Pressemitteilung: 12.100-166/19

Öffentliche Finanzen 2018: öffentlicher Überschuss 0,2%, Schuldenstand 74,0% des BIP

Wien, 2019-09-30 – Im Jahr 2018 gab es laut Statistik Austria – erstmals seit 1974 – einen öffentlichen Überschuss, und zwar von 0,2% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. 763 Mio. Euro (2017: Defizit von 0,7% des BIP bzw. 2,8 Mrd. Euro). Die Staatsausgaben stiegen im Vergleich zu 2017 um 3,2% bzw. 5,8 Mrd. Euro, die Staatseinnahmen wuchsen um 5,2% bzw. 9,3 Mrd. Euro. Niedriger waren am Ende des Jahres 2018 sowohl der öffentliche Schuldenstand mit 285,3 Mrd. Euro (2017: 289,8 Mrd. Euro) als auch die Schuldenquote – d. h. das Verhältnis der Staatsschulden zum BIP – mit 74,0% (2017: 78,3% des BIP).

Staatseinnahmen stark gestiegen

Die Staatseinnahmen 2018 (insgesamt 188,4 Mrd. Euro) stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Mrd. Euro oder 5,2%. 87,3% der Einnahmen stammten aus Steuern und Sozialbeiträgen, die 2018 in Summe 164,5 Mrd. Euro betrugen (+5,2% bzw. 8,2 Mrd. Euro). Bei den Produktions- und Importabgaben (inklusive Mehrwertsteuer) lag die Steigerungsrate 2018 bei 2,5% bzw. 1,3 Mrd. Euro. Die Einnahmen aus Einkommen- und Vermögensteuern zeigten 2018 einen besonders starken Anstieg (+8,5% bzw. 4,1 Mrd. Euro), der vor allem auf die Steigerungen bei der Lohnsteuer um 1,9 Mrd. Euro und der Körperschaftssteuer um 1,2 Mrd. Euro gegenüber 2017 zurückzuführen ist. Das Lohnsteueraufkommen 2018 (28,3 Mrd. Euro, +7,1%) lag nur knapp unter jenem vor der Steuerreform (2015: 28,4 Mrd. Euro).

Staatsausgaben nur wenig gestiegen

Die Staatsausgaben (insgesamt 187,6 Mrd. Euro) stiegen im Jahr 2018 um 3,2% oder 5,8 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahr. 44,8% der Ausgaben des Staates entfielen 2018 auf Sozialausgaben, die gegenüber dem Vorjahr um 2,6% anzogen. Die nächstgrößeren Positionen waren mit einigem Abstand der Personalaufwand mit 21,5% (+3,1% bzw. 1,2 Mrd. Euro) und der Sachaufwand mit rund 13,7% (+3,8% bzw. 900 Mio. Euro). Förderungen hatten einen Anteil von 10,6% an den Staatsausgaben. Ihr markanter Anstieg im Jahr 2018 (+11,3% bzw. 2,0 Mrd. Euro) lässt sich vor allem auf die Entwicklung des Beitrags an die EU zurückführen, der um rund 850 Mio. Euro stieg, nachdem er im Vorjahr um rund 300 Mio. Euro zurückgegangen war. Die Investitionen blieben 2018 mit 11,4 Mrd. Euro auf dem Niveau von 2017. Dies ist vor allem auf geringere Ausgaben für Investitionen bei den sonstigen Landeseinheiten (insbesondere bei den Spitälern) und der Sozialversicherung zurückzuführen. Die Zinsausgaben waren auch 2018 stark rückläufig (-7,8% bzw. rund 500 Mio. Euro).

Überschuss in drei Teilsektoren des Staates

Die Bundesebene (Gebietskörperschaft, Bundeskammern und sonstige Bundeseinheiten) erzielte 2018 mit 542 Mio. Euro ein wesentlich geringeres Defizit als 2017 (3,2 Mrd. Euro). Überschüsse im Jahr 2018 erreichten hingegen die Landesebene (Gebietskörperschaft, Landeskammern und sonstige Landeseinheiten) mit 656 Mio. Euro (2017: 231 Mio. Euro Überschuss), die Gemeindeebene einschließlich Wien mit 76 Mio. Euro (2017: Defizit von 301 Mio. Euro) sowie der Sektor Sozialversicherung mit einem Überschuss von 571 Mio. Euro (2017: 472 Mio. Euro Überschuss).

