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Armut und soziale Eingliederung

2008 waren 12,4% der Bevölkerung armutsgefährdet. Hochgerechnet auf die österreichische Gesamtbevölkerung liegt dieser Wert mit 95% Vertrauenswahrscheinlichkeit zwischen 11,4% und 13,3%, bzw. können zwischen 940.000 und 1,1 Million Österreicherinnen und Österreicher als armutsgefährdet bezeichnet werden.

Auf Basis von EU-SILC (European Community Statistics on Income and Living Conditions) werden jährlich Daten zu Armut und sozialer Eingliederung vorgelegt. Eine ausführliche Darstellung aktueller Ergebnisse findet sich im Bericht „Einkommen, Armut und Lebensbedingungen. Ergebnisse aus EU-SILC 2008“ in der Sozialpolitischen Studienreihe des BMASK (Bd. 2) und im dazugehörigen Tabellenband. Der Bericht "Methoden und Vergleiche zu Einkommen, Armut und Lebensbedingungen EU SILC 2008" befasst sich mit der Methodik der Erhebung. Auch Eurostat veröffentlicht auf seiner Website Ergebnisse in Form von Zeitreihen bis 2007 sowie die bisher verfügbaren Indikatoren für 2008: Indicators of the social inclusion strand. Aktuelle Ergebnisse und Detailanalysen für Österreich finden sich unterhalb (siehe Tabellen).

Seit 2003 wird die Armutsgefährdung mit der Erhebung EU-SILC ermittelt, die Armutsgefährdungsquote lag zwischen 2003 und 2007 zwischen 12 und 13% (2007: 12,0%, 2006: 12,6%, 2005: 12,3%, 2004: 12,8%, 2003: 13,2%), die Unterschiede sind jedoch auf Grund der Zufallsschwankungen nicht signifikant und daher nicht interpretierbar.

Als armutsgefährdet oder von Armutsrisiko betroffen werden jene Personen bezeichnet, deren äquivalisiertes Haushaltseinkommen unter einer Armutsgefährdungsschwelle von 60% des Medians liegt. Für 2008 liegt der Median des Äquivalenzeinkommens bei 19.011 Euro. Die Armutsgefährdungsschwelle betrug 2008 somit 11.406 Euro für einen Einpersonenhaushalt, das sind rund 950 Euro pro Monat.

Ein Maß für die Intensität der Armutsgefährdung ist die Armutsgefährdungslücke, die als Differenz zwischen dem Medianeinkommen der Armutsgefährdeten und der Armutsgefährdungsschwelle in Prozent dieser Schwelle ausgedrückt wird. Armutsgefährdete Haushalte haben ein um rund 15% geringeres mittleres Einkommen als der Schwellenwert.

Einkommen hat einen starken Einfluss auf die tatsächlichen Lebensbedingungen. Auf Basis von Befragungsdaten der Statistik Austria wurden 2007 die Kriterien zur Beurteilung deprivierter Lebensführung überarbeitet. 40% der Bevölkerung mit einem sehr niedrigen Einkommen und daher als armutsgefährdet bezeichnet, können sich 2008 grundlegende Bedürfnisse, wie ihre Wohnung angemessen zu heizen oder abgetragene Kleidung zu ersetzen, nicht leisten. Als besondere Risikogruppen werden jene mit einem Einkommen deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle bezeichnet.

Erst wenn niedriges Einkommen mit einer sichtbar benachteiligten Lebenslage (finanzielle Deprivation) gemeinsam auftritt, sprechen wir von Armut. 2008 konnten bei 6,0% der Bevölkerung in Privathaushalten gleichzeitig niedriges Einkommen (Armutsgefährdung) sowie finanzielle Probleme in zentralen Lebensbereichen beobachtet werden. Die niedrige Einkommenssituation wird somit auch in den Lebensbedingungen sichtbar, es kann von einer manifesten Armutslage gesprochen werden. Hochgerechnet waren 2008 etwa 492.000 Menschen von manifester Armut betroffen.

