Produktion und Bauwesen

Grundsätzliche Information

Der Bereich „Produktion und Bauwesen“ erstreckt sich auf alle Wirtschaftsbereiche, die bis Dezember 2007 den Abschnitten der ÖNACE 2003

  • Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden (Abschnitt C der ÖNACE 2003),
  • Sachgütererzeugung (Abschnitt D der ÖNACE 2003),
  • Energie- und Wasserversorgung (Abschnitt E der ÖNACE 2003) und
  • Bauwesen (Abschnitt F der ÖNACE 2003)

bzw. ab Jänner 2008 den Abschnitten der ÖNACE 2008

  • Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden (Abschnitt B der ÖNACE 2008),
  • Herstellung von Waren (Abschnitt C der ÖNACE 2008),
  • Energieversorgung (Abschnitte D der ÖNACE 2008),
  • Wasserversorgung; Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen (Abschnitt E der ÖNACE 2008) und
  • Bau (Abschnitt F der ÖNACE 2008)

zuzuordnen waren (sind).

Die Abschnitte C bis F der ÖNACE 2003 werden auch oft unter dem Begriff „Produzierender Bereich“ zusammengefasst; Abschnitte C bis E der ÖNACE 2003 werden unter dem Begriff „Sachgüterbereich“ subsumiert. Gemäß der ab dem Jahr 2008 geltenden Systematik der Wirtschaftstätigkeiten – ÖNACE 2008 – erstreckt sich der „Produzierenden Bereich“ auf die Abschnitt B bis F der ÖNACE 2008, der „Sachgüterbereich“ auf die Abschnitte B bis E der ÖNACE 2008.

Die Grundgesamtheit für die statistischen Erhebungen des Produzierenden Bereichs umfasst alle aktiven Unternehmen aus dem Unternehmensregister der Statistik Austria, die den Abschnitten C bis F der ÖNACE 2003 bzw. den Abschnitten B bis F der ÖNACE 2008 zugeordnet waren (sind), d.s. etwa 58.000 oder 14% aller im Unternehmensregister erfassten Unternehmen (einschließlich ihrer organisatorischen Teile in Form der zugehörigen Betriebe und Arbeitsstätten).

In den Auswahlrahmen sind nur Marktproduzenten der angeführten Wirtschaftsbereiche einzubeziehen. Gemäß ESVG 1995 sind Marktproduzenten dadurch gekennzeichnet, dass mehr als 50% der Produktionskosten durch Umsätze gedeckt sein müssen, andernfalls ist die statistische Einheit als Nichtmarktproduzent (non-profit-Organisationen, Organisation ohne Erwerbszweck) nicht zu berücksichtigen.

Das in sich konsistente, kohärente statistische Konzept des Produzierenden Bereichs in Form der Nutzung von Synergieeffekte zwischen sekundärstatistischen Quellen, verfügbaren Verwaltungsquellen (Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträge und Finanzbehörden) und statistischen Schätzmethoden führt zu nicht unbeträchtlichen Kosten- und Ressourcenminimierungen, Vermeidung von Doppelbelastungen der Respondenten durch unterschiedliche Erhebungen, aber insbesondere im Rahmen der Darstellung zur Erzielung homogener Ergebnisse zwischen den einzelnen wirtschaftsstatistischen Erhebungen.

Das Unternehmen stellt im Rahmen des EU-harmonisierten Konzeptes die zentrale Erhebungseinheit dar und wird insbesondere zur Darstellung von Umsatzdaten herangezogen. Für bestimmte Merkmale (wie z.B. Produktion, Arbeits- und Auftragsvolumina) sowie zum Zwecke einer regionalisierten Betrachtung gilt speziell der Betrieb als Beobachtungseinheit. Andere Merkmale (Beschäftigte und Arbeitskosten) werden sowohl auf Unternehmens- als auch Betriebsebene erfragt.

