Öffentliche Finanzen 2018: Die Staatseinnahmenquote steigt  und die Staatsausgabenquote sinkt, der Öffentliche Überschuss liegt bei 0,2% des BIP

Im Jahr 2018 gab es - erstmals seit 1974 - einen öffentlichen Überschuss, und zwar von 0,2% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. 763 Mio. Euro (2017: Defizit von 0,7% des BIP bzw. 2,8 Mrd. Euro). Die Staatsausgaben stiegen im Vergleich zu 2017 um 3,2% bzw. 5,8 Mrd. Euro, die Staatseinnahmen wuchsen um 5,2% bzw. 9,3 Mrd. Euro. In Relation zum BIP ergaben sich daher folgende Staatsquoten für 2018: Einnahmen 48,8% (2017: 48,4%), Ausgaben 48,6% (2017: 49,1%), Überschuss 0,2% (2017: Defizit 0,7%).

Die Detaildaten zu diesen Quoten stammen aus der September 2019-Rechnung von Statistik Austria über die Öffentlichen Finanzen mit Stand 30. September 2019. Grundlage für das Berichtsjahr 2018 sind die endgültigen Rechnungsabschlüsse des Bundes, der Länder, Wiens und der Gemeinden, die endgültige Finanzstatistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger sowie Informationen zu außerbudgetären Einheiten.

Die Staatsausgaben (insgesamt 187,6 Mrd.  Euro) stiegen im Jahr 2018 um 3,2% oder 5,8 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahr. 44,8% der Ausgaben des Staates entfielen 2018 auf Sozialausgaben, die gegenüber dem Vorjahr um 2,6% anzogen. Die nächstgrößeren Positionen waren mit einigem Abstand der Personalaufwand mit 21,5% (+3,1% bzw. 1,2 Mrd. Euro) und der Sachaufwand mit rund 13,7% (+3,8% bzw. 900 Mio. Euro). Förderungen hatten einen Anteil von 10,6% an den Staatsausgaben. Ihr markanter Anstieg im Jahr 2018 (+11,3% bzw. 2,0 Mrd.  Euro) lässt sich vor allem auf die Entwicklung des Beitrags an die EU zurückführen, der um rund 850 Mio.  Euro stieg, nachdem er im Vorjahr um rund 300 Mio. Euro zurückgegangen war. Die Investitionen blieben 2018 mit 11,4 Mrd. Euro auf dem Niveau von 2017. Dies ist vor allem auf geringere Ausgaben für Investitionen bei den sonstigen Landeseinheiten (insbesondere bei den Spitälern) und der Sozialversicherung zurückzuführen. Die Zinsausgaben waren auch 2018 stark rückläufig (-7,8% bzw. rund 500 Mio. Euro).

Die Staatseinnahmen 2018 (insgesamt 188,4 Mrd. Euro) stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Mrd. Euro oder 5,2%. 87,3% der Einnahmen stammten aus Steuern und Sozialbeiträgen, die 2018 in Summe 164,5 Mrd.  Euro betrugen (+5,2% bzw. 8,2 Mrd. Euro). Bei den Produktions- und Importabgaben (inklusive Mehrwertsteuer) lag die Steigerungsrate 2018 bei 2,5% bzw. 1,3 Mrd. Euro. Die Einnahmen aus Einkommen- und Vermögensteuern zeigten 2018 einen besonders starken Anstieg (+8,5% bzw. 4,1 Mrd. Euro), der vor allem auf die Steigerungen bei der Lohnsteuer um 1,9 Mrd. Euro und der Körperschaftssteuer um 1,2 Mrd. Euro gegenüber 2017 zurückzuführen ist. Das Lohnsteueraufkommen 2018 (28,3 Mrd. Euro, +7,1%) lag nur knapp unter jenem vor der Steuerreform (2015: 28,4 Mrd. Euro).Die Sozialbeiträge erhöhten sich um 4,8% bzw. 2,8 Mrd. Euro. 8,6% der Staatseinnahmen stammten aus den Produktionserlösen, die 2018 16,3 Mrd. Euro ausmachten.

Andere Aggregate auf der Einnahmenseite spielen nur eine untergeordnete Rolle. So ergaben sich sonstige laufende Transfers in Höhe von 3,9 Mrd. Euro und Vermögenseinkommen in Höhe von 3,2 Mrd. Euro. Weitere Informationen finden Sie unter Steuereinnahmen und Sozialbeiträge des Staates.

