Einen wichtigen Beitrag der Preisstatistik im internationalen Kontext stellen die so genannten "Kaufkraftparitäten" (KKP) dar, wie sie im Rahmen von internationalen Wirtschaftsvergleichen berechnet werden. KKP sind Preisrelationen für vergleichbare Güter und Dienstleistungen zwischen verschiedenen Ländern. Sie werden aus einem internationalen Warenkorb berechnet und dienen als Faktoren zur Umrechnung von Ausgabenbeträgen in eine gemeinsame Rechnungseinheit. Mit der Verwendung von KKP (anstatt der offiziellen Wechselkurse) werden Unterschiede im Preisniveau zwischen den Ländern herausgerechnet, sodass ein bestimmter Ausgabenbetrag in allen Ländern dieselbe Kaufkraft hat. Im Zusammenhang mit der Verwendung der KKP beim Vergleich der Aggregate der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) zwischen verschiedenen Ländern bezeichnet man sie auch als räumliche Deflatoren.
Die KKP werden von Eurostat in Kooperation mit der
OECD und in enger Zusammenarbeit mit den statistischen Institutionen
aller Teilnehmerländer (EU-, EFTA-, OECD-Länder, assoziierte Staaten)
im Rahmen des Europäischen
Vergleichsprogramms (EVP) berechnet, das jährliche Volumenvergleiche
der Hauptaggregate der VGR zum Ziel hat. Den Schwerpunkt der Arbeiten
bilden dabei Preisbeobachtungen im Privaten Konsum (etwa
Als Ergebnis dieser Vergleiche resultieren so genannte Volumenindizes bzw. Pro-Kopf-Volumenindizes, d.s. Indizes der relativen Größe von Ausgabenbeträgen von Ländern im Vergleich zu einem anderen Land (bzw. einer Gruppe von Ländern). Wenn der Vergleich auf der Ebene des Bruttoinlandsproduktes (BIP) angestellt wird, bezeichnen Volumenindizes die relative Größe einer Volkswirtschaft, Pro-Kopf-Volumenindizes den relativen wirtschaftlichen Entwicklungsstand einer Volkswirtschaft. Preisniveauindizes ergeben sich aus dem Quotienten von KKP und Wechselkurs und stellen eine Messgröße für die Unterschiede der allgemeinen Preisniveaus der Länder dar. KKP werden in Form von Korrekturkoeffizienten von internationalen Organisationen und international agierenden Unternehmungen als Ausgleichsfaktoren für Gehälter verwendet, um Kaufkraftverluste/-gewinne für Mitarbeiter an ausländischen Dienstorten zu kompensieren.
Die Europäische Kommission verwendet die Ergebnisse von KKP-basierten Vergleichen für die Berechnung von Strukturindikatoren, für die Zuteilung von Unterstützungsprojekten im Rahmen der Verwaltung der Strukturfonds und das Regionale BIP pro Kopf zu KKP für die Berechnung der regionalen Fördermittel (Kohäsionsfond). Politik und Forschung verwenden die Daten für Wirtschaftsanalysen und Studien im Zusammenhang mit Wirtschafts- und Sozialpolitik im internationalen Umfeld, Privat-Unternehmen für vergleichende Analysen über Produktionskosten, Preise und Umsätze; im Bankensektor zur ökonomischen Beurteilung von Wechselkursen.
Das EVP selbst ist Teil eines nahezu weltumspannenden Vergleichs, des Internationalen Wirtschaftsvergleichsprogramms (International Comparison Program, ICP), welches von der Weltbank in Kooperation mit anderen internationalen Organisationen (z.B. UNO, IWF, …) koordiniert wird (Stand 2011: 200 Teilnehmerstaaten).