Pressemitteilung: 11.853-164/18

Mindestsicherung 2017: insgesamt 307.853 unterstützte Personen, 0,1% mehr als im Vorjahr

Wien, 2018-09-06 – Der seit Einführung der Mindestsicherung beobachtbare starke jährliche Anstieg des Leistungsbezugs ist laut Statistik Austria 2017 deutlich abgeflacht: Mit insgesamt 307.853 Mindestsicherungsbezieherinnen und -beziehern wurden nur 320 Personen mehr unterstützt als im Vorjahr (+0,1%; siehe Tabelle 1). Drei Bundesländer verzeichneten größere Zuwächse (Tirol: +5,7%, Kärnten: +5,0%, Vorarlberg: +4,2%), zwei deutlich kleinere Anstiege (Wien: +1,2%, Oberösterreich: +0,2%) und die restlichen vier stärkere Rückgänge (Niederösterreich: -5,8%, Salzburg: -5,4%, Steiermark: -3,2%, Burgenland: -2,0%).

Werden die nicht unterstützten Kinder in die Zählung miteinbezogen – wie in der Mindestsicherungsstatistik ab 2017 vorgesehen – lebten im Jahresverlauf 332.236 Personen zumindest einen Monat lang in einer der insgesamt 183.239 Bedarfsgemeinschaften mit Mindestsicherungsbezug (siehe Tabelle 2). An der Entwicklung der Monatswerte zeigt sich, dass die Leistungsbezugszahlen vor allem in der zweiten Jahreshälfte zurückgegangen sind – ein Trend, der sich vor dem Hintergrund einer deutlich verbesserten Wirtschafts- und Arbeitsmarktsituation 2018 weiter fortsetzen dürfte.

Wien hatte höchste Bezugszahlen; mehr weibliche als männliche Bezieher; hoher Kinder-Anteil

2017 lebten pro Monat durchschnittlich 239.481 Personen in 127.269 Bedarfsgemeinschaften mit Mindestsicherungsbezug. Mit 63% hatte der Großteil davon den Wohnsitz in Wien, während auf die anderen Bundesländer lediglich Anteile zwischen 1% (Burgenland) und 8% (Steiermark) entfielen. Es gab insgesamt mehr weibliche (51%) als männliche (49%) Bezieher (siehe Tabelle 3). Der Anteil der (minder- und volljährigen) Kinder (35%), die in von der Mindestsicherung unterstützten Bedarfsgemeinschaften lebten, lag über jenem der Frauen (34%) bzw. der Männer (31%); in Oberösterreich (41%), Tirol (39%) und der Steiermark (38%) war der Kinder-Anteil überdurchschnittlich hoch.

50% österreichische Staatsangehörige, 31% Asyl- oder subsidiär Schutzberechtigte

Die Hälfte der Personen mit Mindestsicherungsbezug im Jahresdurchschnitt 2017 hatte die österreichische Staatsbürgerschaft, knapp ein Drittel kam aus Drittstaaten (Rest: EU-/EWR-/Schweizer Staatsangehörige und sonstige Personen).

31% waren Asylberechtigte oder subsidiär Schutzberechtigte (erstere: 27%, letztere: 4%). Vorarlberg und Tirol wiesen sowohl bei den nicht-österreichischen als auch bei den asyl- oder subsidiär schutzberechtigten Mindestsicherungsbezieherinnen und -beziehern überdurchschnittlich hohe Anteile auf.

Großteil länger als ein halbes Jahr im Leistungsbezug; durchschnittliche Bezugsdauer 8,5 Monate

69% der Personen bezogen im Jahr 2017 länger als 6 Monate die Mindestsicherung, 15% wurden 4 bis 6 Monate, die restlichen 17% maximal 3 Monate unterstützt. In Wien erfolgte bei drei Viertel der Personen die Unterstützung über einen Zeitraum von mehr als einem halben Jahr, während in fast allen anderen Bundesländern weniger als 60% die Unterstützung so lange bezogen. Die Bundeshauptstadt hatte daher mit 9,2 Monaten auch die höchste durchschnittliche Bezugsdauer (Bundesländerdurchschnitt: 8,5 Monate).

71% der Bedarfsgemeinschaften erhielten Aufstockung zu vorhandenem Einkommen

Insgesamt waren Bedarfsgemeinschaften, in denen keine Person ein anrechenbares Einkommen hatte und die daher im Vollbezug einer Mindestsicherungsleistung standen, in der Minderzahl (29%); 71% erhielten eine Ergänzung bzw. Aufstockung (Teilbezug) zu vorhandenem Einkommen.

