Korrigierte Pressemitteilung: 12.039-105/19

Arbeitsmarkt 1. Quartal 2019: deutlicher Anstieg der Erwerbstätigkeit, etwas weniger Arbeitslose

Wien, 2019-06-12 – Im 1. Quartal 2019 waren laut Statistik Austria 4.301.100 in Österreich wohnhafte Personen erwerbstätig und 222.400 arbeitslos (nach internationaler Definition). Verglichen mit dem 1. Quartal des Vorjahres stieg die Zahl der unselbständig Beschäftigten um 44.600 auf 3.774.200, dabei arbeiteten 59.100 Unselbständige mehr in Vollzeit, aber um 14.500 weniger in Teilzeit. Auch bei den Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen gab es etwas mehr Vollzeit- (+12.800) und weniger Teilzeiterwerbstätige (-7.600) als im Vorjahr. Mit 222.400 Arbeitslosen und einer Arbeitslosenquote von 4,9% war die Arbeitslosigkeit niedriger als im gleichen Vorjahreszeitraum (235.100 bzw. 5,3%). Zudem gab es im 1. Quartal 2019 mit 128.200 offenen Stellen mehr als im 1. Quartal 2018 (115.400).

Sowohl der kräftige Zuwachs bei den unselbständig Beschäftigten und den offenen Stellen als auch der Rückgang bei den Arbeitslosen fielen im aktuellen Jahresvergleich etwas geringer aus als im Vergleich 1. Quartal 2018 mit dem 1. Quartal 2017.

Unterschiedliche Entwicklung bei Frauen und Männern

Der Beschäftigungszuwachs bei den unselbständig Erwerbstätigen im Jahresvergleich (+44.600) entfiel auf Frauen (+24.900) und Männer (+19.800). Eine Auswertung nach Vollzeit und Teilzeit ergab jedoch ein sehr differenziertes Bild: Männer verzeichneten gegenüber dem 1. Quartal 2018 einen Anstieg bei Vollzeitbeschäftigten um 49.700, gleichzeitig ging die Zahl der teilzeitbeschäftigten Männer um rund 30.000 zurück. Demgegenüber entfiel das Beschäftigungsplus bei den Frauen eher auf Teilzeit (+15.500) als auf Vollzeit (+9.400), was den sich seit langer Zeit abzeichnenden Trend zur Teilzeitarbeit für Frauen bestätigt. Bei Selbständigen und Mithelfenden waren die Veränderungen auf Männer konzentriert, die Anzahl der in Vollzeit und Teilzeit arbeitenden Frauen blieb hier auf dem Vorjahresniveau. Der Rückgang der Teilzeitquote von 29,2% im 1. Quartal 2018 auf 28,4% im 1. Quartal 2019 basiert demnach ausschließlich auf dem Minus bei Männern.

Nach Wirtschaftsbereichen betrachtet ergaben sich im Vergleich zum 1. Quartal 2018 größere Beschäftigungszuwächse bei Unselbständigen besonders in der Sparte Bau, aber auch im Erziehungs- und Unterrichtswesen, bei der Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (darunter fallen z. B. Architektur- und Ingenieurbüros, Werbung, Markt-/Meinungsforschung) und bei der Herstellung von Waren. Bei Selbständigen gab es vor allem ein Plus bei Kunst/Unterhaltung/Erholung.

Erwerbstätigkeit steigt vor allem bei Älteren, österreichischen Staatsangehörigen und Personen mit höherem Bildungsabschluss

Im 1. Quartal 2019 gab es deutlich mehr ältere Personen, die erwerbstätig waren, als noch ein Jahr zuvor. Von den im Vergleich mit dem 1. Quartal 2018 insgesamt 49.800 mehr Erwerbstätigen entfielen 39.700 auf die Altersgruppe 55 bis 64 Jahre, 40.500 waren österreichische Staatsangehörige. Es gab um 51.100 Erwerbstätige mehr mit AHS oder BHS als höchsten Bildungsabschluss sowie um 42.800 mehr Akademikerinnen und Akademiker als im 1. Quartal 2018; hingegen waren weniger Personen mit Abschlüssen ohne Matura erwerbstätig.

Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-Jährigen erhöhte sich im Jahresvergleich um 0,8 Prozentpunkte auf 72,7%. Der Anstieg der Erwerbstätigenzahl bei den Jugendlichen (15 bis 24 Jahre. +15.200) führte zu einer Erhöhung der Erwerbstätigenquote um 2,8 Prozentpunkte auf 51,5%. Bei den 55- bis 64-Jährigen stieg sie von 53,4% im 1. Quartal 2018 auf nunmehr 54,8%, wobei die Zunahme bei Frauen und Männern festzustellen war. Der starke Anstieg der Erwerbstätigenzahl bei höheren Bildungsabschlüssen führte nur bei Personen mit AHS oder BHS als höchsten Bildungsabschluss zu einem Anstieg ihrer Erwerbstätigenquote (76,3%), nicht jedoch bei Akademikerinnen und Akademikern (84,6%). Dies ist auf die hohe Zahl von Absolventinnen und Absolventen, die dem Arbeitsmarkt neu zur Verfügung stehen, zurückzuführen.

Etwas weniger Arbeitslose – vor allem Männer, Jüngere und Personen mit Lehrabschluss

Im 1. Quartal 2019 waren 124.900 Männer und 97.500 Frauen arbeitslos nach internationaler Definition. Damit gab es vor allem bei Männern weniger Arbeitslose als im Vorjahr (134.200, Frauen: 100.900). Der Rückgang war zudem besonders in der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre (-12.100) und bei Erwerbspersonen mit Lehrabschluss (-10.600) zu beobachten. Die Arbeitslosenquote nach internationaler Definition reduzierte sich bei Männern gegenüber dem 1. Quartal 2018 von 5,7% auf 5,2%, jene der Frauen von 4,8% auf 4,6%.

Definitionsbedingt liegen sowohl die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) registrierten Arbeitslosen als auch die nationale Arbeitslosenquote deutlich über dem Niveau der von Statistik Austria erhobenen Zahlen nach internationaler Definition.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Webseite sowie im Schnellbericht Arbeitsmarktstatistik.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die vorliegenden Daten stammen aus der Europäischen Arbeitskräfteerhebung (AKE), die in allen Mitgliedsländern der EU stattfindet. Dabei werden in zufällig ausgewählten privaten Haushalten in standardisierter Form Informationen zu Erwerbstätigkeit und Arbeitsuche erhoben. In Österreich wird die AKE im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt – eine Stichprobenerhebung, bei der wöchentlich ca. 1.500 Haushalte befragt werden. Diese Daten werden auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet; die hochgerechneten Ergebnisse liegen mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% im Bereich der in der Tabelle ausgewiesenen unteren und oberen Schranken. Die publizierten Zahlen sind saisonal nicht bereinigt.  
Erwerbstätige nach internationaler Definition: Personen, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder die wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgehen. Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen.  
Erwerbstätigenquote: Erwerbstätige im Alter von 15 bis 64 bezogen auf die gleichaltrige Bevölkerung.  
Arbeitslose nach internationaler Definition: Personen, die im Sinne dieses Konzeptes nicht erwerbstätig sind, die weiters innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen können und in der Referenzwoche oder den drei vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben oder nur deshalb nicht gesucht haben, weil sie bereits eine Arbeit gefunden haben, die sie innerhalb von drei Monaten aufnehmen werden. Als langzeitarbeitslos gelten Personen, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind. 
Arbeitslose nach nationaler Definition: Die beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos vorgemerkten, nicht selbständig oder unselbständig erwerbstätigen Personen. Geringfügige Beschäftigungen (laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger, kurz: HV) sind hier ausgenommen, d. h. eine arbeitslose Person kann gleichzeitig geringfügig beschäftigt sein.  
Arbeitslosenquote: Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbspersonen (Erwerbstätige plus Arbeitslose). Arbeitslosenquote nach internationaler Definition: Hier werden die nach internationalen Richtlinien erhobenen Erwerbstätigen und Arbeitslosen im Alter von 15 bis 74 Jahren für die Berechnung der Quote herangezogen.  
Arbeitslosenquote nach nationaler Definition: beruht auf den Arbeitslosen laut AMS und den unselbständig Beschäftigten laut HV. Selbständige und Mithelfende sind hier nicht bei den Erwerbspersonen enthalten, geringfügig Beschäftigte nur dann, wenn sie als arbeitslos vorgemerkt sind. Für die Berechnung der Arbeitslosenquote nach nationaler Definition ergibt sich daher ein größerer Zähler (Arbeitslose), aber ein kleinerer Nenner (Arbeitslose + Erwerbstätige) und in der Folge eine höhere nationale Arbeitslosenquote als bei der Anwendung der internationalen Richtlinien.  
Teilzeitarbeit: Die hier präsentierten Zahlen basieren auf einer direkten Frage nach Teilzeitarbeit.  
Offene Stellen: Die Offene-Stellen-Erhebung von Statistik Austria wird seit dem 1. Quartal 2009 für die Wirtschaftsabschnitte B bis S (ÖNACE 2008) laufend durchgeführt. Insgesamt werden pro Quartal rund 6.000 Unternehmen befragt.