Quartalsdaten: Öffentlicher Haushalt im dritten Quartal 2019 wieder im Plus

Im dritten Quartal 2019 war der öffentliche Haushalt mit einem Überschuss von 2,0 Mrd. Euro bzw. 2,0% des vierteljährlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP, Schätzung des WIFO) wieder positiv. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von 0,3% des BIP (2018Q3: öffentlicher Überschuss von 1,6 Mrd Euro bzw. 1,7% des BIP). Während die Staatseinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 2,9% bzw. 1,3 Mrd. Euro anstiegen (2019Q3: 47,8 Mrd. Euro, 2018Q3: 46,4 Mrd. Euro), steigerten sich die Staatsausgaben um nur 2,1% bzw. 0,9 Mrd. Euro (2019Q3: 45,8 Mrd. Euro, 2018Q3: 44,8 Mrd. Euro). Das BIP steigt im selben Zeitraum um 3,2% bzw. 3,1 Mrd. Euro (2019Q3: 99,5 Mrd. Euro, 2018Q3: 96,4 Mrd. Euro).

Vergleichen wir die ersten drei Quartale 2019 mit denen des Vorjahres, so gab es im Q1-3 2019 einen Öffentlichen Überschuss von 2,1 Mrd. Euro bzw. 0,7% des BIP,  im Q1-3 2018 war der Öffentliche Überschuss sogar noch höher: 2,2 Mrd. Euro bzw. 0,8% des BIP. Die Staatseinnahmen stiegen im Vergleich zu den ersten drei Quartalen 2018 um 3,2% bzw. 4,4 Mrd. Euro (Q1-3 2019: 141,4 Mrd. Euro, Q1-3 2018: 137,0 Mrd. Euro), im selben Zeitraum vermehrten sich die Staatsausgaben um 3,4% bzw. 4,6 Mrd. Euro (Q1-3 2019: 139,4 Mrd. Euro, Q1-3 2018: 134,8 Mrd. Euro). Das BIP stieg in den ersten drei Quartalen 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 3,5% bzw. 10,0 Mrd. Euro (Q1-3 2019: 294,8 Mrd. Euro, Q1-3 2018: 284,8 Mrd. Euro).

Die Detaildaten zu diesen Ergebnissen stammen aus der Quartalsrechnung Staat der Statistik Austria und geben den Stand am 30. Dezember 2019 wieder. Grundlage für das Berichtsquartal 2019Q3 sind die vorläufigen Rechnungsabschlusszahlen des Bundes, der Länder und der Gemeinden sowie die vorläufige Finanzstatistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. Sonstige Einheiten des Sektors Staat werden auf Basis vorhandener Informationen geschätzt.

88% der Staatseinnahmen im dritten Quartal 2019 stammten aus Steuern und Sozialbeiträgen, die in Summe 42,0 Mrd. Euro ausmachten. Die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr betrug hier 3,7% bzw. 1,5 Mrd. Euro.

Die wertmäßig größten Steigerungen auf der Einnahmenseite waren in den ersten drei Quartalen 2019 bei den Tatsächlichen Sozialbeiträgen (5,2% bzw. 2,2 Mrd. Euro) und bei den Einkommen- und Vermögensteuern (4,5% bzw. 1,7 Mrd. Euro) zu verzeichnen. Die Wertzuwächse bei den Einkommen- und Vermögensteuern resultieren vor allem aus der Lohnsteuer (4,9% bzw. 1,0 Mrd. Euro), aus der Körperschaftsteuer (4,3% bzw. 0,3 Mrd. Euro) und aus der Einkommensteuer (8,2% bzw. 0,3 Mrd. Euro).

Im dritten Quartal 2019 entfielen 44% der Staatsausgaben auf Sozialleistungen (monetäre und Sachleistungen), 22% auf Personalaufwand und 13% auf Vorleistungen, alle anderen Ausgabenpositionen blieben unter 7%.

Die wertmäßig größten Erhöhungen der Staatsausgaben in den ersten drei Quartalen 2019 sind bei den monetären Sozialleistungen (2,5%, bzw. 1,3 Mrd. Euro) und bei den Sonstigen laufenden Transfers (23,4%, bzw. 1,6 Mrd. Euro) zu verzeichnen.

Einnahmen und Ausgaben des Staates, Jahresdaten
Struktur der Einnahmen und Ausgaben des Staates, konsolidiert, Jahresdaten
Einnahmen des Staates, Quartalsdaten 2001 bis 2019
Ausgaben des Staates, Quartalsdaten 2001 bis 2019

Staatsquoten 1995 - 2018


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