Öffentliche Finanzen 2019: Die Staatseinnahmenquote steigt und die Staatsausgabenquote sinkt, der Öffentliche Überschuss liegt bei 0,7% des BIP

Im Jahr 2019 war – zum zweiten Mal in Folge – ein öffentlicher Überschuss zu verzeichnen, und zwar von 0,7% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. 2,7 Mrd. Euro (2018: Überschuss von 0,2% des BIP bzw. 0,7 Mrd. Euro). Die Staatsausgaben stiegen im Vergleich zu 2018 um 2,5% bzw. 4,8 Mrd. Euro, die Staatseinnahmen wuchsen um 3,6% bzw. 6,8 Mrd. Euro. In Relation zum BIP ergaben sich daher folgende Staatsquoten für 2019: Einnahmen 49,1% (2018: 48,9%), Ausgaben 48,4% (2018: 48,7%), Überschuss 0,7% (2018: 0,2%).

Die Detaildaten zu diesen Quoten stammen aus der September 2020-Rechnung von Statistik Austria über die Öffentlichen Finanzen mit Stand 30. September 2020. Grundlage für das Berichtsjahr 2019 sind die endgültigen Rechnungsabschlüsse des Bundes, der Länder, Wiens und der Gemeinden, die endgültige Finanzstatistik des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger sowie Informationen zu außerbudgetären Einheiten.

Die Staatsausgaben (insgesamt 192,5 Mrd. Euro) stiegen im Jahr 2019 um 2,5% oder 4,8 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr. 45,2% der Ausgaben des Staates entfielen 2019 auf die Sozialausgaben, die gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 3,5% auswiesen. Die nächstgrößeren Positionen waren mit einigem Abstand der Personalaufwand mit rund 22% (Steigerung um 3,4% bzw. 1,4 Mrd. Euro) und der Sachaufwand mit rund 14% (Steigerung 3,8% bzw. 1,0 Mrd. Euro). Förderungen haben einen Anteil an den Staatsausgaben von rund 10%. Die Investitionen zeigten 2019 einen Anstieg auf 12,1 Mrd. Euro. Die Zinsausgaben waren auch 2019 stark rückläufig (Rückgang um 10,2% bzw. rund 600 Mio. Euro).

Die Staatseinnahmen 2019 (insgesamt 195,2 Mrd. Euro) stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Mrd. Euro oder 3,6%. 87,5% der Staatseinnahmen stammten aus Steuern und Sozialbeiträgen, die 2019 in Summe 170,8 Mrd. Euro betrugen (+3,8% bzw. +6,3 Mrd. Euro). Bei den Produktions- und Importabgaben (inklusive Mehrwertsteuer) lag die Steigerungsrate 2019 bei 3,5% bzw. 1,8 Mrd. Euro. Die Einnahmen aus Einkommen- und Vermögensteuern zeigten 2019 einen starken Anstieg (Steigerung um 4,2% bzw. 2,2 Mrd. Euro), der vor allem auf Steigerungen gegenüber 2018 bei der Lohnsteuer um 1,3 Mrd. Euro und bei der veranlagten Einkommensteuer um 0,6 Mrd. Euro zurückzuführen ist. Das Lohnsteueraufkommen 2019 lag mit 29,6 Mrd. Euro (+4,5%) über jenem vor der Steuerreform 2016 (2015: 28,4 Mrd. Euro). Die Sozialbeiträge erhöhten sich um 4,1% bzw. 2,4 Mrd. Euro. 8,8% der Staatseinnahmen stammten aus den Produktionserlösen, die 2019 17,1 Mrd. Euro ausmachten.

Andere Aggregate auf der Einnahmenseite spielen nur eine untergeordnete Rolle. So ergaben sich sonstige laufende Transfers in Höhe von 3,7 Mrd. Euro und Vermögenseinkommen in Höhe von 2,9 Mrd. Euro. Weitere Informationen finden Sie unter Steuereinnahmen und Sozialbeiträge des Staates.

Quartalsdaten: Hohes Öffentliches Defizit im zweiten Quartal 2020

Im zweiten Quartal 2020 kam es zu einem öffentlichen Defizit in Höhe von 14,5 Mrd. Euro, das entspricht 16,8% des vierteljährlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP). Damit verschlechtert sich der Wert für das vergangene Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 18,5% (2019Q2: Öffentlicher Überschuss in Höhe von 1,7% des BIP bzw. 1,6 Mrd. Euro). Während die Staatseinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 12,8% bzw. 6,4 Mrd. Euro sanken (2020Q2: 43,6 Mrd. Euro, 2019Q2: 50,1 Mrd. Euro), vermehrten sich die Staatsausgaben um 20,0% bzw. 9,7 Mrd. Euro (2020Q2: 58,1 Mrd. Euro, 2019Q2: 48,4 Mrd. Euro). Das BIP fällt im selben Zeitraum um 13,1% bzw. 12,9 Mrd. Euro (2020Q2: 85,9 Mrd. Euro, 2019Q2: 98,8 Mrd. Euro).