 

Hauptergebnisse der Arbeitsmarktstatistik (internationale Definitionen) 2019 und 2018, Quartale
 1. Quartal 201995%-Konfidenzintervall für das 1. Quartal 20194. Quartal 20181. Quartal 2018
Untere SchrankeObere Schranke
Erwerbstätigkeit (ILO-Konzept)     
Erwerbstätige4.301.1004.280.7004.322.4004.345.3004.251.300
Erwerbstätigenquote1) (15 bis 64 Jahre)72,7%72,4%73,1%73,3%72,0%
  Männer76,5%76,2%77,0%77,8%75,8%
  Frauen68,9%68,5%69,4%68,8%68,2%
  Jugendliche (15 bis 24 Jahre)51,5%50,0%53,2%52,4%48,7%
  Ältere (55 bis 64 Jahre)54,8%53,5%55,9%54,9%53,4%
  Österreichische  
  Staatsangehörige
74,2%73,8%74,7%74,7%73,3%
  Ausländische Staatsangehörige65,7%64,2%67,4%66,7%65,7%
Teilzeitquote2)28,4%27,8%28,9%28,1%29,2%
  Männer10,6%10,0%11,3%10,9%12,4%
  Frauen48,1%47,0%49,0%47,7%48,0%
Unselbständig Erwerbstätige3.774.2003.754.6003.794.7003.825.9003.729.600
  Männer1.933.2001.918.4001.947.4001.983.2001.913.400
  Frauen1.841.0001.828.4001.854.5001.842.7001.816.200
Selbständig Erwerbstätige479.300465.500491.400465.000468.200
  Männer308.500298.200319.100297.700302.600
  Frauen170.800161.700179.100167.300165.600
Mithelfende47.60040.20055.50054.40053.500
Arbeitslosigkeit (ILO-Konzept)     
Arbeitslose222.400207.600236.200211.000235.100
Arbeitslosenquote3)4,9%4,6%5,2%4,6%5,3%
  Männer5,2%4,8%5,6%4,9%5,7%
  Frauen4,6%4,1%5,0%4,4%4,8%
  Jugendliche (15 bis 24 Jahre)7,7%6,4%9,0%8,7%10,2%
  Ältere (55 bis 64 Jahre)3,4%2,6%4,1%3,8%3,6%
  Österreichische  
  Staatsangehörige
3,9%3,6%4,2%3,8%4,1%
  Ausländische Staatsangehörige10,1%8,8%11,3%9,0%10,9%
Offene Stellen     
Offene Stellen (ÖNACE 2008 B-S)128.200118.300138.100128.800115.400
Offene-Stellen-Quote4)3,1%2,8%3,3%3,1%2,8%

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Cornelia MOSER, Tel.: +43 (1) 71128-7176 bzw. cornelia.moser@statistik.gv.at

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