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Kritik am Preisindex für Pensionistenhaushalte (PIPH) ist völlig unberechtigt

Wien, 2007-09-25 –Von den Versicherungsfachleuten Helmut Holzer und Franz Walter Pagler wurde in letzter Zeit mehrfach die Qualität des Preisindex für Pensionistenhaushalte (PIPH) angezweifelt und die Objektivität und Unabhängigkeit der Bundesanstalt Statistik Austria in Zweifel gezogen. So erklärte Herr Holzer am 24.9.2007 im ORF-Hörfunk, der PIPH wurde "aufgrund einer mehr oder minder Vorgabe der Pensionisten“ erstellt und sei daher "kein wirklich objektiver Index". Der Generaldirektor der Statistik Austria, Univ.-Prof. Dr. Peter Hackl, weist diese Aussagen auf das Schärfste zurück: „Die Statistik Austria ist durch das Bundesstatistikgesetz zu Objektivität und Unabhängigkeit verpflichtet und hat diese Verpflichtung stets eingehalten. Das gilt auch für den PIPH, der nach international anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen und Standards erstellt wird, die auf der Homepage der Statistik Austria für alle Interessierten offengelegt sind.“

Dass die Statistik Austria die Grundsätze der Objektivität und Unabhängigkeit eingehalten hat, wurde in allen jährlichen Berichten des Statistikrates an den Bundeskanzler und das österreichische Parlament bestätigt. Auch in der Beurteilung durch ein „peer reviewing“ im Rahmen der EU wurden der Statistik Austria im November 2006 beste Noten für die Punkte Unabhängigkeit sowie Unparteilichkeit und Objektivität gegeben. Die Statistik Austria gehört überdies innerhalb der EU zu den am besten bewerteten Instituten der Amtlichen Statistik. „Gerade von Versicherungsfachleuten, die eine so große Verantwortung für das Pensionssystem in Österreich tragen, sollte ein sorgfältiger Umgang mit dem guten Ruf einer Institution wie der Statistik Austria selbstverständlich sein“, erklärt Dr. Hackl.

Der Preisindex für Pensionistenhaushalte (PIPH), der von der Statistik Austria im Auftrag des Österreichischen Seniorenrates und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz (BMSGK) ermittelt wird, ist ein seriös und objektiv berechnetes Instrument zur Messung der Inflationsrate für Pensionistenhaushalte. Der PIPH ist nach international anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen konstruiert und keineswegs nach etwaigen Vorgaben der Auftraggeber.

Dem Vorwurf, dass die Berechnung des PIPH nicht nachvollziehbar ist, muss entgegnet werden, dass für den PIPH prinzipiell die gleichen Veröffentlichungsstandards gelten wie für den Verbraucherpreisindex (VPI). Alle Detailinformationen (z. B. Gewichtung), die regelmäßig für den VPI zur Verfügung gestellt werden, sind auch für den PIPH veröffentlicht. Die Erstellung der Gewichtung des PIPH wurde in zahlreichen Artikeln, in Vorträgen und Pressekonferenzen zur Diskussion gestellt und ist auf den Internetseiten der Statistik Austria dokumentiert. Weiters haben zahlreiche Arbeitsgruppenbesprechungen stattgefunden, an denen Vertreter und Vertreterinnen der Sozialpartner, von Forschungsinstituten, der Nationalbank und der Ministerien anwesend waren. In diesen Sitzungen wurde der PIPH diskutiert und kritisch beleuchtet.

