Pressemitteilung: 11.949-015/19

Krebserkrankungen in Österreich 2016: 350.562 Betroffene, 40.718 Neuerkrankungen

Wien, 2019-01-31 – Zum Jahresende 2016 lebten laut Statistik Austria 350.562 Personen mit einer Krebsdiagnose in Österreich. Zugleich wurden 40.718 Neuerkrankungen für das Jahr 2016 verzeichnet. Bei etwa der Hälfte aller neuen Fälle waren Brust, Prostata, Darm oder Lunge betroffen (siehe Tabelle). Insgesamt führte bei 10.708 Männern und 9.352 Frauen im Jahr 2016 eine Krebserkrankung zum Tod. Damit waren Krebserkrankungen für etwa ein Viertel der jährlichen Todesfälle verantwortlich.

Häufigste Krebsneuerkrankungen: Brustkrebs bei Frauen, Prostatakrebs bei Männern

2016 erhielten in Österreich 21.652 Männer und 19.066 Frauen eine Krebsdiagnose. Die häufigsten Diagnosen waren 5.558 bösartige Tumore der Brust bei Frauen und 5.245 bösartige Tumore der Prostata bei Männern, gefolgt von 4.877 bösartigen Tumoren der Lunge und 4.517 bösartigen Tumoren des Dickdarms bzw. Enddarms (siehe Tabelle).

Auf Brustkrebs entfielen 2016 29% der Neuerkrankungsfälle bei Frauen sowie 17% aller Krebssterbefälle. Damit war Brustkrebs bei Frauen auch die häufigste krebsbedingte Todesursache. Prostatakrebs machte knapp ein Viertel (24%) aller 2016 neu diagnostizierten bösartigen Neubildungen bei Männern aus und war 2016 für etwa jeden zehnten Krebstodesfall (11%) bei Männern verantwortlich.

Lungenkrebs stand 2016 mit 2.868 Fällen bei Männern und 2.009 Fällen bei Frauen jeweils an zweiter Stelle der Krebsneuerkrankungen (13% bzw. 11%). Mit etwa jedem fünften Krebssterbefall nahm Lungenkrebs bei Männern den ersten Rang unter den krebsbedingten Todesursachen ein (23%), bei Frauen stand er nach Brustkrebs an zweiter Stelle (16%). Sowohl das Erkrankungs- als auch das Sterberisiko an Lungenkrebs nahmen in den vergangenen Jahren bei Frauen massiv zu.

Die dritthäufigste Lokalisation bei den Neuerkrankungen 2016 war mit 2.593 Fällen bei Männern und 1.924 Fällen bei Frauen Dickdarmkrebs (12% bzw. 10%). Dickdarmkrebs war für rund 11% der Krebssterbefälle verantwortlich. Frauen sind seltener von Darmkrebs betroffen als Männer. Das Risiko einer Darmkrebserkrankung sank in den vergangenen Jahren allerdings für Männer und Frauen gleichermaßen.

Immer mehr Menschen leben mit Krebs

Im Zeitraum von 1983 bis 2016 wurden im Österreichischen Krebsregister rund 1,217 Mio. Krebsneuerkrankungen bei rund 1,135 Mio. Personen mit Hauptwohnsitz in Österreich verzeichnet. Von diesen Personen lebten zum Jahresende 2016 noch rund 350.600, davon 184.500 Frauen und 166.100 Männer. Diese Personen hatten insgesamt rund 375.700 Tumore. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung machten an Krebs erkrankte Personen 4% aus.

In den vergangenen 20 Jahren nahm die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen von rund 35.300 auf über 40.000 zu. Dementsprechend steigt die Krebsprävalenz (die Anzahl der mit Krebs lebenden Personen an einem bestimmten Stichtag) seit Jahren kontinuierlich an. 2006 lebten rund 260.000 Personen mit einer Krebsdiagnose in Österreich, das waren um rund 90.000 weniger als 2016. Daraus ergab sich ein Anstieg der Prävalenz von 2006 bis 2016 um 35% (Frauen: 34% und Männer: 36%). Dieser ist vor allem dadurch bedingt, dass es absolut gesehen in Folge der demographischen Alterung sowie steigender Lebenserwartung der Bevölkerung immer mehr Personen in höherem Lebensalter gibt und die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, mit steigendem Lebensalter zunimmt. Auch verstärktes Screening sowie verbesserte Diagnosemethoden tragen dazu bei, Krebserkrankungen vermehrt und frühzeitiger zu erkennen und erhöhen somit die Zahl der registrierten Neuerkrankungen.

Verbesserte Überlebenswahrscheinlichkeiten

Nicht zuletzt verbessern sich aber auch die Überlebenswahrscheinlichkeiten im Falle von Krebserkrankungen, wodurch sich die Zahl der mit Krebs lebenden Personen weiter erhöht. Bei rund 20.100 Personen führte im Jahr 2016 eine Krebserkrankung zwar zum Tod, das relative 5-Jahres-Überleben (Definition siehe Methoden-Box) ist dennoch von der Periode 1999–2003 bis zur Periode 2009–2013 von 59% auf 61% gestiegen. Das heißt, der Überlebensnachteil von Personen mit einer Krebserkrankung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung verringerte sich von 41% auf 39%.