Von den Personen, die Mindestsicherung bezogen, waren 8% im Jahresdurchschnitt 2017 erwerbstätig, 1% befand sich in einem Lehrverhältnis. Von den nicht erwerbstätigen Personen standen 39% dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, 34% waren noch im Vorschul- bzw. Pflichtschulalter oder bereits über das erwerbsfähige Alter hinaus. Bei den restlichen 27% kamen sonstige Ausnahmen vom Einsatz der Arbeitskraft zum Tragen (z. B. Arbeitsunfähigkeit: 9%, Schulbesuch über das Pflichtschulalter hinaus: 8%). Etwas mehr als die Hälfte der Unterstützten (52%) hatte anrechenbare Einkünfte. Hier waren die Personen mit Arbeitslosenleistungen (Arbeitslosengeld, Notstandshilfe etc.) die größte Gruppe (43%), jene mit Einkommen aus Erwerbstätigkeit (16%) hingegen deutlich kleiner.

606 Euro pro Bedarfsgemeinschaft; 977 Mio. Euro Ausgaben in Summe (Sozialausgabenanteil 0,9%)

Die monatliche Leistungshöhe pro Bedarfsgemeinschaft lag im Jahresdurchschnitt 2017 bei 606 Euro. In Vorarlberg (838 Euro) und Tirol (715 Euro) war die Unterstützung für Lebensunterhalt und Wohnen am höchsten. Die Ausgaben für die Mindestsicherung betrugen im Jahr 2017 insgesamt 977 Mio. Euro (Lebensunterhalt und Wohnen: 924 Mio. Euro, Krankenhilfe: 54 Mio. Euro), das waren um 53 Mio. Euro (+5,8%) mehr als im Vorjahr. Der Mindestsicherungsanteil an den Sozialausgaben insgesamt betrug weiterhin weniger als 1% (2016 und 2017: jeweils 0,9%).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Mindestsicherungsstatistik finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Mit dem Auslaufen der Bund-Länder-Vereinbarung zur Bedarfsorientierten Mindestsicherung (BMS) Ende 2016 entfiel auch die Grundlage zur Erstellung der bisherigen BMS-Statistik. Das in der Folge erreichte informelle Bund-Länder-Übereinkommen ist Basis für eine neue Mindestsicherungsstatistik ab dem Berichtsjahr 2017. Damit soll eine bundesweite Statistik sichergestellt und durch die Ausweitung des Merkmalsprogramms und die Verwendung (anonymisierter) Einzeldaten auch neu ausgerichtet werden. Für die vollständige Umsetzung ist ein Übergangszeitraum vorgesehen (2017–2018), in dem jene Bundesländer, die zur Einzeldatenbereitstellung noch nicht in der Lage sind, Aggregatdaten in Tabellenform zur Verfügung stellen können.  
Die Mindestsicherungsstatistik erfasst die Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts und des Wohnbedarfs außerhalb von stationären Einrichtungen (25% Wohnkostenanteil, ergänzende Wohnbedarfshilfe) sowie die Krankenhilfe (vor allem Einbeziehung in die Krankenversicherung); neu ist die Berücksichtigung allfälliger Wiedereinsteigerfreibeträge bzw. -boni. Nicht zum Erfassungsbereich zählen – analog zur bisherigen BMS-Statistik – die im Rahmen der Wohnbauförderung gewährte Wohnbeihilfe, Betreuungs- und Pflegeleistungen sowie der ausschließliche Bezug von Taschengeldern und von Hilfen in besonderen Lebenslagen oder sonstigen (einmaligen) Aushilfen (z. B. für Energiekostennachzahlungen oder Begräbniskosten).  
Die zentrale Änderung beim erfassten Personenkreis betrifft Kinder: In der neuen Statistik zählen auch jene (minderjährigen und volljährigen) Kinder, die selbst nicht von der Mindestsicherung unterstützt werden (z. B. weil der Unterhalt über dem Mindeststandard liegt), aber in einer Bedarfsgemeinschaft mit Mindestsicherungsbezug leben, zum Personenkreis der Mindestsicherung. Weiters werden volljährige Kinder nicht mehr zu den Erwachsenen gerechnet. Die wesentliche Neuerung bei den Erhebungsmerkmalen ist, dass nunmehr auch Daten zu Alter, Staatsangehörigkeit, aufenthaltsrechtlichem Status, Erwerbsstatus, angerechneten Einkünften, Teil- und Vollbezug etc. vorliegen. Neu sind auch die zusätzlichen zeitlichen Darstellungsformen: Standen in der BMS-Statistik nur Jahressummen zur Verfügung, so gibt es mit dem Berichtsjahr 2017 erstmals auch Angaben zu Monaten (April und November) und zum Jahresdurchschnitt (Summe der Monatswerte dividiert durch 12). Wie in anderen Statistiken schon lange üblich, soll damit auch in der Mindestsicherungsstatistik die Durchschnittsbetrachtung in den Mittelpunkt gerückt werden.  
Für die Erstellung der Mindestsicherungsstatistik 2017 haben fünf Bundesländer (Burgenland, Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Wien) Einzeldaten und die vier anderen (Kärnten, Niederösterreich, Steiermark, Vorarlberg) Aggregatdaten zur Verfügung gestellt. Während die Einzeldaten nur geringfügige Lücken aufweisen, sind die Aggregatdaten zu erheblichen Teilen unvollständig. Bei den drei Bundesländern mit den größten Lücken im Bereich der Erhebungsmerkmale (Kärnten, Niederösterreich, Vorarlberg) entspricht auch die sonstige Datenqualität (Einbeziehung der nicht unterstützten Kinder, Angaben zu den Monaten bzw. zum Jahresdurchschnitt) noch nicht zur Gänze den Vorgaben der neuen Mindestsicherungsstatistik.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Kurt PRATSCHER, Tel.: +43 (1) 71128-7024 bzw. kurt.pratscher@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Unterstützte Personen in der Mindestsicherung 2016–2017 und Veränderung seit 2012
Bundesland20162017Veränderung in %
Anzahl1)2016/172015/162014/152013/142012/13
Burgenland3.8513.775-2,0+2,0+10,3+6,9+6,0
Kärnten6.2096.521+5,0+12,9+6,0+3,3+0,8
Niederösterreich30.56628.798-5,8+15,1+10,0+12,8+12,9
Oberösterreich20.37920.421+0,2+4,0+11,3+8,6+14,0
Salzburg14.72813.929-5,4+2,6+7,3+7,3+3,6
Steiermark2)28.70227.784-3,20,0+12,1+15,8+13,1
Tirol16.53617.486+5,7+3,9+4,6+6,7+5,9
Vorarlberg2)13.07813.623+4,2+12,6+12,8+8,0+11,0
Wien173.484175.516+1,2+9,5+11,9+5,5+6,1
Insgesamt307.533307.853+0,1+8,1+10,9+7,6+7,7
Tabelle 2: Anzahl der Personen und Bedarfsgemeinschaften in der Mindestsicherung 2017 (inkl. nicht unterstützte Kinder)
BundeslandPersonen1)Bedarfsgemeinschaften2)
JahressummeJahresdurchschnittAprilNovemberJahressummeJahresdurchschnittAprilNovember
Burgenland3.9412.8542.8502.8232.1801.5931.5881.581
Kärnten3)6.5215.6424.2644.3552.4462.4462.4562.423
Niederösterreich3)28.79817.39417.89216.11613.8198.5018.7567.933
Oberösterreich22.53814.75014.84614.41711.3897.4597.6067.220
Salzburg14.3879.1128.9459.2098.2785.1505.1435.093
Steiermark27.78418.39518.58818.17414.2199.2839.4209.077
Tirol19.40613.09313.18212.80810.1666.3526.4466.126
Vorarlberg13.6238.0918.2177.9236.0803.3203.4373.206
Wien195.238150.150153.384148.143114.66283.16584.97281.196
Insgesamt332.236239.481242.168233.968183.239127.269129.824123.855