Die schwerpunktmäßigen Projekte in diesem Bereich sind im Besonderen:

  • Konjunkturstatistik: Diese Statistik bildet eine der wesentlichen Grundlagen zur Beobachtung des Konjunkturzyklus und stellt für Politiker und staatliche Stellen auf nationaler wie auch europäischer Ebene, ebenso wie für die Europäische Zentralbank die Basisinformationen für wirtschaftspolitische Entscheidungen dar. Auch die Marktproduzenten selbst haben in vermehrtem Ausmaß Entscheidungen nicht nur hinsichtlich der Kapazitätsanpassung, sondern vor allem auch in Bezug auf die grenzüberschreitende Standortwahl im Hinblick auf die Erschließung neuer Märkte zu treffen.
  • Leistungs- und Strukturstatistik: Diese Statistik, die nicht nur in Österreich, sondern auch EU-weit verbindlich vorgeschrieben ist, ermöglicht eine ausführliche Information über die Unternehmens- und Betriebsstrukturen, die regionale Verteilung der Arbeitsstätten sowie die wirtschaftliche Entwicklung österreichischer Unternehmen und liefert eine der wesentlichsten Datenquellen für die Erstellung der Produktionskonten in der jährlichen Volkswirtschaftlichen und Regionalen Gesamtrechung. Die Information über die Struktur, Tätigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Leistung der Unternehmen auf nationaler und internationaler Ebene dienen darüber hinaus der Beobachtung des europäischen Binnenmarktes und bilden damit nicht zuletzt eine essentielle und zuverlässige Grundlage für die Arbeit der Europäischen Kommission.
  • Gütereinsatzstatistik: Diese Statistik hat die Erfassung und Darstellung der Grund- und Rohstoffe, sonstiger fertig bezogener Vorprodukte (Halbfabrikate und für den Einbau bestimmte Fertigerzeugnisse), Hilfsstoffe sowie ausgewählter Betriebsstoffe, die innerhalb eines Berichtszeitraumes zur Erfüllung des wirtschaftlichen Zwecks (der Produktion von Gütern oder der Erbringung von industriellen Dienstleistungen) benötigt werden, zum Inhalt. Die Notwendigkeit und der Zweck liegt hier nicht nur in der Errechung volkswirtschaftlicher und umweltrelevanter Größen, sondern gibt auch Aufschluss über den branchenspezifischen Güterkreislauf und dient somit auch den Unternehmen als Zusatzinformation zu möglichen betriebswirtschaftlichen Planungen.
  • Eisen- und Stahlstatistik: Diese Statistik liefert den Unternehmen der Stahlindustrie verfügbare Informationen über Investitionen, Kapazitäten und Marktvolumen, um mögliche zukünftige Unter- bzw. Überkapazitäten bei bestimmten Stahlerzeugnissen feststellen zu können.

Gerade im Produzierenden Bereich bemüht man sich zur Qualitätssicherung bzw. zur Respondentenentlastung um eine effiziente Nutzung von Synergieeffekten zwischen den einzelnen statistischen Erhebungen, von verfügbaren Verwaltungsquellen (Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und Finanzbehörden) und von statistischen Schätzmethoden.

Des Weiteren ist anzumerken, dass im Bereich „Produktion und Bauwesen“ nicht nur physische Güter, sondern auch industrielle Dienstleistungen „produziert“ werden, und diese somit relevant für die strukturelle Darstellung dieses Bereichs sind.

Prinzipiell werden die Ergebnisse aus den Erhebungen nach zwei verschiedenen Kriterien ausgearbeitet, einerseits nach dem Aktivitäts-, und andererseits nach dem Güteransatz:

  • Die Auswertung nach dem Aktivitätsansatz basiert auf der Klassifikation der Wirtschaftstätigkeiten (ÖNACE 2003 bzw. ÖNACE 2008) und geht davon aus, dass Merkmalsgruppen nach den Erhebungseinheiten Unternehmen und Betrieb in Verbindung mit der schwerpunktmäßigen Aktivität derselben dargestellt werden. Somit werden auch die Nebentätigkeiten einer Meldeeinheit in den darzustellenden Ergebnissen subsumiert.
  • Der Güteransatz hingegen stützt sich auf die Güterklassifikation (ÖPRODCOM) und legt nur die für eine bestimmte Wirtschaftsaktivität charakteristische Produktion zugrunde. Es folgt daher im Falle des Güteransatzes die Aggregation über alle gleichartig klassifizierten Güter, unabhängig von der Klassifikation ihrer Meldeeinheiten, welche diese Güter erzeugt haben.