Vergleichen wir das erste Halbjahr 2020 mit dem des Vorjahres, so wurde heuer ein öffentliches Defizit von 16,8 Mrd. Euro bzw. 9,4% des BIP verzeichnet, das ist eine Verschlechterung um 17,3 Mrd. im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 (1. Hj 2019: Öffentlicher Überschuss in Höhe von 0,5 Mrd. Euro bzw. 0,2% des BIP). Die Staatseinnahmen sanken im Vergleich zur ersten Hälfte 2019 um 6,4% bzw. 6,0 Mrd. Euro (1. Hj 2020: 88,0 Mrd. Euro, 1. Hj 2019: 94,0 Mrd. Euro), im selben Zeitraum erhöhten sich die Staatsausgaben um 12,0% bzw. 11,3 Mrd. Euro (1. Hj 2020: 104,8 Mrd. Euro, 1. Hj 2019: 93,6 Mrd. Euro). Das BIP ging in der ersten Jahreshälfte 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 7,9% bzw. 15,4 Mrd. Euro zurück (1. Hj 2020: 179,6 Mrd. Euro, 1. Hj 2019: 194,9 Mrd. Euro).

Die Detaildaten zu diesen Ergebnissen stammen aus der Quartalsrechnung Staat der Statistik Austria und geben den Stand am 30. September 2020 wieder. Grundlage für das Berichtsquartal 2020Q2 sind die vorläufigen Rechnungsabschlusszahlen des Bundes, der Länder und der Gemeinden sowie die vorläufige Finanzstatistik des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger. Sonstige Einheiten des Sektors Staat werden auf Basis vorhandener Informationen geschätzt.

Rund 87% der Staatseinnahmen im zweiten Quartal 2020 stammten aus Steuern und Sozialbeiträgen, die in Summe 38,1 Mrd. Euro ausmachten. Das ist gegenüber dem Vorjahr eine Verringerung um 12,3%, bzw. 5,3 Mrd. Euro.

Die wertmäßig größten Einbußen auf der Einnahmenseite waren im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr bei den Steuern zu verzeichnen: Bei den Einkommen- und Vermögensteuern (-21,5% bzw. -2,8 Mrd. Euro) betrifft dies vor allem die Körperschaftsteuer (-53,7% bzw. -1,1 Mrd. Euro) und die Einkommensteuer (-93,1% bzw. -1,1 Mrd. Euro). Der Rückgang bei den Produktions- und Importabgaben (-14,3% bzw. -2,0 Mrd. Euro) ist vor allem auf die Umsatzsteuer (-14,7% bzw. -1,1 Mrd. Euro) und die Mineralölsteuer (-32,4% bzw. -0,4 Mrd. Euro) zurückzuführen.

Im zweiten Quartal 2020 entfielen 42% der Staatsausgaben auf Sozialleistungen (monetäre und Sachleistungen), 19% auf Arbeitnehmerentgelte, 16% auf Subventionen und 10% auf Vorleistungen, alle anderen Ausgabenpositionen blieben unter 5%.

Die wertmäßig größte Erhöhung gegenüber dem Vorjahr auf der Ausgabenseite findet sich im zweiten Quartal 2020 bei den Subventionen (+575,9%, bzw. +8,0 Mrd. Euro), hierunter fallen Aufwendungen für Kurzarbeit und den Fixkostenzuschuss. Ebenfalls stark erhöht haben sich die monetären Sozialleistungen (+8,7%, bzw. +1,7 Mrd. Euro) aufgrund des erhöhten Aufwandes für das Arbeitslosengeld und den Härtefallfonds. Da endgültige Zahlen für diese Maßnahmen noch nicht vorliegen, handelt es sich um Schätzwerte, die bei jeder Veröffentlichung auf den neuen Erkenntnisstand angepasst werden.

Einnahmen und Ausgaben des Staates, Jahresdaten
Struktur der Einnahmen und Ausgaben des Staates, konsolidiert, Jahresdaten
Einnahmen des Staates, Quartalsdaten 2001 bis 2020
Ausgaben des Staates, Quartalsdaten 2001 bis 2020

Staatsquoten 1995 - 2019


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