • AT122 Niederösterreich-Süd
  • AT123 Sankt Pölten
  • AT124 Waldviertel
  • AT125 Weinviertel
  • AT126 Wiener Umland/Nordteil
  • AT127 Wiener Umland/Südteil
  • AT31 Oberösterreich
  • AT311 Innviertel
  • AT312 Linz-Wels
  • AT313 Mühlviertel
  • AT314 Steyr-Kirchdorf
  • AT315 Traunviertel
  • AT32 Salzburg
  • AT321 Lungau
  • AT322 Pinzgau-Pongau
  • AT323 Salzburg und Umgebung
  • AT22 Steiermark
  • AT221 Graz
  • AT222 Liezen
  • AT223 östliche Obersteiermark
  • AT224 Oststeiermark
  • AT225 West- und Südsteiermark
  • AT226 Westliche Obersteiermark
  • AT33 Tirol
  • AT331 Außerfern
  • AT332 Innsbruck
  • AT333 Osttirol
  • AT334 Tiroler Oberland
  • AT335 Tiroler Unterland
  • AT34 Vorarlberg
  • AT341 Bludenz-Bregenzer Wald
  • AT342 Rheintal-Bodenseegebiet
  • AT13 Wien

Geschlecht des Unternehmers:

  • Männlich
  • Weiblich

Umsatzsteuerklassen (in EUR):

  • 0-7.500
  • 7.500-21.999
  • 22.000-49.999
  • 50.000-99.999
  • 100.000-299.999
  • 300.000-999.999
  • 1.000.000 und mehr

Behandlung vertraulicher Daten

Daten, die sich auf weniger als drei Beobachtungseinheiten (Unternehmen) beziehen, werden unterdrückt und stattdessen im entsprechenden Feld mit einem „G" ausgewiesen (primäre Geheimhaltung). Darüber hinaus sind zusätzlich Ergebnisse für mehr als zwei Meldeeinheiten zu unterdrücken, um zu verhindern, dass durch Differenzbildung gegenüber Summen (Aggregaten) auf durch primäre Geheimhaltung unterdrückte Ergebnisse geschlossen werden kann oder diese errechnet werden können (defensive oder sekundäre Geheimhaltung). Einzige Ausnahme bildet die Anzahl der statistischen Einheiten selbst: Für diese Variable wird auf eine Unterdrückung verzichtet, da keine Schutzwürdigkeit angenommen wird.

Hinweis

Die Schließungszahlen der jeweils letzten beiden Berichtsjahre (hier: 2016 und 2017) sowie die Neugründungs-, Bestands- und Überlebenszahlen des aktuellsten Berichtsjahres (hier: 2017) werden bedingt durch die relativ späte zeitliche Verfügbarkeit der zugrundeliegenden Verwaltungsdatenquellen und den damit verbundenen Verzögerungen als vorläufig ausgewiesen.

Seit 2015 gelangt eine überarbeitete, verbesserte Methode zur Erstellung der Unternehmensdemografie-Statistik zur Anwendung. Wesentliche Änderung war die nunmehrige Möglichkeit der Miterfassung kleiner und kleinster Unternehmen durch den Wegfall der Umsatzgrenze. Die Daten wurden bis einschließlich 2007 mit der neuen Methode rückgerechnet. Für die Schließungen war die Rückrechnung der neuen Methode für die Jahre 2007 bis 2009 im Nachhinein nur eingeschränkt möglich, wodurch es im Jahr 2010 zu einem Zeitreihenbruch kommt. Außerdem erfolgten ab dem Berichtsjahr 2016 weitere Konsistenzanpassungen zur Annäherung der Daten an die Leistungs- und Strukturerhebung.

Die Konzepte und Begriffe der Unternehmensdemografie können im von Eurostat und der OECD gemeinsam entwickelten Manual on Business Demography Statistics nachgelesen werden.