Verwendete Klassifikationen

Bei den Projekten im Produzierenden Bereich werden folgende Klassifikationen verwendet:

  • NACE Rev. 1.1 bzw. NACE Rev2 als Systematiken der Wirtschaftstätigkeiten in der Europäischen Gemeinschaft und ÖNACE 2003 bzw. ÖNACE 2008 als die um 722 bzw. 701 Unterklassen tiefer gegliederte (österreichische) Versionen der NACE Rev. 1.1 bzw. NACE Rev. 2.
  • ÖCPA 2002 bzw. ÖCPA 2008 - Gütersystematik nach Wirtschaftszweigen in Österreich: Es handelt sich hierbei um die erweiterten österreichischen Varianten der CPA 2002 bzw. CPA 2008 (Classification of Products by Activities).
  • ÖPRODCOM: Die österreichische Version der PRODCOM-Liste enthält zum gegenwärtigen Zeitpunkt im Gegensatz zur PRODCOM-Liste nicht nur definierte Güterpositionen für die Abteilungen 37, 41 und 45 der NACE Rev. 1.1 bzw. für die Abteilungen 35 bis 43 der NACE Rev. 2, sondern auch über die ÖCPA hinausgehende Positionen für industrielle Dienstleistungen, vor allem jedoch auch Positionen für Anlagen und so genannte „produktbegleitende Dienstleistungen“ auf unterschiedlicher ÖCPA-Ebene im Sinne der Wirtschaftstätigkeiten der Abschnitte G bis O der NACE Rev. 1.1 bzw. der Abschnitte G bis N und Abteilung 95 der NACE Rev. 2. Damit kann die gesamte Produktion bzw. der gesamte Umsatz einer statistischen Einheit erfasst werden.
  • NUTS: Klassifikation der Gebietseinheiten für die Statistik zur regionalen Darstellung.

Einen sehr guten Überblick über nationalen und internationalen Klassifikationen bietet auch die Klassifikationsdatenbank der STATISTIK AUSTRIA.

Erhebungseinheiten

Als Erhebungseinheiten (statistische Einheiten im Sinne der RVO Nr. 696/93) werden in diesem Bereich das Unternehmen, die dazugehörenden Betriebe (fachliche Einheiten auf örtlicher Ebene) sowie deren Arbeitsstätten (örtliche Einheiten) herangezogen.

In den wirtschaftsstatistischen Projekten des Produzierenden Bereichs werden im Besonderen folgende Erhebungseinheiten herangezogen:

Erhebungseinheiten in wirtschaftsstatistischen Projekten
Projekte Erhebungseinheiten
KonjunkturstatistikUnternehmen, Betriebe
Leistungs- und StrukturstatistikUnternehmen, Betriebe, Arbeitsstätten
GütereinsatzstatistikEinbetriebsunternehmen, Betriebe von Mehrbetriebsunternehmen
Eisen- und StahlstatistikUnternehmen der ÖNACE 2008-Gruppe 24.1, Betriebe von Mehrbetriebsunternehmen

Das Unternehmen entspricht einer rechtlichen Einheit, welche eine organisatorische Einheit zur Erzeugung von Waren und Dienstleistungen bildet und insbesondere in Bezug auf die Verwendung der ihr zufließenden laufenden Mittel über eine gewisse Entscheidungsfreiheit verfügt. Ein Unternehmen übt eine oder mehrere Tätigkeiten an einem oder mehreren Standorten aus. Unternehmen gleich zu halten sind gemäß Verordnung auch Arbeitsgemeinschaften (ARGEN) sowie Betriebe gewerblicher Art von Körperschaften öffentlichen Rechts.

Eine Arbeitsgemeinschaft ist eine einmalige, auf gewisse Dauer oder auch unbeschränkte Zeit eingegangene vertragliche Bindung mehrerer Unternehmen (in der Regel in Form einer Gesellschaft nach bürgerlichem Recht) zur Durchführung größerer Projekte, wobei die kaufmännische Leitung (kaufmännische Federführung) einem Unternehmen obliegt.