Die Zunahme war bei Frauen stärker als bei Männern: Lag das relative 5-Jahres-Überleben für alle Malignome bei Frauen im Zeitraum 2009–2013 bei 63%, waren es zehn Jahre zuvor 59%. Bei Männern betrug das relative 5-Jahres-Überleben im Zeitraum 2009–2013 nur 59%, eine minimale Steigerung im Vergleich zu 58% in der Periode 1999–2003.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu Krebserkrankungen, finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Das Österreichische Krebsregister von Statistik Austria liefert Ergebnisse zu Krebsneuerkrankungen. Die Ergebnisse umfassen Daten zur Inzidenz, zur Prävalenz und zum Überleben nach einer Krebsdiagnose. Basis dafür sind die gesetzlich verpflichtenden Krebsmeldungen, welche neben Informationen zur Krebserkrankung auch Angaben zum Alter, Geschlecht und Wohnort der Patientinnen und Patienten enthalten. 
Die Krebsinzidenz bezeichnet die Anzahl an Krebsneuerkrankungen pro Kalenderjahr. 
Altersstandardisierte Inzidenzraten sind um Effekte einer im Zeitverlauf sich ändernden Altersstruktur bzw. unterschiedlicher Alterszusammensetzungen der jeweiligen Bezugsbevölkerungen adjustiert und können im Sinne eines Erkrankungsrisikos interpretiert werden. 
Als Krebsprävalenz bezeichnet man die Anzahl der Personen (oder den Anteil in einer Bevölkerung), die mit einer vorangegangenen Krebsdiagnose zu einem bestimmten Zeitpunkt am Leben sind. In diese Messgröße fließen alle Krebsdiagnosen ein, unabhängig vom jeweiligen Gesundheitszustand der Person. Die Daten zur Prävalenz wurden auf Basis der Zahlen des Österreichischen Krebsregisters sowie eines Follow-up des Überlebensstatus aller registrierten Personen berechnet. Da Personen auch an mehreren Malignomen erkranken können, wird die Prävalenz nach Personen mit Krebserkrankungen (unabhängig von der Anzahl der Malignome) sowie nach Tumorlokalisationen ausgewiesen. Die Gesamtprävalenz nach Tumorlokalisationen ist folglich höher als nach Personen. 
Das relative Überleben setzt das beobachtete Überleben der Krebspatienten nach einem bestimmten Zeitraum (kumuliert, z. B. fünf Jahre) in Beziehung zum Überleben der Gesamtbevölkerung unter Berücksichtigung der Alters- und Geschlechtsverteilung. Eine relative Überlebensrate von 100% bedeutet, dass die Sterblichkeit unter den Erkrankten genauso hoch ist wie die Sterblichkeit der allgemeinen Bevölkerung gleichen Alters und Geschlechts. Das relative Überleben ist somit ein von der Kenntnis der wahren Todesursache unabhängiger Schätzer des krebsspezifischen Überlebens. Weitere Informationen zur Berechnung des Überlebens der Krebspatienten finden sie in Dickman, P. (2004): "Estimating and modeling relative survival using SAS" unter http://www.pauldickman.com
Ergebnisse zu den Krebssterbefällen stammen aus der Todesursachenstatistik. 
Die zur Meldung über Krebserkrankungen verpflichteten Gesundheitseinrichtungen übermitteln ihre diesbezüglichen Daten teilweise erst nach mehrmaligen Urgenzen und mit großer zeitlicher Verzögerung an Statistik Austria. Die Veröffentlichung der Statistik über Krebsneuerkrankungen in den Jahren 2017 und 2018 wird aufgrund der derzeit noch unvollständigen Datenlage zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Dr. Monika HACKL, Tel.: +43 (1) 71128-7355 bzw. monika.hackl@statistik.gv.at und  
Petra IHLE, BA, Tel.: +43 (1) 71128-7533 bzw. petra.ihle@statistik.gv.at

 

Inzidenz, Mortalität, 5-Jahres-Überleben und Prävalenz zu Krebserkrankungen 2016
Lokalisationen1)InzidenzMortalitätÜberleben2)Prävalenz3)
Absolute ZahlenAbsolute ZahlenIn %Absolute Zahlen
Kopf- u. Halsbereich (C00-C14)1.18558248,88.064
Speiseröhre (C15)44237420,81.248
Magen (C16)1.15177833,16.900
Dickdarm und Enddarm (C18-C21)4.5172.12362,643.401
Leber (C22)88080713,21.795
Bauchspeicheldrüse (C25)1.7991.6789,82.660
Kehlkopf (C32)33614262,52.920
Lunge (C33-C34)4.8773.94920,113.931
Haut (C43)1.74035785,221.833
Brust (C50)4)5.5581.58886,876.584
Gebärmutterhals (C53)38913866,38.512
Gebärmutterkörper (C54)88414878,113.922
Eierstock (C56)65051944,36.678
Prostata (C61)5.2451.22591,563.415
Hoden (C62)3781896,19.300
Niere (C64)1.29943675,715.286
Harnblase (C67)1.63858667,515.672
Gehirn (C70-C72)69358627,74.085
Schilddrüse (C73)8227895,914.612
Hodgkin Lymphom (C81)1342988,63.679
Non-Hodgkin Lymphom (C82-C85, C96) 5)1.33364766,912.396
Plasmozytom u. Myelom (C90)50239546,42.272
Leukämie (C91-C95)100774351,68.063
Andere Malignome3.2592.134-18.479
Alle Malignome (C00-C97, ohne C44)40.718-60,8375.707
Alle Personen mit einer Krebsdiagnose-20.060-350.562

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