Die Zahlen der Bildungsstatistik zeigen, dass infolge der Bildungsexpansion und deren Auswirkungen die traditionellen geschlechtsspezifischen Unterschiede im Bildungsniveau abgenommen haben. Bezogen auf die Bevölkerung im Alter von 25 bis 64 Jahren haben Frauen zwar immer noch ein niedrigeres Bildungsniveau als Männer. Im Jahr 2008 hatten 24,5% der Frauen diesen Alters höchstens einen Pflichtschulabschluss. Bei den Männern lag der Anteil bei 14,5%. Bezüglich der Reifeprüfungsquote haben Frauen ihre männlichen Schulkollegen dagegen bereits Mitte der 1980er Jahre überholt. 2008/09 haben 46,3% der jungen Frauen (bezogen auf den Durchschnitt der 18- bis 19-Jährigen) die Matura erfolgreich abgelegt. Bei den Männern waren es hingegen nur 33,2%. 58% der Maturaabschlüsse werden von Frauen abgelegt. Dafür liegt der Frauenanteil bei den Lehrabschlüssen nur bei 38,2%. Auch an Universitäten haben die Frauen die Männer bereits überholt. Im Studienjahr 2008/09 wurden 56% der Studienabschlüsse von Frauen erworben. Bei den Doktoraten sind Männer allerdings noch in der Überzahl. 56,5% der postgradualen Doktoratsabschlüsse entfielen auf Männer.
Große geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen allerdings in der Fächerwahl und zwar sowohl was den Schul- als auch den Hochschulbereich betrifft. So werden wirtschaftsberufliche und sozialberufliche Schulen hauptsächlich von Mädchen besucht (wirtschaftsberufliche 89,3%, sozialberufliche 81,6%), während bei den technisch gewerblichen Schulen mit 75,1% Burschen überrepräsentiert sind. Kaufmännische Schulen sind wiederum zu rund 60% weiblich besucht und nur bei land- und forstwirtschaftlichen Schulen ist das Verhältnis ungefähr ausgeglichen. Noch deutlicher ist die geschlechtsspezifische Ungleichverteilung bei den Lehrberufen. Drei der zehn häufigsten Lehrabschlüsse (Einzelhandel, Bürokaufmann/kauffrau und Friseur/Friseurin) sind immer noch eindeutig weiblich dominiert (Frauenanteile zwischen 72,3% und 94,2%) während die Berufsfelder Kraftfahrzeugtechnik, Metalltechnik, Maschinenbau, Tischlerei und Elektroinstallationstechnik fast nur von jungen Männern gewählt werden.
Und auch bei der Fächerwahl an Universitäten gibt es starke geschlechtsspezifische Unterschiede. Während nur 22,0% der Abschlüsse im Bereich Technik von Frauen abgelegt werden liegt bei den Abschlüssen in geisteswissenschaftlichen Fächern der Frauenanteil bei 74,1% bzw. in der Veterinärmedizin bei 80,0%. In den Rechtswissenschaften entspricht der Frauenanteil mit 55,8% annähernd dem Durchschnitt der Studienabschlüsse. In den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (49,2%) und im Bereich Bodenkultur (49,5%) ist das Geschlechterverhältnis annähernd ausgeglichen. An den Fachhochschulen ist der Frauenanteil mit 45,7% insgesamt noch deutlich niedriger als an den Universitäten.