Unter Betriebe gewerblicher Art von Körperschaften öffentlichen Rechts ist gemäß § 2 KStG 1988 jede Einrichtung zu verstehen, die

  • wirtschaftlich selbständig ist und ausschließlich oder überwiegend einer nachhaltigen privatwirtschaftlichen Tätigkeit von wirtschaftlichem Gewicht sowie
  • zur Erzielung von Einnahmen oder im Fall des Fehlens der Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr von anderen wirtschaftlichen Vorteilen

dient und nicht der Land- und Forstwirtschaft zuzurechnen ist. Die Absicht, Gewinn zu erzielen, ist nicht erforderlich. Die Tätigkeit der Einrichtung gilt stets als Gewerbebetrieb. Zu den Betrieben gewerblicher Art zählen auch Versorgungsbetriebe einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zur Versorgung mit Wasser, Gas, Elektrizität oder Wärme, wenn sie organisatorisch zusammengefasst sind und unter einheitlicher Leitung stehen.

Der Betrieb, als fachliche Einheit, fasst als operationelle Unterabteilung innerhalb eines Unternehmens sämtliche Teile zusammen, die zur Ausübung einer Tätigkeit auf der Ebene der (vierstelligen) Klasse der Systematik der Wirtschaftstätigkeiten (ÖNACE 2003 bzw. ÖNACE 2008) beitragen. Dabei handelt es sich um eine Einheit, die einer oder mehreren operationellen Unterabteilungen des Unternehmens entspricht. Das Unternehmen muss über ein Informationssystem verfügen, das es ermöglicht, für jeden Betrieb zumindest den Wert der Produktion und der Vorleistungen, die Personalkosten und den Betriebsüberschuss sowie Beschäftigung und Bruttoanlageinvestitionen festzustellen und zu berechnen.

Die Arbeitsstätte (örtliche Einheit) ist ein an einem räumlich festgestellten Ort gelegener Teil eines Unternehmens (z.B. Verkaufsladen, Büro, Lager, Werkstätte). An diesem Ort oder von diesem Ort aus werden Wirtschaftstätigkeiten ausgeübt für die – mit Ausnahmen – eine oder mehrere Personen (unter Umständen auch zeitweise) im Auftrag ein und desselben Unternehmens arbeiten.

Geheimhaltung

Die Veröffentlichung von Ergebnissen erfordert auf nationaler Ebene aufgrund lang geübter Praxis:

  1. dass sich die Erhebung für den jeweiligen Wirtschaftszweig auf mindestens vier Einheiten bzw. ab dem Berichtsjahr 2008 auf mindestens drei Einheiten (dem Datenfeld zugrunde liegende Anzahl der Fälle – i.d.R. Meldeeinheiten) bezieht und der Veröffentlichung daher mindestens Informationen von vier bzw. drei Einheiten zugrunde gelegt werden können – andernfalls sind deren Ergebnisse zu unterdrücken und statt dessen im entsprechenden Feld ein „G" auszuweisen (primärer Datenschutz, aktive Geheimhaltung).
  2. dass von einem Unternehmen nicht eine grundsätzliche Marktdominanz geltend gemacht und nachgewiesen wird. International wird eine Marktdominanz dann angenommen, wenn:
    1. auf eine einzelne Einheit 80 % oder mehr des Gesamtumsatzes des Wirtschaftszweiges entfällt oder
    2. wenn zwei dominierende Firmen zusammen 85 % oder mehr des Gesamtumsatzes des Wirtschaftszweiges erwirtschaften.
  3. dass darüber hinaus zusätzlich Ergebnisse für mehr als drei bzw. zwei Meldeeinheiten zu unterdrücken sind, um zu verhindern, dass durch Differenzbildung gegenüber Summen (Aggregaten) auf durch primäre Geheimhaltung unterdrückte Ergebnisse geschlossen werden kann oder diese errechnet werden können (defensive oder sekundäre Geheimhaltung).

Die Geheimhaltungsbestimmungen werden je Auswertung angewandt (das Kriterium der Marktdominanz wird in der Regel nur einmal pro Jahr auf Antrag der Meldeeinheit geprüft). Das bedeutet, dass sowohl in den Publikationen der einzelnen Monate (1. Aufarbeitung - vorläufige Ergebnisse) als auch in der Präsentation der Jahresergebnisse (2. Aufarbeitung - endgültige Ergebnisse) verschiedene Daten und Datenaggregate geheim zu halten sind.