Erstellung und Methodik des PIPH

Der PIPH ist eine Adaptierung des VPI: Er verwendet dieselben Preismessungen wie der VPI, jedoch jene Gewichte der Ausgaben, die den durchschnittlichen Verbrauchsausgaben von Pensionistenhaushalten gemäß der letzten Konsumerhebung der Statistik Austria entsprechen; der VPI geht hingegen von den durchschnittlichen Verbrauchsausgaben sämtlicher Privathaushalte aus. Zur Ermittlung der Konsumausgaben für Pensionistenhaushalte wurden einerseits die Gewichtsstruktur des VPI 2005 und andererseits eine Sonderauswertung der Konsumerhebung 2004/2005 verwendet. Aus dieser wurden jene Haushalte gefiltert, in denen der Hauptverdiener Pensionist ist und somit betragsmäßig am meisten zum Haushaltseinkommen beitrug. Dabei wurden nicht nur Haushalte einbezogen, in welchen ausschließlich Pensionisten leben, sondern auch solche, die von anderen Personen mit eigenem (jedoch geringem Einkommen) bewohnt werden. Es wurden keine Einkommensgrenzen gezogen, und die Aufzeichnungen aller Haushaltsbudgets in unterschiedlicher Höhe wurden somit berücksichtigt.

Mit Hilfe der Ergebnisse aus dieser Sonderauswertung der Konsumerhebung wurde eine Gewichtsstruktur für den PIPH erstellt, welche zur Aggregierung verwendet wird. Hauptquellen für die Gewichtung des PIPH waren das Gewichtungsschema des VPI 2005 und die Aufzeichnungen aus 2.303 österreichischen Pensionistenhaushalten im Rahmen der Konsumerhebung 2004/2005. Ergänzend wurden Daten über den privaten Konsum aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und weitere administrative Quellen für die Erstellung des spezifischen Ausgabenschemas des PIPH herangezogen. Die nachstehende Tabelle zeigt die Gewichtsanteile des PIPH 2005 sowie des VPI 2005 auf COICOP-Hauptgruppen-Ebene.

PIPH 2005 und VPI 2005 - Gewichtung der 12 COICOP*) - Hauptgruppen in Prozentpunkten
Hauptgruppen nach COICOPPIPH 2005VPI 2005
01Nahrungsmittel und Alkoholfreie Getränke13,2712,23
02Alkoholische Getränke und Tabak2,632,86
03Bekleidung und Schuhe4,945,46
04Wohnung, Wasser, Energie17,2917,92
05Hausrat und laufende Instandhaltung des Hauses7,628,39
06Gesundheitspflege9,084,64
07Verkehr12,2215,13
08Nachrichtenübermittlung2,372,66
09Freizeit und Kultur11,5012,42
10Erziehung und Unterricht0,231,10
11Restaurants und Hotels5,907,28
12Verschiedene Waren und Dienstleistungen12,959,91
 Gesamt100,00100,00

Die einzelnen Positionen (770 Waren und Dienstleistungen) des Warenkorbes des PIPH entsprechen 1:1 dem des österreichischen Verbraucherpreisindex (VPI 2005=100). Sie unterscheiden sich lediglich durch ihre Bedeutung für den Gesamtindex. Für die monatliche Berechnung des PIPH wird die gesamte Preisdatenmasse des VPI herangezogen, das sind monatlich rund 40.000 Preise in 4.200 Geschäften, die sowohl Güter des täglichen Bedarfs (z.B. Butter, Milch, Seife) als auch langlebige Gebrauchsgüter (z.B. Kfz-Neuwagen, Haushaltsgeräte) und Dienstleistungen (z.B. Arztleistungen, Friseur, Seniorenheime) abdecken. Die monatliche Auswahl der Waren und Dienstleistungen erfolgt identisch mit dem VPI, d.h. es fließen dieselben Preisänderungen, Ersatzprodukte und Geschäftsaktualisierungen in den PIPH ein.

Weiterführende Hinweise

Für Rückfragen zu diesem Thema stehen Ihnen in der Direktion Volkswirtschaft der Statistik Austria Helga SCHIMAK, Tel. (01) 71128-8069 bzw. helga.schimak@statistik.gv.at, oder  
Mag. Alexandra BEISTEINER, Tel. (01) 71128-8067 bzw. alexandra.beisteiner@statistik.gv.at gerne zur Verfügung.

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