Grundlage für die Berechnung der Armutsgefährdung ist das äquivalisierte Haushaltseinkommen. Es ergibt sich, indem das verfügbare Haushaltseinkommen durch die Zahl der Konsumäquivalente des Haushaltes dividiert wird. Unterstellt wird, dass mit zunehmender Haushaltsgröße und abhängig vom Alter der Kinder eine Kostenersparnis im Haushalt durch gemeinsames Wirtschaften erzielt wird (economy of scales). Zur Gewichtung wird die so genannte EU-Skala (modifizierte OECD-Skala) verwendet, um den Ressourcenbedarf eines Haushaltes zu berechnen: Eine allein lebende erwachsene Person wird dabei als Referenzpunkt (=Konsumäquivalent) betrachtet und erhält ein Gewicht von 1. Der unterstellte Ressourcenbedarf steigt für jede weitere erwachsene Person um 0,5 Konsumäquivalente. Jedes Kind unter 14 Jahren wird mit 0,3 Konsumäquivalenten gewichtet. Ein Haushalt mit Vater, Mutter und Kind hätte somit ein errechnetes Konsumäquivalent von 1,8 gegenüber einem Single Haushalt.

Informationen zu Erhebung und für teilnehmende Haushalte finden Sie auf unserer Website EU-SILC.

Aktuelles zu EU-SILC: Am 25. und 26. März 2010 findet in Warschau die SILC Konferenz statt.

Tabelle(n):
Ergebnisse im Überblick: Armutsgefährdung HTMLPDFXLS
Armutsgefährdung vor und nach sozialen Transfers nach soziodemographischen Merkmalen 2008HTMLPDFXLS
Armutsgefährdung vor und nach sozialen Transfers nach Erwerbsstatus und Rechtsverhältnis an der WohnungPDFXLS
Armutsgefährdungsschwelle 2008 bei 60% des Medians für unterschiedliche HaushaltstypenHTMLPDFXLS
Lebensbedingungen und Erwerbsstatus von niedrigen, mittleren und hohen EinkommensgruppenHTMLPDFXLS
Soziodemographisches Profil für Personen in Risikohaushalten (1)HTMLPDFXLS
Soziodemographisches Profil für Personen in Risikohaushalten (2)HTMLPDFXLS
Lebensbedingungen für Personen in Risikohaushalten (1)HTMLPDFXLS
Lebensbedingungen für Personen in Risikohaushalten (2)HTMLPDFXLS
EU-Indikatoren zu Armut und sozialer Eingliederung 2008HTMLPDFXLS

Tabellenband

Kapitel 1: JahreseinkommenXLS
Kapitel 2: KonsumgüterXLS
Kapitel 3: WohnenXLS
Kapitel 4: GesundheitXLS
Kapitel 5: Armutsgefährdung und DeprivationXLS
Kapitel 6: LebenszufriedenheitXLS
Kapitel 7: BildungXLS
Kapitel 8: FamilieXLS
Kapitel 9: ArbeitXLS
Kapitel 10: RisikogruppenXLS
Kapitel 11: Verteilung von Bestandteilen des JahreseinkommensXLS
Kapitel 12: ModulXLS
Weitere Informationen:
EU-SILC 2008/Eingliederungsindikatoren – Armutsgefährdung in Österreich (Bd.2 Studienreihe BMASK)PDF
Tabellenband zu EU-SILC 2008. Einkommen, Armut und Lebensbedingungen (zu Bd.2 Studienreihe BMASK)PDF
Methoden und Vergleiche zu Einkommen, Armut und Lebensbedingungen EU SILC 2008PDF
Mikrodaten EU-SILC 2003-2007PDF
Mikrodaten EU-SILC 2008PDF
EU-SILC 2008 Datenweitergabe - FormularPDF
Indikatoren für das Monitoring Sozialer Eingliederung“ (Langfassung Oktober, 2009)PDF