Nach Berechnungen der Statistik Austria verzeichnete die österreichische
Wirtschaft im Jahr 2010 ein reales Wachstum von +2,3%. Die weltweite
Wirtschafts- und Finanzkrise hatte sich bereits 2008 in einer Verlangsamung
des Wachstums (+1,4%) niedergeschlagen und 2009 zum stärksten Einbruch
der österreichischen Wirtschaft (-3,8%) seit dem Ende des zweiten Weltkriegs
geführt. Dem internationalen Trend folgend brachte das Jahr 2010 somit
auch für Österreich eine konjunkturelle Erholung. Das Wachstumsplus
von 2,3% lag sogar deutlich über dem durchschnittlichen Wachstum sowohl
der Eurozone als auch der Europäischen Union insgesamt (jeweils +1,8%;
Quelle: Eurostat Datenbank, September 2011).
Erstmals wurden die Berechnungen - auch für die zurückliegenden
Jahre - auf Grundlage der revidierten europäischen Aktivitäts- und
Güterklassifikationen durchgeführt. Ziel dieser Neuerungen war es
vor allem, der stetig zunehmenden Bedeutung des Dienstleistungssektors
gerecht zu werden.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg 2010 zu laufenden Preisen um
11,4 Mrd. Euro (+4,1%) auf rund 286,2 Mrd. Euro. Das BIP pro Einwohner betrug
34.120 Euro (+3,8%).
Eine detaillierte Betrachtung des Produktionsansatzes nach Wirtschaftsbereichen
zeigt, dass 2010 insbesondere die Herstellung von Waren (+7,2% real)
sowie das Kredit- und Versicherungswesen (+6,9% real) deutlich über
dem Durchschnitt liegende Wachstumsraten verzeichneten. Die Herstellung
von Waren war 2009 besonders stark von den Konsequenzen der Krise getroffen
worden. Der reale Rückgang fiel mit 15,0% höher aus, als bisher angenommen
und ist damit sowohl im Vergleich mit anderen Wirtschaftsabschnitten
als auch im Zeitablauf in seinem Ausmaß einzigartig. Lediglich
die Mineralölverarbeitung sowie die pharmazeutische Industrie erwiesen
sich 2009 mit positiven realen Wachstumsraten als krisenfest. 2010 konnte
schließlich der gesamte Wirtschaftsbereich der Warenherstellung wieder
die realen Wachstumsraten der Jahre vor der Krise erzielen. Das Kredit-
und Versicherungswesen verbuchte demgegenüber auch 2009 kräftige Zuwächse
(+9,5% real) und setzte damit 2010 den überdurchschnittlichen Wachstumstrend
der vergangenen Jahre fort.
Am allgemeinen Trend positiver realer Wachstumsraten im Jahr 2010
konnten vor allem der Bau (-3,0% real), der Informations- und Kommunikationsbereich
(-3,7% real) sowie das Verkehrswesen (-1,1% real) nicht teilhaben. Sowohl
im Bau wie auch im Verkehrswesen fielen die Rückgänge jedoch deutlich
geringer aus als noch 2009 (-7,5% bzw. -7,9% real). Für die leichte
Erholung im Verkehrswesen waren neben dem Flugverkehr (der im Jahr 2010
wieder deutlich ins Plus drehte) die Mautstraßen, die Erbringung von
sonstigen Dienstleistungen für die Luftfahrt sowie Speditionen verantwortlich.
Der Telekommunikationsbereich verzeichnete bereits das dritte Jahr in
Folge ein reales Minus.
Der konjunkturelle Schub des Jahres 2010 spiegelte sich verwendungsseitig
vor allem in den Exporten wider, die - im Einklang mit der Entwicklung
der Herstellung von Waren - nach schweren realen Einbrüchen im Krisenjahr
(-14,3% real) wieder deutliche Zuwächse verbuchten (+8,3% real). Ein
nicht ganz so starkes, aber immer noch deutliches Wachstumsplus verzeichneten
die Bruttoinvestitionen (+3,6% real). Vor allem vermehrte Investitionen
in Fahrzeuge (+9,6% real) sowie in Maschinen und Geräte (+2,2% real)
waren deutliche Zeichen der positiven Konjunkturentwicklung. Andererseits
wurde der Zuwachs der Bruttoanlageinvestitionen durch die rückläufigen
Bauinvestitionen (-2,3% real bei Wohnbauten, -3,3% real bei Nichtwohnbauten)
gebremst. Der Konsum weist verwendungsseitig zwar die geringste reale
Wachstumsrate auf (+1,5%), allerdings traf die Krise des Vorjahres den
Konsum kaum (2009: -0,1% real). Im Jahr 2010 wuchsen die Konsumausgaben
der privaten Haushalte real um 2,1%, während der staatliche Konsum
mit -0,2% leicht rückläufig war. Diesem leichten realen Minus stand
ein nominelles Plus von 1,7% gegenüber.
Verteilungsseitig profitierten vor allem die Bezieher von Bruttobetriebsüberschüssen
und Selbständigeneinkommen vom BIP-Wachstum im Jahr 2010. Sie mussten
zwar im Krisenjahr 2009 die stärksten Einbußen hinnehmen (-8,1% nominell),
konnten im Folgejahr aber den größten Anstieg verzeichnen (+6,7% nominell).
Demgegenüber veränderte sich das Arbeitnehmerentgelt (die Summe aller
Geld- und Sachleistungen von Arbeitgebern an Arbeitnehmer) 2009 kaum
(+0,9% nominell), während 2010 ein verhältnismäßig moderates Wachstum
von +2,4% zu laufenden Preisen festzustellen war. Die tatsächlich geleistete
Arbeitszeit sank im Jahr 2009 deutlich, das Arbeitsvolumen ging um 3,3%
zurück. Dies lässt auf eine Verschiebung in Richtung Teilzeit- bzw.
Kurzarbeit schließen. Im Jahr 2010 veränderte sich die tatsächlich
geleistete Arbeitszeit nur geringfügig (+0,2%).
Das reale verfügbare Nettoeinkommen der Volkswirtschaft wuchs mit
+1,6% schwächer als das Bruttoinlandsprodukt. Der Grund hierfür war
ein deutlicher Anstieg der Importpreise (+4,8%), der die Kaufkraft des
verfügbaren Einkommens schmälerte.
Der “BIP-Deflator“ (der implizite Preisindex, errechnet aus nominellem
und realem Bruttoinlandsprodukt auf Vorjahrespreisbasis) betrug 101,8.
Die Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen inländischen Preisauftriebs
wich damit nicht wesentlich vom Verbraucherpreisindex ab (+1,9%).
Hintergründe und methodische Erläuterungen unter
Weitere Informationen.