 

Tabelle 3: Personen in der Mindestsicherung im Jahresdurchschnitt 2017
BundeslandProzentanteile1)Bezugsdauer7)
WeiblichKinder2)Österreich3)Asyl/
Subsidiär4)
Nicht erwerbstätigEinkünfte5)Teilbezug6)
Burgenland52,934,668,312,894,945,266,28,7
Kärnten50,926,063,634,6.51,3.6,6
Niederösterreich55,535,2.32,5..56,07,4
Oberösterreich52,840,753,635,190,461,980,27,8
Salzburg51,534,453,431,689,351,868,37,5
Steiermark53,038,158,4.90,347,969,37,3
Tirol51,739,445,136,286,243,569,47,8
Vorarlberg50,1.39,140,6...6,4
Wien49,334,349,229,992,252,371,69,2
Insgesamt50,635,250,431,291,451,970,58,5
Tabelle 4: Leistungshöhe und Ausgaben in der Mindestsicherung 2017
BundeslandLeistungshöhe pro Bedarfsgemeinschaft1)Ausgaben in Mio. EuroVeränderung Ausgaben insgesamt gegenüber 2016
Lebensunterhalt/ 
Wohnen
KrankenhilfeInsgesamtabsolut (Mio. Euro)in %
Burgenland477,089,120,599,72+2,44+33,5
Kärnten.15,371,4616,83+1,00+6,3
Niederösterreich607,2661,955,3267,27-6,02-8,2
Oberösterreich503,3445,052,3647,41-0,59-1,2
Salzburg544,8933,682,1835,86+1,16+3,3
Steiermark578,2464,414,6569,07-3,83-5,3
Tirol714,8154,483,0457,53+3,06+5,6
Vorarlberg837,5533,372,4335,80+1,50+4,4
Wien607,53606,3031,66637,96+54,53+9,3
Insgesamt606,44923,7453,70977,43+53,24+5,8

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