 

Schuldenquote fällt auf 74,0% des Bruttoinlandsprodukts

Ende 2018 betrug der öffentliche Schuldenstand 285,3 Mrd. Euro oder 74,0% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit lag die Staatsverschuldung um 4,6 Mrd. Euro unter dem Vorjahreswert, das entspricht einem Rückgang der Schuldenquote (=Verhältnis der Staatsschulden zum BIP) um 4,3 Prozentpunkte. Von der Art der Verschuldung entfielen im Jahr 2018 1,7 Mrd. Euro auf Einlagen, 239,3 Mrd. Euro auf Anleihen und 44,3 Mrd. Euro auf Kredite.

Detaillierte Ergebnisse sowie weitere Informationen zu den öffentlichen Finanzen finden Sie auf unserer Webseite. Hier steht Ihnen auch eine Auflistung aller in Österreich existierenden Steuern und Abgaben sowie der Staatsausgaben nach Aufgabenbereichen zur Verfügung. Zum öffentlichen Defizit/Überschuss sowie zum öffentlichen Schuldenstand sind auch Bundesländerergebnisse verfügbar.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Grundlage für das Berichtsjahr 2018 sind die endgültigen Rechnungsabschlüsse des Bundes, der Länder, Wiens und der Gemeinden, die endgültige Finanzstatistik des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger sowie Informationen zu außerbudgetären Einheiten.   
Statistik Austria erstellt als Teil der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) zweimal pro Jahr Daten über den Sektor Staat und publiziert sie jeweils Ende März und Ende September. Diese Termine entsprechen auch den Verpflichtungen gemäß den EU-Verordnungen Nr. 549/2013 ("ESVG 2010") und Nr. 222/2014 ("Maastricht-Statistiken"), diese Daten sowie Statistiken über das öffentliche Defizit/den öffentlichen Überschuss und den öffentlichen Schuldenstand an die Europäische Kommission (Eurostat) zu notifizieren. Die Daten gemäß der angeführten EU-Verordnungen werden erstellt für den Sektor Staat insgesamt und die vier Teilsektoren Bundesebene, Landesebene, Gemeindeebene und Sozialversicherung. Die Staatseinnahmen und -ausgaben werden nach dem Europäischen System für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (ESVG 2010) kategorisiert. Das öffentliche Defizit/der öffentliche Überschuss ergibt sich aus der Differenz von Staatseinnahmen und Staatsausgaben.

 

Tabelle 1: Öffentliche Finanzen – Eckdaten des Staates 2017/2018
 Jahr
20172018
Staatseinnahmen in Mrd. Euro179,1188,4
davon  
   Steuereinnahmen100,3105,7
   Sozialbeiträge56,058,8
   Produktionserlöse15,716,3
   Sonstige7,17,7
Staatsausgaben in Mrd. Euro181,8187,6
davon  
   Sozialausgaben81,984,0
   Personalaufwand39,140,3
   Sachaufwand24,725,7
   Förderungen17,919,9
   Investitionen11,411,4
   Zinsen6,86,3
Defizit/Überschuss und Schuldenstand
Defizit/Überschuss in % des BIP-0,7+0,2
Schuldenstand in % des BIP78,374,0
BIP in Mrd. Euro370,3385,7
Tabelle 2: Staatsverschuldung 2017/2018 nach Teilsektoren
Sektor / TeilsektorenEnde des Jahres
2017201820172018
 in Mrd. Euroin % des BIP
Staat insgesamt289,8285,378,374,0
Bund251,2246,267,863,8
Bundesländer (ohne Wien)22,021,65,95,6
Gemeinden (einschl. Wien)15,716,24,24,2
Sozialversicherungsträger0,91,30,20,3

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Mag. Agnes SINGER-PESAU, Tel.: +43 (1) 71128-7169 bzw. agnes.singer-pesau@statistik.gv.at und  
Mag. Lukas DÖRFLER, Tel.: +43 (1) 71128-7816 bzw. lukas.doerfler@statistik.gv.at

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