Das Öffentliche Defizit lag 2009 mit 9,5 Mrd. Euro bei 3,4% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und damit über dem Maastricht-Referenzwert von 3% des BIP. 2008 hatte das Öffentliche Defizit noch 1,2 Mrd. Euro bzw. 0,4% des BIP betragen. Dieser starke Anstieg war die Folge absolut rückläufiger Staatseinnahmen (von 136,6 Mrd. Euro auf 133,8 Mrd. Euro) und deutlich erhöhter Staatsausgaben (nach 138,0 Mrd. Euro im Jahr 2008 143,4 Mrd. Euro 2009). In Relation zum BIP ausgedrückt sank die Einnahmenquote leicht von 48,4% auf 48,3%, während die Ausgabenquote mit 51,8% den höchsten Wert seit 2004 erreichte. Teilt man den Anstieg des Öffentlichen Defizits von 0,4% auf 3,4% des BIP nach Gebietskörperschaften auf, so stieg das Defizit des Bundessektors von 0,7% auf 2,7% des BIP, der Überschuss von Ländern und Gemeinden zusammen von 0,2% des BIP drehte auf ein Defizit von 0,8% des BIP. Die Sozialversicherungsträger hielten in beiden Jahren bei einem Überschuss von 0,1% des BIP. Der staatliche Erwerb von Partizipationskapital an Banken (2008 900 Mio Euro, 2009 4,7 Mrd. Euro) zählt zwar nicht zu den Staatsausgaben gemäß Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (VGR), muss aber – auch – durch Neuverschuldung finanziert werden. Die Schuldenstandsquote, die zwischen Ende 2001 (67,1%) und Ende 2007 (59,5%) kontinuierlich gesunken ist, steigt seit 2008 wieder an (Stand Ende 2009: 66,5% des BIP).
Die Detaildaten zu diesen Quoten stammen aus der Frühjahr 2010-Rechnung von Statistik Austria über die Öffentlichen Finanzen im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) und sind Stand 29. März 2010. Grundlage für das Berichtsjahr 2009 sind dabei vorläufige Gebarungsergebnisse für den Bund und die Sozialversicherungsträger gewesen sowie Quartalsinformationen für die Länder und eine Stichprobe von Gemeinden. Nach dem Vorliegen der endgültigen Rechnungsabschlüsse 2009 im Sommer 2010 kann es daher noch zu Änderungen in der Statistik über die Öffentlichen Finanzen kommen.
87% der Staatseinnahmen stammen aus Steuern und tatsächlichen Sozialbeiträgen, die 2009 in Summe 116,8 Mrd. Euro ausmachten. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Minus von 2,8% bzw. 3,3 Mrd. Euro. Die Steigerungsrate bei den Produktions- und Importabgaben war 2009 mit 1,3% die niedrigste im gesamten Zeitraum mit vergleichbaren VGR-Zeitreihen (1976 bis 2009). Die Einnahmen aus Einkommen- und Vermögenssteuern gingen 2009 absolut zurück; mit 4,4 Mrd. Euro bzw. 11,0 % ebenfalls in einer im genannten Zeitraum noch nie dagewesenen Größenordnung. Die Entwicklung der tatsächlichen Sozialbeiträge, das sind im Wesentlichen Pensions-, Arbeitslosen-, Kranken- und Unfallversicherungsbeiträge, vervollständigt das Bild: Plus 1,3% ist ebenfalls die niedrigste Steigerungsrate im Langzeitvergleich.
Während die Staatseinnahmen 2009 zurückgingen, stiegen
die Staatsausgaben deutlich an. Sie beliefen sich 2009 auf 143,4 Mrd.
Euro
Die Differenz von Staatseinnahmen und Staatsausgaben nach den Konzepten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) ist der Finanzierungssaldo (2009: - 9,6 Mrd. Euro). Für die Berechnung des Maastricht-Indikators Öffentliches Defizit werden allerdings die Ausgleichszahlungen aus SWAP-Geschäften wie Zinseinnahmen bzw. –ausgaben klassifiziert, wodurch sich für 2009 ein Wert von 9,5 Mrd. Euro ergibt.
Quartalsdaten
Seit September 2003 werden auch die vierteljährlichen Ergebnisse aller nichtfinanziellen Transaktionen sowie der Finanzierungssaldo - beginnend mit dem 1. Quartal 2001 - national veröffentlicht.
Folgendes Quartalsmuster ist in den Einnahmen und
Ausgaben des Sektors Staat erkennbar:
Der vierteljährliche Finanzierungssaldo zeigt jeweils im Q1 ein starkes
Defizit, steigt dann im Verlauf des Jahres an, und erreicht den größten
Überschuss jeweils im Q4. Dieses Muster resultiert vor allem aus demjenigen
der Einnahmenkurve, die sehr ähnlich verläuft, während die Ausgabenkurve
jeweils hohe Werte im Q1 und Q4 und niedrige Werte in den mittleren
Quartalen verzeichnet.
Der Anstieg der Einnahmen im Jahresverlauf ist im Detail vor allem auf einige der wichtigsten Steuern (Mineralölsteuer, Kapitalertragsteuer auf Zinsen, Einkommensteuer und Körperschaftsteuer) zurückzuführen. Der Verlauf der Ausgabenkurve wird vor allem von den hohen Zinsausgaben des Bundes im Q1 sowie den hohen Werten für Vorleistungen, Investitionen und Investitionszuschüsse im Q4 bestimmt.
Die Quartalsdaten des Sektors Staat dienen aber nicht
nur zum Erkennen saisonaler Muster, sondern vor allem als Kurzfrist-Indikator
für den Finanzerfolg des laufenden Jahres:
Die Entwicklung des Finanzierungssaldos z.B. ist bereits im zweiten
Quartal gut erkennbar, im dritten Quartal recht deutlich prognostizierbar,
da der öffentliche Überschuss des 4. Quartals im Zeitverlauf relativ
konstant bleibt.
Dieser Effekt resultiert aus den Einnahmen von Mehrwert-, Lohn- und Körperschaftsteuer, deren Summe in den mittleren beiden Quartalen einen guten Indikator für den zu erwartenden Finanzierungssaldo des laufenden Jahres darstellt.
| Staatsquoten 1995 - 2009 |
|---|
| ESVG95-Daten über den Sektor Staat - Revision 2008 | |
|---|---|
| ÖBB-Reform 2004 - Ausgaben des Bundes gemäß ESVG95 |